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Schweizer Finanzplatz in Gefahr

Es ist nicht nur die Chefetage …

«Inside Paradeplatz» wird vorwiegend von Bankern, Finanzleuten und Back-Office-Hirschen gelesen. Die haben, bevor die nächste Entlassungswelle sie rausspült, offenbar viel Freizeit am Co-Working-Schreibtisch, zu dem sie jeden Morgen ihr Rollköfferchen schieben dürfen.

Diese Freizeit nützen sie kräftig, indem sie Kommentare schreiben. Natürlich unter Pseudonym, denn das macht mutig und ist ein willkommenes Ventil für den geknechteten Bürogummi, der vergeblich von einem eigenen Eckzimmer mit Pflanze und Besprechungsbeule am Schreibtisch träumt. Es ist beelendend zu lesen, welche Hemmungslosigkeit ausbricht, wenn der Wäffler meint, aus dem geschützten Hinterhalt schiessen zu dürfen. Dabei ist er zu blöd zu wissen, dass man ihn über seine IP-Adresse problemlos identifizieren kann …

Wenn ZACKBUM-Autor René Zeyer dort publiziert, geht’s meistens rund; im Kommentarmorast blubbern die Blasen, dass es eine Unart hat. Das ist ausgesprochen erheiternd, wenn man sich die zurzeit über 160 Kommentare zu einem aktuellen Artikel anschaut. Zunächst ist festzuhalten, dass Kritik erlaubt und erwünscht ist; im Gegensatz zu allen Kommentarschreibern sind wir keinesfalls der Auffassung, die einzig richtige, unantastbare und ewige Wahrheit zu verkünden.

Aber das Gelächter verkümmert etwas, wenn man sich überlegt, dass diese Kommentarschreiber wohl einen repräsentativen Querschnitt der Angestellten in der Schweizer Finanzbranche darstellen. Was da an Frust, Unkenntnis, wildem Gehampel, krakeelender Rechthaberei losgelassen wird, ist Anlass zu schwersten Bedenken, wie diese Nulpen denn eigentlich ihrem Beruf nachgehen. Auffällig ist auch die fast immer völlige Abwesenheit von Sachverstand und Argumenten. Natürlich gibt es einige strahlende Ausnahmen, aber wenn man sich folgende, kommentarlos dargebotene Blütenlese anschaut (in Original-Rechtschreibung), dann fürchtet man schon das Schlimmste für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz …

«Der mit Abstand schwachsinnigste Kommentar den ich in den letzten Jahren gelesen habe.»

«Mit Verlaub Sie sin ein Loch Dumm Arsch & S. Wenn Sie nicht raffen, dass eine Axpo nicht den Auftrag hat im Casino Geld zu verlieren, sondern die Grundversorgung von Strom sicherzustellen. Dann sollte man Ihnen einfach den Stecker ziehen.»

«Germanist & Berliner erklärt Stromkonzerne ;-))) Brüder Grimm für Nebelspalter, Weltwisch & Zackbum Freunde der Morgenröte …»

«Der Autor (und die allermeisten) verstehen das wirkliche Ausmass dieser Tragödie nicht

«Wer keinen blassen Schimmer hat von Stromhandel, soll gefälligst nicht darüber schreiben. Auch wenn er dafür dreissig Silberlinge bekommt

«So ein Quatsch. Schönreden kann man ja irgendwie alles.»

«Warum zum Teufel behauptet die Axpo GL dass eine Absicherung notwendig war??? Entweder glaubt man am eigenen Business oder macht man zu!!»

«Die Axpo hatte nie die Aufgabe, mit Strom zu spekulieren, sondern die Stromversorgung in den beteiligten Kantonen sicherzustellen.»

«Ich glaube, der Herr Zeyer schreibt sich einfach den Frust über seine eigenen Fehlleistungen vom Leib

«Herr Zeyer, hatten Sie mit dem Mathe-Fach Logik ihre Probleme? Das erahne ich aus ihrem wirren Geschreibsel

«Welche Schande, dass Sie sich „Journalist“ nennen! Sie demaskieren sich selbst: Weder Ahnung vom Strommarkt, noch von der internen „Strombarone“-Kultur in allen grösseren EVUs. Wie viel Geld erhalten Sie von Axpo & Co?»

«Leider wird nicht geklärt, ob der Autor von der Axpo, vom Bund, von involvierten Kantonen, von einschlägigen Verbänden, etc. direkt oder indirekt Mandate erhalten hat.»

«Sie, Herr Zeyer, haben keine Ahnung.»

«Auftrag der Axpo ist die Stromproduktion Handel waere meines Erachtens nur mit evtl Ueberschuss Produktion erlaubt»

«Wieviel hat Ihnen die AXPO bezahlt für dieses Märchen

«Danke Zeyer, besser kannst Du den Schrott, den Du hier regelmässig vom Stapel lässt, nicht beschreiben

«Ein weiterer oberflächlicher Artikel zum Thema. Bitte zurück an den Start. Machen Sie Ihre Aufgaben und erklären Sie weshalb wir in dieser miserablen Situation sind

«Eine kurze aber sehr präzise Antwort von Herrn Zeyer erwarte ich an dieser Stelle in den nächsten 48 Stunden

Man muss aufgeben können

Das Thema Axpo ist hiermit beendet.

Die Axpo hat nicht gezockt. Sie hat nicht im «Casino» gezockt, sondern aus dem Stromhandel kontinuierlich hübsche Gewinne erwirtschaftet. Ihr Liquiditätsproblem hat damit null zu tun. Wer rechthabert, man hätte sich halt auf steigende Energiepreise vorbereiten sollen, ist angesichts der aktuellen Preisexplosion seit dem Ukrainekrieg ein Dummschwätzer im Nachhinein.

Das ist etwa so schlau, wie wenn man im Nachhinein verkündet: Die «Titanic» hätte halt schon besser auf Eisberge achten sollen.

– Die Oberlunkhofer haben nicht spekuliert, nicht Strom gekauft auf Termin. Resultat: bekannt.
– Der Spekulant ist nicht derjenige, der nicht auf Termin kauft/verkauft. Der Spekulant ist derjenige, der es nicht tut! Er spekuliert nämlich damit, dass alles seinen gewohnten Gang geht.
– Garantiert hat jeder der Kommentarschreiber irgendeine Versicherung. Das ist nichts weiter als ein langfristiges Termingeschäft. Untergruppe Optionen.

Und die Axpo solle lieber Kraftwerke bauen? Das täte sie liebend gerne, wenn nicht x Bauvorhaben mit x Einsprachen und Rekursen blockiert wären.

Jeder hat das Recht, hier im Kommentar seine freie Meinung zu äussern, insofern die sich im Rahmen des rechtlich Erlaubten und weitgehend Anständigen bewegt. Aber das Ausleben ungehemmter Unkenntnis, gepaart mit arroganter Rechthaberei, das ist wirklich unerträglich.

Damit lassen wir es sowohl mit der Leserbelehrung wie auch -beschimpfung bewenden.

Stromereien und Zockereien

ZACKBUM legt sich mit seinen Lesern an. Sollte man nicht tun.

Tun wir aber. Denn wir empfinden uns hier doch noch als Erziehungsanstalt und der Aufklärung verpflichtet. Schliesslich unterscheiden wir uns auch von Organen wie die «Republik» oder Tamedia, die nur im Rahmen des von ihrer Gesinnungsblase Erlaubten die Wirklichkeit zurechthübschen und niederschreiben.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Richtig geraten, es geht nochmals um die Axpo. Nach vertiefter Beschäftigung und mithilfe der NZZ haben wir bereits eingeräumt, dass wir uns in der ersten Analyse getäuscht haben. Die Firma hat schlichtweg ein Liquiditätsproblem, das durch die Besonderheiten des Strommarkts verursacht wurde. Oder einfach gesagt: wer vor einem Jahr prognostiziert hätte, dass der Strompreis von 60 Franken die MWh auf über 1000 explodiert, wäre mit Elektroschocks behandelt worden.

Das wurde soweit verstanden, aber im Chor wird weiterhin der Vorwurf erhoben: «Wer fremden Strom zu angenommenen Preisen auf Termin kauft oder verkauft, ist ein Spekulant. Die Axpo hat mehr Energie gehandelt, als sie selber erzeugt, also ist das Spekulation.»

Das ist richtig, und das ist auch gut so. Fangen wir von hinten an, beim privaten Stromkonsumenten. Der ist nämlich auch ein Spekulant. Warum? Ganz einfach, er schliesst einen Terminkontrakt ab. Macht also genau das, was der Axpo vorgeworfen wird. Der Terminkontrakt besteht darin, dass sein Stromlieferant sich verpflichtet, bis weit in die Zukunft hinein Strom zu einem heute fixierten Preis zu liefern. Wobei nicht einmal die Menge bekannt ist. Spart der Konsument wie wild oder lässt er fünf Elktroöfeli laufen? Das weiss der Stromlieferant alles nicht; er weiss nur, dass er ohne Pleite zu gehen eine unbekannte Menge Strom zu einem fixierten Preis zu liefern hat. Ob auf dem Strommarkt die Preise noch weiter durch die Decke gehen oder nicht.

Nun könnte man einwenden, dass die Axpo dann halt um des Stromes willen Terminkontrakte handeln darf, die ausreichen, um ihren eigenen geschätzten Strombedarf zu decken. Aber handelt sie mit grösseren Volumen, dann sei das eben Spekulation, Zockerei, pfuibäh.

Stellen wir dagegen ein konkretes Beispiel:

Nehmen wir an, die Axpo hat auf Termin 1 Jahr 1 GWh Strom verkauft für Euro 200.- die MWh und nach 3 Monaten sieht sie, dass sie ½ GWh auf denselben Termin kaufen kann zu Euro 150.- die MWh, umgekehrt für einen Termin ein paar Tage später Euro 250.- bekommt die MWh; warum soll sie dann nicht ½ GWh billig zurückkaufen und für einen ähnlichen (ein paar Tage längeren Termin) ½ GWh wesentlich teurer verkaufen? Man müsste den VR entlassen, wenn er solche Gelegenheiten nicht wahrnehmen würde. Es ist so, dass bei der Axpo ein Tradingroom besteht, wo den ganzen lieben Tag gehandelt wird und Arbitragemöglichkeiten wann immer möglich wahrgenommen werden.

CEO Brand hat nun ein kitzliges Kommunikationsproblem. Gesteht er ein, dass die Axpo mit dem Trading hübsche Gewinne macht, versteht niemand, wieso dann die nächste Stromrechnung um 30 Prozent aufschlägt. Dieser geldgierige Wegelagerer. Müsste er einräumen, dass es im Trading Verluste gegeben habe, wäre er ein Versager und sollte entlassen werden.

Wie er’s auch macht, er kriegt von meinungsstarken, aber wissensschwachen Populisten eine rein. Termingeschäft, Spekulation, Zocker, Schweinerei. So geht die Mär.

Der Kurzschluss fängt schon bei dem beliebten Vorurteil an, dass Spekulation als solche des Teufels sei. Geldgierige Spekulanten manipulieren die Preise, treiben sie hoch und runter, je nachdem, wie sie zocken. Eine verdammte Sauerei, eine bodenlose Sauerei, wenn es dabei sogar um Nahrungsmittel oder eben um Bestandteile der Grundversorgung wie Strom geht. Denen muss man das Handwerk legen. Noch schlimmer, wenn sie dann auch noch mit dem Geld des Steuerzahlers gerettet werden müssen, wenn sie sich verzockt haben.

Der zweite Teil trifft schonmal, da sind sich wohl alle einig, auf die Axpo nicht zu. Die hat sich nicht verzockt, sondern macht hübsche Gewinne mit dem Trading. Welche die Besitzer, also die Kantone, gerne einstecken. Aber die Axpo hat ein mögliches Liquiditätsproblem, weil im Strommarkt abgeschlossene Terminkontrakte mit Sicherheiten unterlegt werden müssen, wenn der Preis steigt. Trivial.

Nun ist es so, dass ein Terminkontrakt keinesfalls des Teufels ist, sondern Handlungssicherheit schafft. So wie der Stromkonsument ein Jahr im Voraus weiss, welchen Preis er für eine MWh bezahlen wird, weiss zum Beispiel ein Bauer bereits ein halbes Jahr vorher, welchen Preis er für seine Ernte erzielen wird. Mit dieser Garantie kann er beispielsweisse Düngemittel kaufen. Ist der Preis für eine Tonne Reis zum Zeitpunkt der Fälligkeit des Terminkontrakts höher als bei Abschluss, hat der Bauer allerdings etwas Pech gehabt.

Liegt der Preis aber niedriger, geht das auf Kosten des sogenannten Spekulanten. Denn er muss den höheren, vereinbarten Preis bezahlen. Natürlich ist das von beiden Seiten Spekulation. Und das ist gut so. Hilfreich. Sinnvoll.

Vielleicht hilft auch der Hinweis auf eine banale Tatsache: alle Spekulationen sind Wetten. Wetten auf eine zukünftige Entwicklung. Und Wetten brauchen immer mindestens zwei Beteiligte. Denn man kann ja schlecht gegen sich selbst wetten. Also gibt es immer Gewinner. Genau wie Verlierer. Wobei der Gewinn von den Verlusten bezahlt wird.

Und damit allenfalls der Leser richtig aufschäumt: Es hat viele Versuche gegeben, den Einfluss von Spekulationen, Termingeschäften, vom Handel mit Derivaten ganz allgemein auf die Preisbildung von Produkten, natürlich in erster Linie Rohstoffe, nachzuweisen. Denn das Bild vom hemmungslosen, geldgierigen Spekulanten, der für den eigenen Profit Grundnahrungsmittel unerschwinglich macht, wodurch in der Dritten Welt Hungersnöte ausbrechen, ist zu verführerisch, als dass man es nicht ständig bedienen würde.

Kleines Problem: dieser Nachweis ist nicht gelungen. Im Gegenteil, auch die Analyse grösster Datenbanken hat immer wieder ergeben, dass es keine signifikante Korrelation zwischen Spekulationsmustern und der Preisentwicklung gibt.

Das ist natürlich blöd, weil es einem allgemein anerkannten Feindbild etwas die Farbe nimmt. Aber die Realität ist halt immer viel bunter, wenn man sie wirklichkeitsnah zu analysieren versucht – statt sie mit der ideologischen Brille zu betrachten. Die gibt zwar Halt in haltlosen Zeiten. Behindert aber Erkenntnisgewinn ungemein.

ZACKBUM hat sich getäuscht

Die Sache mit Axpo ist anders.

Wir bitten um ehrfürchtiges Schweigen der Leserschaft und anschliessenden donnernden Applaus. Denn ZACKBUM macht hier etwas, was im Rechthaber-Journalismus äussert selten ist und meistens mit einer Gegendarstellung erzwungen werden muss: wir räumen ein, uns fundamental getäuscht zu haben. Ist uns nicht sonderlich peinlich, denn einmal im Leben kann sich jeder irren.

Im Ernst: ZACKBUM hat Axpo und das Führungspersonal kräftig in die Pfanne gehauen. Damit sangen wir im anschwellenden Chor der Mainstream-Medien mit, während Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» der Vorsänger war. Der Staat müsse wieder Zockern unter die Arme greifen, behaupteten wir.

Tiefere Erkenntnis ist der Feind oberflächlicher Betrachtungsweise. Einmal mehr, wir können nichts dafür, müssen wir das Loblied der NZZ singen. Auch das Blatt für die besseren Stände und die grösseren Köpfe ist nicht unfehlbar. Aber dieses Stück von Hansueli Schöchli ist nun erste Sahne:

 

Er tut nämlich genau das, wozu Qualitätsmedien eigentlich da sein sollten und Geld heuschen: er denkt nach, analysiert, macht sich kundig und ordnet ein. Ein Lehrstück, wie Journalismus sein sollte. Und ein Belehrstück.

Schöchli stellt schon am Anfang die richtige Frage: Wenn Stromkonzerne wie Axpo massig Gewinn machen und auch die Gewinnaussichten rosig sind, dabei aber einfach ein kleines Liquiditätsproblem haben, wieso werfen ihnen dann die Banken nicht Kredite nach?

Zunächst einmal: was ist ein Liquiditätsproblem? Das kann sich zum Beispiel so äussern, dass eine Bude Ende Jahr mit einem Supergewinn dastehen wird. Würde, denn vorher ist sie mal kurz pleite, weil sie die laufenden Ausgaben nicht begleichen kann. Daher ist eine Finanzflussplanung etwas vom Wichtigeren im Finanzhaushalt.

Die Stromhändler, nicht nur die Axpo, stehen nun vor folgendem Problem. Der Stromhandel funktioniert so, dass Terminkontrakte mit langer Laufzeit abgeschlossen werden. Also beispielsweise: Axpo liefert 2024 Strom an einen Kunden. Letztes Jahr wurden dafür 100 € vereinbart. Vorteil für beide: Planungssicherheit. Man kann mit einem fixen Preis rechnen. Nun aber das Problem:

«Springt aber in der Zwischenzeit der Marktpreis von 100 auf 1000 Euro, muss der Verkäufer zusätzlich 900 Euro als Sicherheit hinterlegen – damit sich der Käufer am Markt frisch eindecken könnte, wenn der Produzent 2024 nicht für 100 Euro liefern kann. Liefert der Verkäufer wie vereinbart, erhält er die 900 Euro zurück

Da man davon ausgehen kann, dass die Axpo normalerweise in der Lage ist, den Strom wie zugesagt zu liefern, bekommt sie also die Sicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zurück. Aber sie muss sie zuerst auf den Tisch legen. Daher das Liquiditätsproblem. Dazu muss man auch noch verstehen, dass Strom eben nicht problemlos gelagert werden kann. Im Prinzip wird der gerade erzeugte Strom gehandelt und verkauft.

Dann bliebe also noch die Frage zu beantworten, wieso die Axpo sich nicht mit Krediten auf dem normalen Kapitalmarkt eindeckt, sondern zum Bund rennt und einen Rettungsschirm, bzw. eine Kreditlimite von 4 Milliarden fordert.

Zur Erklärung führt Schöchli diverse Faktoren eher finanztechnischer Art an. Um dann zusammenzufassen:

«Die genannten Hemmfaktoren sollten theoretisch keine entscheidende Rolle spielen, wenn Engagements bei den Stromkonzernen risikofrei wären. Doch das sind sie naturgemäss nicht: Niemand kann garantieren, dass der Spruch «es gibt kein Solvenzproblem» künftig noch stimmen wird. Die Ratings diverser Finanzmarktteilnehmer für die Axpo Holding sind nicht schlecht (BBB+ oder A-), aber sie liegen wesentlich unterhalb der Höchstnote AAA.»

Der Bund geht also durchaus ins Risiko, vor allem auch, weil er einen nachrangigen Kredit anbietet. Das heisst, zuerst werden alle andere Gläubiger bedient, sollte die Axpo dennoch pleite gehen. Und erst, wenn dann noch etwas übrig ist, bekäme der Bund sein Geld zurück. Dafür dürfte er aber – Schätzung von Schöchli – auch rund 10 Prozent Zins kassieren.

Also kann und muss man, in Widerspruch zu unserem dummen Geschwätz von vorgestern, eindeutig sagen: es hat sich hier niemand verzockt. Es ist durch eine in der Dimension tatsächlich nicht vorhersehbare Preisexplosion auf dem Strommarkt eine Situation entstanden, in der vor längerer Zeit abgeschlossene Terminkontrakte mit exorbitanten Sicherheiten unterlegt werden müssen. Das hat die Axpo tatsächlich in ein Liquiditätsproblem gestürzt, das eine kurzfristige Lösung brauchte.

Da die Axpo wohl aber zumindest zum grössten Teil den auf Termin versprochenen Strom liefern wird, wird das meiste der Sicherheiten wieder ausbezahlt werden. Hinzu kommt, dass die Axpo als Stromproduzent selbst von den gewaltig gestiegenen Strompreisen profitiert und ihre Gewinne wohl explodieren werden.

Ein paar Randfragen bleiben. Wieso konnten die Kantone als Besitzer nicht in die Bresche springen? Wieso gibt es ein Dividenden-, aber kein Bonusverbot? Hat die Axpo tatsächlich alle Anstrengungen unternommen, sich auf dem freien Kapitalmarkt die nötigen Kredite zu besorgen? Erschien es ihr einfacher, in Bern ein Laken überzustreifen, buhu zu machen und dann von einer Energieministerin Staatsknete zugesagt zu bekommen, die nicht mal Axpo und Alpiq auseinanderhalten kann?

Aber das sind Nebenfragen. ZACKBUM hofft natürlich, dass diese freiwillige Richtigstellung in die Mediengeschichte eingehen wird.

Notkredit für Axpo: UBS reloaded

Schon wieder muss der Steuerzahler einem Zocker unter die Arme greifen.

Staatstragend wie es sich für die NZZ gehört, berichtet sie: «Die extremen Preissteigerungen auf den Energiemärkten machen dem Stromkonzern Axpo zu schaffen. Der Bundesrat spannt einen Rettungsschirm und verhilft dem Unternehmen zu Liquidität

Etwas aufgeregter hört sich CH Media an: «Schock in der Strombranche: Bund spricht Notkredit für die Axpo – es geht um Milliarden». Allerdings muss man sich dort erst noch sortieren und druckt einfach vorsichtshalber die Medienmitteilung des Bundesrats im Wortlaut ab. Eine Gratis-Leistung gegen Bezahlung, nicht schlecht.

Gleich drei Schreibkräfte und eine mangelhafte Interpunktion wirft Tamedia in die Schlacht: «Stromkonzern Axpo in Nöten: Paukenschlag im Schweizer Energie-Business: Bund stützt Axpo mit Milliardenkredit». Neutral wie das Schweizerkreuz berichtet das Staats-TV SRF: «4 Milliarden Franken: Bundesrat aktiviert Rettungsschirm für Axpo».

Das ist eine niedliche Beschreibung eines dramatischen Vorgangs. «Rettungsschirm aktivieren», damit assoziiert man einen nötigen Vorgang, die Axpo schwebt nun gerettet und gesichert an einem Schirm sanft zu Boden. Worum allerdings all diese Qualitätsmedien herumrudern, ist die entscheidende Frage: wieso muss hier der Steuerzahler wieder ins Risiko, wie weiland bei der UBS?

Auch hier herrscht Schönsprech, wie es George Orwell nicht besser persifliert könnte: «Aufgrund der Verwerfungen an den europäischen Energiemärkten und der unvorhersehbaren weiteren Entwicklung …», flötet der «Blick». Verwerfungen ist immer gut, das hat so etwas Naturgesetzliches. Das ist wie ein Erdbeben, kann man nix machen. Unvorhersehbar ist auch immer gut. Entweder ist die Zukunft beherrschbar, wie Banker und Manager gerne behaupten – oder dann ist sie plötzlich «unvorhersehbar». Das war auch damals bei der UBS der Fall.

Zunächst meinte die Bank, man könne in den USA das ganz grosse Rad drehen; alles vorhersehbar, haben wir im Griff, wer zweifelt, hat doch keine Ahnung. Und dann kam plötzlich das grosse Jammern, war doch alles unvorhersehbar, Hilfe, wir brauchen dringend Kohle, sonst sind wir pleite. Also gingen Bund und Nationalbank mit insgesamt 76 Milliarden Franken ins Risiko. Zum grossen Glück des Steuerzahlers kam das Geld wieder zurück. Das war aber im Zeitpunkt der Notrettung auch unvorhersehbar.

Und als Kollateralschaden wurde dann das Bankkundengeheimnis aufgegeben, als die Eidgenossenschaft die UBS zum zweiten Mal aus der Bredouille retten musste, als die USA drohten, ihr wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung schlichtweg den Stecker zu ziehen. Ausser, sie liefere freiwillig ihre US-Kunden ans Messer. Was sie dann tat, und ihre damit befassten Angestellten warf sie gleich noch hinterher.

Eine Variante wäre gewesen, dass die hochbezahlten Nieten in Nadelstreifen an der Spitze der UBS persönlich Verantwortung übernommen und den USA diese Kundendaten ausgeliefert hätten. Um sich anschliessend der Strafverfolgung in der Schweiz zu stellen. Aber Verantwortung ist in diesen Kreisen nur ein leeres Wort.

Genau gleich sieht’s heute bei der Axpo aus, und wieder einmal gibt es nur einen, der das in aller Klarheit ausspricht: Lukas Hässig auf seinem Finanzblog «Inside Paradeplatz». Schon im Titel bringt er’s auf den Punkt: «UBS-Moment der Strom-Zocker: Staatsrettung». Auch im Text nimmt er kein Blatt vor den Mund: «Statt die „Gratis“-Wasserkraft für eine solide Planung zu nutzen, gingen die Chefs von Axpo, Alpiq und BKW auf tutti. Sie strebten nach dem grossen Reibach. Und erlitten die totale Pleite. Verschätzt mit Shorts auf Strom, mussten sie sich teuer eindecken, als die Preise durch die Decke schossen.»

Er ist auch der Einzige, der Namen nennt und mit dem Finger auf die verantwortlichen Versager zeigt: «Das alte Lied. Dass drei Frauen – Thoma, Staiblin, Leuthard – und ein Strahlemann – Brand – Milliarden im Casino verzockten, davon spricht keiner.»

Dass bei der UBS-Rettung die Medien im ersten Moment überfordert waren, kann man mit der Milde der Distanz verzeihen. Dass nun schon wieder staatstragende Töne angeschlagen werden, so getan wird, als sei das Verzocken am Strommarkt unvorhersehbar und somit unvermeidlich gewesen, statt die unselige Lockerheit der Stromkonzerne mit ihren Quasi-Monopolen zu kritisieren, statt auf den merkwürdigen Umstand hinzuweisen, dass alle grossen Energieversorger zu 100 Prozent im Besitz der Kantone sind, aber der Bund ins Portemonnaie greift, statt den Steuerzahler darauf aufmerksam zu machen, dass er schon wieder für Management-Fehler geradestehen muss – stattdessen wird wieder das alte Lied der Solidarität gesungen, systemrelevant geflötet. Ein paar Milliarden ausschütten ist schlimm, ein Zusammenbruch der Stromversorgung wäre schlimmer.

Ist das so? Schon bei der UBS gab es ernsthafte und kompetente Stimmen, die forderten, die Bank ungerettet in den Bankrott fahren zu lassen. Weil es im Kapitalismus ein Systemfehler ist, eine Privatfirma für systemrelevant und somit gegen den Untergang gefeit zu erklären. Weil es heutzutage relativ problemlos möglich ist, Zahlungsverkehr und andere nötige Dienstleistungen relativ schnell umzulagern. Weil es zu ungehemmten Zocken und Gambeln verleitet, wenn die geldgierigen und verantwortungslosen Bankenlenker wissen, dass sie sich ungestraft und mit vollen Geldsäcken aus dem Staub machen können, während der Steuerzahler das Schlamassel aufräumt.

Die Geschichte wiederholt sich. Es wird von grösseren Transparenz-Vorschriften gefaselt, mit dem Wort Notrecht gewinkt, der Kredit wird – natürlich – als alternativlos hingestellt, alles andere wäre noch viel schlimmer, es könnte plötzlich keinen Strom mehr geben. Es wird auch stolz auf die Verzinsung und andere Bedingungen hingewiesen. Selbstverständlich dürften Buden, die Kredit beziehen, keine Dividenden mehr ausschütten. Wäre ja noch schöner. Und wie steht es mit einem Bonus-Verbot für die Versager ganz oben? Nein, das sei nicht vorgesehen, wird eingeräumt.

Der Axpo-CEO Christoph Brand bringt alle Voraussetzungen mit, um einen Konzern gegen die Wand fahren zu können. Er war bis 2020 für den Bereich «Classified und Marketplaces» zuständig – beim Medienkonzern Tamedia. Also für Inserate und Handelsplattformen. In dieser Eigenschaft wusste er vom Strom nicht viel mehr, als dass er aus der Steckdose kommt, es einen Kurzschluss geben kann und keine gute Idee ist, an blanke Kabel zu fassen, wenn die unter Strom stehen.

Begleitet wird sein Wirken vom Nachlass der unfähigen Energieministerin «Duschen mit Doris» Leuthard und einigen weiteren Managerinnen. Aber da spricht nur einer Klartext, alle anderen beschwichtigen, sossen drüber. Aus Unfähigkeit oder Unkenntnis. Oder aus beiden Gründen zugleich. Schwachstrom mit Wackelkontakt zur Realität aus den Medienhäusern. Erbärmlich.