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Bravo, Münger

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Es begab sich, dass der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia wieder einmal eine «Meinung» oder eine «Analyse», was ja nicht ganz das Gleiche sein sollte, publizierte.

Oh je, dachte ZACKBUM, und dann mussten wir kichern. Denn das sei ja die Reaktion auf eine enttäuschte Erwartungshaltung, sagte Sigmund Freud.

Aber es ist kein Witz, was Christof Münger hier schreibt. Eigentlich alles richtig, so viel Arroganz in der Beurteilung muss sein.

Präsident Donald Trump hat bei seinem Amok-Angriff auf den Iran die von ihm vollmundig angekündigten Kriegsziele – Atomprogramm zerstört, Regime gestürzt – krachend verfehlt. Er hat die US-Abschreckung zusätzlich beschädigt – wenn wir zuschlagen, dann gewinnen wir auch. Er hat das US-Waffenarsenal beschädigt und musste mangels schwindender Vorräte auf angedrohte Militärschläge oder gar die völlige Zerstörung Irans verzichten.

Dass der Iran die Strasse von Hormuz als Druckmittel verwenden kann (sie ist keineswegs «zu 100 Prozent» unter US-Kontrolle), wollte er entgegen dem Rat seiner Geheimdienste nicht wahrhaben. Neben dem Regime selbst sind Russland und China die grossen Profiteure dieses Debakels.

Die Golfstaaten wenden sich von den USA ab; Saudi-Arabien schliesst einen Pakt mit der Türkei und Pakistan, kooperiert verstärkt mit der Ukraine. Andere werden folgen.

Trumps Selbstüberschätzung hat aus einem vermeintlich schnellen militärischen Triumph eine strategische Niederlage gemacht. Die Optionen sind allesamt schlecht. Eine neuerliche Eskalation wäre riskant, die Fortführung seinerseits der Blockade von Hormuz wäre wirtschaftlich teuer. Rückzug unter Siegesgeschrei glaubt ihm keiner.

So weit Münger. Genauso ist es, und ZACKBUM fragt sich, ob Münger ein strategisches Genie gefrühstückt hat, durch einen Avatar ersetzt wurde – oder eine Sternstunde erlebte.

Aber nachdem er reichlich – und zu Recht – Prügel bezog, muss auch gelobt werden, wo es angebracht ist. Wir rufen ihm ein aufmunterndes «weiter so» zu, das wird noch was.

Dass Trump ein notorischer Lügner ist, weiss man. Dass er auch ein Feigling ist, weiss man seit seiner Scharade beim Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara. Dass er ein Versager mit sechs Bankrotten ist, weiss man auch. Dass er ein – zwar straflos – verurteilter Verbrecher ist, ebenfalls. Dass er mit seiner Zickzack-Zollpolitik ein unglaubliches Schlamassel angerichtet hat, ebenfalls.

Seine nicht unberechtigte Hoffnung besteht zurzeit einzig darin, dass sich die Demokraten vor den Zwischenwahlen selbst unwählbar machen.

Was kann Trump eigentlich? Eine Sache, Geld scheffeln. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit hat sein «Raubzug am helllichten Tag» («Financial Times») Milliarden in die Kassen seines Familienclans gespült. Unterstützt durch den Paten im Weissen Haus.

Wenn gemeckert werden will, und wann will man das nicht: der hergeprügelte Ein- und Ausstieg mit Referenzen zum aktuellen «Odysseus»-Film, das hätte vielleicht nicht sein müssen. Aber damit üben wir angesichts der übrigen Leistung Nachsicht.

So sieht ein Versager aus

Kubas Präsident wirft sich in eine Fantasie-Uniform und fantasiert.

Kaum Essen, kaum Wasser, kein Strom, kein Transport, kaum Treibstoff. Schulen geschlossen, eigentlich alles geschlossen. Müllberge auf den Strassen. Schockierte Touristen, die in Hotels ohne Strom oder Lift ihre Koffer vom Zimmer runterschleppen und am stromlosen Flughafen José Martí stranden.

Aber Präsident Miguel Díaz-Canel weiss wenigstens, was daran schuld ist: die Handelsblockade der USA. Das wird auch von Kuba-Nostalgikern überall auf der Welt nachgeplappert. Sie existiert tatsächlich noch, ist aber löchriger als ein Schweizer Käse. Im Hafen von Havanna werden fleissig Reissäcke umgeschüttet. Denn wenn die Originalverpackung in die Läden käme, stünde darauf «Made in USA». Lebensmittel, wie so vieles andere, ist längst vom Handelsembargo ausgenommen.

Zudem steht es Kuba frei, überall auf der Welt jedes beliebige Produkt zu kaufen. Länder wie China, Russland oder Venezuela kümmern sich einen feuchten Dreck um amerikanische Embargos oder Drohungen. Bloss: wer Kuba kennt, verlangt Vorauskasse. Und da ist Ebbe.

Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung ist ein ideales Beispiel, um das hausgemachte Versagen zu illustrieren. Bis 1959 war Kuba Nettoexporteur von so ziemlich allem, nicht nur Zucker. 65 Jahre Revolution haben dafür gesorgt, dass Kuba seit Jahren über 80 Prozent aller Lebensmittel importieren muss, ein Grossteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche vom Dornengestrüpp Marabú überwachsen ist.

Dass der Strom in uralten sowjetischen Ölkraftwerken erzeugt wird, alle vor 1989 hergestellt und seither verlottert, ist auch kein Ergebnis der Handelsblockade, sondern eigener Unfähigkeit. Kuba wäre wie kein anderer Ort prädestiniert für Solar-, Wind- und Gezeitenenergie. Aber seit der gefährliche Versuch, einen Tschernobyl-Reaktor in der Nähe von Cienfuegos in Betrieb zu nehmen, glücklichweise durch den Zusammenbruch des sozialistischen Lagers gestoppt wurde, hat das unfähige Regime nichts unternommen, die prekäre Energieversorgung zu verbessern.

Schlimmer noch: 2015 posaunte das Regime heraus, dass Russland einen Kredit von 1,2 Milliarden Euro gewähre, um ein neues thermoelektrisches Kraftwerk zu bauen und dringend nötige Reparaturen an der verlotterten Infrastruktur der Stromerzeugung und -verteilung vorzunehmen. Im September 2022 räumte Kuba ein, dass der Kredit nicht gesprochen werden konnte, weil das Regime nicht in der Lage war, wie vereinbart seinen Teil von 120 Millionen Euro aufzubringen.

Zwischen 2006 und 2019 lieh Russland insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung von Projekten in den Bereichen Energie, Metallurgie und Transport. Rausgeschmissenes Geld; seit 2020 kann Kuba vereinbarte Rückzahlungen nicht mehr leisten; das russische Parlament stundete die Kredite bis 2027. Statt sie auf null abzuschreiben, was bei diesen Versagern das einzig Vernünftige wäre.

Selbstverständlich verfügen die Mitglieder der Cupola, der Kuppel aus höchsten Würdenträgern in Partei und Militär, über eigene Stromgeneratoren und tagen in wohlklimatisierten Sitzungsräumen. Sie leiden auch offenkundig nicht unter Nahrungsmittelknappheit, so fett wie die meisten sind. Was im heutigen Kuba obszön ist.

Die leidgeprüften Kubaner können mit stundenlangen Stromabschaltungen einigermassen umgehen. Aber nach drei Tagen ist Ende Gelände für Lebensmittel im Kühlschrank. Wie im Mittelalter werden auf den Strassen Havannas grosse Bottiche auf Steinblöcke gestellt und ein Holzfeuer drunter entzündet. Reingeschmissen wird alles noch vorhandene Essbare, damit es wenigstens nicht verdirbt.

Kubanischer Kochherd, Modell 2024.

Alle Aktivitäten sind bis Mittwoch suspendiert. In den Fabriken  macht das nichts, sie sind sowieso weitgehend paralysiert. Aber selbst die US-Botschaft hat ihre Dienste eingestellt, vielleicht geht auch dort den Stromgeneratoren langsam der Saft aus.

Immer wieder scheitern Versuche, eine der maroden Stromerzeuger wieder anzuwerfen. Kurz flackert das Licht, dann ist wieder duster. Ein Symbol für den Zustand der Revolution. Und dann auch noch Hurrikan Oscar, der den Süden der Insel getroffen hat.

Die Parteizeitung «Granma» existiert nur noch im Internet und verbreitet düsteren Optimismus:

Wer noch Saft hat, um sie anzuschauen, sieht Nachrichten aus einem Paralleluniversum. «Kuba durchlebt eine aussergewöhnliche Situation», beschönigt die Schlagzeile. Daneben: «Maximaler Alarm vor dem Ansturm von Oscar», «Hurrikan Oscar: Vorausschau, Solidarität und Einigkeit vor jeglicher Eventualität», «Der Mangel an Treibstoff ist die Hauptursache für die Beeinträchtigung des nationalen Stromnetzes.»

Ist das so, handelt es sich um ein weiteres schockierendes Versagen des Regimes, denn den Pegel der Kraftstoffreserve zu messen, das schafft selbst ein kommunistischer Parteifunktionär. Aber bis zum Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes wurden kaum Massnahmen ergriffen.

Und drunter auf der Front von «Granma» sitzt der Hauptverantwortliche in seiner Fantasieuniform, mit der er sich ein wenig Castro-Look verschaffen will, schaut streng und behauptet: «Unser Land wird alle Eventualitäten überwinden». Und was auch nie fehlen darf: «Von der internationalen Gemeinschaft gibt es Rückendeckung für Kuba». Der Aussenminister verdankt «die Unterstützung von Venezuela, Mexiko, Kolumbien, Russland und Barbados». Worin die allerdings besteht, ausser aus netten Worten, sagt er nicht. Und natürlich verurteile laut «Granma» die ganze Welt die grausame US-Handelsblockade.

Wirklich grausam ist aber die schreiende Unfähigkeit des Regimes, die fundamentalsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Strom, Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung, Ausbildung, Transport, Müllabfuhr. Alles ist beeinträchtigt oder funktioniert nicht. Menschen, die auf Operationen oder gekühlte Medikamente angewiesen sind, sterben.

Die zweite Haupteinnahmequelle Kubas, neben den Überweisungen von Exilkubanern in Milliardenhöhe, ist der Tourismus. Bis heute hat er sich nicht von der Pandemie ganz erholt. Und da auch die meisten Touristenhotels nicht darauf eingerichtet sind, einen tagelangen Stromausfall zu überbrücken, wird das der Tourismusindustrie einen weiteren, tödlichen Schlag versetzen. Denn der Pauschaltourist ist schreckhaft und verwöhnt. Schwitzt er in seinem dunklen Hotelzimmer und sieht die Nahrungsmittelvorräte schwinden, gerät er in Panik. Die noch verstärkt wird, wenn er am zappendusteren Flughafen ankommt.

Aber der Tourist kommt wenigstens früher oder später wieder weg von der Insel. Das möchten immer mehr Kubaner auch, denn hier gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft, keine Aussicht auf Besserung. Schon eine Million Kubaner sind in den letzten drei Jahren abgehauen. Im Überfluss gibt es nur ausgeleierte revolutionäre Durchhalteparolen, die ewige Entschuldigung «Handelsblockade» und völlige Hirnfinsternis, wie das Regime aus dieser Katastrophe herausfinden will.

Inzwischen herrscht reiner Zynismus. So fordert der Direktor der Unión Eléctrica de Cuba (UNE), der staatlichen Energieunion, die Bevölkerung auf, sich doch mit Solarpanels auszurüsten. Obwohl die kaum erhältlich sind auf der Insel, und wenn, dann zu Preisen, die für normale Kubaner völlig ausserhalb des Möglichen liegen.

Indem die korrupte Oberschicht mit ihrer Jeunesse dorée ihren Reichtum immer ungenierter zur Schau stellt, hat sie jeden Anspruch auf Vertrauen und moralische Führerschaft verloren. Die weitverzweigte Familie von Raúl Castro, dem noch lebenden Bruder von Fidel, ist exemplarisch, welche Abgründe Selbstbereicherung und Korruption erreicht hat. So bot eine Tochter Raúls eine auf Staatskosten renovierte Villa mit Pool, Bediensteten und Koch ungeniert auf Airbnb an – für 1000 Dollar am Tag, die sie selbst einsteckt.

¿Hasta donde?, bis wohin noch, ist ein Lieblingsspruch der Kubaner. Bis zum bitteren Ende, ist die Antwort des Regimes. Wie das allerdings aussehen wird, das steht in den Sternen.

Wenn es Nacht wird in Kuba

So sah es am Samstagmorgen vor Sonnenaufgang in Kuba aus.

Das kubanische Regime wankt von Bankrotterklärung zu Bankrotterklärung. Mitten in das dumme Gequatsche hinein, dass man intensiv an Lösungen für die Stromkrise arbeite, brach am Freitagvormittag die Stromversorgung zusammen. Total und überall. Das gab’s noch nie; einzig nach einem Hurrikan wurde einmal bewusst die Stromversorgung unterbrochen.

Apagones, Stromausfälle, erschweren den Kubanern schon lange und in zunehmender Frequenz das Leben. Ohne Ventilator lässt es sich in der Karibik schlecht schlafen, der Inhalt des Kühlschranks wird lebendig, die Ausschläge bei Stromausfällen und wenn der Saft wiederkommt, machen elektrische Geräte kaputt.

Nach einer dunklen Nacht ging am Samstag das revolutionäre Gequatsche weiter. Man arbeite mit höchster Priorität an der Lösung des Problems, behauptete der farblose Präsident Kubas Miguel Díaz-Canel. Und Schritt für Schritt werde man die Versorgung wieder hochfahren, laberte der Ministerpräsident. Resultat: nach etwas Geflacker gingen am Samstag wieder überall die Lichter aus.

Havanna vor und nach dem zweiten Lichterlöschen.

Aber das ist nicht alles. Die Lebensmittelversorgung – teilweise zusammengebrochen. Die Wasserversorgung – teilweise zusammengebrochen. Die Schulen – geschlossen. Die wenigen Fabriken – paralysiert. Die medizinische Versorgung – teilweise zusammengebrochen. Der öffentliche Verkehr – weitgehend zusammengebrochen. Die Infrastruktur – verlottert. Produktion, Wertschöpfung – kaum noch existent.

Überreichlich gibt es nur revolutionäres Strohdreschen. Die ewige und unsterbliche Behauptung, die US-Handelsblockade sei an allem schuld. Dabei kann Kuba überall auf der Welt, sogar mit Einschränkungen in den USA, alles kaufen, was es will. Bloss: es hat kein Geld mehr dafür.

Acht Jahre nach Fidel Castros Tod hat das Regime abgewirtschaftet, seine Glaubwürdigkeit völlig verloren. Dem Präsidenten und den meisten Mitgliedern der Führungsriege des Regimes quillt der Bauch über den Hosenbund – während die Bevölkerung mindestens unter Mangelernährung leidet.

Noch schlimmer, als einem korrupten und unfähigen Regime in der Agonie zuzuschauen, ist die völlige Perspektivlosigkeit. Seit der letzte Sugar Daddy Venezuela selbst in gröbsten Problemen steckt, gibt es niemanden, der die schreiende Inkompetenz der allein herrschenden kommunistischen Partei, gestützt aufs Militär, mit milden Gaben überdecken kann.

Am schlimmsten aber ist die völlige Perspektivlosigkeit. Dass es mal besser werde, das glaubt nicht einmal der beinharte Revolutionär, und wie viele es von denen noch gibt, keiner weiss es. Klar ist aber die Reaktion der Bevölkerung. Wer nicht zu alt, zu deprimiert oder zu passiv ist, will nur noch eins: nix wie weg.

In den letzten drei Jahren hat die Bevölkerung der letzten Insel des real existierenden Surrealismus um eine ganze Million Menschen abgenommen und ist auf rund 10 Millionen geschrumpft. Da sonst fast nichts mehr, aber der Repressionsapparat noch leidlich gut funktioniert, zudem Kuba eine Insel ist, kann kaum mit Aufständen gerechnet werden. Und wie beim letzten Versuch 2021 werden Manifestationen sofort unterbunden, Teilnehmer zu drakonischen Strafen von zehn Jahren und mehr verurteilt.

Was für ein trauriges Siechtum einer Revolution, die so begeisternd begann, von einem übergrossen und charismatischen Führer lange Jahre beherrscht wurde. Aber niemals schafften er und seine Genossen, so etwas Banales wie die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung einer fruchtbaren karibischen Insel zu garantieren. Kuba muss, eigentlich unvorstellbar, über 80 Prozent der Lebensmittel importieren. Solange es dafür noch Geld hat.

Keiner hat die geringste Ahnung, wie das weitergehen soll und wo’s endet. Klar ist inzwischen nur: der Letzte muss nicht mal mehr das Licht ausmachen.

Das berühmte Hotel Habana libre, fast frei von Strom.

Wumms: Patrick Frey

Schamlos und unanständig, der Mann.

Patrick Frey ist einer der Erblinken, die mit dem woken Kulturtempel «Kosmos» in Zürich eine Millionenpleite hinlegten. Er verkaufte seine Aktien noch rechtzeitig an einen gutmütigen Investor, jammerte aber anschliessend herum, wie ihn das persönlich getroffen habe und wie ungerecht die Welt so sei.

Nun muss der Steuerzahler einen Millionenschaden wegräumen, und das Schicksal der über 70 Angestellten, die von einem Tag auf den anderen auf der Strasse standen, interessierte weder Frey noch die anderen Bruchpiloten einen Dreck.

Das wären nun genug Gründe, einfach mal die Schnauze zu halten und den moralisch erhobenen Zeigefinger unten zu behalten. Wer dermassen moralfrei handelt, sollte wenigstens den Anstand haben, etwas in sich zu gehen.

Aber doch nicht Frey. Der keift gegen einen Kommentar von Michèle Binswanger: «Weder «hält» Judith Butler «die Gräueltaten der Hamas für legitim», noch sagt sie im Interview, «wer die Hamas als Terroristen bezeichne, mache sich des Genozids mitschuldig». Der Vorwurf eines «moralischen Bankrotts» fällt auf Binswanger und diese Art von Journalismus zurück.»

Es ist richtig, dass Butler in dem Interview Israel des Genozids beschuldigt. Es ist auch richtig, dass Butler 2006 sagte, dass es extrem wichtig sei, die Hamas und die Hetzbolla als «soziale Bewegungen zu verstehen, die fortschrittlich, links, Teil der globalen Linken» seien.

Ob Frey hier weiter recht hat oder nicht, ist für einmal völlig unerheblich. Wer selbst einen solchen Bankrott hingelegt hat, hat nicht lebenslänglich, aber doch eine hübsche Zeitlang jedes Recht verwirkt, anderen in irgend einer Form Bankrott vorzuwerfen. Tut er es dennoch, fällt das auf ihn zurück.

Aber das zeichnet diese Art von Gutmenschen aus: sie sind völlig schamfrei.

Wumms: Kosmos

Impfung gegen Gedächtnisverlust.

Am 5. Dezember hat das Salonlinken-Projekt «Kosmos» Schlag auf Fall den Betrieb eingestellt. Nach jahrelangem Gewurstel überprüfte ein professioneller Verwaltungsrat die Bücher, die Liquidität und die Perspektive.

Worauf er zum Schluss kam: Bücher deponieren. Jetzt. Sofort. Denn es gibt gewisse Haftbarkeiten für VR, Stichwort Konkursverschleppung. Wahrscheinlich ist allerdings, dass das ganze Schlamassel unaufgeräumt im Orkus verschwindet. Glück für all die Versager, die das «Kosmos» über die Jahre versenkt haben.

Aber: am 5. Dezember verloren von einem Tag auf den anderen über 70 Mitarbeiter ihre Einkünfte. Statt am Montag in welcher Funktion auch immer tätig zu werden, standen sie vor verschlossenen Türen und mussten den Weg aufs RAV antreten.

Nun hätte man meinen können, dass unter den vielen Multimillionären, die sich in der Sonne eines sogenannt alternativen Kulturzentrums aufplusterten, ein paar den Anstand gehabt hätten, wenigstens einen Fonds für Härtefälle zu äufnen. Damit es keine traurigen Weihnachten werden.

Schliesslich sind sie alle so humanistisch gestimmt, so solidarisch mit allen Unterdrückten und Beladenen, leiden so unter der menschenverachtenden, kalten kapitalistischen Profitoptimierung, ohne jede Rücksicht auf den Menschen und seine Bedürfnisse.

Aber haben sie das gemacht, hat ein Einziger von ihnen soziales Gewissen nicht nur wie eine Monstranz vor sich hergetragen, sondern geliefert, wenn er moralisch dazu verpflichtet wäre? Hört man fast 2 Monate nach dem Bankrott irgendwo ein Bekenntnis zur gelebten Solidarität?

Bevor ZACKBUM speiübel wird, sparen wir uns die Antwort.

Kosmos: Stecker raus

Das Ende mit Schrecken eines schrecklichen Projekts.

Knapper geht’s kaum:

Die verlinkte Medienmitteilung hat den Charme des Unfertigen:

«Damit stellt die Kino-, Kultur- und Gastroinstitution an der Europaallee in Zürich den Betrieb per [ergänzen] ein. Der neue Verwaltungsrat sieht den Schritt als unausweichlich, das Unternehmen lässt sich nicht länger aufrechterhalten.»

Einer der neuen Verwaltungsräte, die das Schlamassel aufräumen sollten, das eine ganze Riege von selbstverliebten und unfähigen Vorgängern (und Vorgängerinnen) hinterlassen hatte, beklagt sich: «Die finanzielle Lage des KOSMOS wurde uns nicht transparent dargelegt

Wie schrieb ZACKBUM schon im Mai ganz richtig: Wenn vier Bestandteile zusammenkommen, dann kracht’s. Linke Gesinnung, Kultur, Subventionen und Geschäft.

Denn intrigieren kann man hier besser als wirtschaften. Als besonders hartnäckiger Stänkerer entpuppte sich der Filmemacher Samir, dessen wiederholte Putschversuche abgeschmettert wurden, der aber als Rache den für jeden Quatsch zu habenden Daniel Binswanger montierte, der in der «Republik» einen angeblichen Putschversuch rechter Kreise herbeifantasierte.

Dabei arbeitet die schreibende Schmachtlocke auch für ein Organ, dass das Thema Geld nicht wirklich im Griff hat. Wie sagte schon der Geburtshelfer des ganzen Projekts, Steff Fischer, ganz richtig: «Ein etwas tiefer liegendes Problem beim ‹Kosmos› ist, dass das grosse Geld von Erb-Linken stammt.»

Was er damit meinte: hier wird Kohle aus schlechtem Gewissen verlocht, an so profane Dinge wie Gewinn, Ertrag, Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben wird natürlich nicht gedacht. Deshalb ist dieser Bankrott auch eine Bankrotterklärung all derer, die feinsinnig kulturästhetische Locken auf der Glatze drehten, während schon längst Feuer im Dach war, die Stützbalken krachten und das Erdgeschoss unter Wasser stand.

Nun ist der Stecker rabiat rausgezogen worden, und es herrscht dröhnendes Schweigen bei den sonst so beredten und jeglichen eigenen Quatsch schönquatschenden Salonlinken.

Der Stecker wurde so rabiat rausgezogen, dass selbst die E-Mail-Adresse medien@cosmos.ch nicht mehr funktioniert. Es ist ein Notstopp in brutaler Manier; vor Nikolaus haben 71 Mitarbeiter erfahren, dass es eher traurige Weihnachten werden. Denn ab sofort ist die Arbeitslosenversicherung für sie zuständig.

Die beiden erst seit drei Monaten amtierenden Totengräber-VR nehmen kein Blatt vor den Mund: «Das Kosmos ist illiquid und hoffnungslos überschuldet», sagt Roberto Feusi der NZZ. Er und sein Kollege Valentin Diem hätten gleich nach Amtsübernahme ein externes Gutachten erstellen lassen, «das unter anderem massiv zu hohe Personal- und Warenkosten im Verhältnis zum Umsatz ergeben habe».

Natürlich kann man als VR nicht allzu schlecht über das vertretene Unternehmen sprechen. Aber die Worte Sauhaufen, Misswirtschaft, Wolkenkuckucksheim, keine Ahnung vom Geschäft, aus dem Ruder laufende Kosten sind nicht fehl am Platz.

Doch interne Querelen und Sprüche wie, dass die Gefahr bestehe, dass der kulturelle Aspekt zugunsten der Gastronomie «marginalisiert» werde, waren den Beteiligten wichtiger als ein Kassensturz. Nachdem der vorherige, rein weibliche Verwaltungsrat unter Führung von Monica Glisenti im Frühling geschlossen zurückgetreten war, dümpelte das Kosmos führungslos vor sich hin.

Kein Grund für Samir und Konsorten, sich nicht in erster Linie um Machtansprüche zu kümmern oder beleidigte Leberwurst zu spielen. Dabei hatten SBB und Aktionäre und Darlehensgeber schon mehrfach einiges Geld ans Bein gestrichen, um eine drohende Überschuldung zu vermeiden. Auch sie stehen nun vor einem kompletten Scherbenhaufen.

Denn das «Kosmos» ist nicht etwa von Rechten gekapert worden, wie Schwurbler Binswanger behauptete. Sondern zum ersten Mal seit vielen Jahren haben zwei Geschäftsleute den Laden analysiert, sind tödlich erschrocken und haben sofort die Konsequenzen gezogen.

Was man an Gejammer von Beteiligten wie Samir («habe den Untergang kommen sehen»), Patrick Frey («vom Investor-Standpunkt war es nicht mehr machbar») oder Monica Glisenti («gibt diesen Leuchtturm nicht mehr») zu hören ist, ist unerträglich. Ein Wort zu den Veranstaltern eines Filmfestivals, die nun vor verschlossenen Türen stehen? Ach was.

Ein Wort zu den 71 Angestellten, die von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts stehen? Vielleicht die Ankündigung eines freiwilligen Sozialplans, ein Zustupf, jetzt vor Weihnachten? Ein Beitrag gegen die Kälte des Kapitalismus, Solidarität mit den Lohnabhängigen, den Opfern des Kapitals? Gelebte Mitmenschlichkeit, von der doch so gerne gequatscht wird, bei einem Cafe Latte? Nichts von alledem. Die alternativen, linken, humanistischen, das Üble in der Welt beklagenden und das Gute fördernden Betreiber des Kosmos zeigen ihr wahres Gesicht: all das ist nur Gebrabbel. In Wirklichkeit, wenn’s mal darauf ankommt, sind den Erblinken die Schicksale der auf der Strasse stehenden Angestellten schlichtweg scheissegal.

Und wo sind all die, die ansonsten für die Rechte der Arbeiter die Faust erheben, gegen brutale Entlassungen polemisieren, sich über Rohheit und Gleichgültigkeit der Besitzer von Unternehmen beschweren? Sammelt Daniel Binswanger nun wenigstens mal nicht Kohle für die «Republik», sondern für die Gefeuerten? Dreht Samir einen Film über den Kosmos-Skandal? Macht Patrick Frey ein anklagendes Buch daraus?

Die Erblinken haben einiges Geld verlocht, was sie nicht sonderlich schmerzt. Sie werden allem und allen die Schuld für das Scheitern geben, nur nicht sich selbst. Die Konsequenzen ihrer Unfähigkeit müssen die Angestellten ausbaden. Solidarität, Kampf gegen Ausbeutung und brutalen Neoliberalismus – das findet natürlich nur ausserhalb des Kosmos statt. Und nur als Lippenbekenntnis.

Für all das gibt es leider nur ein Wort, beziehungsweise zwei: zum Kotzen.

Nord Stream 2: Zuger Zombie

Die Massenentlassung, die keine ist. Oder ein Konkurs, der keiner ist.

Bundesrat Parmelin gab bekannt, dass die Firma Nord Stream 2 im Gefolge der Sistierung der Inbetriebnahme der neuen Erdgaspipeline 140 Mitarbeiter entlassen habe. Die fertig gebaute Pipeline Nord Stream 2 wurde vom deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz nach längerem Zögern auf Eis gelegt.

Das wiederum wäre eine Massenentlassung mit allen arbeitsrechtlichen Konsequenzen, einem Sozialplan und so weiter. In «Blick TV» korrigierte daraufhin die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (Mitte) den Bundesrat: es handle sich um keine Massenentlassung, «das ist es nur, wenn das Unternehmen weiter besteht. In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Konkurs.»

Nur: Das Konkursamt von Zug weiss nichts davon, verweist ans Kantonsgericht. Das sagt, dass es nichts sagt. Anfrage bei der Volkswirtschaftsdirektion. Die Firma habe «massive Zahlungsschwierigkeiten», wegen den Sanktionen seien alle Konten gesperrt. Daher seien 106 Mitarbeiter gekündigt worden.

Es handle sich aber dabei um keine Massenentlassung. Ein Konkurs sei auch nicht offiziell angemeldet worden. Ist eine Firma pleite, braucht es keinen Sozialplan und müssen keine Vorschriften einer Massenentlassung beachtet werden. Man muss da von einem Zuger Sonderweg in den rechtsfreien Raum sprechen.

Ist eine Firma nicht Konkurs, dann muss sie entsprechende Gesuche stellen und sich um einen Sozialplan bemühen. Oder aber, es ist eine Firma in Zug. Die darf dann sozusagen in einer Zwischenzone als Untote weiterleben. Diesen Zustand nennen wir den Zuger Zombie.