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Schlagwortarchiv für: Baerbock

René Zeyer

Musk, der neue Monsterman

5. Januar 2025/12 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Erratisch, jünger, reicher. Der neue Medienzombie an der Seite Trumps.

Wenn George Soros sich mit Think Tanks, Multimillionen und Propagandaplattformen in innere Angelegenheiten osteuropäischer Staaten einmischt, dann tut er das im Namen von Freiheit und Demokratie. Also ist das lobens- und bewundernswert; Massnahmen dagegen sind ein typischer Fall von Zensur und Repression autokratischer Regimes.

Wenn Elon Musk auf seiner Plattform X ein paar Sprüche gegen deutsche Politiker raushaut, dann ist im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los. «Pöbel-Attacke», japst die Presse über den neuen Gottseibeiuns, der glücklose deutsche Gesundheitsminister Lauterbach behauptet, Musk mache «Profit mit Hass und Hetze». Der noch glücklosere deutsche Kinderbuchautor und Wirtschaftsminister Habeck (bitte nicht einklagen) keift sogar, das sei ein «Frontalangriff auf die deutsche Demokratie», doppelt nach: «Finger weg von unserer Demokratie, Herr Musk!» Und will Muskeln gegen Musk zeigen: «Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie autoritäre Gesinnung hoffähig gemacht wird.»

Furchtbar, aber was hatte Musk denn Fürchterliches getan? Er hatte den unfähigen deutschen Bundeskanzler (der klagt wenigstens nicht so schnell) Olaf Scholz als «unfähigen Narr» betitelt und den Bundespräsidenten Steinmeier als «antidemokratischen Tyrann».

Ausserdem hatte Musk auf Einladung der «Welt» ein Essay geschrieben, in dem er die AfD lobte und ihr einen grandiosen Wahlsieg prognostizierte. Obwohl in der gleichen Ausgabe eine scharfe Entgegnung des designierten neuen Chefredaktors der «Welt» erschien, kündigte daraufhin die Chefin der Meinungsseite fristlos. Damit setzte sie sicherlich ein Zeichen für eine offene Debattenkultur.

Noch kreischiger reagierten die Medien, als Musk das deutsche Magazin «Der Spiegel» als «korrupt» beschimpfte. Das seien «Verschwörungstheorien», wurde zurückgeholzt; der «Spiegel» selbst hatte zuvor schon ausgeteilt: «Wer Deutschland regieren will, muss Elon Musk in die Schranken weisen».

Da sich das abgedriftete und schwindsüchtige Organ bei Trump nicht mehr steigern kann, arbeitet es sich nun an Musk ab:

Links ein Monster, rechts ein Monster im Zerrspiegel.

Staatstragend wurde zudem bemängelt, das seien alles unerwünschte, unverschämte, eigentlich unerlaubte «Einflussnahmen auf den deutschen Wahlkampf», wie die deutsche Regierung zu formulieren pflegte.

Eher im Kleingedruckten wurde dann wiedergegeben, wie Musk seinen Vorwurf begründete: «Interessant, dass Gates Geld an den ‹Spiegel› schickt, der dann attackierende Schlagzeilen über mich schreibt».

Was, lässt sich etwa das Sturmgeschütz der Demokratie von einem anderen Multimilliardär finanziell aushalten? Eine bösartige Unterstellung, eine typische Verschwörungstheorie dieser Fake-News-rechten Spinner. Oder auch nicht. Über mehrere Jahre hinweg zahlte die Stiftung von Gates rund 6 Millionen Dollar an den «Spiegel».

Natürlich ging und geht der allen seinen journalistischen «Projekten ohne jeden Einfluss der Stiftung» nach, wie das Magazin schon vor Jahren bei der Offenlegung dieser Spenden schrieb. Dabei handle es sich feinsinnig auch nicht um Spenden, sondern um eine «Unterstützung», da das Magazin mit einem Umsatz von immerhin einer Viertelmilliarde sonst nicht in der Lage wäre, ihm am Herzen liegende Reportagen zu unternehmen.

Zu dementieren, dass durch ein paar Millionen auf den Inhalt direkt Einfluss genommen werden wolle oder könne, das ist nun das übliche Buebetrickli aller Medienorgane. Nur Blödis vermuten oder meinen, dass solche Sachen so laufen, dass Gates den Chefredaktor des «Spiegel» anruft und sagt, ich hätte dann mal gerne eine positive Story über meine Stiftung und eine Hinrichtung von Musk.

Dass ein paar Millionen keinen Einfluss kaufen, ist allerdings auch eine Meinung von Blödis. So wie Reisereportagen, eine Auswahl von Kosmetika, ein Fahrbericht über ein neues Auto selbstverständlich in aller Objektivität geschrieben werden (Scherz lass nach), gibt es unzählige Beweise dafür, wie Einfluss in den Medien gekauft wird, ein gewisser Spin hergestellt wird, Journalisten bearbeitet werden, zu «Informationsreisen» und «Hintergrundgesprächen» an verführerisch schöne Orte mit luxuriösen Hotels eingeladen werden. Manchmal reicht auch schon ein alkoholgetränktes Abendessen, notfalls mit Escort-Service als Zugabe.

Und Hand aufs Herz; obwohl die Information öffentlich erhältlich ist, wie viele ZACKBUM-Leser wussten bislang, dass Bill Gates ein paar Millionen in den «Spiegel» gesteckt hat?

Und nochmal Hand aufs Herz, wer hat dieses Buch gelesen, das weder von einem Spinner, noch von einem Verschwörungstheoretiker geschrieben wurde?

Ist das die einzige Spende, Pardon, Unterstützung für den «Spiegel»? Vielleicht müsste da mal Claas Relotius eine gnadenlose Recherche durchführen. Oder, noch besser, das könnte ein Fall für «correctiv» sein. Oder eher nicht, die werden ja selbst bis über die Ohren «unterstützt». Oder vielleicht sollte das «Organized Crime and Corruption Reporting Project» (OCCRP) nach dem Rechten schauen. Oh, das hiesse ja auch, den Bock zum Gärtner zu machen. Aus dieser Quelle bediente sich übrigens (neben SoZ, SZ und vielen anderen) auch der «Spiegel».

Das neue Jahr fängt so an, wie das alte aufgehört hat: mit journalistischem Trauerspiel auf allen Medienbühnen. Mit verschnupften Politikern, die sonst allen Ländern der Welt gerne und ungefragt Ratschläge geben, was die zu tun und zu lassen hätten (aktuell gerade mal wieder die deutsche Aussenministerin Baerbock in Syrien, die einen langen Katalog von Forderungen verliest, deren Erfüllung die Voraussetzung für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit seien).

Aber das ist etwas ganz, ganz anderes.

Bleibt noch die Frage, wieso sich Musk gerade jetzt so intensiv um Deutschland kümmert. Beantwortet auch kein japsendes Medium, dabei ist die Frage so interessant wie berechtigt.

Die einfache Antwort: in Deutschland laufen Musks Geschäfte gerade nicht so super, eher mies, eher sehr mies.

Das wird auch so bleiben, denn aktuell räumt China seinen Vorsprung mit Tesla ab und übernimmt die Marktführerschaft. Und das ist für einen Egomanen mit autistischen Tendenzen (eingestanden) unerträglich.

Also dürfen wir uns wahrlich auf ein spannendes Jahr mit dem Dreamteam Trump-Musk freuen. Jeder, der meint, die beiden würden nun endlich mal durchgreifen und aufräumen, wird sich noch schwer wundern, was für eine Amokfahrt das werden wird.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/01/Bildschirmfoto-2025-01-04-um-13.19.15.png 393 699 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-01-05 06:00:252025-01-05 09:53:13Musk, der neue Monsterman
René Zeyer

Lachen ist gesund

9. Dezember 2024/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Deshalb lobt ZACKBUM schon wieder den «Blick».

Eigentlich wollten wir’s lassen, aber der «Blick» ist stärker als ZACKBUM. Spätestens hier war’s um uns geschehen:

«Das Beste von BLICK+», echt jetzt? «Beim Freitod nah dabei», soll das eine Anspielung auf den «Blick» selbst sein?

Dann das Video-Trio:

Wahnsinn, Wanderfalken machen Halt in Zürich. Was sagt eigentlich der Tierschutz dazu, dass sie nicht wandern? Dann das «Erklärvideo», was im Körper passiere, «wenn du Zucker isst». Wollen wir das genauer wissen? Und eine posierende Ringerin, wieso denn nicht, wenn man die Lage im Griff hat.

Das kann man vom Titelmacher beim «Blick» nicht unbedingt sagen:

Echt jetzt? Dann stimmen die Gerüchte doch, dass Macron schwul und seine Frau eigentlich ein Mann sei? Aber Trump auch? Unglaublich.

Dann wird es richtig schön:

Die schönsten Natursaunen und Schneeschuhwanderungen sind schon gefunden, nach den Skigebieten wird noch gesucht.

Auch hier darf der Ratgeber nicht fehlen, denn «Blick» ist bekanntlich das Ratgeber-Organ:

Lesch,

Tja, die Gfrörnis kriegen endlich raus, wieso sie so sind, und erst noch mit ärztlicher Hilfe. Und die abenteuerlichen Wintersprotarten? Snowkiten, Fatbike, Eisklettern, Heliskiing (Kämpfer gegen den Klimawandel, weggeschaut), und schliesslich noch Eistauchen. Da kann man gleich fünfmal herzlich lachen, welches andere Organ schafft das schon.

Wer das Editorial von Chefredaktor Reza Rafi liest, bekommt die Halskehre, denn er muss sich um 180 Grad verbiegen (oder um 360, wie Deutschlands Aussenministerin Baerbock – bitte nicht klagen – sagen würde). Denn er versucht sich an einer politischen Analyse seines Lieblingsfeinds. Denn ernennt er zunächst zum «europaweiten Sonderfall».

Denn: «Auf dem ganzen Kontinent entstanden allerlei rechte, rechtskonservative und rechtspopulistische Parteien mit hartem Migrationskurs und europakritischer Haltung. Nur die SVP konzentrierte sich stramm auf wirtschaftsliberale Werte: tiefe Steuern, schlanker Staat, möglichst wenig Umverteilung (ausser bei den Bauern).»

Komisch, da müssen wir die Überfremdungsinitiativen geträumt haben. Nun verabschiede sich die SVP auch noch vom schlanken Staat, weiss Rafi, und eben, einen harten Migrationskurs habe es bei der SVP ja nie gegeben. Aber, neben der Befürwortung eines dicken Staates und der «Fremde, seid willkommen»-Politik gebe es dann doch wieder ein neues, altes Schlachtfeld für die SVP: «Jetzt aber steht erst mal der Kampf gegen das Rahmenabkommen an. Da kann die Partei um Blocher noch einmal klare Kante zeigen.»

Ein solcher zusammenhangsloser Schlusssatz ist nur dadurch zu erklären, dass Rafi plötzlich merkte: oha, da ist ja dann mal der Platz alle für weitere Buchstaben, jetzt eine Vollbremsung mit einem quietschenden Satzfragment.

Dann der obligate Beitrag mit hohem Jö-Faktor:

Aber leider, leider, das Herzensstück hat der «Blick» mal wieder nicht selbst geschaffen, es ist aus der «GlücksPost» ausgeliehen.

Und als Absackerchen noch ein echter Skandal, den «Blick», nun ja, enthüllt:

Aber oh je, nur Abonnenten von «Blick+» dürfen lesen, ob und wieso das so ist. Alle anderen fragen sich vergeblich, wieso diese unhygienische Sitte immer mehr, nun ja, Einzug hält. Und wieso man auf dem Bild nicht nur Badehosen sieht …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/12/Bildschirmfoto-2024-12-08-um-13.24.22.png 414 704 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-12-09 05:30:442024-12-08 13:30:37Lachen ist gesund
René Zeyer

Die grüne Hölle

3. Februar 2023/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Edle Ziele, schäbige Jünger.

Klima, Umwelt, Artensterben, Abholzung des Regenwalds. Wer könnte etwas dagegen haben, sich dafür einzusetzen, dass hier Gutes und Richtiges und Nachhaltiges passiert.

Kurzstreckenflüge verbieten; umweltschädlich, alle Destinationen, die in 10 Stunden Zugfahrt erreichbar sind, dürfen nicht mehr angeflogen werden. Forderte lauthals – wie er vieles lauthals fordert, wenn der Tag lang ist – der Co-Präsident der SP Schweiz. Um sich in den Flieger zu setzen und für ein unscharfes Foto mit dem damaligen Wahlgewinner Olaf Scholz in Berlin zu posieren. Heuchler Cédric Wermuth.

Menschen, die ins KZ abtransportiert wurden, «die hatten eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod». Dieser geschmacklose Vergleich zwang den grünen Nationalrat Jonas Fricker zum Rücktritt. Nun will er aufs Neue antreten, der Heuchler. Für ihn rückte übrigens Irène Kälin nach, die Kriegstouristin. Wie schrieb Philipp Loser, für einmal richtig: «Wir sehen Kälin in einem Zug bei Nacht. Wir sehen Kälin in einem Zug bei Tag. Ein diplomatischer Ausflug als Fotoroman.» Peinlich.

Das Aushängeschild der deutschen Klimabewegung, sozusagen die Antwort auf Greta, trägt inzwischen den Übernamen «Langstrecken-Luisa». Denn gerne postete sie Fotos aus Amerika, Afrika und Asien. Inzwischen hat Neubauer diese Peinlichkeiten gelöscht – was sie nicht ungeschehen macht. Die Heuchlerin.

Ganz allgemein fliegen Klimaschützer gerne um die Welt, um an wichtigen Klimaschutzkonferenzen teilzunehmen. Die haben zwei Eigenschaften: sie finden an exotischen Orten wie Sharm el Sheik statt – und bewirken überhaupt nichts. Reine Heuchelei.

Den Vogel schossen allerdings zwei deutsche Klima-Kleber ab. Die beiden Trottel verpassten im November ihren Gerichtstermin, wie die «Bild»-Zeitung genüsslich berichtet. Das kann ja passieren, aber dafür muss man dann einen Grund angeben. Hier war er sehr putzig: ferienhalber verhindert, die zwei weilten – angesichts des garstigen Wetters verständlich – lieber auf Bali.

Grossartig auch die Rechtfertigung eines Sprecher der Bewegung «Letzte Generation», das muss man über die Lippen bringen, ohne rot zu werden: «Sie haben den Flug als Privatleute gebucht, nicht als Klimaschützer. Das muss man auseinanderhalten können.» Bodenloser Heuchler.

Ganz ähnlich tönt es bei der «Extinction Rebellion Zürich», wie «Blick» herausfand: «Weil alle unsere Aktivist:innen den Ernst der Klima- und Biodiversitätslage verstanden haben, verhalten sie sich so gut wie alle privat sehr nachhaltig. Deshalb und auch prinzipiell geben wir unseren Aktivist:innen keine Empfehlungen ab.»

Eine Spitzenleistung in Sachen Heuchelei ist auch die Beschwerde, dass es schliesslich am System und der mangelnden Besteuerung von Kerosin liege, dass Flugreisen so verdammt billig seien. Grossartig, analog kann man sagen: Ich kann ja auch nichts dafür, wenn auf der Speisenkarte Froschschenkel und Gänseleber stehen.

Seit dem Bonusmeilen-Skandal um den deutschen Grünen Cem Özdemir zeichnen sich vor allem Vertreter dieser Partei, dieser Bewegung durch den Verrat aller Prinzipen aus. Özdemir trat dann 2002 zurück, machte im Bundestag Pause, und weil er ja von etwas leben musste, ging er halt ins Europa-Parlament. Um 2009 wieder in den Bundestag zurückzukehren. Heute ist er Landwirtschaftsminister.

Ein Extremfall ist auch die grüne deutsche Aussenministerin Baerbock. Als Vertreterin einer ehemaligen Friedenspartei, lässt sie Petra Kelly im Grab rotieren mit ihren schrillen Forderungen, dass die Ukraine den Krieg gewinnen müsse und überhaupt Europa im Krieg mit Russland sei.

Es ist das alte Lied. Moral und Anstand zu besitzen, das kann jeder behaupten. Prinzipientreu niemals von gewissen Positionen abzuweichen, das lässt sich leicht krakeelen, wenn das alles nicht einem Bewährungstest unterzogen wird. So wie eine Nonne im Kloster keinen grossen Versuchungen ausgesetzt ist, ihre Keuschheit verteidigen zu müssen.

Besonders widerlich wird es allerdings, wenn in aller Öffentlichkeit, ungeniert und mit absurden Erklärungen geheuchelt, geschwiemelt und alles verraten wird, auf das man mal heilige Eide ablegte.

All diese Wendehälse sind so von ihrer eigenen Rhetorik besoffen, dass sie nicht einmal merken, wie abstossend ihr Verhalten in der Öffentlichkeit wirkt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/02/Bildschirm­foto-2023-02-02-um-08.35.06.png 370 852 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-02-03 05:30:492023-02-03 07:43:28Die grüne Hölle
René Zeyer

Alles Taiwan oder was

5. August 2022/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was passiert, wenn unvorbereitete Politiker und Journis auf ein neues Thema stossen?

Fürchterliches. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock, die gerne schneller spricht als denkt, wurde im grossen Saal der UNO grundsätzlich: «Wir akzeptieren nicht, wenn das internationale Recht gebrochen wird und ein grösserer Nachbar völkerrechtswidrig seinen kleineren Nachbarn überfällt – und das gilt natürlich auch für China.»

Leider teilte Baerbock nicht mit, ob das auch für ihren NATO-Partner Türkei gelte, der bekanntlich seinen Nachbarn Syrien überfallen hat. Oder für den grossen Bruder USA, die ebenfalls völkerrechtswidrig auf Kuba eine Militärbasis unterhalten, wo im rechtsfreien Raum angebliche Terroristen jahrelang ohne Gerichtsverfahren gefangen gehalten werden.

Vielleicht schützt Baerbock ihre Jugend, weshalb sie sich möglicherweise nie über die unzähligen Überfälle der USA in Zentral- und Lateinamerika geäussert hat.

Wo Politiker Gelegenheit zu Dummschwätzen sehen, ist einer nie weit weg. Richtig, der SP-Nationalrat und Spassflieger Fabian Molina. Der fordert forsch:

«Es ist höchste Zeit, dass auch die Schweiz ihre Haltung gegenüber Taiwan revidiert!»

Welche Haltung denn? Die Schweiz hat doch die gleiche Haltung wie die USA gegenüber Taiwan. Nämlich die Haltung eines Wackelpuddings. Die Haltung eines klaren «einerseits, andererseits, aber dann doch nicht». Einerseits schätzt man Taiwan als Handelspartner und als Stachel im Fleisch Chinas. Andererseits akzeptiert man den Alleinvertretungsanspruch Chinas über all seine Territorien. Schon längst wurden Hongkong und Macau Rotchina übergeben.

Aber hier hatten die alten Kolonialmächte das Sagen, in Taipeh herrschte bis zu seinem Tod 1975 der Diktator Chiang  Kai-Shek. Der erhob – mit Unterstützung der USA wohlgemerkt – seinerseits Anspruch auf ganz China. Dahinter steht eine komplizierte Geschichte um die Macht in China. Der Diktator verlor diesen Machtkampf gegen Mao und flüchtete Ende 1949 auf die Insel Formosa, deren Zugehörigkeit zu China niemals in Frage stand.

Mit dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas und dem Ende des Ostblocks verlor der Westen weitgehend das Interesse an Taiwan, fast alle Länder der Welt akzeptierten Festland-Chinas Alleinvertretungsanspruch und stellten die diplomatischen Beziehungen mit der Insel ein, die ebenfalls aus fast allen internationalen Gremien flog.

Nun lenkte die nach Präsident und Vizepräsident dritthöchste Repräsentantin der USA mit ihrem Kurzbesuch das Licht der Weltöffentlichkeit auf diesen potenziellen Konfliktherd. Dummschwätzer Molina fordert weiter, der Bundesrat müsse klarmachen, dass er militärische Schritte gegen Taiwan «keinesfalls akzeptiere». Das erinnert an den grossartigen Streifen «Die Maus, die brüllte». Molina weiss auch noch: In internationalen Beziehungen gelte laut Uno-Charta ein absolutes Gewaltverbot. Leider ist es ihm nicht gegeben, die Problematik zu durchdringen, dass China, die Schweiz und eigentlich alle Staaten der Welt Taiwan als Bestandteil Chinas sehen, also kann es sich schlecht um internationale Beziehungen handeln.

Und die Medien? Die wurden zunächst auf dem falschen Fuss erwischt, aber Google Maps klärte viele Journalisten darüber auf, wo Taiwan eigentlich liegt. Ein Blick in Wikipedia verschaffte dann das nötige Rüstzeug, um gewichtige Kommentare abzusondern. «Unheilvolles Abschiedsgeschenk», runzelt die NZZ über die Stippvisite von Nancy Pelosi die Stirn. Sie hinterlasse «ihrem Land und der Welt ein hochexplosives Pulverfass, das jederzeit in die Luft fliegen kann», poltert der Blöd-«Blick». Die CH Medien wissen: «Taiwan braucht genau jetzt den Beistand des Westens. Pelosis Eintreten für Taiwans Demokratie ist richtig.»

Tamedia schliesslich leiht sich seine Meinung von der «Süddeutschen»: «Taiwan ist eine starke Demokratie, die sich von einer Militärdiktatur friedlich zu einem der progressivsten Staaten Asiens entwickelt hat. Es ist zwingend notwendig, die Insel im Rahmen der Ein-China-Politik gegen Chinas Drohungen zu verteidigen. Das ist eine Pflicht, der auch Europa bisher zu wenig nachkommt.»

Nun, wer Selenskij für einen lupenreinen Demokraten hält, meint auch, Taiwan sei eine westliche Demokratie. Vielleicht hülfe ein Blick in die Verfassung mit ihrer merkwürdigen fünffachen Gewaltentrennung sowie eine Auffrischung des Kurzzeitgedächtnisses. Denn bis 1990 war Taiwan alles andere als eine Demokratie, sondern ein autoritär nach dem Einparteienprinzip beherrschtes Land, das darin durchaus China imitierte. Welche Meinung der Diktator und seine bis 1992 herrschende Kuomintang über Demokratie hatte, könnte man nachlesen. Wenn man könnte und wollte und nicht aus dem Stegreif nachplappern würde.

Dass Politiker wie Molina das tun, gehört bei ihnen zum Handwerk. Aufregerthema, her mit einer Meinung und vor allem einer Forderung. Und tschüss. Taiwan wird aus Molinas Augenwinkel wieder verschwinden. So wie zuvor Afghanistan und unzählige weltweite Probleme mehr. So wie die Abschaffung der NATO.

Dass aber sogenannte Qualitätsmedien grösstenteils jämmerlich dabei versagen, zu einem aktuellen Thema Hintergründe und Aufklärung zu liefern: ein weiterer Sargnagel, eigenverantwortlich eingeschlagen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/08/Taiwan2.jpeg 534 921 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-08-05 05:30:162022-08-04 18:24:32Alles Taiwan oder was

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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