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Ist das peinlich

Das Recherchedesk von Tamedia scheitert an einer einfachen Aufgabe.

Ist halt blöd, wenn seit längerer Zeit keine Hehlerware in Papers, Leaks oder gar Secrets verwandelt werden kann. Da mussten sich die Cracks Oliver Zihlmann, Anielle Peterhans und Christian Brönnimann ein anderes Betätigungsfeld suchen.

Menschenhandel, Kinderprostitution, Asylmissbrauch, versteckte Gelder auf kleinen Inseln im Meer? Ach was, da gibt es Schlimmeres: Velodiebstahl!

Echt jetzt? Aber ja, die Lage ist dramatisch: «Über 54’000 Velos wurden 2024 in der Schweiz gestohlen.» Erschütternd: «Oft stecken organisierte Banden dahinter.» Noch öfter mit Migrationshintergrund, aber he, wir sind bei Tamedia.

Dort gibt es bekanntlich keine Qualitätskontrolle mehr. Also darf das Trio infernale alle Peinlichkeiten ihrer lebensgefährlichen Recherche ausbreiten:

«Es dauert genau 79 Minuten. Am helllichten Tag stellen wir unser Velo vor dem Basler Bahnhof SBB ab. Unverschlossen. Dann vibriert das Smartphone in der Tasche des Reporters. Der GPS-Tracker meldet: Das Velo bewegt sich, aber bevor wir den Dieb stellen können, bringt er es an denselben Standort zurück.»

Eigentlich müsste man so einen Flop einfach übergehen. Aber he, wenn so wenig Fleisch am Knochen ist, dann muss alles herhalten.  Reporterglück: «Eine gute Stunde später wird es schon wieder geklaut.» Verfolgungsjagd mit quietschenden Reifen, dann Hatz zu Fuss, Überspringen von Zäunen und Nahkampf? Ach was: «Der Mann entschuldigt sich und gibt das Velo zurück.»

Zeit für den Aufschwung ins Allgemeine: «Der Recherchedesk von Tamedia wollte wissen, warum die Diebstahlzahlen in der Schweiz massiv steigen.» Nach knapp 5000 A, Spoiler, weiss der Leser, dass er es nach diesem Artikel auch nicht weiss. Dabei hatte man sich so Mühe gegeben: «Dafür haben wir zwei Velos mit einem GPS-Tracker und zwei Airtags präpariert und sie in Basel, Zürich und Bern platziert

Ein Tracker und zwei AirTags? Sparmassnahme?

Aber wow, Walraff wäre stolz auf diese Investigativjournalisten. Bitteres Resultat: «Ein Dutzend Mal wurde unser Velo entwendet.» Äh, und das zweite? Aber gut, das sind Details in der Hitze des Gefechts.

Worin bestand das? «Wir haben die Täter in Parks, vor Bahnhöfen, in Wohnquartieren und sogar in einem deutschen Wald aufgespürt. Die Ausreden zeichnen das Bild einer Gesellschaft, in der fremdes Eigentum manchmal erstaunlich schnell zum Allgemeingut wird.»

Die Gesellschaft ist halt auch nicht mehr das, was sie einmal war. Das gilt allerdings auch für den Recherchierjournalismus.

Als Schlussgag vermelden die Recherchegenies noch einen Totalflop. Als das Velo in Bern geklaut wird, findet der Dieb den GPS-Tracker und schmeisst ihn weg. Auch der AirTag verstummt, dann meldet er sich wieder. Er liegt bei einer Waschgarage rum. «Vom Velo fehlt jede Spur.»

Ob das auf Redaktionsspesen ging? Oder ob beschlossen wurde, dass so viel Unfähigkeit finanziell bestraft werden muss? Auf jeden Fall versucht der Recherchedesk, aus dieser müden Story so viel wie möglich herauszumelken:

ZACKBUM ist gespannt, womit das noch unterboten werden kann. Wird nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich: die schaffen das.

Was für eine Frau

Sie Sexist, Sie. Sie haben den Titel sicher ohne Protestgeschrei gelesen.

Wie sagte ein Bekannter so richtig: Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr dümmer … Genau, dann kommt eine ernsthafte Debatte über Absurdes.

Leider unterschätzt man meistens den Wahnsinn am Anfang. Als die SoZ titelte «Die Wörter Mann und Frau werden ausgemustert», kicherte man noch leise und schüttelte den Kopf. Obwohl die Dummheit bereits in Deutschland angekommen ist: «Die SPD forderte in Sachsen kürzlich zum Beispiel am Weltmenstruationstag im Mai Gratis-Produkte für «menstruierende Männer und menstruierende nicht-binäre Personen in öffentlichen Männertoiletten». Der staatliche Sender MDR schrieb zum selben Anlass auf seiner Website ganz selbstverständlich von «menstruierenden Menschen»».

Gut, der Deutsche, dachte man, aber hierzulande doch nicht. Da unterschätzte man aber «die Empfehlungen der «Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin»» (NEK). Die hat sich Volontärin Anielle Peterhans angeschaut, und kein Qualitätskontrolleur im Hause Tamedia hat sich getraut, ihren Artikel zur Überarbeitung zurückzuweisen.

Längst in der Schweiz angekommen

Sie behauptet, das «Thema Geschlecht und inklusive Frage» sei bislang so behandelt worden, dass «die Annahme» mitgeschwungen sei, dass «die Debatte primär im englischsprachigen Raum geführt» werde, so auch in einem Artikel in der SoZ. Falsch, setzen, donnert Peterhans ihrer Kollegin vor den Latz, «das Thema ist längst in der Schweiz angekommen».

Tut er zwar nicht, macht aber nix.

Dann linst sie aber selbst, Frau und Konsequenz, über den Teich: «In vielen US-Bundesstaaten kann man bereits im Führerschein neben «männlich» und «weiblich» auch «X» als Geschlecht eintragen lassen.» Da will natürlich auch die NEK nicht hintenanstehen. Wer einmal zuschauen will, wie Steuergelder sinnlos zum Fenster rausgeschmissen werden, sollte sich deren «Ethische Erwägung zum Umgang mit dem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister» zu Gemüte führen.

Wer die Lektüre im Kopf nicht aushält, ab S. 33 gibt es eine Zusammenfassung, die zwar auch noch unglaublich schwafelig ist. Wir lehnen jede Verantwortung für Veränderungen des Blutdrucks des Lesers ab und servieren ein Müsterchen:

«Die heute bestehende Pflicht, kurz nach Geburt einen registerrechtlichen Eintrag des Geschlechts als entweder «weiblich» oder «männlich» vorzunehmen, ist Ausdruck dieser binären Geschlechterordnung, die es – wie die NEK-CNE in Erinnerung ruft –, zwar als sozial konstruiert zu verstehen gilt, die aber auch in ihrer traditionellen lebensweltlichen Verwurzelung und für viele Teile der Gesellschaft grundlegenden Rolle ernst zu nehmen ist.»

Ach, wer meint mit einem «verstehe kein Wort» sich aus der Affäre zu ziehen: so geht das auch nicht. Das muss man ernst nehmen. Oder zur Strafe das Literaturverzeichnis von S. 36 bis 42 durchackern. Für Fragen darf man sich gerne an die Präsidentin der NEK wenden, oder an die 14 Mitglieder, allesamt Prof. Dr. oder mindestens Dr. Allenfalls helfen auch die vier Akademiker auf der «Geschäftsstelle» weiter.

Giftgrün und völlig unbekömmlich.

Gut, das eignet sich nun entweder für fassungsloses Schweigen – oder für eine Glosse. Aber doch nicht für Peterhans. Sie referiert diesen schreienden Unsinn mit ernstem Gesicht und gibt auch noch gleich ein Beispiel, wieso eine solche Nonsens-Debatte dringend nötig sei:

«Gemäss dem Bericht der Ethikkommission sind die Begriffe Mutter und Vater im Abstammungsrecht klar geschlechtlich konnotiert. Allerdings gelte auch, dass Mutter diejenige Person ist, die das Kind geboren hat. Eine Geschlechtsbezeichnung der Person im Gesetzestext sei deshalb nicht zwingend.»

Verstehen Sie auch nicht? Also ZACKBUM hat schon, nun ja, IQ-mässig etwas herausgeforderte Leser, um das mal ganz korrekt auszudrücken. Allerdings sollten die nicht den gleichen Fehler wie ZACKBUM machen und solches Geschwafel nicht ernst nehmen. Denn der Schluss von Peterhans enthält eine Drohung: «Noch ist das Schweizer Recht aber auf der binären Unterscheidung der Geschlechter aufgebaut.»

Noch.