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Schlagwortarchiv für: Ausraster

René Zeyer

Wundertüte Milei

31. Oktober 2025/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Weit weg ist immer gut für die Journaille.

Argentinien ist ziemlich weit weg, die Hauptstadt Buenos Aires ist genau 11’253 km von Zürich entfernt. Also ist Berichterstattung gegendarstellungsfreier Raum.

Weil so ziemlich alle Argentinien-Kenner aus der Ferne damit rechneten, dass der argentinische Präsident bei den Zwischenwahlen eine krachend Niederlage einfahren würde, war das wirkliche Resultat dann eine «Überraschung». Denn die Realität hatte den Journalisten mal wieder nicht den Gefallen getan, sich so zu verhalten, wie sie es ihrer Meinung nach sollte.

Schliesslich sei Javier Milei «angeschlagen», habe Rückhalt verloren, und überhaupt. War dann nix. Kommt halt davon, wenn man Fehldiagnosen aus der Ferne feilbietet.

Andererseits beschönigen seine wenigen Anhänger in den Medien seine Fäkalsprache; er drücke sich halt manchmal etwas ruppig aus, das sei nicht schön, aber halt lateinisches Temperament.

Nun ja, eine kleine Liste von Milei-Sprüchen:

„pichón de Stalin“, „burro eunuco“, „pelotudo“ (Stalins Taube, Eunuchen-Esel, Idiot). Oder „rata, excremento humano, zurdo de mierda“ (Ratte, menschliche Kacke, Scheiss-Linker). Oder „imbéciles“, „pelotudos“, „soretes“, „mandriles“, „degenerados fiscales“ (Schwachköpfe, Idioten, Dreckskerle, Affen, degenerierte Staatsanwälte).

Milei hat auch eine spezielle Vorliebe für Journalisten, also für solche, die ihn kritisieren: „Periodistas corruptos, ensobrados … pedazos de soretes“ (korrupte Journalisten, eingehüllt in Scheisse).

Von US-Präsident Trump ist man ja schon ein starkes Vokabular gewohnt, aber Milei setzt da durchaus noch einige Glanzlichter drauf. Ist das die Sprache, die man von einem Präsidenten erwarten darf, der eine gewisse Ehrfurcht vor der Würde seines Amtes hat? Sicher nicht.

Disqualifiziert das Milei als Präsident? Sicherlich nicht. Aber jemand, der sich verbal dermassen nicht im Griff hat, der gibt Anlass zu Zweifel, wie kompetent er sein Amt ausübt. Und wie oft er sich selbst im Weg steht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-28-um-11.33.39.png 1100 1848 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-10-31 05:00:582025-10-28 18:38:52Wundertüte Milei
René Zeyer

Betroffenheit

10. Februar 2024/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Geben die Medien manchmal zu viel Gas?

Zunächst die gute Nachricht: Alexandra Föderl-Schmid ist lebend und ansprechbar aufgefunden worden. Nachdem man ihr Auto samt angeblichem Abschiedsbrief drin fand, wurde das Schlimmste befürchtet. Allerdings wird dadurch die Sache für die «Süddeutsche Zeitung» eher noch peinlicher.

Eigentlich meint man, dass vor allem Medienschaffende gepanzert sind gegen Kampagnen und Vorwürfe. Manchmal kommt wegen ihnen ein unerfahrener, unbeholfener Laie unter die Räder, der keine Ahnung hat, wie der Medienzirkus funktioniert. Besonders unappetitlich sind dabei sogenannte Investigativjournalisten wie Christian Brönnimann. Der richtete aufgrund gestohlener Geschäftsunterlagen einen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann öffentlich hin. Wegen seiner Artikel wurden diverse Strafuntersuchungen angestossen. Als sich überall und immer herausstellte, dass an den Vorwürfen nix dran war, das Opfer aber als gebrochener Mann zurückblieb, meinte Brönnimann nur arschkalt, dass er ja nichts dafür könne, was Untersuchungsbehörden so anrichteten.

Es ist bekannt, dass Medienschaffende im Austeilen gross sind, im Einstecken ganz, ganz klein. Mimosen halt. Das ändert nichts daran, dass sie selbst manchmal Opfer ihrer selbst werden. Das schlechteste Beispiel dafür ist der ewige Fälscher Tom Kummer, der unverständlicherweise bei der «Weltwoche» sein Gnadenbrot frisst.

Das abschreckendste Beispiel ist Claas Relotius, der der Reputation des «Spiegel» einen nicht reparablen Schaden zufügte.

Aber jetzt gibt es offenbar den Fall Alexandra Föderl-Schmid. Zur Rekapitulation: sie ist stellvertretende Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung» und als besserwisserische Vielschreiberin bekannt. Als die deutsche Plattform «Medieninsider» mit Beispielen belegte, dass sie ungehörig Quellen ohne Zitate in ihren Artikeln verwendete, wurde das von der Chefredaktion zunächst als «Kampagne» rechter Kreise gegen die «Süddeutsche Zeitung» abgetan.

Daraus entwickelte sich erst recht ein Skandal, als herauskam, dass diese Chefredaktion mittels Bespitzelung vergeblich herausfinden wollte, wer diese Informationen durchgestochen hatte. Obwohl die SZ ansonsten immer gerne bereits ist, gestohlene Geschäftsunterlagen zu verwenden und das als investigativen Journalismus auszugeben.

Föderl-Schmid hatte dabei schon selbst eingeräumt, dass ihr Fehler unterlaufen seien. Dann wurden auch noch Plagiatsvorwürfe bezüglich ihrer Dissertation bekannt, sie wurde daraufhin eiskalt fallengelassen und von der gleichen Chefredaktion, die sie zuvor noch verteidigt hatte, aus dem «Tagesgeschäft» abgezogen.

So hat auch ZACKBUM das Thema aufgenommen und der Unschuldsvermutung nicht wirklich Platz eingeräumt. Vor allem hat ZACKBUM angenommen, dass jemand, der wie Föderl-Schmid seit vielen Jahren in den oberen Etagen des Journalismus verkehrt, eine dicke Hornhaut hat, an der all diese Vorwürfe abtropfen.

Dann wurde aber laut Pressemeldungen das Auto der Journalisten gefunden. Von ihr selbst fehlte mehr als ein Tag lang jede Spur. Inzwischen ist sie lebend gefunden worden, und die Chefredaktion der SZ, die sie zuvor abservierte, heult vor Freude. Also der Chefredaktor tut das; wie eigentlich immer und überall bleibt die aus der Schweiz importierte Quotenfrau Judith Wittwer stumm wie ein Fisch.

Also war an all den Vorwürfen sogar noch mehr dran, als bislang eingeräumt wurde. Anscheinend steht auch ihre Dissertation unter verschärfter Beobachtung, sowie ihre vielen, vielen Artikel, die sie in den letzten Jahren herstellte.

Plagiate gehen gar nicht, besonders nicht, wenn man so einen scharfen und rechthaberischen Reifen fährt wie Föderl-Schmid, wie ZACKBUM schon kritisieren musste. Aber es gilt nicht nur, die Qualität ihrer Artikel aufzuarbeiten. Sondern auch das Verhalten der Chefredaktion in dieser Affäre. Das ist mehr als dubios.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/02/Bildschirmfoto-2024-02-09-um-18.15.53.png 472 688 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-02-10 05:00:242024-02-10 10:06:04Betroffenheit

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