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Ab in die Wanne

Original und Fälschung – oder: wer war das?

ZACKBUM kennt sich beim Thema Falschschreibung von Namen aus. Wie unsere Leser unermüdlich bemerken müssen, haben wir da eine kleine Schwäche. Die reden wir uns jeweils so schön, dass bei dem Output einer One-Man-Show halt schon dies und das passieren kann. Zudem sind wir unser eigenes Korrektorat und haben das nicht mal nach Banja Luka ausgelagert.

Das alles gesagt, darf nun gelacht werden:

Dieser Kommentar ziert die Frontseite aller CH Media Kopfblätter, und davon gibt es eine Menge. Inhalt unwichtig, erschwerend kommt auf jeden Fall hinzu, dass es sich um die Tochter des Chäfs handelt. Des Besitzers. Des Bosses Peter Wanner. Des obersten Befehlshabers, der in kriegerischer Stimmung ist und sowieso gerne den Dritten Weltkrieg anfangen möchte.

Nun handelt es sich hier um das PDF des Kommentars; im Print sieht die gleiche Stelle es Bitzeli anders aus:

Man kann vielleicht zum Trost sagen, dass Anne Wanne noch schlimmer gewesen wäre.

Für Aussenstehende ist das ziemlich lustig. Aber nachdem wir uns die Lachtränen abgewischt haben, stellen wir uns mal vor, was intern im Hause CH Media los ist. Da schallt nämlich durch die Verrichtungsboxen der Zentralredaktion die Frage: «Wer war das

Denn sicherlich gibt es bei CH Media, wie bei Tamedia, eine unerbittliche Qualitätskontrolle; das ist man sich doch schuldig. Gerade auf der Frontseite, besonders bei einem Kommentar der Tochter des Chefs. Da schaut sicher der Korrektor (in Banja Luka oder so) drüber. Der Blattmacher. Der Ressortverantwortliche. Diverse Chefredaktoren und auch der Oberchefredaktor. Der Produzent, wenn man sich einen solchen Luxus noch leistet. Und alle haben das nicht bemerkt?

Das ist die eine Möglichkeit. Die andere: es war Absicht. Bösartigkeit. An die dritte Variante wollen wir gar nicht denken: Es gibt Mitarbeiter bei CH Media, die nicht wissen, wer Anna Wanner ist. Oder Wanne. Oder Wanna. Oder wie auch immer.

Wir fragen uns jetzt: wird das zu Köpferollen führen? Einem Korrigendum? Wir der Fehler transparent gemacht? Muss die nicht verwandte Namensvetterin Alina Wanner von der NZZaS eingreifen? Wir bleiben dran. Wir finden’s raus.

Anna Wanna Supergirl

Ein Kommentar ist schwieriger als gedacht.

Anna Wanner ist 35 Jahre alt und Co-Leiterin des Inlandressorts bei CH Media und AZ-Verwaltungsrätin. Und sie ist Tochter von Peter Wanner, Sohn des Otto Wanner junior, Sohn des Otto Wanner senior. Anna ist also Wanna.

Am Donnerstag schrieb Anna Wanner einen Kommentar auf der Front rechts. Früher war dieser Platz für alte, missmutige Männer reserviert, die der geneigten Leserschaft den Takt vorgaben. Der Pfarrer predigte von der Kanzel, der Chefredaktor von der Schreibmaschine.

Ein Kommentar, für die jüngeren Leserinnen und Leser, war früher eine Ansage. In ungewissen Zeiten wie diesen wäre das eine gute Gelegenheit, die Verwirrten, die Ängstlichen und die Jammernden zu beruhigen. Das tut man am besten mit dem Punkt (.) oder Ausrufezeichen (!).

Von Fragezeichen (?) wird in Kommentaren abgeraten. Man will ja etwas sagen, nicht fragen. Anna Wanner hat sich am Donnerstag an einen Kommentar zur bundesrätlichen Corona-Strategie gewagt. Gutes Thema. Entweder lobt man den Bundesrat, weil er die Wirtschaft schützen will, oder man geisselt ihn, weil er die Gesundheitsproblematik unterschätzt.

Für etwas muss man sich entscheiden, auch wenn man die Urenkelin von Otto Wanner senior ist. Bei Anna Wanner weiss man nicht, was sie uns eigentlich sagen möchte:

«Das Vorgehen (des Bundesrats) birgt das Risiko, dass sich die Situation weiter verschärft. (…) Richtig ist das Vorgehen aber auch, weil noch unklar ist, (…) Sollten wir noch Freunde und Famille treffen? Und können wir ohne Bedenken auswärts essen? Die Freiheit ist längst eingeschränkt. Halten wir das weiterhin aus? Oder müssen doch strengere Regeln her?»

Was soll der Quatsch? Bin ich schön? Bin ich satt? Bin ich hungrig? Bin ich ratlos? Bin ich am falschen Platz?