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Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 2

Was machen die Redaktionen mit dem Kenntnisstand bis Samstagnacht?

Hier geht’s zu Teil 1.

Dann nimmt sich Robin Bäni im SoBli des Themas an. Bildstark, kenntnisschwach. Wer so einen Lead textet, könnte auch gleich dem Leser zurufen: bitte überblättern: «Der neue Krieg ist eine Zäsur im Nahen Osten». Eine Gedankentiefe, die vor Bedeutungsschwere kaum geradeaus laufen kann. Perfekt ergänzt durch den ersten Satz: «Im Nahen Osten herrscht Krieg». Das überrascht diejenigen SoBli-Leser, die den ganzen Samstag hindurch auf jegliche Informationsquellen verzichtet haben. Und auf Gespräche mit Mitmenschen.

Neben vielen Bildern und zu viel Text arbeitet auch der SoBli natürlich mit einer Infografik. Menschen mit leichter Farbenblindheit werden den Grafiker verfluchen, der die Ziele im Iran rot auszeichnete und die Gegenschläge mit einem etwas dunkleren Rot. Note 4, knapp genügend unter Zeitdruck.

Dann kommt – Überraschung – das Interview mit einem Fachmann. Wer wohl? Aber sicher, der «renommierte Islamwissenschaftler Reinhard Schulze» darf sich selber wiederholen. Aber immerhin sind die Fragen von Lino Schaeren intelligenter als die von Münger. Also Note 5.

Dann, zweite Überraschung, der Schweizer Aspekt: «Vier EDA-Mitarbeiter wollten ausfliegen – doch dann begann der Krieg». Note 5. Und schliesslich: «Kann Reza Pahlavi den Iran in die Freiheit führen?» Gut, kann man machen, muss man nicht machen. Statt einige Buchstaben zu verschwenden, hätte man auch kurz antworten können: nein.

6 Tabloid-Seiten Iran, Gesamtnote 4,5.

Die «NZZamSonntag» versucht es mit einem, nun, sagen wir mal originellen Ansatz:

Wollen «wir» keinen Sex mehr, weil wir wegen des Irankriegs Triebhemmungen haben? Wäre mal eine Antwort. Aber hier ergreift die nicht ganz sattelfeste Petra Ramsauer das Wort und ernennt, auch originell, Saudiarabien «neu zur dominierenden Macht in der Region». Ach was, und da soll es Leute geben, die das von Israel oder den USA denken.

Daniel Foppa, der stv. Chefredaktor, wirft den Ball im Editorial (Allah sein Dank, dass uns Beat Balzli erspart blieb) ins Spielfeld USA zurück: «Die Innenpolitik wird Trump bald einholen». Midterms, Prognosen über eine ungewisse politische Zukunft Trumps. Beim Aufsatz würde man sagen: Thema verfehlt. Aber originell. Also eine knappe 4.

Daneben darf Ramsauer dann ihre These ausführlich spazieren führen, ergänzt durch ein, nun ja, originelles Porträt von Mohammed bin Salman, dem «Kriegsprofiteur». Leicht absurd, aber auch originell, daher eine 4,5. Ergänzt durch – Überraschung – eine Time line.

Daneben eine Reminiszenz an den jungen Donald Trump, der damals durch die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran und die schwache Reaktion der USA ein «Iran-Trauma» erlitten haben soll. Auch originell, daher 4,5.

Und das war’s dann schon bei der NZZaS zum Thema Iran. Man wollte wohl doch gesittet nach Hause und schlafen. Also insgesamt eine 4.

Gekniffen war natürlich die «Schweiz am Wochenende». Die lag den ganzen Sonntag mit Redaktionsschluss Freitagabend rum. Blöd gelaufen.

Überblättertes

Selber schuld: ZACKBUM wollte gerecht diesmal «SonntagsZeitung» drannehmen.

Die guten Nachrichten zuerst. Sie ist billiger als die «NZZamSonntag». Fr. 6.40 gegen 7.50. Und sie hat kein Editorial von Beat Balzli. Dann hat sie aus der Schreckenskammer Crans-Montana ein neues Stück Wahnsinn zutage gefördert.

Unglaublich. Mehrere IT-Plattformen des Wallis wurden von einem psychisch labilen externen IT-Techniker gewartet. Der schliesslich in der Klapsmühle endete, worauf diese Software ausser Betrieb genommen wurde und der Sicherheitschef der Gemeinde keine Informationen über durchgeführte Brandinspektionen mehr hatte. Ein Stück wirklich aus dem Tollhaus.

Plus ein Interview mit dem Ökonom Reiner Eichenberger, der wie immer interessante Ideen und Ansichten zur Halbierungsinitiative hat: «Wir brauchen Vielfalt ohne einen überfütterten Dominator.» Nicht schlecht.

Allerdings sülzt daneben die SRG-Ombudsfrau Esther Girsberger in aller Unabhängigkeit zum Wort «Linksdrall» bei der SRG: «Diese Pauschalisieren ärgert mich.» Dabei hat sie gerade einer Beschwerde grösstenteils recht gegeben. Die Deutschland-Korrepondentin Alexandra Gubser zeigte mal wieder einen ganz deutlichen Linksdrall.

Schon auf Seite 19 überfällt dann die Brachial-Kolumnistin Gülsha Adilji (da sehnt man sich sogar nach Balzli) den unvorbereiteten Leser mit der Mitteilung: «Ich habe mich vor sieben Fremden nackt ausgezogen.» Das will man sich wirklich nicht vorstellen.

Der Rest des ersten Bundes ist allerdings Aufgewärmtes und Aufgekochtes.

Gähn.

Schön, dass ihr die SoZ für diesen internen Knatsch eine ganze Seite einräumt, mit dem journalistischen Ansatz: was wollten Sie zu diesem Thema schon immer mal sagen? Und wann waren Sie das letzte Mal so gross im Bild?

Und dann kann man lesen, wie es ist, wenn die ewige Frage des Chefredaktors «und welchen Nachzug haben wir sonst noch zu Crans-Montana» mit einem Sozialporno beantwortet wird:

Auch Martin Suter hat nicht immer Sternstunden und nimmt, mangels anderer Themen, schon ganz, ganz früh Anlauf für den nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf:

Themenmangel beherrscht auch die «Wirtschaft»:

Diese Frag dräut unheilschwer über uns, seit es Arbeit gibt. Wie wäre es aber mal mit einer Untersuchung, ob das Lesen der SoZ krank macht?

Michèle Binswanger sorgt dann gegen Schluss noch für etwas Pep am Sonntag:

Und schliesslich noch eine Erkenntnis, die wir schon immer geahnt haben:

Und schliesslich eine Erkenntnis, die … oder sagten wir das schon:

Wenn man diese vier Artikel auf die SoZ anzuwenden versucht, kommt man zu interessanten Resultaten.

Es ist allerdings die Frage, wie viele Leser bis zur Seite 62 durchhalten, ohne sich Streichhölzer in die Augenlider zu klemmen.

Früher, ja früher war der Sonntag der gegendarstellungsfreie Raum. Unter der Woche wurde recherchiert, dann wurde der Betroffene am Samstagnachmittag zur Stellungnahme aufgefordert, in der Hoffnung, dass er überrumpelt nichts sagt. Oder vergeblich versucht, seinen Anwalt oder einen Richter zu erreichen, der eine Superprovisorische erlassen würde.

Und schon hatte man einen hübschen Kracher, der manchmal sogar länger als bis am Montagmorgen vorhielt.

Aber heute? Heute ist Überblättern angesagt, kurz reinbeissen und mit einem schalen Geschmack im Mund zurückbleiben. Wie lange das noch gutgeht? CH Media hat sich bereits vom Sonntag verabschiedet …

 

 

Schreibmüll

Kehrichtabfuhr bei der NZZaS.

Wer es zulässt, dass ein solcher Satz durch alle Kontrollinstanzen rauscht, von der Ressortleiterin und dem Chefredaktor abgenickt wird, hat die Kontrolle über sein Blatt verloren:

«Kochlöffel brennen heute auf dem gleichen Scheiterhaufen, auf dem die Lastenräder, Sojaschnitzel und Gendertoiletten liegen.»

Das ist nicht mal dada, das ist einfach gaga.

Die Einleitung der Kolumne von Rafaela Roth im «NZZ am Sonntag Magazin» ist hingegen ruppig: «Ich würde beispielsweise nie für Sexisten kochen.» Klare Ansage. Nur: woran erkennt Roth denn eigentlich einen Sexisten? Gibt’s da eine Art Prüfkit, mit dem er enttarnt wird?

Aber man muss nicht Sexist sein, um auf diese Küche zu verzichten: «ich war festlich gelaunt. Ich bereitete eine Lasagne mit – Achtung, Triggerwort – vegetarischem Hack zu, die nicht weniger als das Wort «himmlisch» verdiente.» Sozusagen das organisierte – Achtung, Triggerwort – Erbrechen.

Die gleiche Roth hat noch einen zweiten Auftritt in der berüchtigten Serie «Radikale Liebe». Zusammen mit Sacha Batthyany ist sie noch unlesbarer. In einem Interview liegen sich die beiden mit Daniel Schreiber in den Armen, was für den gequälten Leser immer das schlimmste ist. Denn Schreiber ist ein ganz sensibler Mensch:

«Wir treffen den mit seinen Essaybüchern berühmt gewordenen Autoren mitten im Lesungsmarathon für sein neues Buch «Liebe. Ein Aufruf». Er musste sich dafür wieder unter die Menschen zwingen. Bis Mitte Dezember muss er noch durchhalten, danach möchte er für eine Weile niemanden mehr sehen.»

Aber immerhin, er kämpft sich durch. Denn durch die Pläne Trumps überkam ihn «eine komplette Lähmung». Schlimmer noch: «Es war eine Art Schockstarre. Ich habe keine Nachrichten mehr gelesen, kaum mit Leuten geredet. Ich hatte das Gefühl einer Retraumatisierung.» Das Interview als Therapiesitzung, das macht Spass.

Dabei hat Schreiber doch den ganz grossen Durchblick: «Parallel dazu gibt es einen gewissen Schulterschluss zwischen Rechtsextremen und neoliberalen Kräften, der dafür sorgt, dass diese politisch nicht mehr repräsentierten Menschen mit rechtsextremen und populistischen Narrativen abgeholt werden.»

Er erhebt auch seine Stimme gegen Diskriminierung, Fremdenhass und übertriebene Statistiken: «Den medialen Empörungsschleifen über die Verbrechen migrantisierter Menschen stehen eindeutige, weitaus weniger bedrohlich wirkende Statistiken gegenüber.» Migrantisiert? Seufz.

Natürlich darf im Kehrichtsack auch Chefredaktor Beat Balzli nicht fehlen, der Meister des missglückten Editorials. Diesmal setzt er es so in den Sand, bzw. in den Schnee: «Unterscheiden sich Schweizer und Grönländer? Nein – ausser dass die Schweizer nicht einmal gefährliche Eisbären besitzen. Doch der Reihe nach

Nein, nichts da mit Reihe, die ersten drei Sätze reichen schon, dass man reiern möchte.

Anschliessend, obwohl am 1. Februar das Januarloch eigentlich geschlossen sein sollte, folgt eine Aufteilung von Pflichtstoffen: «Das Böse ist grösser als er». Putin, Trump? Nein, Ali Khamenei natürlich. Ein Blick in den teilbefriedeten Gazastreifen. Ein Blick auf die neue chinesische Botschaft in London. Immer grosses Bild, dünner Text. Dann kriegt J.D. Vance eins über die Rübe; ganz grosses Foto, ganz dünner Text mit Altbekanntem.

Dann etwas «buhu»-Stimmungsmache für mehr Nähe zur EU: «Die EU will ihre Märkte stärker abschotten. Die Schweiz droht dabei aufzulaufen, trotz ihren bilateralen Verträgen.» Na, da kann man doch gleich auf weitere verzichten …

Dann eine Seite Crans-Montana, das muss immer noch sein, plus eine Seite Jeffrey Epstein; das muss bei jeder Freigabe von weiteren Dokumenten auch sein. Dann noch die Breaking News, das auch interne Daten des Bundes «in einer amerikanischen Cloud gelandet» sind. Ja wo denn sonst?

Dann noch eine Prise Kalter Krieg:

«Demokratische Gesellschaften schwanken beim Umgang mit russischer Desinformation zwischen Überforderung und Hilflosigkeit. Auch die Faktenchecks, die deutsche und Schweizer Medien im Nachgang zu russischer Desinformation veröffentlichen, spielen dem Kreml in die Hände. Denn die russischen Falschbehauptungen erreichen oft erst wegen der Berichterstattung darüber eine grosse Anzahl Menschen», weiss die NZZ-Redaktorin Gioia da Silva.

Bei einer solchen Anschuldigung auf fast zwei Seiten ausgewalzt, wäre es nicht schlecht, wenn sie vielleicht ein einziges, klitzekleines Beispiel einer solchen Desinformation bringen würde. Statt sie einfach selbstredend vorauszusetzen.

Nett ist höchstens die Abrechnung mit dem dysfunktionalen Theater: «Am Schauspielhaus Zürich tritt das Ensemble vor leeren Rängen auf, in Bern strömt das Publikum in Scharen ins Theater. Was ist hier los

Aber, wir wollen versöhnlich enden: «Wie Barbie im Weissen Haus», Susanna Petrin hat tapfer den sogenannten Dokumentarfilm über Melania Trump für uns angeschaut. Allerdings kämen wir nie im Traum auf die Idee, so unsere Zeit zu verschwenden.

Apropos. Gleiches nötigt einem hingegen die Berichterstatterpflicht ab.

Dunkles, raunendes Blatt

Die Besorgnis weicht der Sorge.

«Der Wohlstand des Landes beruht auf Pragmatismus, also dem Lavieren in der Grauzone zwischen Ethik und Erträgen, Anstand und Abgrund. Ein Zwerg wie die Schweiz setzt in der Aussenwirtschaft keine Agenda, sondern nickt wie der Türsteher beim Juwelier opportunistisch seinen Kunden zu. Mit vorauseilendem Gehorsam alle internationalen Regelwerke möglichst perfekt und schnell umzusetzen, stört da nur.»

Hingeknüttelte Alliterationen, dann sei die Schweiz aussenwirtschaftlich ein Zwerg (weltweit sechstgrösster Investor in den USA). Der Scheinzwerg setze keine Agenda (was ist denn das?), er sei vielmehr wie ein nickender Türsteher beim Juwelier. Hä? Und der – die Türsteher werden sich bedanken – nickte «opportunistisch seinen» Kunden zu. Sollte der Türsteher denn den Kunden prinzipientreu die Türe vor der Nase zuschlagen? Und sind das nicht die Kunden des Juweliers?

Völlig aus der Kurve trägt es den Leser des jüngsten Editorials von Beat Balzli, wenn dann plötzlich noch vorauseilender Gehorsam gegenüber internationalen Regelwerken angeflanscht wird. Dessen befleissigt sich zwar die Schweiz (OECD-Mindeststeuer), das störe aber nur. Wen?

In einem einzigen Absatz gelingt es dem Chefredaktor der NZZaS, grösstmögliche Verwirrung beim Leser anzurichten. Wenn’s Absicht ist, ist’s unbegreiflich. Ist’s keine, ebenfalls.

Gleich daneben wird auf einer Doppelseite die Frage des Blattmachers beantwortet: Und was machen wir zum Klimagipfel in Brasilien? Da kommt ja eh nix raus, also? Hingeknüppelte Antwort:

Da gibt es den Klimaforscher Knutti und den SVP-Nationalrat Knutti. Nicht verwandt, nicht verschwägert. Aber he, ein Aufhänger, Doppelseite gefüllt.

Dann schliesst sich die NZZaS der grossen Fraktion der Journalisten an, die nach dem Prinzip leben: Wünsche können wahr werden, wenn der Schreiber es nur will:

Beweisführung: Republikanische Senatoren sprechen sich gegen die Abschaffung des Filibusters aus, mit dem die Demokraten die Verabschiedung des Staatshaushalts verhindern. Das sei dann bereits ein Zwergenaufstand. Während sich Trump ansonsten der bedingungslosen Unterstützung aller republikanischen Parlamentarier erfreut. «You dreamer, you», würde eine Schweizer Unternehmerin dazu sagen.

Im ewigen Bemühen, Orte zu finden, an denen angebliche weitere russische Angriffe auf den Westen stattfinden könnten, hat die Journaille ein eisiges Beispiel gefunden. Schon oft beschrieben, aber doch kein Grund für die NZZaS, nicht nachzuschreiben:

John le Carré würde sich gegen diese Verballhornung seines Titels verwahren, lebte er noch. Stattdessen rotiert er wohl etwas im Grab.

Dann der ewige Krach in der Regierungskoalition in Deutschland, wo auseinander strebt, was nicht zusammen gehört. Auch dem ist ein neuer Aspekt schwierig abzugewinnen, also wieso nicht ein uralter:

Man nehme den grundsätzlich schlecht gelaunten SPD-Politiker Ralf Stegner, einen Politikwissenschaftler, der sonst gerne in der taz (die deutsche tägliche WoZ) oder im «Freitag» (das Hobbyblatt eines Augstein-Sohns und Erben) publiziert. Bringt die SPD die AfD an die Macht, ist die bange Frage im Lead. Leider geht die Antwort dann im Geholper des Artikels verloren oder vergessen.

Dann endlich das, was man einen Aufreger nennt. Wobei dieser etwa so aufregend ist wie der Farbe an der Wand beim Trocknen zuzuschauen:

ZACKBUM hätte einen Alternativtitel anzubieten: Hilfe, wir schreiben uns ins Verderben.

Dann, aber wir sind schon auf Seite 39, endlich was Lesenswertes über die stinkreiche Gewerkschaft Unia:

Aber nach dieser Anstrengung sinkt die NZZaS wieder erschöpft ins Seichte:

Liebe, Psychologin, Interview. Fertig ist die Stimulierung des Gähnreflexes.

Dann vollbringt Peer Teuwsen das Kunststück, sich über die Vermarktung des eigenen Elends durch Künstler zu echauffieren:

Indem er es selbst für einen Artikel ausschlachtet, dessen Erkenntnisgewinn man eigentlich in diesem Titel und Lead prima zusammenfassen könnte.

Dann noch die Beschreibung eines weiteren «Tabubruchs» (Kannibalismus auf der Bühne!), gefolgt von der guten Nachricht: damit ist auch diese NZZaS am Ende. Das sie allerdings schon längst zuvor erreichte.

 

Ei, Ei, Geeiertes

Die NZZaS geht mal wieder auf grosse Fahrt. Mit dem U-Boot.

ZACKBUM lernt, ihn zu lieben:

«Der Louis XIV für Arme zerschlägt mit dem Zollhammer die Schweizer Illusion von der Sister-Republic, liess als Groupie von Wladimir Putin die Ukraine-Krise bis vor kurzem fahrlässig schleifen – und provoziert mit seiner erratischen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber China und Co. den nächsten Crash. Denn das System ist fragil geworden. Hinter der goldenen KI-Kulisse, dieser Blase aller Blasen, nagt etwas Toxisches an der amerikanischen Wirtschaft.»

Eine solche Anhäufung von schiefen Bildern, schrägen Zusammenhängen und kruden Ableitungen, das ist gekonnt. Das kann eigentlich nur Beat Balzli, der Chefredaktor der NZZaS. «Louis XIV für Arme, Groupie von Putin, Toxisches nagt», wir wollen auch von dem Zeugs, das Balzli nimmt, bevor er in die Tasten greift.

Geht da noch einer? Aber ja, das ganze Editorial ist voll davon, noch ein Müsterchen: «Der Mittelstand leidet unter steigenden Strom- und Lebensmittelpreisen, irrt auf einem flauen Jobmarkt umher, zahlt immer seltener Kredite zurück.» Irrt auf dem flauen Jobmarkt herum, man stelle sich das vor, kann es aber ohne die Hilfe von verbotenen Substanzen nicht.

Aber dann, die Erleuchtung, Durchleuchtung, die NZZaS schaut hinter die Maske des Kremls, geschmackvoll illustriert auf der Front und drin:

Stefan Scholl hat den Röntgenblick und durchschaut die unsichtbare Hand, die den Kreml – ja was eigentlich? An Fäden bewegt? Aber es ist ja gar nicht der Kreml, sondern wohl die Basilius-Kathedrale vor dem Kreml auf dem Roten Platz. Ist hier das Zentrum des «Zarenreichs des Schweigens»?

Und wer ist Stefan Scholl? Die Wiedergeburt von Peter Scholl-Latour? Oder will Scholl die Lücke füllen, die der lebenslange Kreml-Astrologe Ernst Kux hinterliess? Denn das Schöne an solchen Zeichendeutereien ist: eigentlich weiss niemand nichts Genaues, was hinter den Kremlmauern passiert. Ausserdem ist das ein völlig gegendarstellungsfreier Raum. Die Herrschenden im Kreml haben sich noch nie bemüssigt gefühlt, irgend einen Quatsch, der über sie geschrieben wird, richtig zu stellen.

Auch wenn Scholl so tut, als könne er Mäuschen spielen: «Am Mittwoch sass Wladimir Wladimirowitsch Putin in einem anderen abgedunkelten Zimmer des Kreml.» Er weiss noch viel mehr: «Seine Videokonferenzen hält Putin übrigens nicht im Tüllkabinett ab, sondern in noch einem anderen Saal des Kreml – oder auf seiner Datscha Nowo-Ogarjowo westlich Moskaus. Dort verbergen dunkelbraune Vorhänge die Terrassentüren.» Dunkelbraun, sieh mal an.

Also neben dem Editorial reine Platzverschwendung.

Anschliessend wird es leider nicht besser:

Wenn es eine Story gibt, die einen noch längeren Bart als Castro hat, dann diese. Wie die CIA ihn zu ermorden versuchte und Che Guevara in Bolivien ermordete. Da schnarchen selbst Träger von Che-Leibchen gnadenlos weg.

Dann, auf Seite 11, endlich, kann sich die NZZaS dem wichtigsten Thema für alle Liberalen nicht mehr entziehen. Warum hat sich die FDP mit Dreiviertelmehrheit entkernt, entleibt, alles über Bord geschmissen, wofür sie seit ihrer Gründung stand? Wieso war die FDP nicht mal so clever, den EU-Verträgen zuzustimmen, aber das Ständemehr zu fordern? Damit würde dieser Unterwerfungsvertrag sicherlich abgelehnt werden. Aber nein, auch dagegen ist die herumeiernde Partei.

Selbst die beiden Ex-Präsidenten Gössi und Burkart sind für das Ständemehr, genauso wie grosse Teile der Parteibasis. Das wird eine Gratwanderung für die NZZ und die NZZaS werden, aber hallo.

Sehr laut ins Fäustchen lachen kann nur die SVP:

Auf Seite 19 geht dann Markus Bernath der Lieblingsbeschäftigung der meisten Journalisten nach: recht haben und andere zurechtweisen. Diesmal trifft es den deutschen Bundeskanzler, obwohl nun wirklich alle alles über dessen Bemerkung zum «Stadtbild» gesagt haben. Doch Bernath tritt nach: «Probleme benennen ist richtig. Aber bitte mit klaren Worten». Es ist leider nicht bekannt, ob sich Merz schon für den Ratschlag bedankt hat.

Und sonst? Was sonst?

NZZaS, quo vadis?

Ein beliebter Spruch der alten Tante, mal auf sie selbst angewendet.

Wer auf eine solche, riesige Illustration kommt, bietet Anlass zu Sorge:

Denn was will uns die NZZaS mit dieser Sanduhr sagen?

Dass sie die hier abgekupfert hat?

Denn das Problem dieser Symbolik ist immer: soll das nun bedeuten, dass die Zeit für die FDP abläuft? Oder soll es bedeuten, dass sich immer mehr Sandkörner, also Wähler, für die FDP entscheiden? Und ist dem begabten Illustrator Dario Veréb nicht bekannt, dass man so eine Sanduhr einfach umdrehen kann, und schon geht das Geriesel wieder von vorne los?

Aber wir wollen auch das Positive sehen. Chefredaktor Beat Balzli will sich nicht die Finger am klaren Bekenntnis der FDP zum Europavertrag und gegen das Recht der Stände, darüber mitzubestimmen, verbrennen. Also schimpft er wohlfeil über die Erbschaftssteuer-Initiative der Rotsocken.

Aber das hat immerhin noch einigermassen Niveau. Auf das Niveau einer schlechten Schülerzeitung sinkt die NZZaS allerdings mit dieser Kolumne von Nicole Althaus: «Warum der Herbst viel mehr ist als bloss eine Jahreszeit». Das dümpelt in der Reihe «Sieben ist mehr als eine Zahl», «eine Hose ist mehr als ein Kleidungsstück» oder gar «Liebe ist mehr als ein Wort».

Utta Danella oder Hedwig Courths-Mahler hätten es nicht besser hingekriegt:

«Sommer für Sommer wundert man sich aufs Neue, wie man die Zeichen seines Endes einfach verdrängen konnte.»

Aber die Antwort kennt nur der Wind, leise spielt die Musik der Zeit, der Duft der Steinkrabbe verweht, und wo sind die Schatten der Vergangenheit?

Aber immerhin, auf Seite 35, Aufmacher Wirtschaft, macht die NZZaS dem Geeier der NZZ ein Ende: «Über Nacht 16 Milliarden weg». Sie zitiert sogar den teuren Satz unserer Finanzministerin an der denkwürdigen Pressekonferenz vom 19. März 2023: «This is not a bailout. This is a commercial solution». Womit einer der Trigger für das Abschreiben der AT1 Bonds futsch wäre.

Dieser Satz könnte ähnlich teuer werden wie die berühmte Abqualifizierung der Kirch-Gruppe durch den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Der Finanzsektor sei nicht mehr bereit, sagte Rolf Breuer 2002, dem angeschlagen Medienkonzern weiter Kredit zu geben. Daraufhin brach die Firma zusammen.

Der Satz kostete die Deutsche Bank so alles in allem knapp eine Milliarde Euro. Der Satz von Karin Keller-Sutter kann für den Steuerzahler noch viel teurer werden. Dabei galoppiert die NZZaS dem vifen Finanzblog «Inside Paradeplatz» hinterher, der die Story, wann und wie überhaupt dieser Riesenabscheiber aufs Tapet kam, nachzeichnete.

Was nochmals bleibt, ist das Erschrecken, wie stümperhaft agiert wurde. Noch am 16. März bekräftigten FINMA und SNB, dass die Credit Suisse tipptopp aufgestellt sei, alle Anforderungen ans Kernkapital erfülle. Noch einen Tag zuvor, am 15. März, war von dem 16-Milliarden-Abschreiber im Forderungskatalog der UBS keine Rede.

Am nächsten Tag war er drin, SNB-Chef Thomas Jordan alles andere als begeistert darüber. Und erst am 19. März erfuhren die Spitzenkräfte der CS davon. Zudem musste das Recht der FINMA für diesen Abschreiber noch nachträglich, am 19. März, in die Notverordnung zur Liquiditätshilfe vom 16. März hineingeschrieben werden.

Ein Desaster.

Nach so viel kritischer Anspannung geht’s dann beim Aufmacher von «Wissen Kultur» etwas ruhiger zu: «Raus aus der Gewichtsspirale». Man fragt sich allerdings, wieso die NZZaS dieses Stehsatz-Thema für die Feiertage jetzt schon verballert.

Die «Kultur» wartet auch mit einem abgehangenen Topos auf. Hast du sonst nichts im Hemd, erfinde einfach einen Trend. Alte Journalistenregel; neuste Anwendung: «Die Herrschaft der Gefühle. Emotionen bestimmen unseren Alltag …»

Da sagt ZACKBUM ganz emotionsfrei: Quatsch. Nicht mehr oder weniger als vorher.

 

 

Muss das wirklich sein?

Die NZZaS lässt es knallen – als Wiederholungstäter.

Kommt bekannt vor: ein visueller und inhaltlicher Kracher auf der Frontseite, dann auf Seite 2/3 links Sprachnotstand im Editorial, daneben intellektueller und visueller Notstand.

Alleine die Headlines und die Ausstattung der Stücke rufen dem Leser zu: lies mich nicht, sonst wirst du die Verschwendung deiner Lebenszeit bereuen. Chefredaktor Beat Balzli verwirrt mit dem Titel «Heute macht der Säbelzahntiger mal Pause». Daneben walzen Alain Zucker und Peer Teuwsen eine Denkpause auf vielen Zeilen aus: «Die Sippenhaftung ist zurück», behaupten sie. Boykottaufrufe träfen «die Falschen», Israel sei «kein Apartheitstaat». Schludrige Formulierungen zeugen von schludrigem Schreiben:

Auf welchem Niveau wird hier geholzt?

«Als die Bewegung mit Wirtschaftsboykotten nicht weiterkam, hat sie sich zunehmend auf die Kultur kapriziert. Die Szene ist ein wildes Amalgam aus antisemitischen Kapitalismusgegnern, Russlandapologeten, Postkolonialisten und Mitläufern, die in holzschnittartigen Tiktok-Videos politisiert wurden und seither in moralischer Selbstzufriedenheit alles Israelische böse und alles Palästinensische gut finden

Das ist, mit Verlaub, gerüttelter Schwachsinn auf einem Argumentationsniveau, wie es Trump oder Vance auch nicht schlechter hinkriegten. Zudem wünschte man sich, dass die NZZaS mit dem gleichen Furor gegen die Ausformungen des Boykotts von russischen Künstlern vom Leder ziehen würde.

Beim Iwan hingegen darf der kalte Krieger Markus Bernath seine Betriebstemperatur hochschrauben: «Man darf sich nichts vormachen: Europa steht bereits in einem militärischen Konflikt mit Russland.» Man kann sich nichts vormachen: der Mann ist ein Kriegstreiber erster Güte.

Ein trauriges Kapitel ist die Gewichtung in dieser Ausgabe der NZZaS. Eine Seite nostalgische Verklärung von Robert Redford. Seine «Persönlichkeit war einzigartig». Nichts dagegen einzuwenden, er gehört auch zu den Lieblingen von ZACKBUM. Aber dafür ein paar lumpige Zeilen zum Tod von Fredi Heer? Das ist mehr als schäbig.

Dafür als Aufmacher auf der Seite «Nachrufe» die Nacherzählung des Lebens eines Überläufers aus Nordkorea, den nun wirklich niemand kennt. Das ist geradezu unverschämt.

«So sad», würde Trump zu dieser Ausgabe sagen. Dabei hätte er den Schnarch-Aufmacher der «SonntagsZeitung» noch gar nicht gesehen:

Und Zufälle gibt’s; auch auf Seite eins der SoZ:

Aber immerhin, der Tod von Fredi Heer schafft es hier auch auf Seite eins.

Auf Seite zwei lebt der ansonsten zurechnungsfähige und kompetente Arthur Rutishauser in seinem Editorial den Traum «wenn Wünschen helfen würde» aus. Und fantasiert: «Kurzfristige Interessen von Aktionären, die auf die schnelle Rendite aus sind, sollte man ignorieren. Die haben mit dieser Denke schon die CS und die Swissair ruiniert.»

Da aber diese Aktionäre Mehrheitseigner sind, lässt sich das schlecht ignorieren. Und CS oder Swissair wurden in erster Linie durch ein inkompetentes Management ruiniert.

Unwillkürlich an die Werbung «für ä tüüfä gsundä Schlaaf»® erinnert fühlt man sich beim Aufmacher von «Leben & Kultur». Als gälte es, eine Kriegsberichterstattung anzukündigen, hämmert der Lead:

«Philippe Zweifel hat sich für Sie durch Möbelhäuser, Testbetten und Rückenschmerzen gekämpft».

ZACKBUM hofft, dass dadurch kein neuer IV-Fall entstanden ist.

Mal einen raushauen

Es geht doch nichts über einen Weltuntergang. Als Lockstoff.

Die «NZZamSonntag» versucht alles, die verunglückten Editorials ihres Chefs zu übertönen. Dafür gibt es im Journalismus eine ganze Reihe von sogenannten Aufregerthemen. Die haben zudem den Vorteil, dass sie völlig unabhängig von jeder Aktualität einfach mal rausgehauen werden können.

Der mögliche Weltuntergang ist eines davon. Dazu noch knallig im «Terminator»-Look illustriert.

Muss man hinkriegen. Doppelseite 2/3. Links der übliche Sprach- und Gedankenuntergang. Diesmal vergreift sich Beat Balzli zunächst so lange am Untergang der «Titanic», dass sich der absaufende Leser fragt: was soll das? Bis der Chefredaktor endlich die Katze aus der Tüte, das Nashorn in den Porzellanladen oder so lässt: «Die Eisberge von damals sind die demographischen Prognosen von heute.» Hä? Dann nimm das: «Selbst das Amen in der Kirche ist nicht so sicher wie die Alterung der Gesellschaft.» Hä? Himmel, hilf.

Daneben dann fast zwei Seiten möglicher Weltuntergang. Natürlich, das weiss der nicht blöde Prognostiker: ja keine Festlegung. 2028 kommt er, der Untergang? Nun ja, das «könnte zum Schicksalsjahr der Menschheit werden». Noch weiter abwattiert: «heisst es». Und noch eine Packungsbeilage: «Ganz unplausibel ist das nicht

Völlig plausibel ist hingegen, dass man den Text mit der üblichen Aufzählung (Kriege, KI, Staatsschulden, «autoritäre Rechte») nicht lesen muss. Ausser, man leidet unter Schlafstörungen.

 

Wumms: Beat Balzli

ZACKBUM macht sich echt Sorgen um den Mann.

Wenn das Editorial des Chefredaktors der «NZZamSonntag» so beginnt, dann sind Befürchtungen angebracht:

«WARNHINWEIS des Bundesamtes für Gesundheit: Das Lesen dieses Textes kann Ihre psychische Gesundheit gefährden. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Sie finden diesen Einstieg absurd? Sie halten mich für ein bisschen gaga? Warten Sie es ab, Sie werden es bald verstehen.»

Warnhinweis von ZACKBUM: nein, wir haben das nicht erfunden. Nach diesem Einstieg kann es nur noch schlimmer werden. Es wird schlimmer. Denn Beat Balzli kann nicht nur absurden Einstieg, er kann auch schiefes Sprachbild:

«Alles beginnt mit Ohnmacht. Diesem Gefühl, zusammen mit dem Rest der Menschheit in einem Zug zu sitzen, der ungebremst auf die Katastrophe zurast, sozusagen autonom fahrend nach dem Herzinfarkt des Lokomotivführers

Herzinfarkt des Lokführers? Das wäre dann sozusagen das Schicksal? Oder Gott?

Auf jeden Fall gibt es einen neuen Gottseibeiuns, eigentlich gleich vier: «ein haariger Autokrat demontiert die mächtigste Demokratie der Welt. Sein chinesischer Gegenspieler bastelt zusammen mit halbstarken Freunden aus Russland und Nordkorea an der neuen Weltordnung, an der Abwicklung des Westens.»

Haariger Autokrat, halbstarke Freunde?

Was hat denn der chinesische Präsident Schreckliches gesagt? ««Wieder einmal muss sich die Menschheit zwischen Krieg und Frieden sowie zwischen Zusammenarbeit und einem Nullsummenspiel entscheiden», schleudert Xi Jinping der Welt entgegen.»

Was an diesen durchaus vernünftigen Worten geschleudert sein soll, weiss nur der Chefredaktor himself.

Balzli kann auch gaga: «Aber deutlicher kann ein Säbel nicht rasseln, mehr Bestätigung für geopolitische Glaskugelleser kann es kaum geben

Ein deutlich rasselnder Säbel, Glaskugelleser?

Die Lage ist schlimm, die Zukunft noch schlimmer. Ein neuer Weltkrieg droht, die Staatsschuldenkrise ist bedrohlich, was rät Balzli?

«Wen angesichts dieser vermeintlich ausweglosen Situation der Optimismus verlässt, dem bleiben drei Auswege: Drogen nehmen, hysterisch lachen – oder sich ins Absurde flüchten.»

Möglicherweise hat Balzli alle drei Ratschläge befolgt. Auf jeden Fall kommentiert er so die Mitarbeit des südafrikanischen Künstlers William Kentridge an der letzten NZZaS. Der habe «den Geist von Dada wieder zum Leben erweckt». In Form eines Zugführers mit Herzinfarkt oder eines rasselnden Säbels in den Händen von Halbstarken oder eines haarigen Autokraten?

Balzli schliesst mit der Frage: «Was sagt Ihr Arzt oder Apotheker dazu

Nun, der würde sagen: der Mann sollte wieder regelmässig seine Medikamente nehmen …

Lob der NZZaS

Wo bleibt das Positive? Hier ist es.

Sommerloch. Sonnenloch. Wer kann, benützt den kommenden 1. August, um seine Ferien zu verlängern. Schlechte Voraussetzungen, um eine gute Sonntagszeitung zu machen. Die «NZZamSonntag» vom 27. Juli 2025 setzt ein Zeichen dagegen. Im Regen bei frischen Temperaturen statt Rekordhitzesommer.

Das Misslungene ist schnell aufgezählt. Das Editorial von Beat Balzli, der in einem kühnen Bogen Goethe, den Rollkoffer und den Tourismus in der Schweiz zusammennagelt. Er hätte besser Ferien gemacht. Und Nicole Althaus schreibt über üppige Busen, vor allem operierte. Der sei «wie immer politisch». Auch ihr würden Ferien guttun.

Aber sonst? Eine Aufarbeitung des «Kriegs um die Wahrheit». Die kennt niemand, ausser Gläubige. Aber Julian Heissler fügt die Mosaiksteine zusammen, wie Donald Trump, auf dem Weg zu einer modernen Autokratie, neben Justiz und FED auch die Medien kleinkriegen will, wenn sie ihm Unliebsames veröffentlichen.

Karin A. Wenger und Malak Tantesh haben es gewagt, den Chefstatistiker der Gesundheitsbehörde der Hamas im Gazastreifen zu besuchen. Deren Zählung von Toten durch die Zerstörungsaktionen der israelischen Armee (bislang 59’733 Tote und 127 Hungertote, darunter 85 Kinder) ist hochumstritten. Von Israel ohne Gegenbeweise als Propaganda abqualifiziert, zeigt dieser Bericht zumindest, dass trotz beschränkten Möglichkeiten versucht wird, möglichst akkurate Zahlen zu liefern. Hingehen, die andere Seite zu Wort kommen lassen, So soll Journalismus sein.

Ein Hintergrund zur Anklage gegen die schön blöde Provokateurin Sanija Ameti. Ein Interview mit Charles Lewinsky, der eigentlich immer Interessantes zu sagen hat. Eine Analyse über verheerende Auswirkungen von Chat-AI auf psychisch labile Menschen. Gut, von der «New York Times» übernommen, dafür sehr lesenswert. Auch wegen der Breite der Aufarbeitung, die wieder mal den Unterschied zwischen angelsächsischem Journalismus und dem meist flachbrüstigen (Pardon, Althaus) deutschsprachigen zeigt.

In der «Wirtschaft» ein Hintergrund zur weltgrössten Reederei MSC mit Stammsitz in Genf. Eine dem Zeitgeist geschuldete «Checkliste für Büroromanzen». Selbst die Kolumne «Geld & Geist» ist lesenswert, wenn Tobias Straumann schreibt und die Geschichte der Staatsverschuldung von der Französischen Revolution her aufrollt.

Eine Analyse des «Golden Dome», Trumps Weltraumprojekt in der Tradition von Ronald Reagans «Star Wars». In der «Kultur» eine Sektion «Utopien», Anti-Dsytopien, interessant aufbereitet. Wohltuend, wenn Peer Teuwsen in den Ferien ist. Mitsamt Trouvaille: wer wusste, dass Kooperative Longo maï immer noch existiert? Da lohnte sich ein «Ausflug in den Jura». Die geschrumpfte Kultur wird von Gerhard Mack bewirtschaftet, was immer ein Gewinn für den Leser ist.

Nach 48 Seiten ist Schluss, was der Leser bedauert.

Das letzte Mal liess ZACKBUM den «SonntagsBlick» aus.

Sehen wir grosszügig über das verunglückte neue Logo hinweg. Die Titelgeschichte ist immerhin eine Reportage, vielleicht etwas überverkauft. Das Editorial zum «Feuerwerk der Demokratie» ist ein Wischiwaschi-Slalom zu einem typischen Aufregerthema: «Feuerwerk – ja oder nein? Die Antwort spielt keine Rolle.» Dann könnte man es auch lassen.

«Kabul retour», an einem Einzelfall der missglückten Ausschaffung eines kriminellen Afghanen wird das ganze Elend und das Versagen von Bundesrat Beat Jans exemplifiziert. Reza Rafi giesst Öl ins Feuer im Krach zwischen Klaus Schwab und dem WEF: «Jetzt wird’s dreckig». Eine schöne Geschichte über den Intrigantenstadl in höchsten Kreisen, was das WEF am Zauberberg Davos ganz schön entzaubert.

Dann darf der Gaga-Politwissenschaftler Francis FukuyamaDas Ende der Geschichte») mittels Interview ein Déja-Vu auslösen. Hatten wir das nicht schon woanders? Ach ja, bekannt aus NZZ und Tamedia.

Der SoBli nimmt sich verdienstvoll des nicht enden wollenden Skandals um die Herzklinik des Universitätsspitals Zürich an. Ursache ist eine dramatische Mortalitätsrate unter dem damaligen Leiter Francesco Maisano. Die von einem Whistleblower (entlassen) und seinem Nachfolger Paul Vogt (mit einer haltlosen Anklage verleumdet) an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Und seither bemüht sich die Spitalleitung mit allen Kräften und einer Alibiübung nach der anderen, den Skandal am Köcheln zu halten.

Hübsch auch, dem Amok Philipp Ruch ein Interview zu entlocken, in dem der Leiter des «Zentrums für politische Schönheit» seine Unterstützung der AfD durch die Störung des ARD-Sommerinterviews umdeuten darf. Ein Hinweis darauf, dass Ruch eine ähnliche Trottel-Aktion mithilfe des «Theaters am Neumarkt» gegen Roger Köppels «Weltwoche» durchführte, um in dem den Julius Streicher auszutreiben, wäre vielleicht angebracht gewesen.

Ein Bericht über Schweizer Minensucher «Ein falscher Schritt – und das Leben ist vorbei», der «grosse Hunger» über eines der Kriegsverbrechen der israelischen Regierung im Gazastreifen, «Schweizer paffen 300 Millionen Schmuggel-Zigaretten», der auf dem Posten des «Leiter Ringier Journalistenschule» frühpensionierte Peter Hossli bricht eine Lanze für «Macher»; macht nix.

Dann ein Lob der «Ferien-Macher» und der Erfolge des Schweizer Tourismus. Plus Lob des Patriotismus und dann ein Titel, der gleich im Lead geschrumpft wird: «Kleine Weltmacht. «Weltmacht» mag übertrieben sein. Doch …» Plus «Schweizer Weltrekorde». Ach so, eine «Verlagsbeilage», vulgo bezahltes Inserat. Der 1. August wirft auch hier seine Schatten voraus.

Dann wird Ozzy Osbourne selig im Zürcher «Hirschen-Club» verortet, wo er doch tatsächlich 1969 Konzerte gab. Allerdings bevor «Black Sabbath» weltberühmt wurden. Sabine Dahinden darf die Welt mit einem Statement überraschen: «Ich bin eine furchtbar schlechte Schwimmerin». So hat jeder seine grossen und kleinen Probleme.

Hier verflacht der SoBli etwas wie ein See nach einer Trockenperiode. Aber immerhin, es ist nicht rausgeschmissenes Geld.

Und die SoZ? Also bitte, alles hat seine Grenzen.