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NZZ, quo vadis?

ZACKBUM wiederholt sich. Die NZZ leider auch.

Wenn ein Klugschwätzer wie Christoph Koopmann im fernen München via Tamedia UnausgegorenesPutin, der Pate») absondert, dann ist das halt eines der vielen Anzeichen des unaufhaltsamen Niedergangs.

Aber Peter Rásonyi ist immerhin Auslandchef der NZZ. Deren Auslandberichterstattung ist (meistens) ein Leuchtturm in der Tiefebene der deutschen Medienlandschaft. Ausser, wenn sich Rásonyi zu den USA äussert. Oder zum Krieg im Nahen Osten. Oder zum Ukrainekrieg.

Da nimmt auch Rásonyi ein von westlichen Geheimdiensten in die Welt gesetztes Gerücht für bare Münze: «Der russische Geheimdienst hat einen Mordanschlag auf den CEO des grössten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall geplant.»

Hier erhebt sich langsam die Frage, ob der Sohn von Ungarn-Flüchtlingen unbedingt öffentlich ein Familientrauma abarbeiten muss. Dieses Propagandagetöse westlicher Geheimdienste, die notorisch falsch liegen, müsste dringlich auf seine Substanz abgeklopft werden. Sonst ist es nicht mehr als ähnliche unsinnige Behauptungen der russischen Propaganda. Aber für Rásonyi ist alles Anlass, seine ewig gleiche Schallplatte zu spielen: «Der Fall zeigt, dass der Krieg, den Präsident Putin seit mehr als zwei Jahren gegen die Ukraine führt, sich längst auch gegen den ganzen Westen richtet.» Kleines Problem: es gibt keinen Fall.

Aber wenn die Schallplatte sich mal dreht, dann kommt er nicht aus der Rille: «Derzeit stecken Putins Panzer in der östlichen Ukraine fest, aber niemand weiss, wie weit sie fahren würden, wenn sie könnten. Deshalb liegen all die angeblichen Friedensvermittler in Deutschland und ganz Europa falsch.»

Falscher als falsch liegt natürlich einer, der Rásonyi nahe und fern liegt: «Die Nato verhalte sich mit ihrer Unterstützung der Ukraine zunehmend wie eine kriegerischen Organisation, warnte der ungarische Ministerpräsident Orban diese Woche am Nato-Gipfel in Washington.»

Ganz falsch, donnert Rásonyi, denn er weiss, was richtig wäre: «Der Preis für Russlands Raubzug im Westen muss durch die starke Gegenwehr und die Unterstützung der Ukraine so hoch geschraubt werden, dass Putin künftig weder Mittel noch Anreiz zu solchen Verbrechen hat. Nur dann wird Europa wieder in Ruhe und Sicherheit schlafen können. Und genau das tun die Nato-Staaten, wenn sie die Ukraine unterstützen. Wenn die europäische Geschichte etwas gezeigt hat, dann den kontraproduktiven Effekt von Appeasement gegen brutale Diktatoren

Grosse Imperien unternehmen Raubzüge und wollen ihre Flanken schützen. Niemals würden es die USA akzeptieren, wenn Mexiko russische Militärstützpunkte zulassen würde. Als die Sowjetunion selig Atomraketen auf Kuba stationierte, die nicht näher an den USA waren als US-Atomraketen in der Türkei oder der BRD, endete das beinahe im Dritten Weltkrieg.

Schliesslich der «kontraproduktive Effekt von Appeasement gegen brutale Diktatoren». Der ewige schiefe Vergleich mit der Politik Grossbritanniens gegenüber Hitler vor dem Zweiten Weltkrieg. Wie alle Verkürzungen einer komplexen historischen Situation untauglich. Putin ist nicht Hitler mit Atomwaffen. Und hätte der Naziverbrecher solche besessen, wäre die Geschichte ganz anders ausgegangen. Hitler wollte nicht weniger als die ganze Welt erobern und die jüdische Rasse vernichten. Beides will Putin nicht.

Wenn ein Krieg nicht mit Verhandlungen endet, endet er mit der völligen Niederlage einer der beiden Kriegsparteien. Was ist an dieser einfachen, klaren und richtigen Analyse zu schwer zu kapieren? Die USA haben seit dem Zweiten Weltkrieg jede Menge Kriege verloren. Korea, Vietnam, Irak, Afghanistan, dennoch wurden sie niemals für die Verheerungen die sie anrichteten, zur Verantwortung gezogen. Ganz einfach, weil es niemanden gibt, der das einer Atommacht gegenüber tun könnte. Und Russland? Was soll an diesem Vergleich zu schwer zu kapieren sein?

Selbst die Militärmacht USA, die alleine so viel für Rüstung ausgibt wie die zehn nächsten Staaten zusammen, kam an ihre militärischen Grenzen; knapp bevor sie Atomwaffen in Vietnam einsetzte, wie es der verrückt gewordene General Westmorland forderte, so wie es zuvor General McArthur in Korea gefordert hatte. Eine Atommacht aus einem Krieg herausbugsieren, das geht nur mit Fingerspitzengefühl und Verhandlungen. Wer das als «Appeasement» denunziert, der zeigt ein bedenkliches Unvermögen zur Analyse.

Kann jedem passieren. Sollte dem Auslandchef der NZZ nicht passieren. Kann ihm einmal passieren. Aber in dieser hohen Kadenz und Wiederholung? Da hat God almighty Eric Gujer – bei all seiner atlantischen Sympathie – neben Beat Balzli noch ein zweites gröberes personelles Problem. Je schneller er es löst, desto besser für die NZZ.

Wumms: Christof Münger

Was geht den Auslandchef ohne Ausland sein dummes Geschwätz von gestern an?

Es gibt Journalisten, die sind so peinlich, dass es beim Lesen wehtut und der Begriff Fremdschämen eine neue Dimension bekommt.

Münger von Tamedia ist so ein Journalist.

Der schreibt heute im Panikmodus:

Daran wird Joe Biden natürlich schwer zu knabbern haben, wenn er das liest. Münger fordert ihn dazu auf, als Präsidentschaftskandidat zurückzutreten. Wird Biden es wagen, sich diesem Befehl zu widersetzen? Die USA halten den Atem an.

Oder lassen ihn prustend vor Lachen entweichen. Oder auch nicht, denn wen kümmert schon ausserhalb der Werdstrasse, was Münger meint?

Nicht mal ihn selbst kümmert das gross. Also heute, was er gestern meinte. Oder morgen, was er heute meint. Denn er meint problemlos das eine und auch das Gegenteil davon, Na und?

Am 11. 11. 2023 leitartikelte der gleiche Münger (oder sein Clon, weiss man’s, ob so viel Widerspruch in einer Person Platz hat?): «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird. … Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte. Hoffentlich realisieren die Amerikanerinnen und Amerikaner, dass sie am 5. November 2024 nicht nur über einen alternden Präsidenten befinden, sondern eine Weiche stellen. Dabei geht es um mehr als um Amerika.»

Der damalige Titel:

«Lieber ein alter US-Präsident als ein gefährlicher».

Kaum haben das die Amis «realisiert», gibt Münger bereits eine neue Stallorder aus.

Denn sieben Monate später, nach einem verpatzten TV-Duell, sieht der Grossanalyst die Sache ganz anders. Der alte US-Präsident kann’s nicht: «Deshalb sollte es dem Präsidenten eigentlich nicht so schwerfallen, sich aus dem Rennen zu nehmen.» Schliesslich: «Der US-Präsident erledigte sich selbst», urteilt Münger nun gnadenlos und panisch.

Vom «aussichtsreichsten Kandidaten» zum «muss weg» in wenigen Monaten.

Die Gelehrten streiten sich, ob Lenin oder Adenauer den Satz gesagt haben soll: «Was geht mich heute mein dummes Geschwätz von gestern an.» Auf jeden Fall hat ihn Münger verinnerlicht. Wir sind gespannt, was der Auslandchef, der Schwachmat auf der schwankenden Brücke des leckgeschlagenen Tagi-Dampfers, morgen verkünden wird. Wer weiss, vielleicht: eigentlich ist Trump doch nicht so schlecht als Präsident?

Nichts ist unmöglich, war auch mal ein toller Werbeslogan. Nur: ob das die Leser-Blattbindung verstärkt? Wenn immerhin ein Ressortleiter unter Leitartikel und Einordnung Unordnung und Leidartikel versteht?

 

Wumms: Christof Münger

Die frustrierte Kriegsgurgel von Tamedia.

Es muss schon blöd sein, wenn man als sogenannter Auslandchef der grossen Tamedia im Wesentlichen die Texte teutonischer Korrespondenten etwas einschweizern darf. Kein ß, ein paar Germanismen rausnehmen, voilà. Da bleibt nur eins: immer mal wieder in einem Kommentar der ganzen Welt den Tarif durchgeben. Es allen zeigen. Klarstellen, dass Münger den grossen Durchblick hat.

Leider, leider hört keiner auf ihn. Das findet er bedauerlich. Ist aber besser so.

Seit Ende Oktober 2020 versucht ZACKBUM, ihn wieder auf den rechten Weg zu kriegen. Vergeblich. Münger ist für Wehrhaftigkeit. Wahrscheinlich setzt er sich für solche Kommentare jeweils den Stahlhelm auf und zwängt sich in eine schusssichere Weste.

Nun tätigt er schon wieder eine «Analyse zum Krieg in der Ukraine» (hinter der Bezahlschranke). Münger weiss:

«Dankbarkeit und Waffen sind deshalb hilfreicher als besserwisserische Ratschläge.»

Selbst erteilt er allerdings nicht nur diesen besserwisserischen Ratschlag.

Er doppelt sogar noch nach, falls jemand nicht kapiert haben sollte, was für ein Kriegstreiber Münger ist: «Nur die vollständige Unterstützung der Ukraine, wirtschaftlich und vor allem militärisch, kann Putin allenfalls dazu bringen, das Gemetzel zu stoppen.»

Eine solche vollständige Unterstützung würde aber das Gemetzel verlängern, allenfalls. Aber zu dialektischem Denken ist Münger leider nicht in der Lage. Dafür pfeffert er aber dem französischen Präsidenten MacronAnmassend ist es, wenn europäische Politiker wie Emmanuel Macron «keinesfalls Putin demütigen» wollen») und dem deutschen Bundeskanzler Scholz eine rein: so «laviert der deutsche Kanzler Olaf Scholz immer noch, seine Angst vor der russischen Atommacht kaschiert er kaum. Wohl deshalb sagt er nicht öffentlich, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen soll. Solche Halbherzigkeit ist gefährlich

Nein, solch unreflektiertes Geschwätz, diese Oberlehrerhaltung mit erhobenem Zeigefinger wäre gefährlich – wenn sie jemand zur Kenntnis oder gar ernst nehmen würde. Hat der Riesenstratege noch weitere Ratschläge für Macron und Scholz parat? «Macron und Scholz sollten den Hörer auflegen.» Denn: «Schwerer wiegt, dass die beiden regelmässig den Drang verspüren, mit Putin zu telefonieren.»

Dabei sollte, wer einen Drang verspürt, nicht telefonieren, sondern ein stilles Örtchen aufsuchen, das weiss doch jeder. Nachdem er diese zwei Dilettanten eingetopft hat, gibt es auch noch einen Ratschlag für die Schweiz? Aber sicher: «Hier geht es nicht um die Vermittlung zwischen zwei gleich bösen Milizen in einem afrikanischen Bürgerkrieg. Dem sollte auch die neutrale Schweiz Rechnung tragen.»

Versteht auch nicht jeder, aber Münger ist mit seinen Ratschlägen noch nicht durch. Putin könnte doch die Kampfhandlungen einstellen: «mit einem Waffenstillstand oder einem Rückzug aus der Ukraine. Oder er könnte als Geste des guten Willens dafür sorgen, dass die Menschen in Afrika nicht verhungern. Nichts deutet darauf hin. Das sollte auch die Schweiz zur Kenntnis nehmen

Einer geht noch: «in der Ukraine stehen sich ein staatlicher Aggressor und eine angegriffene Demokratie gegenüber, wie unvollkommen sie auch sein mag. Diesem Unterschied sollte auch die neutrale Schweiz Rechnung tragen

Noch ein Absackerchen vor dem Feierabendbier.

Was die Schweiz alles zur Kenntnis nehmen und tragen sollte. Nur erklärt Münger nicht, wie die neutrale Schweiz denn diesem Umstand Rechnung tragen soll.

Solche Flachstücke, solch unreflektiertes, arrogantes, nassforsches Besserwissen: dem sollte nicht die Schweiz, aber der Leser all der Kopfblätter aus dem Hause Tamedia Rechnung tragen. Lesen, sich schütteln, lachen, blättern.