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Schlagwortarchiv für: Ameti

René Zeyer

Katzenjammer

12. September 2024/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Medien haben völlig Mass und Mitte verloren.

Selbst die NZZ versagt bei ihrer vornehmsten Aufgabe, Ereignisse einzuordnen und ihren Platz nach Wichtigkeit zu bemessen.

Dass das Boulevard-Imitat «Blick» – alter Wein in neuen Schläuchen – auf der Klaviatur der Erregungsbewirtschaftungs spielt, okay. Wenn ein «Aufreger» nicht mehr aufregt, dann kann die Redaktion wirklich nach Hause gehen.

In dieser Bewirtschaftung gelten seit Urzeiten die gleichen Spielregeln. Etwas passiert. Der Aufreger wird an die Öffentlichkeit gezerrt, die Journaille ist gespannt, ob das überhaupt jemanden interessiert oder ob kein Schwein schaut. Volltreffer, die Kommentatoren überschlagen und ballen sich, wunderbar.

Es wird nachgezogen, Reaktionen abgeholt, inquisitorische Fragen gestellt, der Untergang der Bachelorette der Politik hämisch begleitet und kommentiert, nach der Devise: recht geschieht’s ihr. Politiker und andere Meinungsträger drängen ins Scheinwerferlicht; auch sie wissen, dass man nur mit starken Sprüchen eine Chance hat, zitiert zu werden. Für Ausgewogenes ist kein Platz.

Recht mitleidlos wird der Untergang beschrieben, mildernde Umstände erwogen und verworfen. Die Entrüstung des Publikums wird gespiegelt und verstärkt. Die Volksseele kocht, der Kommentator wird zum Scharfrichter, mit einem Wort: die bewusste, absichtliche, eiskalt kalkulierte Provokation eines Politik-Pin-up-Girls gerät ausser Kontrolle.

Aber solche Strohfeuer lodern hell und schnell auf, um genauso schnell wieder in sich zusammenzufallen. Darauf folgt der übliche letzte Akt im ewig gleichen Spiel: die Katharsis. Die Reinigung, die Entäusserung. Die Rufe nach Mässigung, Innehalten, die kritischen Fragen, ob da nicht vielleicht etwas übertrieben worden sei, Grenzen überschritten. Lustigerweise wird dafür das genau gleiche überbordende Vokabular gewählt wie vorher beim Niedermachen und Kritisieren.

Auf niedrigster Ebene zeichnen sich dabei – wie üblich – zwei Organe aus. Der Tagi und die «Republik». Im Tagi sülzt der unerträgliche Philipp Loser zusammen mit Angela Barandum über «die Zerstörung der Sanija Ameti». Der gleiche Heuchler, der als Konzernjournalist einen Konkurrenten dermassen übel niedermachte, dass er sich dafür entschuldigen musste und der Artikel gelöscht wurde. Aber über seinen Versuch der Zerstörung Lebruments schreibt er keine Zeile.

«Was ist da gerade passiert? Was passiert da gerade?» Mit diesen beiden selten stupiden Fragen beginnt das Machwerk. Was passiert? Dass der Tagi wie alle anderen auch sich über Kommentare und durch die Decke gehende Klickraten freut, was denn sonst.

Dabei täte sich vor allem eine ideologische Richtung hervor, behaupten die zwei faktenfrei: «Rechtsextreme aus ganz Europa twitterten schäumend zum Fall, riefen zum Boykott dieser «widerlichen Person» auf». Und, natürlich, sei das Ganze mal wieder eine «Gender»-Frage. Die selbst immer wieder in Fettnäpfchen tretende Tamara Funiciello labert: «Verurteilte Stalker, Rassisten und Belästiger müssen selten Konsequenzen befürchten für ihre Taten. Wenn eine junge Frau mit Migrationshintergrund eine Dummheit macht, dann gibt es Morddrohungen.»

Und ein «Kommunikationsexperte» darf aufgeblasene Allgemeinplätze von sich geben, die ehrfurchtsvoll zitiert werden: ««Egal, wie gross die Dummheit ist, die man angestellt hat – dahinter steht immer noch ein Mensch.» Oder was nach einem solchen Shitstorm noch davon übrig ist.»

Dabei wird eine Lüge immer nochmal wiederholt: Ameti habe sich «sofort» entschuldigt und den Post gelöscht. In Wirklichkeit stand der zehn Stunden im Netz, und erst als sich die Anfragen, zuerst von ZACKBUM, häuften, ging Ameti zum kalkulierten zweiten Schritt über: löschen und halbgar entschuldigen. Erst mit dieser arroganten, völlig verunglückten Entschuldigung schaufelte sie sich dann ihr öffentliches Grab, nicht vorher.

Gesteigert wird das zuverlässig nur noch durch die «Republik». Mit der üblichen schnarchigen Verzögerung meldet sich hier ellenlang Elia Blülle zu Wort. Er verlässt sein Lieblingsthema «nachhaltige Ernährung» und dekretiert: «Das überhastete Vorgehen verrät erschreckend viel über die GLP. Und legt offen, wie anfällig die Schweizer Politik bis tief ins progressive Milieu für rechts­extreme Kampagnen ist.»

Dann zählt er tapfer verschiedene Äusserungen aus dem politisch konservativen bis rechten Lager auf. Hineingesprengselt immer wieder Bemerkungen, dass man natürlich schon nicht auf Maria und das Jesuskind schiessen sollte. Dann entrüstet er sich scheinheilig: «Aufgrund von Drohungen steht Ameti mittler­weile im Austausch mit der Polizei, die Schutz­massnahmen für sie prüft. Das bestätigt die Stadtpolizei Zürich auf Anfrage. Dass es so weit kommen musste, ist eine Schande.»

Das ist keine Schande, sondern leider heutzutage normal. Die Zahl von Persönlichkeiten, auch in der Schweiz, die zeitweise oder länger Polizeischutz brauchen, wird immer grösser. Denn Verpeilte, Amoks, anonyme Rabauken gibt es immer mehr, die unter dem Schutz der Anonymität im Internet übelste Drohungen ausstossen.

Dann dreht Blülle völlig ab:

«Aufstrebenden neofaschistischen Kräften in Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien gelingt es immer besser, mit rechten und menschen­feindlichen Framings die Debatten zu lenken und zu verderben. Antimuslimische Ressentiments florieren.»

Das nennt man mal eine Täter-Opfer-Umkehr, bis es dem Leser schwindlig wird. Sein Schluss ist dann ein echter Schenkelklopfer: «Wann hat das letzte Mal jemand in der Schweizer Politik so schnell, so bedingungslos und ohne Relativierung einen Fehler zugegeben? Den betroffenen Menschen ihre verletzten Gefühle vorbehaltlos zugestanden? In dieser Hinsicht hat Ameti nicht Ausschluss und Häme verdient. Sondern Respekt und Grossmut.» Der Flachdenker hat nicht einmal mitgekriegt, dass Ameti genau das nicht gemacht hat. Und hätte sie es, vielleicht wäre ihr der Absturz erspart geblieben.

Auch die NZZ lehnt sich nun wieder auf die andere Seite. Zuerst gehörte sie zu den grössten Fans von Ameti, veröffentlichte Lobhudeleien und wahre Modestrecken mit ihr. Dann wurde sie ganz böse, «ruiniert sie ihre Karriere», nun kommen Unterstützer zu Wort.

Eine lustige Schraube dreht wie immer der «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel. Was macht er? Richtig geraten, das Gegenteil. Wovon? Ist doch egal, Hauptsache Gegenteil. Er schreibt und lässt schreiben: «Finger weg von Ameti. Die Meinung- und Redefreiheit gilt auch für Andersdenkende». Das Argument ist allerdings schwachsinnig. Denn niemand will oder wollte Ameti zensieren. Im Gegenteil, sie hat gerade von diesem Recht Gebrauch gemacht. Nur heisst Meinungsfreiheit nicht, dass sie gratis sei.

Wer in ihrer Ausübung juristische Grenzen überschreitet, wird sanktioniert. Wer zu Unruhe und Umsturz auffordert, hat die Konsequenzen zu tragen. Wer primitiv provoziert, macht sich selbst unmöglich.

Dass eine PR-Agentur eine Mitarbeiterin entlässt, die sich selbst dermassen stigmatisiert hat – völlig verständlich. Wer möchte sich denn von so einer Versagerin kommunikativ beraten lassen? Dass sich eine Partei von einem Mitglied distanziert, dass deren Grundwerte in den Dreck gezogen hat – vernünftig. Dass niemand der Provokateurin ihre erste, überhebliche Pseudo-Entschuldigung abnahm, die die Empfänger zudem für dumm verkaufen wollte – logisch.

Dass die Elendsmedien Pirouetten drehen, zuerst dreinschlagen, dann vor Dreinschlagen warnen, das ist die übliche Halt- und Haltungslosiogkeit heutzutage. Dass Köppel gegen den Strom schwimmt, ist zwanghaft vorhersehbar. Dass sich Tagi und «Republik» in Schwachsinnigkeiten überbieten, ist auch nichts Neues.

Dass aber auch die NZZ Mass und Mitte verliert – und bis heute nicht wiedergefunden hat, das ist beunruhigend.

Dass eines fehlt, ist hingegen typisch für das sumpfige Elend, in dem der moderne Journalismus plantscht: jeder Hauch von Selbstkritik. Von Selbstreflexion. Selbst bei einem so einfachen Nicht-Ereignis wie dieser dummen, zu erfolgreichen Provokation ist nicht einmal die NZZ in der Lage, ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Das schafft ungemein Vertrauen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/08/Peinlich_Katze.jpeg 482 913 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-09-12 06:00:342024-09-12 16:28:30Katzenjammer
René Zeyer

Wenigstens scheint die Sonne

4. September 2023/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Denn bei der Lektüre der Sonntagspresse braucht es einen Aufsteller.

Also mal ehrlich, liebe Rumpf-Chefredaktion der NZZaS: Dass es statt vier kleine Negerlein nur noch zwei sind, das kann doch kein Grund hierfür sein. Ein pseudosauglattes Foto von Michael Steiner zu einem ernsten Thema. Ein gähnend langweiliger Aufwasch zu den Rülpsern, die die UBS beim Verdauen der CS von sich gibt. Immer schön um die schwache Bundesrätin Karin Keller-Sutter herumgeschrieben, die hier krachend versagte und dem Steuerzahler möglicherweise Milliardenzahlungen aufbürdete. Aber sie ist in der FDP.

Und dann noch «Heikler Rohstoffdeal»: eine angefütterte, einseitige Story voller Fehler. Da reicht es noch knapp, dem Hodler-Sammler Christoph Blocher ans Bein zu pinkeln. Erstaunlich, dass Anfang September das Sommerloch immer noch nicht die Hand vor den Mund hält beim Gähnen.

Dann noch sicher als Aufreger geplant ein Interview mit Jacqueline Badran, die wunschgemäss Ruppiges sagt, aber auch Unsinniges, wie es halt so ihre Art ist. Und Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti, der seine richtige, aber auch nicht neue These nochmals spazierenführen darf, dass eine Rettung der Monsterbank UBS die Schweiz an den Rand des Staatsbankrotts führen könnte. Was sich jeder ausrechnen kann, der die darin involvierten Zahlen anschaut.

Und dann hat es noch den üblichen Tiefpunkt von und mit Peer Teuwsen. Diesmal in Form eines Interviews mit dem «Sexualstrafrechtler» Yves Georg zum Medienskandal Rammstein und Vorverurteilung. Georg who?  Nun, der sei Partner in einer Hamburger Kanzlei, in der auch der Anwalt arbeite, der damals Jörg Kachelmann verteidigt habe.

Das ist ungefähr so, wie wenn man einen TV-Zuschauer als Royal-Experten interviewt, weil der die Krönung von Charles vollständig angeschaut hat. Aber schön, dass sich auch Georg seine fünf Minuten Ruhm in der NZZaS abholen kann. Neues hat er nicht zu berichten, und im eigenen Haus räumt Teuwsen natürlich auch nicht auf. Denn die Frage an den «Sexualstrafrechtler» wäre doch nahegelegen, was der davon hält, dass die NZZ den Rammstein-Sänger mal kurzerhand zum «Täter» machten und tiefschürfende Überlegungen anstellte, welche Machtstrukturen im Macho-Rock-Business so herrschten.

Also gut, also schlecht, dann halt die «SonntagsZeitung»:

Oh je. «Ohne BH ist das Leben schöner». Das wussten wir Männer schon immer. Und Sergio Ermotti musste nicht lange nachdenken, wem er das obligate Interview gewährt … Das zeigt dann, dass selbst der ausgewiesene Kenner Arthur Rutishauser auf Granit beisst, wenn er den Formulierungskünsten von Corporate Communication ausgeliefert ist. Und im Vorfeld offensichtlich heikle Themen wie der 16-Milliarden-Abschreiber ausgeschlossen wurden. Aber immerhin, ein Satz von Rutishauser ist einen Lacher wert. Auf die bissige Rückfrage von Ermotti, ob er wirklich so denke (dass der Riesengewinn von 25 Milliarden nicht der UBS, sondern dem Staat gehöre), sagt Rutishauser: «Ich denke nicht, ich stelle Fragen.» Das wollen wir mal nicht zu wörtlich nehmen.

Dann darf echt gelacht werden, dafür zuständig ist mal wieder Sanija Ameti. Denn die Grünliberalen fällten den weisen Entscheid, sie auf den fast aussichtslosen Listenplatz 18 bei den Nationalratswahlen zu setzen. Das kann Ameti natürlich nicht einfach so schlucken: sie sei sich halt gewohnt, sich mehr beweisen zu müssen als andere. Warum? «Viele Menschen mit Migrationshintergrund ergeht es so.» Das ist natürlich ein knallharter Vorwurf an die Grünliberalen: hinterer Listenplatz wegen Migrationshintergrund? Oder ist es einfach so, dass Ameti kein einziges Fettnäpfchen auslassen kann?

Dann kommt ein weiteres heikles Thema, bei dem die SoZ sogar leicht ins Stottern gerät: «Der Davoser Tourismus-Chef beklagte sich kürzlich über das Benehemen orthodoxer Juden.»

Dann will Bettina Weber wohl den nächsten Shitstorm der woken Gesinnungspolizei auslösen: «Fast alle in der Schweiz berufstätigen Ausländerinnen arbeiten weniger häufig Teilzeit als die Schweizerinnen.» Apropos, ein Bericht darüber, dass nicht nur ein ukrainischer Vizeverteidigungsminister wegen Korruption im Knast sitzt, sondern auch der Verteidigungsminister selbst höchst korrupt zu sein scheint, das dürfte alle tapferen Verteidiger der ukrainischen Sache doch ein wenig irritieren.

Ach, und sollen wir uns wirklich nochmal über die Autoseite lustig machen, auf der der BMW i7 (Topmodell ab schlappen 234’930 Franken) angepriesen wird?

Ach, da gibt’s doch noch ein Blatt, das von einem Mikrophonständer verantwortet wird. Nein, diese Ladung hat gereicht, um ZACKBUM reif für einen Platz an der Sonne zu machen.

 

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/09/Bildschirmfoto-2023-09-03-um-11.45.25.png 380 579 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-09-04 05:30:272023-09-03 14:09:17Wenigstens scheint die Sonne

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