Schlagwortarchiv für: BBC

Der 5-Milliarden-Dollar-Schnitt

Trumps Anwälte brauchen Geldzählmaschinen.

«Ich denke, ich muss das tun», sagt Präsident Trump, «sie haben sogar zugegeben, betrogen zu haben

Die British Broadcasting Cooperation (BBC) sendet täglich rund 1500, jährlich über 550’000 Stunden. Alleine der Nachrichtenteil BBC News kommt auf 120 Stunden Radio- und TV-Ausgaben pro Tag.

Das ist hübsch viel. «Panorama» ist die älteste noch laufende investigative TV-Sendung der Welt; Erstausstrahlung 1953.

In diesen vielen Jahren hat sie sich einen Ruf für hohe journalistische Standards, exklusive Enthüllungen und grosse gesellschaftliche Wirkung aufgebaut – einige Beiträge haben zu Gesetzesänderungen oder Rücktritten geführt.

«Panorama» deckte mit auf, wie Cambridge Analytica Facebook-Daten von Millionen Nutzern unerlaubt nutzte, um Wahlen zu beeinflussen (u. a. Brexit-Kampagne und US-Wahlen). Mehrere «Panorama»-Sendungen enthüllten Bestechung im Umfeld der FIFA, besonders bei der Vergabe der Fußball-WMs. Usw.

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 strahlte «Panorama» einen Beitrag aus, in dem drei weit auseinanderliegende Redeschnipsel von Trump so zusammenmontiert waren, dass der Eindruck entstand, er habe 2021 zum Sturm aufs Capitol aufgerufen. Hineingeschnitten waren Sequenzen, wie ein Mob Richtung Parlament marschierte.

Aber dieses Ereignis hatte bereits vor der Rede Trumps stattgefunden. Es ist völlig unverständlich, wie ein solcher Gesinnungsjournalismus durch alle Kontrollinstanzen der BBC schlüpfen konnte.

Der BBC-Vorsitzende Samir Shah hatte sich mit einem persönlichen Brief ans Weisse Haus dafür entschuldigt, die Sendung wurde aus den Archiven gelöscht. BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness hatten ihren Rücktritt erklärt.

Das Jahresbudget der BBC beträgt 5,4 Milliarden Pfund, das sind 7,1 Milliarden US-Dollar.

Sollte Trump mit seiner Verleumdungsklage Erfolg haben, bliebe für den Sendebetrieb eines Jahres nicht viel übrig.

Trump seinerseits macht es bei solchen Klagen nicht für Kleingeld. ABC News zahlte für die Falschaussage, Trump sei wegen Vergewaltigung verurteilt worden, in einem Vergleich 16 Millionen Dollar. CBS News verklagte er auf 10 Milliarden, später auf 20 Milliarden Dollar wegen angeblich irreführender Bearbeitung eines Interviews mit Kamala Harris. Man einigte sich auf 16 Millionen.

«New York Times» und «Wall Street Journal» sehen sich Klagen in der Höhe von 15, bzw. 10 Milliarden Dollar gegenüber. Hier ist noch kein Ergebnis bekannt.

Selbstverständlich hat Trump das Recht, sich gegen angebliche Verleumdungen zur Wehr zu setzen. In einigen Fällen tat er das offensichtlich zu Recht, sonst hätte es keinen Vergleich gegeben.

Eine Klage gegen CNN wurde abgeschmettert, die Klage gegen die NYT musste neu formuliert werden. Auch frühere Klagen gegen die NYT, die «Washington Post» oder gegen Bob Woodward wurden abgewiesen.

Mit solch exorbitanten Forderungen will Trump offensichtlich die Medien einschüchtern und sie daran hindern, kritische Beiträge über ihn zu veröffentlichen. Entsprechend restriktiv wird inzwischen auch der Zugang zum Weissen Haus oder zum Pentagon gehandhabt.

Jedes finanziell gut ausgestattete Unternehmen, jede reiche Privatperson wissen, dass im modernen Elendsjournalismus die Gefahr, wegen einer Kritik eingeklagt zu werden, Artikel verhindern kann. Sogar wenn der Inhalt wasserdicht ist.

Denn auch die erfolgreiche Abwehr einer Millionen- oder gar Milliardenklage geht ins dicke Tuch.

Neben dem Verkünden neuer Sparrunden ist es daher die vornehmste Aufgabe der Chefredaktion, jeden Artikel auf sein Krawallpotenzial abzuklopfen, auf die Chance, dass er mit einer Klage beantwortet wird.

Schon eine Summe von 16 Millionen Franken wäre für jedes beliebige Schweizer Medium, vielleicht mit Ausnahme von SRF, happig. Die Schweizer Organe mit ihren Berufs-Bashern von Trump profitieren davon, dass ihre Ausfälle in den USA gar nicht wahrgenommen werden.

Was die randalierenden Autoren natürlich schmerzt, aber letztlich eine gute Nachricht ist.

Wumms: Peter Burghardt

Der erhobene Zeigefinger aus Deutschland im Reich der Tamedia-Qualitätsmedien.

Der SZ-Korrespondent in Washington ist mehrfacher Wiederholungstäter. Unbelehrbar will er der Realität zeigen, wie sie seiner Meinung nach zu sein hätte – und quält seine Leser damit.

Immer wieder unkt und raunt er («So stirbt die Demokratie», «Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht»). Dass seine Prognosen und Wünsche nie eintreffen, was kümmert ihn das. Irgendwann, so seine unerbittliche Hoffnung, muss die Realität, muss Trump doch mal ein Einsehen haben.

Nun sind allerdings zur Abwechslung die Demokraten dran:

«Ende des US-Shutdowns: Die Demokraten knicken wieder vor Donald Trump ein – das wird sie teuer zu stehen kommen».

Zumindest haben sie sich damit wütendes Gezeter von Burghardt eingehandelt. Dem Vernehmen nach ist das Stadtgespräch in Washington, demokratische Parlamentarier lesen sein Werk ehrfürchtig und geloben Besserung, Trump ist bei gemeinsamer Lektüre der Zeilen mit seinem ganzen Familienclan beobachtet worden. «Great guy, huge, I like him», soll er gemurmelt haben.

So sieht das vielleicht in Burghardts Wunschwelt aus. In Wirklichkeit interessiert es dort keinen Menschen, dass er tobt: «Eine Mehrheit der Wählerschaft lehnt Trumps Kurs ab, das zeigen auch Umfragen.» Blöd auch, dass eben diese Wählerschaft Trump zum Präsidenten gewählt hat. Was mal wieder beweist: wer nicht auf Burghardt hört, ist blöd – und selber schuld.

Es ist auch wieder zum Mäusemelken: «Aber Trumps Riege hätte einlenken müssen, nicht das Lager seiner Gegner.» Lang lebe der Wunsch-Konjunktiv.

Vergeblich warnt und mahnt die Unke aus München mal wieder: «Dieser Mann mit seinen Kryptodeals und Milliardärsfreunden darf dieses Land nicht kaputtsparen. Doch acht Abweichler haben Trumps Eigensinn abgenickt

Nur Hohn und bitteren Spott hat er für die acht Demokraten, die für einen Zwischenhaushalt für die nächsten Monate stimmten; ihr Argument, «es habe halt nicht funktioniert, ist eine Bankrotterklärung und wird die Partei teuer zu stehen kommen».

Meine Güte, Trump will, aber darf das Land nicht kaputtsparen. Demokraten erklären schon mal Bankrott. Dann lässt Burghardt die Katze aus dem Sack, bzw. gesteht seine Tagträumerei:

«Erstmals seit Monaten hatte man in den vergangenen Tagen den Eindruck, als wackle Trump etwas, als hätten die Demokraten ein Thema, vorneweg Trumps Wirtschaftschaos. Dieses Momentum wurde am Sonntag kaputt gemacht.»

«Man», schreibt er, sich meint er. Für diese Abweichler hat er nur Verachtung übrig: «Der Präsident kommt wieder durch, weil acht demokratisch/unabhängige Senatoren lieber seinen Wünschen nachgeben, als Haltung zu zeigen. Kurzfristig hilft das den USA, langfristig wird es für viele Menschen teuer, auch für die Demokraten.»

Wird es für viele Menschen teuer, wenn Demokraten Bankrott erklären und der Präsident kaputtspart? Das Schöne an Langfristprognosen ist dagegen: sie müssen gar nicht eintreffen, denn sie sind doch langfristig. So im Sinne: spätestens vor der nächsten Eiszeit.

Es ist wie bei der BBC. Dass Burghardt kein grosser Diagnostiker oder Analytiker vor dem Herrn ist, ist sein Problem. Dass die Realität nicht so will, wie er es gerne hätte, ist deren Problem. Dass niemand auf seine ungebetenen Ratschläge hört, ist das Problem Trumps und von US-Parlamentarieren.

Dass aber weder bei der «Süddeutschen Zeitung» noch bei Tamedia jemand verhindert, dass ein solcher Stuss publiziert wird, ist das Versagen aller Kontrollmechanismen.

Dass die damit gequälten Leser scharenweise die Flucht ergreifen, ist allerdings nicht deren Problem, sondern deren Lösung. Ein klares Nein zu Masochismus und Geldverschwendung.

Der BBC-Skandal

Wie Gesinnungsjournalismus eine Institution beschädigt.

Gegründet 1922, ist die BBC die älteste nationale Rundfunkanstalt der Welt. Mit Diensten wie dem BBC World Service erreicht sie Hunderte Millionen Menschen in über 40 Sprachen. Sie gilt international als Vorbild für seriösen Journalismus, Qualitätsstandards und Unparteilichkeit.

Im Zweiten Weltkrieg war BBC nicht zuletzt für Deutsche eine unbestechliche Informationsquelle und kein Propagandasender der Alliierten.

Wie man dieses grossartige und einmalige Image kaputtmachen kann, das zeigen die aktuellen Chefs dieser ehemaligen Kathedrale des seriösen, unbestechlichen, so objektiv wie möglich berichtenden Journalismus.

Nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren ist die BBC im Kreuzfeuer der Kritik. Diesmal hat sie sich aber einen wirklich bedrückenden Schnitzer geleistet. Zu befürchten ist: nicht aus handwerklicher Unfähigkeit, sondern mit Absicht.

Der Skandal betrifft eine Ausgabe der Sendung «Panorama», in der ein Ausschnitt einer Rede des US-Präsidenten Donald Trump zusammengeschnitten wurde, sodass sie den Eindruck erweckte, er habe direkt zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 aufgerufen. Nachdem er die damaligen Präsidentschaftswahlen gegen Joe Biden verloren hatte.

Eine Niederlage, die Trump bis heute nicht wahrhaben will, man habe ihm damals den Wahlsieg gestohlen, behauptet er wahrheitswidrig.

In dieser Sendung der BBC wurden nicht nur zwei Teile seiner damaligen Rede zusammengespleisst, die in Wirklichkeit 54 Minuten auseinanderliegen. Der erste Teil des Satzes lautet in der Fassung der BBC «wir gehen zum Kapitol», gefolgt von «und kämpfen dort wie die Hölle». In Wirklichkeit rief Trump nach der Einleitung dazu auf, friedlich und «patriotisch» zu demonstrieren.

Ausserdem wurde in diese Rede Material hineingespielt, das zeigt, wie Demonstranten sich Richtung Kapitol aufmachen. Damit wird insinuiert, sie folgten dieser Aufforderung Trumps. In Wirklichkeit entstand das Video vor Trumps Rede.

Das hat der englische «Telegraph» sauber aufgearbeitet, nachdem ihm ein internes Memo zugespielt worden war, das diese Vorgänge kritisiert.

In Folge des Skandals traten wichtige Führungskräfte der BBC zurück, darunter der Generaldirektor Tim Davie und die Chefin der Nachrichtenabteilung Deborah Turness.

Damit haben sie immerhin die Verantwortung für diese Entgleisung übernommen. Allerdings geht das Problem doch tiefer. Denn die BBC beschäftigt rund 22’000 Mitarbeiter. Und bei besonders sensiblen Themen gibt es ganze Hierarchien von Richtlinien, die beachtet werden müssen:

Die «Editorial Guidelines» decken unter anderem ab:

  • Themen wie Genauigkeit, Fairness, Unparteilichkeit, Quellenprüfung, Schnitt und Kontext.

  • Jede Sendung muss nachweisen können, dass sie den Vorgaben entspricht.

  • Bei sensiblen oder politisch brisanten Inhalten ist die Pflicht zur Gegenprüfung («Right of Reply») und Quellenbelegung besonders streng.

Bei der Sendung «Panorama» gibt es eine mehrstufige Kontrolle:

  • Reporter / Produzententeam – recherchiert, schreibt und schneidet die erste Fassung.

  • Senior Editor – überprüft journalistische Integrität, Quellen, Fakten und rechtliche Risiken.

  • Executive Producer / Head of Current Affairs – gibt finale redaktionelle Freigabe.

  • BBC Legal & Editorial Policy Unit – prüft rechtlich heikle Fälle, etwa Verleumdungs- oder Datenschutzrisiken.

  • Commissioning Editor oder Controller BBC News – kann bei politisch sensiblen Themen zusätzliche Prüfungen verlangen.

Schliesslich gibt es noch das Editorial Policy & Compliance Team.

  • Diese unabhängige interne Abteilung kontrolliert, ob Beiträge die BBC-Standards für Unparteilichkeit und Genauigkeit erfüllen.

  • Sie kann Änderungen verlangen oder die Ausstrahlung stoppen, falls Verstösse drohen.

  • Alle freigegebenen Programme erhalten ein «Editorial Policy Approval Record» als Dokumentation.

In diesem Fall haben offensichtlich all diese Kontrollmechanismen versagt. Auch das kann nicht mit Inkompetenz erklärt werden. Sondern ist Beleg dafür, dass die Ablehnung Trumps in der gesamten Redaktion stärker war und ist als das Bedürfnis, all diese journalistischen Goldstandards einzuhalten.

Der Schaden, der durch diese manipulierte Sendung für Trump entstanden ist, ist überschaubar.

Der Schaden für die BBC ist zurzeit noch nicht abzuschätzen.

Die Verallgemeinerung drängt sich auf: wenn selbst diese Institution des fairen angelsächsischen Journalismus dermassen schwächelt, wie steht es dann wohl um die deutschsprachigen Medien?

Von ZDF und ARD weiss man zum Beispiel, dass eine externe NGO damit beauftragt wurde, den Journalisten das richtige Wording bei Migrationsthemen näherzubringen. Der Fall Relotius beim «Spiegel» ist in unguter Erinnerung.

Auch in der Schweiz gibt es nicht nur bei der SRG ellenlange Vorgaben, wie richtig berichtet werden soll. Auch die grossen Printmedienverlage verwandeln sich immer mehr in Echokammern, wo vorgefasste Meinungen vorgegebenen Weltbildern entsprechen. Und Abweichungen nicht toleriert werden.

So beerdigen nicht die Umstände, das Internet, die abwandernde Werbung und die flüchtenden Leser diese Art von Journalismus. Sondern er erledigt sich selbst, macht sich überflüssig, versinkt im Gesinnungssumpf der angeblich einzig korrekten Meinung und Weltsicht.

Die Medienaggression des Westens im Osten

Sie macht auch vor Singapur nicht halt und schießt sich selbst in den Fuss. Teil 1

Von Felix Abt

The Economist, ein neokonservatives Magazin, das im Vereinigten Königreich ebenso einflussreich ist wie der gleichgesinnte Spiegel in Deutschland oder die gleichgesinnte Neue Zürcher Zeitung in der Schweiz, greift nicht nur alle an, die es als Feinde des amerikanischen und britischen Imperiums betrachtet, insbesondere China und Russland, sondern auch alle, die sich nicht eindeutig den Interessen der von Washington und London angeführten Achse der westlichen Weltherrschaft unterordnen.

Hinzu kommt, dass das Magazin, wie auch andere gleichgesinnte westliche Medien, völlig andere Maßstäbe an ihre Berichterstattung anlegt. Würden die Medien über ihre eigenen Staatsoberhäupter genauso berichten wie über die von ihnen verabscheuten Staatsoberhäupter in Moskau, Peking oder Singapur, sähe die Berichterstattung etwa so aus:

Hier ist ein weiteres Beispiel dafür, “wenn wir es tun” versus “wenn sie es tun”:

Haben die Chinesen das «gefälschte» Fleisch erfunden?

Diese Medien müssen wohl einen weit verbreiteten Leitfaden mit «positiven Begriffen und Beschreibungen» und «negativen Begriffen und Beschreibungen» für so ziemlich alles unter der Sonne haben, der wahrscheinlich von Washington geschaffen wurde: positiv für die USA und ihre Verbündeten, negativ für China, andere Feinde und deren Verbündete. Sehr durchschaubar also.

Was ihre manipulierten Medienkonsumenten in diesem speziellen Fall nicht erfahren haben, ist, dass es nicht einmal chinesische Restaurants sind, die «gefälschtes” Fleisch verkaufen, wie in der BBC-Story behauptet wird! Es ist ein in den USA ansässiges Unternehmen, das dieses Fleisch an in China tätige Lebensmitteleinzelhändler mit US-Marken verkauft.

Wenn jemand ein Heilmittel findet, das den Krebs besiegt, sollte er oder sie normalerweise zu Recht bejubelt werden. Aber die westlichen Medien, die von den riesigen Werbebudgets von «Big Pharma» abhängig sind, das kein Interesse daran hat, seine riesige Cashcow (teure Krebsmedikamente) zu verlieren, sind alarmiert, wenn China dies tut, wie dieser Bloomberg-Bericht zeigt:

Vor einem Jahrzehnt beschrieben The Economist und andere westliche Medien eine existenzielle Bedrohung für unseren Planeten: 2013 waren es die Kohlenstoffemissionen Chinas. Im Jahr 2024 ist die neue Bedrohung Chinas Vorsprung bei grünen Technologien!

Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ein großer Teil der chinesischen Emissionen aus der Produktion von Waren für nordamerikanische und europäische Konsumenten stammt. Die westliche Berichterstattung ignoriert dies einfach, wenn es um die chinesischen Emissionen geht.

Und neu ist, dass die «gelbe Gefahr» aus dem Osten nun auch in Form von Elektrofahrzeugen daher kommt, die wie Raketen auf den Planeten einschlagen, wenn man dem Economist glaubt:

Außerdem verursacht China für alles, was es tut, sehr «hohe Kosten» – zumindest nach Ansicht der westlichen Medien. Im Idealfall sollte es nichts tun oder das tun, was der Westen ihm vorschreibt.

Aber natürlich gab es nie eine solche Schlagzeile: «China hat über 800 Millionen Menschen aus der Armut befreit, aber zu welchen Kosten

Abgesehen von der Tatsache, dass sich die chinesische Wirtschaft in der westlichen Berichterstattung in einem mehr oder weniger katastrophalen Zustand befindet, was können wir noch von China erwarten (und erhoffen)? Hier sind einige Schlagzeilen:

1990 The Economist: China’s economy has come to a halt.
1996 The Economist: China’s economy will face a hard landing.
1998 The Economist: China’s economy entering a dangerous period of sluggish growth.

2004 The Economist: The great fall of China
2016 The Economist: Hard landing looms for China

Solche Schlagzeilen sind ständig im Economist und anderen westlichen Medien zu lesen, auch wenn das von tiefen ideologischen Überzeugungen getragene Wunschdenken durch die Fakten, die beispielsweise der IWF vorlegt, in Frage gestellt wird:

Während die schlechten «Nachrichten» von Chinas Wirtschaftsfront nicht mehr ganz so ernst genommen werden, gibt es noch die Geschichte vom Völkermord an den Uiguren in China, die von der «Victims of Communism Memorial Foundation» in Washington lanciert wurde – gegründet durch ein von Präsident Bill Clinton 1993 unterzeichnetes Zweiparteiengesetz, das sich insbesondere gegen China richtet. (Das heutige China hat übrigens wenig mit einer kommunistischen Diktatur und viel mehr mit seiner altehrwürdigen Meritokratie zu tun, wie ich in diesem Artikel ausführlich erläutert habe. Das werden Sie in den westlichen Mainstream-Medien nicht erfahren.)

Die ursprünglich weit verbreitete Anschuldigung der physischen Ausrottung der Uiguren wurde aus Mangel an Beweisen bequemerweise in kulturellen Völkermord umgewandelt. Das westliche Narrativ lautet nun, dass die Minderheiten in China gezwungen werden, ihre Sprachen und Kulturen aufzugeben, um quasi Han-Chinesen zu werden.

Die Verkehrspolizei von Xinjiang warnt die Autofahrer auf dem Foto oben, dass das Fahren auf dieser Seite der Straße verboten ist und Verstöße mit einem Bußgeld geahndet werden. In Xinjiang genügen uigurische und chinesische Schriftzeichen anstelle von Englisch. So sieht der «kulturelle Genozid» aus, wie er im Westen beschrieben wird. Der Fake-Bericht des Economist über die angeblich systematische Unterdrückung von Minderheitensprachen in China wurde in diesem Artikel aufgedeckt.

Teil 2 im Anschluss.

China zensiert brutal

Oder westliche Medien schreiben sich Fake News ab.

Von Felix Abt

Enthüllung: Das repressive China hat einen beliebten Spielzeugbären unterdrückt — oder waren es doch eher die Fake-News-Medien?

Als ich vor Jahren auf dem Markt einer mittelgroßen chinesischen Stadt zufällig einen großen Stand mit vielen Winnie-the-Pooh-Produkten sah, blieb ich stehen und war erstaunt. Hatte ich nicht kürzlich in den westlichen Medien gelesen, dass Winnie the Pooh in China verboten worden war?

Die Geschichte von den verbotenen Plüschbären, T-Shirts und anderen Winnie-the-Pooh-Utensilien ist seitdem immer wieder in den Medien zu vernehmen. Eine der ersten war die BBC, die 2017 «berichtete», dass Winnie the Pooh in China verboten worden sei.

Ein Jahr später, im Jahr 2018, «berichtete» Der Spiegel, dass der «chinesische Machthaber» Angst vor Winnie the Pooh hatte und der niedliche Spielzeugbär deshalb verboten werden musste. «Weil der Bär wie der Machthaber aussieht«, behauptete das Blatt, ohne zu scherzen. Und die Tatsache, dass Chinesen mit bärenähnlichen Gesichtszügen eine rassistische Beleidigung sein könnten, störte den ansonsten woken Moral-Spiegel nicht.

Er stellte die Behauptung auf, dass «Bilder von Winnie the Pooh in China seit langem verboten sind – eben um systemkritische Xi-Memes zu verhindern

Besser spät als nie: Ganze 5 Jahre später, also im Jahr 2023, «berichtete” auch die Neue Zürcher Zeitung über die unheimliche Bärenangst des chinesischen Staatsoberhauptes. Die NZZ führte das Winnie-the-Puuh-Verbot als hieb- und stichfesten Beweis für die allumfassende chinesische Repression an.

Winnie-the-Pooh  wurde auch anderswo verboten, weil der Bär als «unangemessener Zwitter» mit «fragwürdiger Sexualität» beschuldigt wurde. Da dies in einer polnischen und nicht in einer chinesischen Stadt geschah, war es in den westlichen Medien keine Schlagzeile wert.

Keiner dieser “Berichterstatter”, die über die Unterdrückung des Bären und seiner Fans in China schrieben, war vor Ort, um die Angelegenheit zu klären. Ideologische Überzeugungen haben die Macht, Fakten in den Medien zu ersetzen wie nie zuvor.

Glücklicherweise gibt es heute soziale Medien, die nicht nur Unsinn und Unwahrheiten verbreiten wie die traditionellen Medien, sondern auch Wahres, das in letzteren nicht zu finden ist.

In China lebende Ausländer, die westliche Medien weniger zur Information – das wäre Zeitverschwendung – als vielmehr zur Belustigung konsumieren, haben es gewagt, in den sozialen Medien Winnie Puuh zu posten, wie man ihn auf chinesischen Märkten oder auf von Chinesen getragenen T-Shirts sieht.

Der Brite Lee Barrett, der in Shenzhen lebt, twitterte beispielsweise kürzlich Fotos aus einem chinesischen Geschäft, in dem Winnie-the-Puuh-Produkte verkauft werden.

Und die in China lebende Amerikanerin Katrina twitterte ein Bild des mit Winnie the Puuh bemalten Autos ihres chinesischen Nachbarn.

Wo bleibt denn da die Repression, liebe NZZ? Wahrscheinlich ist ein neuer Artikel mit dem sinnigen Titel fällig: «Im unberechenbaren China kann man sich nicht einmal mehr auf die Repression verlassen