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Linke Lüstler?

Sind eigentlich linke Journalisten triebgesteuerter als rechte?

Eine gescheiterte Redaktorin vom «Magazin» bezichtigt ihren ehemaligen Chef, sie verbal ganz übel belästigt zu haben. Ein linker Starjournalist wird fristlos gefeuert, weil er sich gegenüber Mitarbeiterinnen der «Republik» zu anzüglich geäussert haben soll.

Nun hat auch die WoZ das Verhalten dieses Journalisten aufarbeiten lassen. Zunächst: «Was das mutmassliche Fehlverhalten des früheren Mitarbeiters betrifft, decken sich die eingegangenen Meldungen gemäss dem nun vorliegenden Untersuchungsbericht von Claudia Kaufmann im Wesentlichen mit den bereits publik gewordenen Vorwürfen.»

Aber: die WoZ forderte alle aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter auf, sich ebenfalls bei dieser Kaufmann zu melden. Resultat: «Insgesamt gingen achtzehn Meldungen bei Claudia Kaufmann ein, wobei nicht alle dieser Personen selbst eine Verletzung ihrer persönlichen Integrität erfahren haben.»

Aber: Es «wurden für den untersuchten Zeitraum ab 2005 weitere sexuelle Belästigungen gemeldet, die durch andere Mitarbeiter der WOZ erfolgt seien».

Der Bericht halte zudem fest, «dass unsere internen Massnahmen und Reglemente auch heute nicht genügen, um Mitarbeiter:innen ausreichend vor Verletzungen der persönlichen Integrität zu schützen». Bedauerlich, dass nicht einmal die krampfhafte Gendersprache («Mitarbeiter:innen») das Schlimmste verhindern konnte.

Dann kriecht die WoZ zu Kreuze: «Es tut uns leid, dass es in der Vergangenheit bei der WOZ zu Fehlverhalten gekommen ist. Die Betroffenen bitten wir dafür in aller Form um Entschuldigung – vor allem auch für die erlebte psychische Belastung und dafür, dass unser Betrieb keine vertrauensvolle Unterstützung gewährleisten konnte.»

Sind also linke Journalisten häufiger im Triebwagen unterwegs als rechte? Gibt es denn bei der «Weltwoche» oder im «Nebelspalter» keine Glüschtler? Nicht mal bei der NZZ? Was kann man darauf ableiten?

Schlichtweg, dass all die Sprachverunstaltung, die Gendersensibilisierung, die ständige Klage über sexistische Verhaltensweisen in der Gesellschaft offenbar intern wenig nützen.

Wichtiger ist aber die Feststellung, dass sich nicht nur beim Roshani-Skandal bei näherer Betrachtung herausstellte, dass an fast allen Vorwürfen nichts dran ist und der Betroffene zu Unrecht öffentlich hingerichtet wurde. Auch im Fall des Starjournalisten und in den meisten anderen Fällen (man erinnere sich an den denunziatorischen Brandbrief von 78 erregten Tamedia-Frauen, der eine lange Latte von Vorwürfen enthielt) stellte sich dann heraus, dass sich kein einziger dieser Vorfälle erhärten liess. Zu sehr anonymisiert, oftmals viele Jahre zurückliegend, keine Belege, Indizien, Beweise.

Sexuelle Belästigung ist ein Straftatbestand; wird sie angezeigt, muss die Polizei ermitteln. In (fast) jeder Firma gibt es inzwischen eine Anlaufstelle für solche Beschwerden. Die wurde übrigens bei Tamedia damals kein einziges Mal bemüht, bevor es die Frauen für angebracht hielten, via die einschlägig bekannte Jolanda Spiess-Hegglin mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen, obwohl den Unterzeichnerinnen vorgespiegelt wurde, das Schreiben sei nur für den internen Gebrauch bestimmt.

Mit dem Kampfbegriff «sexuelle Belästigung», physisch oder verbal, ist eine aussergesetzliche Waffe im Geschlechterkampf gefunden worden. Wer (meist anonym) solche Vorwürfe erhebt, ohne Anzeige zu erstatten, läuft immer Gefahr, der Falschbeschuldigung bezichtigt zu werden. Das ist eine Schweinerei gegenüber tatsächlichen Opfern, die es unbestreitbar gibt.

Aber anonyme Denunziationen, die meist zum Karriereende des Opfers führen, sind widerwärtig. Das Statement der WoZ ist dafür typisch, Es seien also weitere Fälle von Belästigungen gemeldet worden. Aber: «Zu diesen Vorfällen macht der Bericht aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sowie der zugesicherten Vertraulichkeit keine konkreten Angaben. Die WOZ verfügt über keine weiteren Informationen dazu.»

Auch bei der «Republik» lief das nicht anders. Dem Gefeuerten wurde sogar zuerst noch das Recht zur Konfrontation seiner Beschuldiger eingeräumt, anschliessend aber entzogen. Er konnte sich also nicht einmal verteidigen. Die primitivsten Regeln des Rechtsstaats sind in solchen Fällen ausser Kraft gesetzt.

Das ist ein Übelstand, der der Sache der Frau keinen Dienst erweist, sondern im Gegenteil sie schädigt.

Persönlichkeitsverletzungen

Beidseitige Übergriffigkeiten? Wieso nicht.

Es ist den Medien mal wieder gelungen, die Kacke richtig zum Dampfen zu bringen. Die Ausgangslage war so banal wie bekannt. Anonyme Denunziantinnen beschuldigen eine nicht ganz unbekannte Person, sie verbal sexuell belästigt zu haben, beziehungsweise übergriffig geworden zu sein.

Soweit bekannt, beziehen sich die Vorwürfe auf angebliche Handlungen, die verjährt sind. Während die Anonymität der Frauen gewahrt bleibt, ist der Denunzierte durch zwei recht unappetitliche Handlungen mehr oder minder kenntlich gemacht worden. In einer Radiosendung, die zuerst darüber berichtete, wurde seine Tätigkeit so beschrieben, dass nicht nur Insider sofort auf die reale Person schliessen können.

Zudem wurde er von seinem Arbeitgeber – nach wochenlanger Untätigkeit – freigestellt. All das entspricht einer Vorverurteilung, denn völlig unabhängig davon, ob die Vorwürfe ganz, teilweise oder überhaupt nicht zutreffen; der Denunzierte ist stigmatisiert, gebrandmarkt, kann sich in den nächsten Jahren einen neuen Beruf suchen oder gleich auswandern.

Besonders widerwärtig war die Radiosendung. Alle, restlos alle Behauptungen von angeblich Betroffenen oder Weggefährten wurden anonym erhoben, mit nachgesprochener Stimme, um jegliche Identifizierung zu verhindern. Zudem äusserten sich sogenannte Wissenschaftlerinnen oder Fachfrauen zum Thema sexuelle Übergriffe, als handle es sich in diesem Fall um erwiesene Taten. Was nicht der Fall ist.

Dass die Unschuldsvermutung nur noch eine hohle Phrase ist, hat sich bereits bis zum Erbrechen in anderen Fällen, nicht nur auf diesem Gebiet, gezeigt.

Der mediale Volksgerichtshof hat bereits getagt. Anhand von kolportierten Messages – ohne Kenntnis davon, in welchem Zusammenhang sie erfolgten – wurde der vermeintliche Täter bereits überführt, Gegenwehr ist sinnlos.

Aber selbst gesetzt den Fall, er habe all das getan (und noch viel mehr), was ihm vorgeworfen wird, gibt es zwei gravierende Probleme.

Das erste: das wollen über Jahre hinweg zwei in solchen Fragen so sensible Organe wie die «Republik» oder die WoZ nicht gewusst, nicht bemerkt, nicht sanktioniert haben? Da spielt einer Hunter S. Thompson auf der Redaktion, hält sich für den King und Hero, baggert unziemlich und unzimperlich Mitarbeiterinnen an, über Jahre hinweg? Die seine Avancen keinesfalls begrüssen, sondern als unangenehm und übergriffig empfinden? Und keiner sieht’s, keiner protestiert, die Betroffenen vertrauen offensichtlich den dafür vorgesehenen Instanzen so wenig, dass sie sich nicht dort melden?

Unglaublich. Eine Bankrotterklärung für die beiden Geschäfts- und Redaktionsleitungen.

Aber es gibt noch ein rein rechtliches Problem. Die Denunziantinnen haben darauf verzichtet, ihre Anschuldigungen innerhalb der gesetzlich dafür vorgesehenen Frist zu erheben. Anschliessend sind sie verjährt. Schlimmer noch: sie stellen Persönlichkeitsverletzungen dar. Und zwar des Denunzierten. Denn genau dafür ist die Verjährung da. Dass nicht jemand zehn Jahre später irgend etwas Persönlichkeitsverletzendes behaupten kann. Ungestraft.

Unter welchem Vorwand auch immer, dass er (oder sie) vorher nicht dazu in der Lage gewesen sei. Es geht hier ja nicht darum, dass jemandem vorgeworfen wird, er habe vor Jahren mal ein Bleistift am Arbeitsplatz mitgehen lassen. Bei solch schwerwiegenden, kaum heilbaren Vorwürfen muss der Schutz der Persönlichkeit entschieden höher gewichtet werden als das Rachebedürfnis angeblich Betroffener.

Denn ob das allen Kreischen passt oder nicht: ist’s verjährt, bleibt der Beschuldigte unschuldig. Unabhängig davon, ob er das getan hat, was man ihm vorwirft – oder nicht.

Also kann er ohne Weiteres selbst wegen Persönlichkeitsverletzung klagen. Natürlich können sich die Denunziantinnen dann nicht länger hinter feiger Anonymität verstecken. Ihr Persönlichkeitsschutz kann nicht höher gewichtet werden als der des Angeschuldigten.

Das mag allen moralinsauren Inquisitoren und selbsternannten Richtern und Henkern nicht passen. Ist aber so.

Schliesslich muss noch ein weiteres Detail aufgeklärt werden. Der Autor des Radiobeitrags Salvador Atasoy ist ja nicht wegen seiner Spürnase auf diesen Fall aufmerksam geworden. Natürlich wird er sich hinter Quellenschutz verstecken, aber genauso klar wurde ihm das entsprechende Dossier zugesteckt. Dabei erhebt sich die Frage: von wem?

Die Antwort liegt auf der Hand, wenn man ein logisches Ausschlussverfahren anwendet. Von einem Amt – sehr unwahrscheinlich, ein so heikles Dossier, das durch das Amtsgeheimnis geschützt ist – wohl kaum. Die Geschäftsleitung der «Republik»? Genauso unwahrscheinlich, die wollen sich doch nicht so in den eigenen Fuss schiessen.

Also bleiben ja wohl nur die Denunziantinnen selbst, deren Identität Atasoy laut eigenem Bekunden kennt. Hier erhebt sich lediglich noch die Frage: taten sie das direkt oder über die Bande? Oder war es ein anderer Weg, auf dem Atasoy von der Existenz dieser Anschuldigungen erfuhr?

Es ist zu hoffen, dass sich das klärt.

Resozialisierung mal anders

Normalerweise ist heute der Vorwurf «sexuelle Belästigung» tödlich.

Wie steht es aber mit Sex mit Kindern? 2003 wurde ein Urteil rechtskräftig, mit dem ein Journalist wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen wurde. Dafür kassierte er eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten.

Danach war es natürlich mit seiner Karriere in der Schweiz vorbei, er wechselte nach Deutschland. Um einige Jahre später als Redaktor in der Schweiz wieder aufzuerstehen.

Selbstverständlich ist das ein löbliches Beispiel von gelungener Resozialisierung. Genau das ist auch der Sinn unserer Rechtsprechung; eine Strafe soll nicht einfach Bestrafung sein, sondern einen Gestrauchelten wenn möglich wieder auf den rechten Weg zurückführen.

Daher soll das hier keinesfalls eine nachträgliche Nachverurteilung sein. Nur: der Unterschied zu den meisten aktuellen «#metoo»-Fällen liegt auf der Hand. Während es in diesen Fällen identifizierbare Opfer gab, eine ordentliche Gerichtsverhandlung, die mit einem rechtskräftigen Urteil endete, tagt neuerdings der Volksgerichtshof, beziehungsweise die Versammlung von Scharfrichtern in den asozialen Medien und den Hetzpostillen der angeblichen korrekten Lebensart. Die lautstark über solche angeblichen Sexmonster herziehen – bis sich deren Unschuld herausstellt. Oder zumindest sich die oft längst verjährten, anonymen Beschuldigungen als substanzlos, nicht belegbar, gar erfunden erweisen.

Ein besonders abschreckendes Beispiel ist der grossartige Schauspieler Kevin Spacey. Viele Jahre zurückliegender Übergriffe beschuldigt, wie immer baute sich eine Meute von Mitläufern auf, die für Geld oder Ruhm oder beides behaupteten, auch Opfer von Spacey zu sein. Die Meute japste, er verlor alles. Ansehen, Einkommen, Karriere. Dann wurde er auf ganzer Linie freigesprochen. Selbst daran wurde noch herumgemäkelt – und seither herrscht Ruhe. Entschuldigung, Einsehen, Selbstreflexion? Null.

So ging es beim Fall des ehemaligen «Magazin»-Chefredaktors. Beim Fall des ehemaligen Oberchefredaktors der «Blick»-Gruppe, dem nicht mal explizit sexuelle Übergriffe, sondern schwammig eine «Bevorzugung» einer gewissen Gruppe von Redaktoren vorgeworfen wurde.

Und nun der jüngste Fall eines Journalisten, der ausgerechnet vom ach so korrekten Zwangsgebührenfunk SRF ans Kreuz genagelt wurde. Aufgrund von anonymen, nicht zeitlich verorteten Beschuldigungen, bei denen keinerlei Anzeigen erstattet wurden. Dennoch beschreibt SRF die Tätigkeit des Journalisten so entlarvend, dass sie auch gleich seinen Namen hätten hinschreiben können. Statt den Tanz aufzuführen, dass man weder die mutmassliche Opfer, noch den «es gilt die Unschuldsvermutung» mutmasslichen Täter namentlich aufführen wolle.

Bei allem Verständnis für Schamgefühl oder gar Angst: wer zur Vernichtung einer Karriere, einer gesellschaftlichen Existenz ansetzt, sollte vielleicht doch die Courage haben, dazu mit Namen hinzustehen. Selbst Trittbrettfahrerinnen, selbst die rachsüchtige, gefeuerte «Magazin»-Redaktorin bringen diesen Mut auf. Er ist insbesondere unabdingbar, wenn es sich um Vorwürfe handelt, die längst verjährt sind und daher nicht mehr ins Recht gefasst werden können, selbst wenn sie sich als wahr herausstellen.

Denn das wäre der Sinn der so missbrauchten Unschuldsvermutung. Sie setzt nämlich schon einmal voraus, dass es Untersuchungshandlungen einer Strafbehörde gibt. Ohne die dürfte es nichtmal diese Vermutung geben. Dann ist der Mensch nämlich schlichtweg unschuldig wie jeder andere auch, der nicht rechtskräftig verurteilt wurde. Und selbst dann, nach einer Verurteilung, wird die Resozialisierung höher gewichtet als eine anhaltende Stigmatisierung als Straftäter. Wie im Fall des eingangs genannten Redaktors.

So sollte es sein. So ist es nicht. Sexuelle Übergriffe jeglicher Art sind eine Schweinerei. Finden sie am Arbeitsplatz und unter Ausnützung einer Hierarchie statt, sind sie eine doppelte Schweinerei. Wird – fast immer von Frauen – ein sexueller Übergriff behauptet, aus welchen Motiven auch immer, der oftmals schon längst verjährt wäre und der sich oftmals nicht erhärten lässt, ist das ebenfalls eine doppelte Schweinerei. Jedes einzelne Mal ein Hohn für alle wirklichen Opfer. Jedes Mal ein ungesühntes Verbrechen, weil es die Vernichtung einer Karriere, einer sozialen Existenz bedeutet.

Darüber sollten all die Japser nachdenken, die sofort herbeieilen, um mit erhobenem Zeigefinger und moralisch geschwellter Brust über einen neuerliche, widerlichen Sexismus-Skandal zu berichten, wobei natürlich die Unschuldsvermutung gelte, logo.

Transparente «Republik»

Es wird peinlich. Es wird schmutzig. Was für ein Versagen.

Die gute Nachricht: es ist kein Bettel-NL der «Republik». Die schlechte: «Gegen eine bei der Republik angestellte Person wurden von mehreren Personen anonym Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben.»

Bis hierher ist es inzwischen im heutigen Redaktionszirkus Business as usual. 78 Tamedia-Frauen erhoben Vorwürfe und zählten über 60 Beispiele von Übergriffigkeiten und Diskriminierung auf. Blöd nur: alle anonymisiert, ohne genauere Zeit- oder Ortsangaben. Resultat: kein einziger dieser Vorwürfe konnte erhärtet werden. Aber die beiden Rädelsführerinnen des Protestschreibens holten sich ihre fünf Minuten Ruhm ab und schafften es sogar in «10 vor 10».

Der ehemalige Chefredaktor des «Magazin» wurde von einer rachsüchtigen, gefeuerten Mitarbeiterin öffentlich im «Spiegel» hingerichtet. Kein einziger ihrer Vorwürfe (ausser den berühmten Hakenkreuzchen) konnte bislang erhärtet werden.

Der Chefredaktor der deutschen «Bild». Der Sänger von Rammstein. Der Schauspieler Kevin Spacey. Der Oberchefredaktor der «Blick»-Familie. Der altgediente Ringier-Chefredaktor Werner de Schepper. Wer in die Nähe des Wortpaars «sexuelle Belästigung» kommt, sollte am besten auswandern.

Das soll nicht heissen, dass es keine sexuellen Belästigungen und Übergriffe gibt. Aber es gibt Trittbrettfahrerinnen wie Patrizia Laeri, der es nach über 20 Jahren einfällt, dass es einmal einen Kussversuch in Amtsräumen von SRF gegeben haben soll. Liess sich nach so langer Zeit nicht erhärten, nur: ihre Angaben waren so widersprüchlich, dass ihr Vorwurf abgetischt wurde. Nur: der angeblich Beteiligte verlor trotzdem seinen Job.

Nun also die «Republik», das Organ der guten Denkungsart, der sensiblen Verteidiger der Frauenrechte, der Feind von Sexismus, Machotum und männlicher Übergriffigkeit. Sie bekämpft den Faschismus, indem sie ihn mit ellenlangen Geseire von Constantin Seibt zum Selbstmord treiben will. Sie kümmert sich um Sprayer, die von Kampfhunden an ihrem Tun gehindert werden. Sie beklagt die Wohnungsnot, die Profitgier, und überhaupt alles, was nicht gut ist auf dieser Welt, und das ist eine ganze Menge.

Nun hat sie aber ein kitzliges Problem. Denn dass anonym Vorwürfe erhoben werden, ist inzwischen normal. Dass die untersucht werden müssen, auch. Aber es wäre ja nicht die «Republik», wenn’s hier nicht etwas anders wäre. Denn die Vorwürfe, es gibt nichts Klatschsüchtigeres als Journalisten, kursieren schon lange. Nun wurden sie offenbar offizialisiert. Aber: es gäbe da eine «Klausel», die es dem Organ der anständigen Lebensart verboten hätte, intern oder extern was zu machen. Die beschuldigte Person habe nicht konfrontiert werden können, überhaupt sei die Abklärung ganz schwierig.

Absurd, aber eben «Republik». Dann aber habe es eine Medienanfrage gegeben (nicht von ZACKBUM), das habe die Situation geändert: «Wir haben nun mit der beschuldigten Person geredet. Und sind überein gekommen, sie per sofort und für die Dauer einer Untersuchung der Vorwürfe freizustellen

Natürlich: «Wir nehmen derartige Fälle sehr ernst.» So ernst, dass man zuerst monatelang zuschaut, und dann kann man nix machen. Das ist nicht ernst, das ist lachhaft.

ZACKBUM hat die «Republik» angefragt, ob sie bestätigen könne, dass es sich bei der freigestellten Person um die handelt, deren Namen bereits die Spatzen von den Dächern pfeifen und deren Verhaltensauffälligkeit in dieser Beziehung innerhalb und ausserhalb der «Republik» schon lange bekannt ist.

Wir baten die «Republik» darum, diesmal nicht «zu gegebener Zeit» zu antworten, sondern in journalistisch sinnvoller Zeitspanne. Aber auch hier zeigt sich wieder einmal: Transparenz – das ist für die «Republik» nur ein Feigenblatt für Intransparenz. Aber immerhin, sie antwortete rasant. Der erste Teil ist Stehsatz:

«Aus Persönlichkeitsschutz machen wir momentan keine Aussagen zur Identität der beschuldigten Person. Es gilt die Unschuldsvermutung.»

Dann wird es etwas unübersichtlich:

«Nachdem wir über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt wurden, nahmen wir sofort den Dialog mit der Mittelsperson auf und begannen die Abklärungen, wie wir in diesem Fall auch im Sinne der Personen, die die Vorwürfe erhoben, vorgehen konnten. Es passierte also keineswegs monatelang nichts. Weswegen wir die beschuldigte Person nicht sofort nach Erhalt der Vorwürfe konfrontierten, schrieben wir ja bereits im Newsletter: Aufgrund der “see only”-Klausel war uns untersagt, alle Personen der Anlaufstellen zu informieren resp. intern oder extern über diese anonymen Vorwürfe zu reden. Diese Situation zusammen mit der Tatsache, dass eine beschuldigte Person die Möglichkeit haben muss, zu konkreten Vorwürfen in einem inhaltlichen und zeitlichen Kontext Stellung zu nehmen, machte eine Konfrontation der beschuldigten Person sehr schwierig. Nachdem sowohl die beschuldigte Person als auch wir eine Medienanfrage mit konkreten Fragen erhielten, konnten wir uns mit der beschuldigten Person zu den Vorwürfen in dieser Anfrage austauschen.»

Gut, man muss nicht alles verstehen, was die «Republik» so schreibt. Aber soweit das ZACKBUM versteht, dürfen also die internen Stellen bei der «Republik» solche Vorwürfe nur zur Kenntnis nehmen («see only»), aber sonst eigentlich nix machen. Aber wenn dann jemand von aussen kommt und fragt, ob es denn stimme, dass ein «Republik»-Journalist der Übergriffigkeit bezichtigt würde, darf plötzlich gehandelt, konfrontiert und freigestellt werden.

Ist denn diese Freistellung nicht bereits eine Vorverurteilung, so wie im Fall Dorer/«Blick»? Aber nein, sagt die «Republik», «die Freistellung erfolgt zum Schutz aller Beteiligten, auch der beschuldigten Person, während der Untersuchung der Situation». Der Vergleich wäre zu billig, das mit dem Begriff «Schutzhaft» zu vergleichen. Aber Freistellung als Schutz für den Beschuldigten? Damit er nicht weiter übergriffig werden kann? Come on.

Man fragt sich natürlich, was passiert wäre, hätte es diese «Medienanfrage» nicht gegeben. Und warum nennt die «Republik» nicht einfach den Namen des Reporters, den sowieso jeder kennt? Natürlich erhielt er auch hier die Gelegenheit zur Stellungnahme. Natürlich nahm er sie nicht wahr.

Recht forsch geht geht srf.ch die Sache an. Sie nennt (fast) Ross und Reiter (ähm, falsches Bild): ««Republik» stellt Journalisten frei – WOZ leitet Untersuchung ein». Ausser dem Namen ist hier eigentlich alles drin: «Er ist ein gefeierter Reporter. Einer, der sich mit den Mächtigen anlegt. Kritische Porträts schreibt, unbequeme Recherchen veröffentlicht. Er hat viele renommierte Preise gewonnen und schreibt für bekannte Publikationen

Ganze sechs Frauen hat srf.ch aufgetan, die Beschuldigungen äussern. Nur: alle wollen anonym bleiben, Anzeigen wurden nicht eingereicht. Immerhin ergreift der Beschuldigte hier, via Anwalt, die Gelegenheit zur Stellungnahme: «Ich habe erstmals durch SRF von gegen mich erhobenen Vorwürfen erfahren. Diese liegen zum Teil offenbar sehr lange zurück. Es wurde gegen mich deswegen nie ein Strafverfahren geführt. … Den Vorwurf eines massiven sexuellen Übergriffs weise ich jedoch vehement zurück

Er sagt, sie sagen, er bestreitet, sie bleiben anonym, es gibt keine Anzeige. Schwierige Ausgangslage, nur eines ist klar: der Beschuldigte sollte sich besser einen neuen Beruf suchen.

Die soziale Ächtung, die berufliche Vernichtung, die Stigmatisierung des «war da nicht mal was?», die ist nicht reparabel. Wer Ziel anonymer Anschuldigungen wird, ist immer Opfer. Unabhängig davon, ob er Täter war oder nicht. Die anonymen und auch nicht-anonymen Denunzianten hingegen gehen (fast) immer straffrei aus. Sie haben das halt so erinnert, empfunden, wahrgenommen. Und es sei ja ein bekanntes Phänomen, dass dann Männerbünde zusammenhielten und die Frau unglaubwürdig oder gar lächerlich machen wollten. Dabei besorgt sie das allzu häufig selbst.

Was – abgesehen von den unschuldigen Opfern der Denunziation – ein Hohn für all die Frauen (und auch Männer), ist, die tatsächlich Opfer eines echten, nicht erfundenen sexuellen Übergriffs wurden. Und die gibt es leider auch nicht zu selten.

Altes aus dem Abfallhaufen

Kommentare sind (meistens) eine Pest.

(Auch) die eigenen Leser – zumindest die Kommentatoren – beschimpfen, das ist vielleicht keine gute Idee. Muss aber sein. Es ist auch nicht wirklich eine Beschimpfung, sondern ein Seufzer.

Nicht nur ZACKBUM ist in langwierige, teure und nervige juristische Auseinandersetzungen verwickelt, weil mutige Kommentatoren – meistens im Schutz der Anonymität – so richtig vom Leder ziehen. Und der Betreiber der Webseite nicht sorgfältig genug darauf achtete, dass sich darin keine justiziablen Formulierungen befinden.

Geradezu todesmutig ist in dieser Beziehung Lukas Hässig mit seinem Finanz-Blog «Inside Paradeplatz». Dort verwandelt sich der Kommentarteil nicht allzu selten in eine Kloake*. Wer das liest, ist erschüttert. Weil man doch davon ausgehen kann, dass hier ein repräsentativer Querschnitt von Angestellten im Schweizer Finanzsektor kommentiert. Nicht zuletzt deshalb ist es wohl kein Wunder, in welch desolatem Zustand sich die Schweizer Banken befinden.

Die Quittung: Credit Suisse klagt ihn ein, was das Zeug hält. Für einige seiner Artikel, vor allem aber für viele Kommentare. Diese Klage überlebte sogar den Aufkauf der CS, man ist nachtragend. Zuletzt geht es dabei um die Wiederherstellung einer verletzten Ehre oder Persönlichkeit. Es geht einfach darum, Hässig mit den Gerichts- und Anwaltskosten fertigzumachen.

Inzwischen sind eigentlich alle Plattformen, die Kommentare zulassen, dazu übergegangen, alles zu moderieren. Also Geld dafür auszugeben, dass der schlimmste Schlamm, das Übelste, Widerwärtiges, Beleidigendes und Krankes nicht publiziert wird. Glücklicherweise ist das bei der Leserschaft von ZACKBUM nicht der Fall. Natürlich, kleines, schleimiges Kompliment. Ist aber so. Pro Monat muss vielleicht ein Kommentar, maximal zwei gelöscht werden. Gelegentliche Spam-Versuche können heutzutage problemlos durch Sperren der IP-Adressen abgewehrt werden.

ZACKBUM will hier nicht die bekannten Forschungsergebnisse wiederholen, was sich in Kommentarspalten abspielt, was die Motivation der Schreiber ist, wieso mindestens die Hälfte die eigene Meinung kundtun will, aber keinesfalls auf den Inhalt des Kommentierten eingehen.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, der gewisse Hygienevorschriften bei den Kommentaren unabdingbar macht. Gleicht dort das Niveau mehr einer Wirtshausschlägerei kurz vor der Sperrstunde, bei der ein hoher Alkoholspiegel und nichtige Anlässe zu gröberen Beschädigungen von Mensch und Mobiliar führen, sind feinnervigere Kommentatoren abgeschreckt, die vielleicht wirklich interessante Beiträge leisten könnten.

Ein aktuelles, abschreckendes Beispiel ist leider «Weltwoche online». Recht trocken und korrekt veröffentlichte sie den Inhalt der Rede, die Selenskyj vor dem Schweizer Parlament halten durfte. Darüber ergossen sich (Stand Donnerstagabend) 332 Kommentare.

Einige Müsterchen (in Originalversion):

«Sauhund! – Sie wollen sich vorstraengeln zum klatschen, damit der Verbrecherstaat USA sie sehen kann. – Bundesrat Ständerrat sowie der Nationalrat hat unser Land ins jenseits Befördert. – parlament auflösen bevor sie noch mehr schaden anrichten können – Eine Schande für die Schweizer Landesvertreter. Mehrheitlich leider Landesverräter. Nur, bald ist Wahltag = Zahltag. Wir müssen denen endlich zeigen wer hier das Sagen hat! – Nun, wenn die erste Kinschal das dieses Bundeshaus pulverisiert, mit samt dem Inhalt, werde ich eine Flasche Prosecco öffnen und es feiern. – Drecksparlamentarier, vor euch soll man noch Respekt haben? Ihr Neutralitätsverräter und Verfassungsbrecher! – Standing ovations? Ich glaub’s nicht! Alle ab an die Front, ihr lieben Volksdiener. ich kann nur noch kotzen ab unseren erbärmlichen Parlamentariern – PFUI DEIBEL !!!! Schweizer, schämt euch. !!!!»

Ist es jemandem noch nicht schlecht? Selbstredend sind all diese Kommentare von feigen Wäfflern verfasst, die sich hinter einem Pseudonym verstecken und nicht einmal wissen, dass man sie über ihre IP-Adresse identifizieren könnte.

Immerhin einen kleinen Lichtblick-Kommentar gibt es. «Das Niveau der WW und ihrer Anhänger ist ja schon absolut unterirdisch!»

Ds ist nun auch etwas pauschal, aber angesichts dieser Ladung Jauche verständlich. Unverständlich ist hingegen, wieso die WeWo das zulässt. Damit senkt sie tatsächlich das Niveau bis auf den Nullpunkt. Da anonyme Belferer meistens feige sind, ist auch nicht zu befürchten, dass ohne diese Bedürfnisverrichtung mit amoklaufenden Schützen zu rechnen wäre.

Eigentlich gibt es zwei einfache Abhilfen für all das. Erstens, der Kommentar wird nur publiziert, wenn er von einem verifizierten Absender stammt, der mit seinem richtigen Namen dahintersteht. Zweitens, für die Benützung der Plattform wird bezahlt. Viele Kommentarschreiber haben das Gefühl, es sei ihr unveräusserliches Menschenrecht, öffentlich ihren Senf absondern zu dürfen, und krähen sofort lautstark Zensur, wenn man sie daran hindert. Das ist ein Irrtum.

*Packungsbeilage. René Zeyer publiziert gelegentlich auch IP und auch bei der «Weltwoche». 

Braunes Drecksblatt

Neuer Höhepunkt der linksliberalen Debattenkultur.

Sie sind auf der Verliererstrasse. Sie haben die Deutungshoheit in den Luftkämpfen der öffentlichen Meinung verloren. Sie mussten Niederlagen einstecken.

Das führt bei vielen Pseudolinken zu grenzenlosem Opportunismus. Herausragendes Beispiel sind die deutschen «Grünen», die für Limousine, Chauffeur und wichtiges Gehabe bereit sind, Atomstrom als grün und nachhaltig zu akzeptieren.

Herausragendes Beispiel sind alle Wäffler, die plötzlich ihre Liebe zu den Portemonnaies von reichen Medienclans entdeckt haben und unbedingt wollen, dass denen eine weitere Steuermilliarde reingesteckt wird.

Wie leicht und einfach sind sie zu korrumpieren, nur weil Elendsblätter wie «bajour», «Saiten» oder das inzwischen führerlose Rettungsorgan der Demokratie «Republik» auch ein paar Batzeli abbekommen würden.

Sie japsen gegen «rechtsnationale Milliardäre» wie Christoph Blocher, die das Geld hätten, sich ganze Zeitungen zu kaufen, was natürlich nicht gehe. Dabei wird sowohl «bajour» wie die «Republik» ebenfalls von Multimillionären ausgehalten. Allerdings von Erben, auch ein kleiner Unterschied.

Grenzenloser Opportunismus ist eine Antwort auf den Bedeutungsverlust. Die andere ist Diskussionsverweigerung und bösartige Denunziation.

Natürlich als anonyme Heckenschützen auf den Klowänden der asozialen Plattformen. Wer das Gefühl bekommen möchte, dringend unter die Dusche zu müssen, sollte sich dort nur mal bei einschlägigen In-Groups umtun. Was da für üble Blasen aus unter Luftabschluss verfaulender Gesinnung aufsteigen, beeindruckend. Wäre doch auch einen Selbstversuch von Marko Kovic wert …

Wer so dumm ist, diesen Selbstbestätigungs-Süchtigen ein kritisches Wort entgegenzuhalten, wird sofort weggebissen, gelöscht, beschimpft, gehetzt, gehatet. Zuvorderst auch von der grossen Kämpferin gegen Hass und Hetze im Internet.

Ein weitere Höhepunkt ist dieser Hashtag:

Das wird applaudiert. Hängt sie, gebt ihnen Zyankali, wie tief kann ein Gesinnungslump – feige geschützt durch Anonymität – noch sinken?

JSH mal wieder zackdumm …

#braunesdrecksblatt steht in der glorreichen Tradition von «#halt die Fresse, Tamedia».

Auch hier war JSH natürlich vermeintlich doppelbödig dabei:

Der Treppenwitz der Geschichte ist, dass auch Komiker wie Mike Müller, der immerhin Dick und Doof als Solist spielen kann, mit unqualifizierten Rülpsereien («ungeimpftes Arschloch») wesentliche Beiträge zur handkehrum beklagten Niveaulosigkeit der Debattenkultur leisten.

Die Rechten, die Rechten, die stecken doch alle unter einer Decke, ist auch so ein Lieblingsnarrativ von Pseudolinken. Roger Köppel steckt im Portemonnaie von Blocher, Markus Somm in dem von Tettamanti, kennt man doch. Dabei enthüllt dessen «Nebelspalter» (pfuibäh) gerade ein hübsches Stück linker Beziehungsmauschelei.

Denn in Bern soll es ein neues, höchstwahrscheinlich überflüssiges Online-Organ namens «Hauptstadt» geben. Wir berichteten. Einer der Initianten ist der Journalist und ehemalige Greenpeace-Sprecher Joël Widmer. Das Bezahl-Modell ist massgeschneidert für eine Förderung durch das Medienpaket, sollte das angenommen werden.

Dafür legt sich eine grüne Nationalrätin ins Zeug, insbesondere für die Förderung von Online-Medien. Darf sie, nur: Aline Trede ist verheiratet. Auch das darf sie. Mit Joël Widmer. Ist’s also nur eheliche Liebe oder schon Beziehungskorruption?

Sie lernen es nie: Heuchelei, Gemauschel,  Selbstbestätigung und Gekeife gegen Andersdenkende hat noch nie mehr Wirkung erzielt, als dass sich die Zuschauer die Nase zuhalten und abwenden.