Schlagwortarchiv für: Auslandredaktion

Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Wenn wünschen wirken würde

Peter Burghardt schreibt sich mal wieder die Welt zurecht.

Es ist sicherlich frustrierend, wenn der US-Präsident nicht so regiert, wie er es der Meinung eines Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» nach tun sollte.

Es ist echt blöd, wenn die blöden US-Wähler ihn demokratisch zum zweiten Mal ins Amt gehievt haben («So stirbt die Demokratie»). Vergeblich hat Burghardt die ganzen Vorwahlen und die ganzen Wahlen lang dagegen angeschrieben.

Niemand hört auf ihn, aber die Leser der SZ und somit des Hauses der Qualitätsmedien Tamedia müssen ihn lesen. Und erst noch dafür zahlen, dass da jemand seinem Unwohlsein Ausdruck verleiht.

Allerdings schafft es die kompetente Auslandredaktion des Kopfblattsalats von der Werdstrasse, noch einen draufzusetzen.

«Vielleicht hat Trump mit der „Big Beautiful Bill“ einen entscheidenden Fehler gemacht», lautet der Originaltitel in der SZ. Daraus macht der Tagi: ««Big Beautiful Bill»: Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht». Das nennt man Redigierkunst at its best.

Es wird aber im SMD-Tagi etwas abtemperiert: «Vielleicht hat Trump mit dem Haushaltsgesetz den Bogen überspannt».

Allerdings gibt der Tagi im Lead dann etwas mehr Gas. Original: «Im Moment sieht es so aus, als sei der Präsident durch nichts und niemanden aufzuhalten. Das könnte sich ändern, wenn Millionen Amerikaner die Folgen seines jüngsten Gesetzes zu spüren bekommen.»

Kopie: «Der Präsident fährt einen harten Kurs – gut möglich, dass ihm das Volk bald die Gefolgschaft verweigert.»

Vielleicht, gut möglich, die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich die Wirklichkeit endlich eines Besseren besinnt und den Wünschen hart geprüfter Journalisten gehorcht. Denn verflixt und zugenäht, es kann doch nicht sein, dass sie sich hartnäckig weigert, den Ordnungsrufen des «Spiegel» («Trump wegschreiben»), aus München und aus Zürich zu folgen.

Denn herrje, jammert Burghardt: «In der zweiten Amtszeit dieses Mannes scheint nur noch einer zu bestimmen: er.» Im Gegensatz zu allen früheren Präsidenten, die ihre Entscheidungen immer im Kollektiv unter Berücksichtigung von Zwischenrufen aus Deutschland und der Schweiz fällten.

Denn es ist unglaublich, was Trump alles kann:

«Er kann nach Belieben Strafzölle erlassen und kassieren, über Nacht Irans Atomanlagen bombardieren lassen und Teheran vorübergehend ruhigstellen. Er kann maskierten Männern erlauben, irgendwie verdächtige Immigranten festzunehmen, manche von ihnen landen in Floridas Sumpf, El Salvador oder Ostafrika.»

Dass die «irgendwie verdächtigen Immigranten» meistens illegal in den USA leben und die Massenimmigration eines der gröberen Probleme darstellt, weswegen Trump nicht zuletzt gewählt wurde – das versinkt im Sumpf der unbelehrbaren eigenen Meinung.

Immerhin – ein Hoffnungsschimmer – muss Burghardt einräumen: «Viele Leute haben ihn allerdings genau deshalb gewählt. Sie wollten, dass er anders als der aus ihrer Sicht schwache Joe Biden sein Programm knallhart durchzieht. Das tut er, muss man ihm lassen.»

Aber der verdunkelt sich schnell wieder: «Für Wirtschaft und Gesellschaft kann der Alleingang übel ausgehen. Doch Trump zieht seine Solonummer durch, vorläufig hält ihn niemand auf.»

Nicht mal Burghardt, und das nimmt er persönlich sehr übel.

So ganz sattelfest bei politischen Begriffen sind aber weder er noch die eigentlich arbeitslose Auslandredaktion an der Werdstrasse. So heisst es am Schluss des Kommentars in der SZ: «Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurden die Zwischenwahlen als Primaries bezeichnet. Es handelt sich aber um die Midterms. Wir haben den Fehler korrigiert.»

Das hat sich allerdings nicht bis nach Zürich durchgesprochen: «Die führungslosen Demokraten hoffen auf die Zwischenwahlen 2026. Diese Primaries könnten die Republikaner viele Sitze kosten».

Meine Güte. In seinem Furor hat Burghardt nicht mal die Begrifflichkeit im Griff. Immerhin wird das in München korrigiert. Aber im Glashaus an der Werdstrasse wurde wahrscheinlich aus Gründen des Umweltschutzes die Klimaanlage ausgeschaltet, und es ist viel zu heiss, um zu arbeiten.

Für einen solchen Schrott aber eiskalt Geld zu verlangen, das lässt sich nur mit einem Hitzschlag erklären.

Wumms: Hubert Wetzel

Original und Kopie: Wie Tamedia Stücke der Süddeutschen übernimmt.

Hubert Wetzel ist USA-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung». Er fiel in der Vergangenheit mehrfach unangenehm durch nicht nur einseitige, sondern auch polemisch-falsche Berichterstattung auf.

Noch im November 2020 raunte er unheilschwanger: «So sterben Demokratien». Zu unserem Glück hat’s die US-Demokratie überlebt. Obwohl Trump versucht habe, mit «Tricks« im Amt zu bleiben, die zwar leider «legal, aber auf keinen Fall legitim» gewesen seien. Denn Trump habe, offenbar im Gegensatz zu Wetzel, «offensichtlich keine Ahnung», wie US-Wahlen funktionierten.

Leicht dysfunktional, der Berichterstatter. Verschlimmert wird’s noch durch das Walten der immer noch (wozu nur?) vorhandenen Ausland-Redaktion von Tamedia. Denn man übernimmt doch (fast) alles vom Blatt in München. Eben auch Wetzel.

Der schreibt für die SZ einen Kommentar über die Sicherheitspolitik und betitelt den mit «Bittere Wahrheit». Darin arbeitet sich Wetzel an der improvisierten Aussage des US-Präsidenten Biden ab, der ausserhalb eines Manuskripts rempelte:

«Um Gottes Willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben.»

Gemeint ist Putin.

Das ist nun nicht sehr diplomatisch oder intelligent. Denn ob es einem passt oder nicht, früher oder später muss mit Putin verhandelt werden. Dessen Flexibilität wird nicht gerade dadurch erhöht, dass er befürchten muss, von den USA weggehauen zu werden.

Natürlich versuchte das Weisse Haus, diesen typischen Biden-Versprecher schnell wieder einzufangen und verschickte eine «Klarstellung». Das sei dann keine Ankündigung eines von den USA unterstützen Machtwechsels gewesen.

Wetzel ist aber Biden gegenüber etwa so gnädig gestimmt, wie er gegen Trump ungnädig war. Also endet er seinen Kommentar versöhnlich:

«Amerikanische Interventionen wie im Irak oder Libyen hat Biden längst ausgeschlossen. Stattdessen sprach er eine bittere Wahrheit aus, aus der jede Regierung ihre eigenen Schlüsse ziehen muss: Solange Wladimir Putin an der Macht ist, wird Europa nicht in Frieden leben können.»

Sehr ungnädig ist Wetzel hingegen mit Putin: Die Bemerkung Bidens sei etwas ungeschickt gewesen, weil «man einem paranoiden Diktator, der militärische Probleme hat und mit dem Einsatz seiner Atomwaffen droht, keinen Grund geben sollte, um sein politisches oder persönliches Überleben zu fürchten».

Trotzdem weiss Wetzel:

«Bidens Satz war keine Drohung an Putin persönlich, auch wenn putinfreundliche Verschwörungsschwurbler das nun behaupten.»

Wie man den Satz des US-Präsidenten allerdings NICHT als Drohung an Putin persönlich auffassen kann, das verrät uns der bidenfreundliche Schwurbler Wetzel nicht. Nun könnte es sein, dass in Deutschland diese oberlehrerhafte Zurechtweisungs-Rhetorik durchaus ankommt. Aber wieso braucht es eine mehrköpfige Auslandredaktion bei Tamedia, um dieses Geschwurbel dem Schweizer Leser vorzusetzen?

Nun, man hat Titel und Lead verändert: «Solange Putin an der Macht ist, wird Europa nicht in Frieden leben können.» Das nennt man auf tagianisch «anspitzen». Den übrigen Text, um ß bereinigt, übernahm man hingegen unverändert.

Der Leser stellt sich wieder einmal die Frage, wieso er sich a) nicht gleich ein Abo der SZ leisten soll. Das kostet nämlich digital nur schlappe 9.99 (Euro gleich Franken) im Monat. Beim Tagi fängt das bei 15 Franken an und steigert sich als «Premium» auf 29 Franken. Auch rein digital.

Oder b), vielleicht könnte man es auch wagen, die Welt ohne die Brille der SZ zu betrachten. Denn Korrespondenten wie Wetzel tragen nun wirklich nichts Erhellendes zum besseren Verständnis bei.