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Tamedia gaga

Wie tief kann der Konzern der Qualitätsmedien eigentlich noch sinken?

Autorin Anna Böhler ist kürzlich von «watson» zum Qualitätstitel «Tages-Anzeiger» gestossen. Sie hat bereits einen Artikel über eine Haiattacke auf einen Schwimmer geschrieben. Das interessiert nun in der Schweiz eher mässig, ausser vielleicht in Kalifornien den Hai und den Schwimmer.

Und am Donnerstag wurde ein Artikel über Jeanne Córdova publiziert. Er informiert in der Bildlegende darüber, dass die Aktivistin im Alter von 67 Jahren gestorben ist.

Aha, denkt da der Leser, habe zwar noch nie von ihr gehört, aber ein Nachruf im woken Tagi, wo ungefähr 90 Prozent aller Leser nicht ganz sicher sind, was die LGBTQ-Bewegung eigentlich ist, nun ja, kann man machen, muss man nicht machen. Aber wenn sonst nix los ist …

Also quält man sich durch den Text bis zum unseligen Ende, wo verkündet wird: «2013, als die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien legalisiert wurde, heiratete Córdova ihre langjährige Partnerin Lynn Harris Ballen. Nur zwei Jahre später macht sie ihre Krebsdiagnose öffentlich: «Ich habe seit 2008 Krebs. Darmkrebs»».

Das ist tragisch für Córdova, und man denkt, dass sie offenbar tapfer dem Krebs getrotzt hat, bis sie nun mit 67 Jahren verstarb.

Da denkt man allerdings falsch, denn ihr Todesdatum ist der 10. Januar. Januar 2016. Hä?

Gibt es denn im Namen aller lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender und queeren Menschen irgend einen Anlass, mehr als acht Jahre danach darauf hinzuweisen? Ist inzwischen wirklich alles erlaubt, um den Tagi-Leser zu quälen und in Scharen davonzujagen?

Womit wurden denn all die Kontrollinstanzen überzeugt, die laut Chefredaktorin Birrer dafür sorgen, dass «wir den Geschichten nachgehen, die sonst nicht erzählt werden.»? Als das vor Kurzem zur allgemeinen Erheiterung als Selbstbeweihräucherung und als Bettelei für mehr zahlende Gäste veröffentlicht wurde, wusste man noch nicht, dass es eine echte Drohung enthält.

Denn dieser Córdova-Text ist tatsächlich eine Geschichte, die sonst nicht erzählt wird. Ganz zu recht, denn ausser einem harten und winzigen Kern von Córdova-Fans interessiert das wirklich keinen. Genauso wie viele andere Geschichten über in der Vergangenheit verstorbene Menschen, bei denen sich weder der Geburts- noch der Todestag irgendwie rund jährt.

Aber man kann ja immer einen Anlass herbeiprügeln:

Was das ist? Also bitte, ihr Nicht-Netz-Natives, das ist ein Doodle. Von Google. Wow. Stimmt also doch, «don’t be evil» soll ja deren Motto sein, mit dem Google zu einem der wertvollsten Konzerne der Welt geworden ist, ein Monopolist, eine Datenkrake, die sich willfährig über all dort selbst zensuriert, wo es diktatorische Regimes verlangen, wie zum Beispiel in China.

Darüber könnte man vielleicht mal einen Artikel schreiben; der würde dann auch mehr als drei Leser interessieren.