Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 2
Was machen die Redaktionen mit dem Kenntnisstand bis Samstagnacht?
Hier geht’s zu Teil 1.
Dann nimmt sich Robin Bäni im SoBli des Themas an. Bildstark, kenntnisschwach. Wer so einen Lead textet, könnte auch gleich dem Leser zurufen: bitte überblättern: «Der neue Krieg ist eine Zäsur im Nahen Osten». Eine Gedankentiefe, die vor Bedeutungsschwere kaum geradeaus laufen kann. Perfekt ergänzt durch den ersten Satz: «Im Nahen Osten herrscht Krieg». Das überrascht diejenigen SoBli-Leser, die den ganzen Samstag hindurch auf jegliche Informationsquellen verzichtet haben. Und auf Gespräche mit Mitmenschen.
Neben vielen Bildern und zu viel Text arbeitet auch der SoBli natürlich mit einer Infografik. Menschen mit leichter Farbenblindheit werden den Grafiker verfluchen, der die Ziele im Iran rot auszeichnete und die Gegenschläge mit einem etwas dunkleren Rot. Note 4, knapp genügend unter Zeitdruck.
Dann kommt – Überraschung – das Interview mit einem Fachmann. Wer wohl? Aber sicher, der «renommierte Islamwissenschaftler Reinhard Schulze» darf sich selber wiederholen. Aber immerhin sind die Fragen von Lino Schaeren intelligenter als die von Münger. Also Note 5.
Dann, zweite Überraschung, der Schweizer Aspekt: «Vier EDA-Mitarbeiter wollten ausfliegen – doch dann begann der Krieg». Note 5. Und schliesslich: «Kann Reza Pahlavi den Iran in die Freiheit führen?» Gut, kann man machen, muss man nicht machen. Statt einige Buchstaben zu verschwenden, hätte man auch kurz antworten können: nein.
6 Tabloid-Seiten Iran, Gesamtnote 4,5.
Die «NZZamSonntag» versucht es mit einem, nun, sagen wir mal originellen Ansatz:

Wollen «wir» keinen Sex mehr, weil wir wegen des Irankriegs Triebhemmungen haben? Wäre mal eine Antwort. Aber hier ergreift die nicht ganz sattelfeste Petra Ramsauer das Wort und ernennt, auch originell, Saudiarabien «neu zur dominierenden Macht in der Region». Ach was, und da soll es Leute geben, die das von Israel oder den USA denken.
Daniel Foppa, der stv. Chefredaktor, wirft den Ball im Editorial (Allah sein Dank, dass uns Beat Balzli erspart blieb) ins Spielfeld USA zurück: «Die Innenpolitik wird Trump bald einholen». Midterms, Prognosen über eine ungewisse politische Zukunft Trumps. Beim Aufsatz würde man sagen: Thema verfehlt. Aber originell. Also eine knappe 4.
Daneben darf Ramsauer dann ihre These ausführlich spazieren führen, ergänzt durch ein, nun ja, originelles Porträt von Mohammed bin Salman, dem «Kriegsprofiteur». Leicht absurd, aber auch originell, daher eine 4,5. Ergänzt durch – Überraschung – eine Time line.
Daneben eine Reminiszenz an den jungen Donald Trump, der damals durch die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran und die schwache Reaktion der USA ein «Iran-Trauma» erlitten haben soll. Auch originell, daher 4,5.
Und das war’s dann schon bei der NZZaS zum Thema Iran. Man wollte wohl doch gesittet nach Hause und schlafen. Also insgesamt eine 4.
Gekniffen war natürlich die «Schweiz am Wochenende». Die lag den ganzen Sonntag mit Redaktionsschluss Freitagabend rum. Blöd gelaufen.







































