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Ach, Tagi, wohin nur?

Wir führen die Sonde in den Online-Auftritt am Mittwoch ein.

Eine Momentaufnahme des Niedergangs. Das bietet der Tagi online am Mittwoch um 15.00 Uhr als Aufmacher:

Die grosse News: es geht (mal wieder) gegen Christoph Blocher. Da holt der eingeschrumpfte Mario Stäuble gross aus: «87 Persönlichkeiten fordern, dass die Schweiz die Neutralität neu denkt. Sie skizzieren ein Gegenmodell zur Initiative des SVP-Doyens – und setzen den Bundesrat unter Druck.»

Das ist nun eine sehr kühne Behauptung. Wenn man sich alleine das «Kernteam» anschaut, handelt es sich hier doch eher um eine Muppetshow als um eine ernsthafte Veranstaltung. Dass man das nicht ernst nehmen kann, dafür garantiert schon mal der «Ex-Diplomat» Daniel Woker, der in den letzten Jahren immer wieder mit verbalen Amokläufen verhaltensauffällig wurde, in denen er auf das Übelste gegen die SVP und Blocher austeilte. Wer sich mit dem an den gleichen Tisch setzt, hat ein ernsthaftes Haltungsproblem.

Dann rapportiert der Tagi den geplanten Abbau von Poststellen; eine Information, die jeder gratis überall beziehen kann. In Indien war’s heiss, das interessiert natürlich Klimabewegte ungemein. Und die betroffenen Inder. Aber sonst?

Dann kümmert sich eine Michelle Muff, deren Qualifikation nicht bekannt ist, weil ihre Autorenseite leer ist, um den «Ukraine-Blog». Darin berichtet sie, was sich Kiew von der Konferenz auf dem Bürgenstock erhoffe. Das sind brandheisse News, von vorvorgestern. Das einen «Friedensgipfel» im Titel zu nennen, ist doch eher kühn. Denn wenn eine der beiden Kriegsparteien sowie wichtige Player wie China nicht daran teilnehmen, auch der US-Präsident höchstwahrscheinlich Besseres zu tun hat, dann sollte man so etwas eher «Meinungsaustausch über nichts mit wichtiger Miene» nennen.

Werfen wir noch einen Blick auf die «Empfehlungen der Redaktion»:

Die richten sich alle an Abonnenten; wer nichts zahlt, kriegt auch nichts empfohlen. Marketingtechnisch grossartig.

Der erste am Mittwoch empfohlene Artikel stammt vom Dienstag. Auch grossartig. Die vier Spassbremsen Jacqueline Büchi und Philippe Zweifel, unterstützt von Patrick Vögeli und Thomas Weyress, versuchen sich an einer Satire. Aber schon der Titel und der Lead sind so abschreckend, dass man sich die umzingelten Scherze nicht weiter antun will: «Vulva, Wolf und Geri: Wie die neue SRG-Chefin die Parteien glücklich machen würde Keramik-Vulven auf dem SP-Kanal, «Putin, der Unverstandene» auf SVP 1 – und Geri total bei der Mitte: So sähe der Service public aus, wenn Parteien das Fernsehprogramm gestalteten.»

Auch der nächste empfohlene Artikel ist von gestern, weiterhin toll. Hier geht es um das schockierende Video über eine Prügelattacke auf eine Frau in Schaffhausen. Das ist alles bekannt, seit SRF-«Rundschau» die schockierenden Bilder gezeigt hat. Was tun, fragte sich der Tagi, und kam auf die schlechte Idee, der selbsternannten «Expertin für geschlechtspezifische Gewalt», Agota Lavoyer, Gelegenheit zu geben, sich öffentlich lächerlich zu machen.

Die sagte schon so absurde Sachen wie: «Es ist nicht zuletzt der fehlenden Gleichberechtigung geschuldet, dass sexualisierte und häusliche Gewalt an Frauen in der Schweiz noch immer so verbreitet sind.» Aber gut, wenn die Alternative wäre «wir haben nix zu dem Thema», dann halt Lavoyer.

Dann halt «Showdown in Lower Manhattan». Ist halt blöd, wenn man sich etwas aus den Fingern saugen muss, wo das Urteil im Prozess gegen Donald Trump noch nicht bekannt ist. Dass auch der Artikel vom Vortag stammt, macht die Sache nicht besser.

Und schliesslich «Feiern und hetzen: Das Sylt-Video ist kein Einzelfall». Der Artikel ist, richtig geraten, vom Vortag. Für Schweizer Leser: Sylt ist eine kleine Insel ganz hoch oben im Norden Deutschlands. Dort haben ein paar besoffene Deutsche Nazi-Sprüche geklopft und «Ausländer raus» gegrölt. Das zeichnen gleich vier Mitarbeiter der «Süddeutschen Zeitung» nach, das ist in Deutschland ein überproportional aufgeblasenes Thema. Denn Ähnliches ist auch aus Sachsen-Anhalt, Stuttgart, von einem «Erntefest im vorpommerschen Bergholz» oder gar Hamburg zu vermelden.

Natürlich darf hier auch die fragwürdige Amadeu-Antonio-Stiftung zu Wort kommen, die in der Schweiz keiner kennt. Dass deutsche Gutmenschen in deutschen Gazetten in Wallungen geraten, wenn mal wieder Bräunliches und Angebräuntes gegrölt wird, ist verständlich – für Leser in Deutschland.

All diese Empfehlungen der Redaktion von gut abgehangenen Stücken, von denen jedes einzelne so seine gravierenden Probleme hat, sind eigentlich eine Bankrotterklärung für ernstzunehmenden Qualitätsjournalismus. Alle vier sind hinter der Bezahlschranke, genau wie der aufgepumpte Aufmacherartikel gegen Blocher.

Und mal ehrlich, man muss zwar weit, ganz weit nach unten scrollen, um die in den höchsten Tönen angepriesene «Kochserie «Elif x Tagi»» noch zu finden. Aber wenn ZACKBUM nochmals «Eiersalat à la Mama» lesen muss, dann bekommen wir echte Magenprobleme. Immerhin, weiter unten kommt nur noch der Ratgeber «Was Sie gegen Heuschnupfen tun können». Auch so ein Thema aus der Reihe «es fällt uns aber gar nichts Originelles mehr ein, und das Feierabendbier lockt.».

Eine Momentaufnahme, sicherlich. Aber entweder hat ZACKBUM die absolut schwächste Stunde des «Tages-Anzeigers» erwischt, oder aber, dem Blatt ist so nicht mehr zu helfen. Denn fällt irgend jemandem irgend ein Grund ein, wieso man für irgend etwas hier Eintritt bezahlen soll?