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Schlagwortarchiv für: Bärfuss

René Zeyer

Wumms: Oswald Egger

20. Juli 2024/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Wie Georg Büchner Jahr für Jahr geschändet wird.

Schwurbelalarm:

«Es heißt: Ein Leben leben, sein Spiel spielen, Tänze tanzen, Tode sterben, und Wort für Wort, Ton in Ton, von Zeit zu Zeit, von Klippe zu Klippe, gleichem gleichkommen, wie in einer Welt in der Welt (noch einmal), Hölderlins «Hyperbel der Hyperbel»: Der Gegensatz des Gleichen und Verschiedenen ist gleichfalls, ein fließender. Ich suche – allenthalben – Unbedingtes, und finde überall nur Dinge (und diese sie umringenden Bedingungen). Nur – sind die Dinge, wie sie sind? Könnte ich mir von unmöglichen Dingen eine Vorstellung machen? Sind die Dinge, wie sie sind, in Worten, irgendwie in den Worten, ich meine, erinnert darin?»

So eiert Oswald Egger auf Wunsch (oder auch ohne Wunsch) vor sich hin. Das darf und soll er. Was aber verboten gehört: «Mit Oswald Egger zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen Schriftsteller aus, der seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 1993 die Grenzen der Literaturproduktion überschreitet und erweitert. Er arbeitet an einem Werkkontinuum, das Sprache als Bewegung, als Klang, als Textur, als Bild, als Performance begreift und sich in der Fortschreibung und Veränderung des Sprachgebrauchs entwickelt.»

Büchner ist das viel zu früh verstorbene Genie der deutschen Literatur. Er hinterliess ein Monument von Werk, das zu einer alle überstrahlenden Kathedrale geworden wäre, hätte er nur die Zeit dafür gehabt. Zu recht trägt der bedeutendste deutsche Literaturpreis seinen Namen.

In der inzwischen langen Reihe der Preisträger gibt es würdige Persönlichkeiten wie Max Frisch, Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger, Peter Weiss oder Heinrich Böll. Aber seit einigen Jahren ist die Jury auf Abwegen, tritt sie das Erbe Büchners mit Füssen, kürt Preisträger, die nicht einmal durch eine Gesinnungsbrille gesehen auch nur ansatzweise das Format haben, mit Büchner in einem Atemzug erwähnt zu werden.

Sternschnuppen sind’s, an die sich sehr schnell niemand mehr erinnert. Wem sagen die Namen Jan Wagner, Teréza Nora, Elke Erb, Clemens J. Setz, Ermine Sevgi Özdamar oder Lutz Seiler etwas? Allesamt Büchner-Preisträger. Lukas Bärfuss ist hierzulande eine Ausnahme; der Sprachholperer, der keinen graden Satz (oder Gedanken) zu Stande bringt, bekam den Büchnerpreis 2019. Keiner dieser Karikaturen hatte den Anstand, den Preis abzulehnen.

Diesen Preis mit diesem Namen an solche Nulpen zu vergeben, das zeugt von einer Kulturlosigkeit, die leider dem aktuellen Zeitgeist entspricht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-20 06:00:462024-07-19 11:31:07Wumms: Oswald Egger
René Zeyer

Sohohohntag

16. Mai 2022/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die gnadenlos subjektive Presseschau.

Die SoZ hat sich diesen Sonntag als Lautsprecher eines Antidemokraten disqualifiziert. Also strafen wir ihr sonstiges Schaffen mit Ignoranz.

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Die «NZZamSonntag» überrascht mit einer nicht ganz taufrischen, aber mutig umgesetzten Kunst-Aktion: Sprayer Nägeli lebt und sprayt das Blatt voll. Das ist so schräg und mutig, dass wir es bei einer Verneigung bewenden lassen. Denn auch sonst, siehe Belfast, ist der Inhalt mehr künstlerisch als nachrichtlich. Ausser im Beitrag von Zoé Baches, die vor Augen führt, was genau es bedeutet, wenn eine weitere Person (oder Firma) auf der ominösen Sanktionsliste der USA landet.

Also bleibt ja nur der «SonntagsBlick», seufz. Der probiert’s auf dem Cover auch mit etwas Künstlerischem:

Kannst du etwas nicht fotografieren, lass es zeichnen. Etwas armselig, aber immerhin, ein Aufreger. Dafür danken wir auch von Herzen, denn Chefredaktor Gieri Cavelty widmet den Arbeitsbedingungen bei der Migros-Tochter Digitec Galaxus sein Editorial, eingeleitet mit dem Thema, ob der orange Riese nun Alkohol direkt in seinen Filialen verkaufen sollte oder nur über Denner und andere Anhängsel. Dabei verwendet er nicht ein einziges Mal das Wort Ukraine; Zeichen und Wunder.

Dachte ZACKBUM, bis wir zur Seite 27 vorstiessen. Denn was ist dort? Genau, ein Kommentar von Cavelty über – den Krieg des Unrechtsregimes. Nein, er meint nicht die Türkei. Auch nicht Saudi-Arabien. Er meint Russland.

Aber immerhin, man soll auch loben können, der Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Versandhändlern wie Digitec Galaxus ist aufrecht. Die Enthüllung, dass das Schweizer Farbfernsehen im Suchen nach vorzeigbaren Feministinnen deren rechtsradikale Wurzeln übersah, sehr schön.

Auch die Berichterstattung, dass unsere Nationalratspräsidentin sich nicht scheut, nach Kiew zu reisen, um ihre «Solidarität» auszudrücken und ein Zeichen zu setzen, sich aber auch nicht scheut, sich neben der aserbaidschanischen Parlamentspräsidentin fotografieren zu lassen und sie mit warmen Worten im Nationalrat zu begrüssen, ist aufrecht.

Ob’s den drei Eidgenossen im Hintergrund den Magen gekehrt hat?

Denn was soll’s, dass Aserbaidschan einen schmutzigen Krieg gegen Bergkarabach führte. Mit Streubomben, Kriegsverbrechen und allem. Aber, wo ist das schon wieder? Wer ist das? Ist doch alles weit weg, keine Kameras dort, wozu dorthin reisen oder gar ein Wort drüber verlieren. Denn wie sagt Irène Kälin so unnachahmlich einfältig: «Bei aller berechtigten Kritik muss man sehen, dass es nach Kriegsende auch positive Signale gibt.» Na dann. Das sieht nach grossem Bahnhof für den russischen Parlamentspräsidenten aus, wenn der Krieg in der Ukraine beendet ist.

Eher peinlich ist dann das traditionelle Wohlfühlinterview mit dem abtretenden Swisscom-Chef Urs Schäppi. «Ich habe nichts vermasselt», darf der schon im Titel-Quote behaupten, und dann badet er in Zuckerwatte-Fragen. Pleiten, Pech und Pannen? Netzausfälle, nicht funktionierende Notrufnummern? Ach je, kleine Probleme gibt’s doch überall.

Wenn der Schleim aus dem Blatt tropft …

Noch ein launiges Foto mit Schäppi neben Spiderman, und tschüss.

Ganz blöd für das People-Blatt war natürlich, dass der Sieger des Eurovision Song Contest bis Redaktionsschluss nicht feststand. Nicht einmal, dass die grosse Schweizer Hoffnung Markus Bear («Bearenstarker Auftritt», Titelscherz lass nach) es nur auf den vorletzten Platz schaffte. Mit nicht allzu viel Wagemut hätte der SoBli doch die Ukraine zum Sieger ausrufen können. Im schlimmsten Fall wäre das eine Ente geworden, im besten hätte die Konkurrenz gestaunt und die Leserschaft applaudiert.

Nun müssen wir alle ganz stark und mutig sein. Warum? Darum:

Nein, die Weltlage ist trübe genug, wir haben ein Einsehen mit unseren Lesern und ersparen ihnen die Exegese des Schwurblers Lukas Baerfuss. Wir lassen es kommentarlos bei einem Zitat bewenden. Sein Thema ist die Streichung des Wörtchen «besonders». Dagegen haben im Vorfeld viele protestiert; wieso soll es Bärfuss dann nicht im Nachhinein nochmals tun? Nützt zwar nix mehr, aber ist ein Anlass, grimmig zu schauen und Nonsens zu verzapfen:

«Der wichtigste zeitgenössische Schweizer Schriftsteller», laut SoBli. Eine Beleidigung für die wirklich wichtigen.

Der hebt zu seiner üblichen Schlussapotheose an:

«Während an jenem schönen Maitag das Parlament in Bern das Gemeinwohl vergass (als es der Streichung zustimmte, Red.), verteidigten die Menschen in der Ukraine es mit ihrem Leben.»

Teil dieser Verteidigung ist übrigens eine Pressezensur, die der russischen in nichts nachsteht …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/06/Obduktion.jpeg 396 661 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-05-16 06:00:242022-05-15 12:24:05Sohohohntag

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