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Trans Tagi

Das Blatt ist wirklich am Ende. Nicht mal das Sommerloch kann das entschuldigen.

Was ist von einer Redaktion zu halten, die so etwas durch alle Kontrollinstanzen schlüpfen lässt und dem zahlenden Gast noch Geld dafür abknöpft, einen solchen Schwachsinn lesen zu müssen?

Eine Volontärin, dazu die einschlägig bekannten Alexandra Kedves, Stefan Häne, plus die Ex-Corona-Kreische Marc Brupbacher nehmen sich eines Themas an, das eigentlich keinen interessiert. Im wilden Zoo von inzwischen rund 300 Gender (kein Witz) gibt es auch sogenannte trans Frauen. Also Personen, die meinen, das Schicksal habe sie in einen nicht ihrem wahren Geschlecht entsprechenden Körper gesteckt. Der Körper ist männlich, sie seien aber in ihrer Wirklichkeit Frauen. Davon gibt es nach groben Schätzungen etwa 10’000 in der Schweiz, 0,1 Prozent der Wohnbevölkerung.

Radikale Minderheit ist schwer untertrieben. Nun ist der Vorfall, dass eine solche Transe meinte, mit Pimmel Zugangsrecht ausgerechnet in eine für Frauen reservierte FKK-Badi zu haben, ausdiskutiert. Dass sie sich zudem weigerte, den Anweisungen des Personals Folge zu leisten, auch noch Widerstand gegen die Polizei leistete und in Handschellen abgeführt werden musste, wäre die Krönung des Wahnsinns, wenn das nicht die Berner Regierung geschafft hätte, die sich dafür absurderweise entschuldigte.

Man kann getrost davon ausgehen, dass dieses Ereignis rund 99,9 Prozent aller Tamedia-Leser schwer am Allerwertesten (männlich/weiblich/nonbinär) vorbei geht. Aber das Blatt der achtsamen, inkludierenden, nicht-diskriminierenden und jeder Form von Sexismus gegenüber feindlich eingestellten Denkungsart sieht hier klaren Erziehungs-, Aufklärungs- und Belehrungsbedarf.

Also verlangt es sogar noch Geld dafür, dass seine Leser mit einem Artikel belästigt werden, in dem «Trans Frauen Stellung nehmen» dürfen. Das journalistische Schaffen erschöpft sich darin, dass deren Äusserungen, die wir hier nicht qualifizieren wollen, einfach aufgezeichnet und eins zu eins wiedergegeben werden.

Schon das Titelzitat lädt zum Lesen ein: «Ich achte immer darauf, meine Genitalien nicht zur Schau zu stellen». Dazu kann ZACKBUM nur sagen: wir auch, wir auch. Und alle unsere Leser hoffentlich ebenfalls.

Statt hier Anlass zum Verdacht der Frauenfeindlichkeit zu geben, erschöpfen wir uns darin, einige Schmuckstücke der Aussagen unkommentiert dem geneigten Leser zu servieren. Keine Angst, wer bei der Lektüre das beängstigende Gefühl bekommt, sein Hirn fange an zu verdampfen: geht wieder vorbei.

«Ich nehme es sehr ernst, wenn es cis Frauen irritiert oder geängstigt hat, im Frauen-FKK-Bereich männlich gelesene Körper oder männliche Geschlechtsteile zu sehen … Es ist menschenunwürdig, trans Frauen auszugrenzen … Wenn wir Frauen uns gegeneinander ausspielen lassen, nützt das am Ende nur sexistischen Männern … Später, als ich als Frau gelesen wurde, haben mich Männer auf der Strasse belästigt und verfolgt … Die Ängste von cis Frauen vor männlichen Körpern nehme ich ernst, aber ein Körper an sich ist keine Handlung … Der «männlich gelesene Körper», vor dem sich manche fürchten, gehört in Wahrheit oft der schüchternsten Person am Beckenrand …»

Und als krönender Abschluss unser absoluter Liebling:

«Ein Penis vergewaltigt nicht, Männer vergewaltigen.»

Täglich kläglich

Was kriegt man beim «Tages-Anzeiger» für Fr. 4.60?

Man bekommt 30 Seiten bedrucktes Papier. Schweifen wir kurz in die Vergangenheit. Im Jahr 2000 waren es noch 60 bis 80 Seiten, für Fr. 2.20. 2010 immerhin noch 50 – 70 Seiten für 3 Franken. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass die Rubrikenmärkte (Stellen, Immobilien, Autos) Bestandteil der Print-Ausgabe waren.

Oder das Elend in anderen Worten: Die verkaufte Auflage sank seit 2000 um Zweidrittel, der durchschnittliche Umfang halbierte sich fast, während sich der Einzelverkaufspreis verdoppelte. Kein anderes Produkt am Markt hat einen ähnlichen Wahnsinn veranstaltet. Wer das als Manager zu verantworten hat, sollte vor Scham rot anlaufen und sich peinlich berührt Asche aufs Haupt streuen. Nicht wahr, Herr Pietro Supino.

Aber zurück zum aktuellen Elend. So sieht das verlockende Angebot auf der Front aus:

«Die Hitze wird zum Stromproblem», will der grüne Tagi seine Leser ängstigen. Dazu ist ein Foto des Grimselsees gestellt, der sei «wegen der Trockenheit weniger gefüllt». Hier handelt es sich um eine Tautologie. Die Aussage ist so sinnentleert wie: Der Grimselsee ist wegen der Schneeschmelze mehr gefüllt.

Als Textaufmacher meldet sich Isabel Strassheim zu Wort: «Wer wenig verdient, leidet häufiger an Krankheiten». Sie schreibt dafür eine «Analyse der Krankenkasse Helsana» ab. Das ist die Strassheim, die für einen der peinlichsten Flops des Tagi in der jüngeren Geschichte verantwortlich ist. Sie gehörte übrigens auch zu den Unterzeichnern des Protestbriefs von erregten Tamedia-Frauen, die sich über eine angeblich sexistische und demotivierende Arbeitsumgebung beschwerten. Kein einziger der anonymen Vorwürfe konnte anschliessend verifiziert werden.

Nicht zu vergessen die Lockangebote «Kultkellnerin», «Käse mit Salmonellen» oder «Gewaltiger Kurssturz bei Elon Musks Spacex». Riecht alles nach eingeschlafenen Füssen in ungewaschenen Socken.

Auf Seite zwei dann die grosse Recherche. Also zumindest ein grosses und aussagekräftiges Bild:

Allerdings: Der Autor Jens Flottau hat seinen Schreibtisch in München bei der «Süddeutschen Zeitung». Aber immerhin, daneben eine Spalte: «Bund will höhere Mindestfranchise». Selbstgebastelt. Fast: «Mit Material der SDA».

Dann der Brüller: «Verdorbener Käse: Wie eine Salmonellenwarnung des Bundes tagelang verzögert wurde». Heisser Scheiss – oder Uraltstory von Ostern dieses Jahres.

Dann ein kleiner Scherz zur Erheiterung des Lesers (und mangels Inseraten):

«Mehr lesen» bei geschrumpften Umfängen. «Mehr wissen» bei zum Skelett abgemagerten Redaktionen. «Mehr verstehen» bei ständigen besserwisserischen Belehrungen. Super-Kampagne.

«International» wird von der Unke Hubert Wetzel, im Solde der SZ, bestritten. Für deutsche Leser mag ein Porträt über die Aussenbeauftragte der EU durchaus von gewissem Interesse sein. Aber für Eidgenossen? Die interessiert hingegen sicher brennend, was der Deutschland-Korrespondent Simon Widmer aus Berlin zu vermelden hat, der schwitzend gegen das Sommerloch anschreibt: «Kein Deutsch, kein Zutritt ins Freibad» von Halle. Da kann man natürlich Diskriminierung vermuten – oder einfach das Walten des gesunden Menschenverstands, dass wer die Warnhinweise nicht lesen oder verstehen kann, gefährdet ist.

Dann ist wieder die SZ dran, Urunke Peter Burghardt aus Washington arbeitet sich an seinem zweitliebsten Feind ab: « J.D. Vance – der Konvertit, der den Papst belehrt». Weiter mit SZ-Autoren: «Zum Teil kennen nicht einmal die Partner sexuelle Fantasien. Aber Open AI schon». Sex sells, sagt sich auch der Tagi.

Wir kommen zum Thema Inzucht. In den «Buchtipps im Juni» lobt Tamedia-Redaktorin Nora Zukker ein Werk des ewigen Tamedia-Kolumnisten Max Küng über den grünen Klee («herrliche Beziehungssatire»). Ob er sie auch im Auftrag eines Möbelhauses geschrieben hat, ist hingegen nicht bekannt. Alexandra Kedves, wir ersparen uns frauenfeindliche Bemerkungen, legt dem multilingualen Leser tatsächlich ein Frauenbuch auf Englisch ans Herz. Gibt ja nicht genug Neuerscheinungen auf Deutsch. Au weia.

Lokales, auch hier zwei Aufreger: «Wer trägt die Schuld am Tod des Teenagers?» und «Restaurant Belvoirpark schliesst schon wieder – zwei Jahre früher als geplant». Übrigens trägt niemand eine Schuld, und das Restaurant ist bereits seit Mai geschlossen. Schnarch.

Wollen wir noch die Meldung erwähnen: «Lamborghini geht in Flammen auf»? Oder lieber nicht.

ZACKBUM fasst zusammen. Was bekommt der Konsument für Fr. 4.60? Fremdleistungen, Deutsches, Langweiliges und Verschnarchtes. Was bekommt er also? Ein klägliches Nachtschattengewächs im Vergleich zum früheren, dickeren und nur mit Eigenmitteln (abgesehen von SDA und so) hergestellten Tagi.

Weniger, schlechter, dafür teurer. Wer das für ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell hält, ist mit dem Klammerbeutel gepudert.

Durch den Bauchnabel

Die Berichterstattung über Crans-Montana ist am Ende.

Das merkt man daran, dass Alexandra Kedves über das schreibt, was die Journalisten am besten kennen und was ihnen am wichtigsten ist: der eigene Bauchnabel.

Oben auf der Meinungsseite von Tamedia verbreitert sich Nina Fargahi darüber, dass die Schweiz angeblich «zu ihren Werten zurückfinden» müsse. Denn es sei «höchste Zeit, die diplomatischen Bemühungen aufzugeben – und sich hinter die Protestierenden im Iran zu stellen».

Ach, da sind die Werte abgeblieben.

Wie stellt sich die Dame das vor? Wird sie Mitglied einer werteschweren Schweizer Delegation, die sich bei den Protestierenden einreiht? Schliesslich müsse, was den sonst, «ein klares Zeichen gesetzt» werden. Immer, wenn dieser Ausdruck vorkommt, weiss man, dass Schreibtäter mutig tun, während sie feige sind und sich selbst nicht meinen.

Darunter tut Kedves alles, um das Niveau weiter zu senken. Nicht ganz einfach, aber sie schafft es: «Was kostet denn jetzt so ein Feuerlöscher

Sie ist die Spezialistin fürs Banale und Triviale, so den Grad der Nacktheit der Frau von Kanye West. Aber wer meint, damit habe sie die Untiefen der Seichtgebiete ausgelotet, irrt. Denn Crans-Montana, da ist beim besten Willen nichts mehr herauszusaugen. Das Leid der Verletzten, der Angehörigen, die Behörden, das Wallis, das Leid der Helfer, das Image der Schweiz, der Brandschutz, die Gerüche.

Unter Einsatz des Wortes «unfassbar» bis zum Brechreiz ist alles gesagt und geschrieben. Ausser von Kedves natürlich. Die beginnt mit einer Binsenweisheit, die in ihrer klebrigen Second-hand-Betroffenheit unübertroffen ist: «Die Tragödie von Crans-Montana hat alle erschüttert.» Das musste endlich mal gesagt sein.

Das ist der erste und einzige Satz, der über den eigenen Lebenskreis hinausgeht. Denn schon kommt ihr jüngster Sohn zu Wort, der gefragt haben soll: «Wieso haben wir eigentlich keine Rauchmelder

Huch, das erinnert Kedves daran, dass mal vor Jahren über die Anschaffung eines Feuerlöschers nachgedacht wurde, doch «irgendwie geriet das Projekt wieder in Vergessenheit». Nicht ganz, jetzt wird es mit allen gequälten Tamedia-Lesern geteilt.

Sie kann auch noch Unappetitliches aus dem Familienleben berichten: das berüchtigte Schuhregal vor der Wohnungstüre, der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

Nicht nur das: «Wie gefährlich ist es wohl wirklich im unwahrscheinlichen Brandfall? Fangen die Filzpantoffeln blitzschnell Feuer und wirken als Brandbeschleuniger? Stolpert man in der Hektik allenfalls tatsächlich über das kleine Ding? Das Treppenhaus ist der Fluchtweg und gilt für Feuerwehr, Sanität und Polizei auch als Rettungsweg

Aber der Platz ist, Gutenberg sei Dank, beschränkt, sie muss zum Ende mit der Bauchnabelschau kommen: «Die Sorglosigkeit, die man in beschwingteren Momenten als antibünzliges Bohèmetum zelebriert hat, bekommt den Anstrich von, let’s face it, unverantwortlicher Bequemlichkeit.»

Let’s face it: die Verwendung von englischen Wendungen in einem deutschen (na ja) Text, das geht gar nicht. So wenig wie die Verwendung des Pleonasmus «antibünzliges Bohèmetum». Das sich in einem Schuhregal von zweifelhaftem Anblick und unangenehmer Ausdünstung äusserte?

Zudem verhindert die Fixierung auf sich selbst das Vermeiden einer journalistischen Todsünde. Was kostet denn nun so ein Feuerlöscher? Da kann ZACKBUM helfen. Auf einschlägigen Plattformen gibt es handliche Modelle ab 19.30. Für Fortgeschrittene mit Schuhregal vor der Türe empfiehlt sich das Modell Gloria, ein Kohlendioxidfeuerlöscher für Fr. 345.-.

Wir sind gespannt auf den Selbstversuch. Der Familienvater ruft übungshalber «Fürio», das Schuhregal fliegt aus dem Fenster, die Kinder werden in Löschdecken gehüllt, die Gebrauchsanweisung fieberhaft gesucht.

Dagegen, die Leser in Wallungen zu bringen, dagegen hilft aber bei Tamedia weder ein Feuerlöscher, noch ein Tagesleiter, noch die Chefredaktion und Qualitätspapst Simon Bärtschi erst recht nicht.

Friede, Freude, Eierkuchen

Mit dem Tages-Anzeiger auf Eiersuche.

Von Thomas Baumann
«‹100 Prozent arbeiten geht gar nicht!› Ein Gen-Z-ler bekommt einen Vollzeitjob — und einen Schock», so begrüsste einen der «Tages-Anzeiger» pünktlich zum 1. November.
Gleich darunter das Bild eines jungen Mannes — vermutlich Herr Genzler — der deklariert: «Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist!» Konkret beschwert er sich, dass er um 7:30 Uhr aus dem Haus muss und erst elf Stunden wieder vor der Haustüre steht. Und deswegen kommt er zum Schluss: «Ich muss auf jeden Fall meine Stunden reduzieren, 100 Prozent geht gar nicht.»
«Dass das das»: schon mal eine reizvolle Art, Worte aneinanderzureihen. Bürgerlich heisst Herr Genzler allerdings Julian Kamps. Julian wie? Nun, der Herr ist — so belehrt uns «20 Minuten», welches über solche Dinge natürlich immer bestens informiert ist — offenbar Influencer und «Germany’s Next Topmodel»-Teilnehmer.
Ein Video von ihm ging kürzlich angeblich «viral» und die dadurch ausgelöste Magen-Darm-Grippe kulminierte offenbar in einem «Shitstorm». Das ist natürlich Grund genug für das ‹Qualitätsorgan› «Tages-Anzeiger», sich dieser ausgesprochen wichtigen Person der Weltgeschichte anzunehmen.
Und weil sich wichtige Personen ja bekanntlich nur zu wichtigen Themen äussern, erhält das Blatt dadurch auch Gelegenheit, sich sehr gewichtigen Themen zuzuwenden.
Zuerst lässt sich die Redaktorin zwar ellenlang über die Befindlichkeiten von Personen aus, denen der normale Arbeitsalltag offenbar zu lang ist, inklusive Zitate in bedenklichem Deutsch: «Man gewöhnt sich ein Stück weit an den Pain, aber eigentlich hassen wir es doch alle. Warum lassen wir das die jungen Leute nicht endlich mal laut aussprechen, statt sie zu shamen.»
Doch dann, harte Recherche sei Dank, findet sie doch noch das Ei des Kolumbus:
«Isländische Betriebe verzeichnen höhere Produktivität und weniger Krankheitsausfälle durch reduzierte Arbeitszeiten.»
Mit einer Bevölkerung von 400’000 und einem BIP von 27 Milliarden Franken ist Island natürlich ein wirtschaftliches Schwergewicht. Aber gut, man muss die Beispiele eben dort nehmen, wo man sie findet. Immerhin handelt es sich dabei um «Forschung», wie die Redaktorin bedeutungsvoll anmahnt.
«Mittlerweile legt die Forschung zum Thema nahe, dass eine 40- oder gar 45-Stunden-Woche keineswegs das Nonplusultra an Produktivität bedeutet. Im Gegenteil, es heisst, dass die Viertagewoche sich häufig sogar profitabel auswirkt, der Absentismus sinkt, Qualität und Output zunehmen.»
Der Ökonom wagt anzumerken: Produktivität bezeichnet (in diesem Fall) den Output per Zeiteinheit, also z.B. pro Arbeitsstunde. Dass dieser zunimmt, wenn die Leute weniger lang arbeiten, leuchtet ein: Wer nur hundert Meter rennt, rennt in der Regel auch schneller als jemand, der einen Kilometer rennt. Output hingegen ist Produktivität multipliziert mit der Arbeitszeit — wenn letztere abnimmt, ist auch bei steigender Produktivität kein höherer Output garantiert.
Das hindert die Redaktorin aber nicht, ihr Loblied auf Island anzustimmen: «Ab 2019 hat Island nach und nach weitgehend auf eine Viertagewoche von durchschnittlich 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich umgestellt. Weniger Burn-outs und sonstige Krankheitsausfälle sprechen eine deutliche Sprache. In Island ist von einer Win-win-Situation die Rede.» 35 Stunden verteilt auf vier Tage, ergibt nach Adam Riese 8 Stunden und 45 Minuten pro Tag.
«Neun Stunden täglich sind zu viel», meint die Redaktorin bloss zwei Abschnitte weiter. 8 Stunden und 45 Minuten aber offenbar kein Problem. «Ab 40 Stunden erhöhe sich das Risiko, ein Burn-out zu erleiden, zynisch zu werden», belehrt sie uns weiter. Obwohl das auf fünf Tage umgerechnet ja ‹nur› acht Stunden pro Tag ergibt. Aber gut, lassen wir die Rechnerei.
Einen Tag später begrüsst uns Matthias Chapmann, stellvertretender Chefredaktor, im Morgen-Newsletter des Tages-Anzeigers. Was zeigt uns das? Offenbar hat man im Konzern derart viele Stellen eingespart, dass jetzt schon stellvertretende Chefredaktoren den Newsletter schreiben müssen.
Chapman hat sich aber offenbar die Lektion von Alexandra Kedves, dass man sich nicht überarbeiten solle, zu Herzen genommen. Empfehlt er der Leserschaft doch einen Artikel, den er selber ganze fünf Tage früher geschrieben hat.
Und nein, es handelt sich dabei durchaus nicht um die grosse Enthüllungsstory der Woche, sondern um einen Text, welcher beschreibt, welche «neun Alternativen gegen den News-Frust» der «Tages-Anzeiger» bereithalte: Ein Newsletter, die Rubrik «Das Wichtigste des Tages», ein E-Paper (sic!), Podcast, Vorlesefunktion, die Rubrik «Redaktion empfiehlt», «das Magazin» (war da mal was?) und die wöchentliche Glückskolumne.
Ob durch das arbeitssparende Wiederaufwärmen solcher Geschichten fünf Tage später wohl «Qualität und Output» zunehmen? Oder versuchte uns der gute Herr Chapman hier einfach ein Ei unterzujubeln? What a chap…

DIE Grammatik

Ist weiblich. Alexandra Kedves scheitert dennoch daran.

«Das grosse Abc: Unser Sprachquiz», verspricht der «Tages-Anzeiger». Mit nur drei Fehlern sei man «ein Profi». Nun, ist Kedves eine Prof*In?

«Sprachliche Präzision … sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen». Das war einfach, kann jeder. Aber schon bei Frage zwei wird’s problematisch. Die Wendung «über die Achsel ansehen», sei richtig, behauptet Kedves. Und führt dazu Mörike oder Frisch an. «Unter die Achsel stecken», sei dagegen falsch. Das angeblich Richtige ist zumindest veraltet, das angeblich Falsche richtig.

Bei der nächsten Frage entspreche keines der angeführten Beispiele der «Standardsprache». Darunter auch «Fenster auf!», der völlig korrekte Imperativ, wenn die Fenster geöffnet werden sollen.

«Jogging fürs Gehirn» soll hingegen bei der nächsten Frage «völlig korrekt» sein. Ist’s aber nicht.

Sauglattismus dann bei Frage sechs. Ist «Versteckitalis», «Shadow banning», «Bannbilden», «Ausradieren» oder «Disappearing» der richtige Ausdruck für «das Unsichtbarmachen auf den Social-Media-Plattformen»? «Shadow banning» ist im Gegenteil der Versuch, das zu verhindern. Begriff richtig, Frage falsch.

Dann geht ihr spürbar die Luft aus: «Diese Flucht- oder Geheimsprache hat ihrerseits bereits einen eigenen Namen erhalten und wird erforscht. Wie lautet er?» Nur harte Kenner kommen auf «Algospeak», was weniger mit sprachlicher Präzision, dafür mehr mit Fachsprache zu tun hat.

Wir überspringen eine banale Frage zu nicht steigerbaren Wörtern und kommen wieder zum Jugendsprech:

«Übernehmen Sie sprachlichen Klumpatsch telquel, wenn Sie ihn hören, auch weil Sie voll mit Neudeutsch parlierenden Jugendlichen viben, oder eher nicht?» Man zähle die Fehler, inklusive Zeichensetzung. Kedves Antwort: null. Allerdings kennt der Duden das Verb «viben» nicht, Klumpatsch ist hingegen korrekt. Wenn man wie im 19. Jahrhundert sprechen möchte.

Dass bei der nächsten Antwort «Bonei» nicht der Plural von Bonus sein kann, wissen hingegen nicht nur Banker.

Schliesslich als Absackerchen die Frage, ob man auf Englisch «bestest friend» sagen könne. Hat zwar nichts mit Deutsch zu tun, kann man eigentlich nicht, wird aber umgangssprachlich als Steigerung verwendet.

Wir fassen zusammen und erteilen Noten. 14 Fragen, davon vier Gagafragen. Kedves selbst macht fünf Fehler, also kann sie sich nicht als ProfIn bezeichnen.

Aber wer das Korrektorat zusammenholzt, Printrevisionen nicht mehr durchführt und dafür von den Redaktoren Fehlerfreiheit verlangt, muss sich nicht wundern, wenn solche Leserverarsche herauskommt. Das ist ein korrekt gebildetes Kompositum, allerdings etwas derb. Daher dem Verwendungszweck gemäss. Und das Substantiv ist erst noch weiblich.

Der Tamedia-Leser als solcher

verfault gerne kommod in seiner Blubberblase.

Jedes Organ hat die Leser, die es verdient. ZACKBUM ist natürlich begeistert über seine, vor allem, wenn sie so des Lobes voll sind.

Der WeWo-Leser droht mit Kündigung des Abos, wenn er nicht ausschliesslich «Trump ist ein stabiles Genie»-Artikel serviert bekommt.

So weit geht der Tamedia-Leser nicht. Aber wenn Alexandra Kedves sich nicht etwa enthüllende Gedanken über Nacktheit macht, dann übt sie sogar gelegentlich ihren Beruf aus. Zum Beispiel mit einem Interview mit der streitbaren US-Schriftstellerin Lionel Shriver. Die hat eine Dystopie entlang der lustigen These veröffentlicht, dass alle für gleich intelligent erklärt werden und daher Können oder Kompetenz als Kriterien verboten sind.

Was daran allerdings «rasant» sein soll, erschliesst sich nicht ganz. Die Fragen von Kedves sind es nicht: «Wirklich? Warum nicht? Nun ja. Bitte. Wieso?»

Im Interview sagt Shriver trotzdem ein paar freche Sachen. Zum Beispiel, dass die gescheiterte Präsidentschaftskandidaten Kamala Harris «dumm» sei, «eine wandelnde Bügelfalte, ihre öffentlichen Auftritte waren peinlich. Unwählbar». Zusammen mit dem Zitattitel ist es klar, dass das den kommunen Tamedia-Leser schwer in Wallungen bringt. Immerhin 69 (Zwischenstand) haben zum Griffel gegriffen und geben ihrer Empörung über diese Störung ihres geistigen Wohlbefindens in wackeliger Orthografie und verstolpertem Inhalt Ausdruck.

Ein Einziger wagt es, das Gespräch immerhin anregend zu finden. Sonst herrscht erbitterte Gegenwehr, oberlehrerhafte Zurechtweisung: «Es scheint, dass Sie den Hauptzweck der Gründung der EU nie erfasst hat.» Ein wandelndes Fragezeichen: «Frage mich gerade, was den gut ist, was Donalt Trump macht. Mann nenne mir nur 1.» Harsche Verurteilung des neuen US-Gesundheitsministers Kennedy: «Er ist mitschuldig am Tod des Jungen.» Was Shriver sage, «zeigt ihre ressentimentgeladene Ahnungslosigkeit». Im Gegensatz zu der des Kommentators. Ein anderer kommt zum Fazit: «Ein peinliches Interview.» Dazu passt dann ja ein peinlicher Kommentar.

Ein anderer hat den Durchblick: «Über gewisse strecken entlarvt sich Frau Shriver etwas in ihrer Einfältigkeit.» Einer geht noch weiter: «Hysterisches Geschwätz!» Klarer Sexismusverdacht. Einer will mit feiner Klinge arbeiten, fällt aber auf die Schnauze, weil er nicht zwischen legaler und illegaler Immigration zu unterscheiden vermag: «Man kann natürlich als US-Staatsbürger Jahrzehnte lang im UK und dann in Portugal leben, und gleichzeitig gegen Immigranten sein. Besonders Glaubwürdig ist das aber nicht

Einer gesteht völliges Unwissen ein und ist noch stolz darauf: «Wer ist Lionel Shriver ? Noch nie gehört. Offenbar hat sie Bücher geschrieben. Ich denke nicht, dass ich je ein Buch von ihr (ihm ? Lionel ist doch ein männlicher Vorname ? Item) zur Hand nehmen werde. Nach diesem Interview möchte ich jedenfalls lieber nie mehr etwas hören von dieser Person.» Ein etwas höheres, wenn auch inhaltsleeres Niveau: «Eine geschwätzige, sprunghafte und selbstreferenzielle Frau.» Selbstreferenziell, wow.

Ein anderer proletet am Stammtisch:

«Irgendwie peinlich dieses Interview. Voller Widersprüche und Stammtischparolen.»

Man habe Nachsicht mit ZACKBUM, dass wir hier die Lektüre aufgegeben haben; zu viel duschen ist auch ungesund, wenn man durch solchen Gedankenschlamm waten muss.

Für den Medienkrtitiker ist das ein Ausflug in die Katakomben der angeblich so mündigen und kritischen Leser der Qualitätsorgane von Tamedia. Aber Hand aufs Herz, Frau Peppel-Schulz, Frau Birrer, Herr Bärtschi, mit Einsparungen ewig auf der Suche nach Qualitätssteigerung: können Sie wirklich verantworten, täglich einen Beitrag zu solcher Volksverdummung zu leisten? Denn diese unreflektierte Dummschwätzer-Blase haben Sie doch aufgepumpt mit ihrer woken Generallinie und seitenweise Ratschlägen zur inkludierenden, gendergerechten und mit Sternchen durchbohrten Sprache mit hohem Wohlfühlfaktor für alle, garantiert diskriminierungs- und hirnschmalzfrei.

Sticht da jemand hinein, dann entweicht übler, fauliger Geruch. Auf diese Leistung können sie sicherlich stolz sein. Solange es sie samt ihren Organen noch gibt.

 

 

 

Kedves ganz nackt

Reingefallen, sie schreibt über nackte Wahrheiten.

Alexandra Kedves meldet sich selten zu Wort. Aber wenn, dann zu bedeutenden Themen. Wir müssen hier das Objekt ihrer, nun ja, Aufmerksamkeit, züchtig beschneiden.

«Fast nackt bei den Grammys: Warum tut Kanye Wests Frau das?» Da möchte man als strammer Feminist einwenden: hat die keinen eigenen Namen? Wird sie so nicht von der Autorin zum Anhängsel schon im Titel degradiert? Herrscht hier nackter Sexismus?

Bei diesem Rätsel möchte Kedves auf jeden Fall nicht gerne allein sein: «Das fragt sich die ganze Welt.» Ganz ehrlich, ZACKBUM gehört offenbar nicht zu dieser Welt. Aber während die sich noch fragt, hat sie bereits eine Antwort: «Eines steht fest: Glücklich wirkt Bianca Censori dabei nicht

Woran merkt man das? Wie wirkt eine Frau glücklich, wenn sie in einem Hauch von Nichts, dazu freizügig ausgeschnitten, kurz bei den Grammy Awards auftaucht? Auf jeden Fall hat sich Kedves in alle anzüglichen Details vertieft: man bekäme «alles gezeigt: die fülligen Brüste mit den grossen Vorhöfen ebenso wie die totalrasierte Scham. Die Bildagentur warnte denn auch: «image contains nudity».»

Aber wenn es um die Beantwortung der letzten Fragen der Menschheit geht, lässt sich eine mutige Redaktorin davon nicht abschrecken. Denn sie ist sich das gewohnt: «In der Sommerbadi beispielsweise kann man dreiviertelblutter Körper in allen Farben und Formen ansichtig werden, das ist kein Ding. Und doch.»

Und doch? «Ist das extreme Freiheit oder extreme Gefangenschaft – ist Censori versklavt von Schönheitsidealen, dem männlichen Blick? Der «New Yorker» widmete Censoris Nacktheit im letzten Sommer einen ganzen Essay, ohne das Rätsel zu lösen.» Um hier die Pointe vorwegzunehmen: woran der New Yorker scheiterte, da versagt auch Kedves.

Sie hat leider auch keine Antworten, nur Fragen: «Braucht Ye so einen Auftritt seiner Gemahlin wie andere den baumelnden Porsche-Schlüssel in der Hand? Oder braucht sie das, um sich an ihrem perfekten Body zu berauschen? Sind das überhaupt die richtigen Fragen

Vor allem die letzte ist sehr tiefsinnig. Wenn’s die falschen sind, wieso stellt sie die denn? Und sind es die richtigen, wieso zweifelt sie dann?

Auf jeden Fall gibt es natürlich jede Menge vergleichbare Fälle. Die kurz hervorblitzende Brust von Janet Jackson, was nun allerdings ein an der Brustwarze herbeigezogener Vergleich ist. Eine Lehrerin, die wegen einer nackten Statue im Kunstunterricht zum Rücktritt gezwungen wurde. Es handelte sich aber um den echt nackten David von Michelangelo. «Nackte Körper können ja auch als lebendige Kunstwerke zelebriert werden oder als Ausdruck von Emanzipation. Blosse Brüste zum Beispiel haben als Protestrequisite Tradition», weiss Kedves noch und beendet damit den Ausflug ins Archiv.

Aber alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Da muss noch eine Schlusspointe her, sozusagen der Po des Artikels: «Wen weibliche Perfektion triggert, sollte lieber wegschauen. Bei anderen (auch bei mir) stellt sich freilich, bei aller frustrierten Selbstreflexion vor dem Spiegel, am Ende vor allem ein Gefühl ein: Mitleid.»

Hui, da wurde es Kedves aber – wegen des Blicks in den Spiegel? – ganz blümerant. Abgesehen davon, dass man im Fall Censori das mit der weiblichen Perfektion so oder so sehen kann: wieso sollte der wegschauen (oder die oder everybody beyond), den das triggert? Schliesslich könnte man ja nur vom Hinschauen genervt werden. Oder so.

Und was soll hier der Einblick in Kedves Innenleben? «Frustrierte Selbstreflexion», möchte sie tatsächlich auch so aussehen? Und woher kommt dann das Mitleid? Für eine arme, reiche, nackte Frau? Wäre das nicht vorhanden, wenn Censori dazu ein Gesicht wie ein Vamp gemacht hätte?

Aber Kedves weiss auch hinter die Nacktheit zu schauen: «Man spekulierte schon über ihre allenfalls angeschlagene Psyche und die eventuell toxische Beziehung zwischen den beiden.» Oh je, könnte das also in Wirklichkeit der Ausdruck einer Störung sein?

Auf jeden Fall ist es ein weiterer Beitrag vom 5000 A des Tagi zur Reihe Hut und Porträt, oder in nackten Worten: Leserverarsche.

 

Am Krankenlager des Tagi

Wie ist der Krankheitsverlauf? Gibt es Hoffnung auf Heilung?

ZACKBUM fühlt einfühlsam den Puls der verunstalteten Webseite des Tagi. Wir versuchen, uns von der Form zu lösen und auf den Inhalt zu konzentrieren.

Als Aufmacher haben wir einen Hammer, der das ganz breite Publikum interessiert:

Denn die Schweizer sind bekanntlich ein Volk von Untermietern. Äh, Mietern, aber ist das nicht das Gleiche?

Whatever, sagt Alexandra Kedves, «Redaktorin Ressort Leben». Sie hat ein breites Themenspektrum: «Comics und animierte Filme» sowie «allgemein gesellschaftspolitische Themen wie Armut, Mittelstand, Einsamkeit, Resilienz, Generationsgräben, Bildung, Flüchtlingswesen und dergleichen».

Trotz diesem grossen Feld sind ihre Arbeitseinsätze spärlich. Ihrer besonderen Aufmerksamkeit erfreut sich der US-Wahlkampf, über den sie in aller gebotenen Neutralität berichtet:

Nun hat sich bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps ein drittklassiger Komiker vergaloppiert. Seine geschmacklosen Witze trafen auf mässiges Amüsement des Publikums und auf scharfe Ablehnung aller Orten, selbst von Trump. Aber das kann eine Kedves nicht daran hindern, nochmal auf Tony Hinchcliffe rumzutrampeln. Allerdings ist Kedves so angewidert, dass sie dem Leser nur Bruchstücke überliefern kann:

««Ich begrüsse Einwanderer mit offenen Armen, und mit ‹offenen Armen› meine ich» – Hinchcliffe hob die Arme, wedelte heftig ablehnend mit den Händen und murmelte: «Geht zurück!» Zotig fuhr er fort: «Diese Latinos machen ja auch so gern Kinder. Die ziehen nicht raus. They come inside just like they did to our country.» (Bitte selbst übersetzen.)»

Der Tagi lässt seine Leser gerne vieles selber machen, wozu ist Qualitätsjournalismus sonst da, wenn es nicht gratis ein Do-it-yourself-Englischprogramm gibt. So mäandert sich Kedves lähmend lang durch das Thema, um dann in die Schlusspointe einzubiegen: «Auf seinem Kantengang zwischen moderat republikanisch und extrem rechtspopulistisch neigt sich Donald Trump oft der brutaleren Seite zu. Seine eingefleischten Fans gehen mit.»

Eigentlich hätte Kedves sich (und dem Leser) diese Suada ersparen können. Ein Satz hätte gereicht: Trump sucks. (Bitte selbst übersetzen). Oder wie die Demokraten dagegen niveauvoll Zeichen setzen: Trump sei ein Faschist, behauptet Kamala Harris aus heiterem Himmel und angesichts schwindender Wahlsiegaussichten.

Ach, und inzwischen hat offensichtlich die Woke-Fraktion im Tagi gegen den Rempler auf Rot-Grün protestiert; neue, noch mehr faszinierende Startstory:

Das ist mal ein Knaller, aber hallo.

Aber wieso nur im Lokalen verweilen, weltweit gibt es doch so viele interessante Storys:

Eine Nepalesin hat alle Achttausender bestiegen und hält Eingedenken, wie hätte der Tagi-Leser durch den Tag gehen können, ohne das zu wissen.

Aber es gibt noch mehr welterschütternde Ereignisse, die sogar eine eigene Rubrik verdienen:

Tagis Beitrag zum US-Kulturimperialismus.

Die Zeitumstellung war in der Nacht von Samstag auf Sonntag, aber der Tagi ist immer noch nicht aufgewacht:

Zurück in die grosse, weite Welt. Da gibt es Erstaunliches aus China und Getickertes von der Ukrainefront zu vermelden:

Wozu hält sich Tamedia eigentlich noch eine Auslandredaktion? Damit Christof Münger gelegentlich die Welt mit wirren Kommentaren erschrecken darf? Ukraine ist Schnipsel-Ticker, der reichste Chinese ist DPA, der Bericht über das Verbot der UNRWA in Israel ist auch DPA, und der vierte Beitrag unter «International» ist ein als Artikel verkleidetes Inserat für das Weinschiff in Zürich (!); nein bereits ausgewechselt mit dem hier:

Würde eigentlich in die Rubrik «Wirtschaft» passen. Da gibt es allerdings ein Problem: sie existiert nicht. Einfach weg. Stört, überflüssig, gespült.

Dafür gibt es das hier gleich zweimal:

Und weil’s so schön ist und man zum Thema ja nicht genug sagen kann, hätten wir noch den hier:

Man beachte den grossen Unterschied: «US-Wahl» und «US-Wahlen». Ist ja nicht das Gleiche. Wenn das die neue Digitalstrategie ist, dann gute Nacht. Oder sagten wir das schon?

So ab unteres Drittel wird die Webseite dann zum Gerümpelturnier der übelsten Sorte. Zuerst gibt’s was auf die Ohren:

Dann kommt der Teil Nutzwert, Nutzwert, Nutzwert:

Sozusagen ewige Werte werden hier verkündet; der Aufmacher-Artikel ist vom 23. Oktober. Aber dafür hat inzwischen die Auftaktstory oben schon wieder gewechselt; endlich ein Thema, das die breite Leserschaft interessiert:

Zurück in die Niederungen ganz unten. Der «Crime-Podcast», Videos (nochmals reingewürgt: «Elif – Das waren die Highlights unserer Kochserie», dabei war doch das einzige Highlight ihr Ende). Und wem die Highlights nicht genügen, bitte sehr:

Aber aufgepasst, wer meint, mit dem Rätsel sei dann Ende Gelände, irrt. Es folgt noch das «Magazin» und «US-Wahl» Part II, reloaded oder was auch immer.

Was soll man dazu sagen? Statt vieler Worte verleiht ZACKBUM das erste Mal Punkte nach der Bärtschi-Peinlichkeitsskala an ein Gefäss. Schliesslich muss das die publizistische Leiter nach unten verantworten. Dafür steigert er sich selbst von einer stabilen 10 auf eine noch stabilere 15. Und der Online-Auf- und Abtritt des Tagi kriegt eine 20.

Nein, eine 19. Denn alle Abo-Artikel sind weiterhin gratis lesbar, weil die grossartigen Schweizer Medienhäuser ihr gemeinsames Login immer noch nicht im Griff haben. Das ist aber mal nicht peinlich für Tamedia, sondern für Ringier.

Gibt es Hoffnung auf Heilung? Der Patient ist komatös, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mehr Qualität

Im Sinne von «Prawda»-Bärtschi steigert der Tagi stetig seine Qualität.

Es ist eine tägliche Freude, zusehen zu dürfen, wie die Zeitung das Geschwurbel ihrer publizistischen Leiter nach unten  tagtäglich befolgt und umsetzt: «Die Qualität steht für uns zuoberst.»

Aber nicht nur das. «Glaubwürdigkeit, Relevanz, Wahrhaftigkeit und Fairness sind die Pfeiler unserer Publizistik.» Zu dieser verlangten und eingelösten Relevanz gehört sicher dieser Artikel, für den sich Angela Barandum zu höchster Qualität aufschwang:

«Mia erzählt», verspricht der Lead. Allerdings: «Mia möchte Mutter werden. Weil sie fürchtet, in der Kulturbranche keine Stelle mehr zu finden, sobald ihr Kinderwunsch bekannt wird, bleibt sie anonym.» Und dafür musste der Fotograf Jonathan Labusch (hohe Qualität eben) ran, um ein verschwommenes Porträt zu machen, auf dem man die Dame mit wenigen Handgriffen im Photoshop kenntlich machen könnte.

Auch die Tagi-Kultur gibt alles, denn genauso wie die Kampagne über sich in der Frauenbadi Zürich begafft fühlende Frauen (4 in den letzten 11 Jahren) bleibt Qualitätsjournalist Andreas Tobler einem kulturellen Randphänomen, um es sehr höflich auszudrücken, gnadenlos auf der Spur:

Wobei er zu erwähnen vergisst, dass er selbst seinen Beitrag zu dieser «Reality-Doku» geleistet hat, indem er schon mal darüber berichtete. Und so etwas läuft unter «TA Kultur». Da gackern die Hühner und der Hahn wälzt sich vor Lachen.

Da geht noch einer drüber, sagt sich Qualitätsjournalistin Alexandra Kedves mit ihrem kulturell hochstehenden Beitrag:

Vielleicht für die Leser, die sich nicht auf dieser kulturellen Hochebene bewegen: Ralf Schumacher war vor vielen Jahren mal Formel-1-Fahrer. Und hat sich vor vielen Jahren vom Erotik-Model Cora Schumacher getrennt. Er machte in der Yellow Press etwas Schlagzeilen, indem er sich als homosexuell outete. Daraus machte Cora Schumacher (berühmt aus «Promi Big Brother 2018» und Ähnlichem) auch Schlagzeilen.

Bis vor Kurzem konnte man freizügige Fotos des «Erotik-Models» auf «Only Fans» gegen Bezahlung anschauen. Aber durch ihr Gejammer hat sie es sogar zu einem Interview im auch qualitativ hochstehenden «Spiegel» geschafft.

Kann man aus dieser trüben Boulevardkiste aus der untersten Schublade noch etwas herausmelken, was selbst die Klatschblätter inzwischen aufgegeben haben, weil das Publikum immer lautere Gähngeräusche von sich gab? Natürlich, mit dem qualitativ urältesten Nachzugs-Trick: «Paartherapeutin Monika Röder erklärt, wie belastend ein Coming-out des Ex-Partners sein kann. Und gibt einen Tipp

Das ist natürlich wunderbar für die Paartherapeutin, dass sie so zu Gratiswerbung und einem eigenen Kästchen im Artikel kommt:

Allerdings hat es hier, im Gegensatz zum verschwommenen Foto von Mia, nicht für den Einsatz eines Fotografen gereicht, das Bild ist von Xing kopiert.

Welche tiefschürfenden und qualitativ hochstehenden Erklärungen teilt Röder mit dem Leser? «Auch das Vertrauen in Beziehungen, in Menschen dieses Geschlechts oder ins Leben kann dadurch tief erschüttert werden.» Wow, schön, dass wir das nun wissen. Und was ist denn der versprochene Tipp? «Mit welcher Entscheidung könnte ich im Rückblick auf mein Leben, etwa mit 80 Jahren, am besten leben

Also, abwarten, Tee trinken und sich dann vor einem Outing überlegen, mit welcher Entscheidung man mit 80 leben könnte. Hört sich realistisch und praktikabel an.

Aber: haben diese drei aktuellen Artikel irgend etwas mit dem Geschwurbel von Bärtschi zu tun? Wenn nein, wieso hat er als journalistischer Leiter nicht eingegriffen? Wieso taten das vor ihm nicht die beiden leitenden Damen in der Redaktion? Oder wollen Raphaela Birrer und die fürs digitale Storytelling zuständige Kerstin Hasse etwa sagen, dass das drei herausragende Qualitätsartikel seien?

Gut, Hasse kümmert sich um Fragen wie die, ob Frauen oben ohne herumlaufen sollten oder nicht. Und Birrer schreibt Kommentare, mit denen sie mindestens die Hälfte der Leserschaft stocksauer macht. Da kann man sich dann auch nicht um alles kümmern, in diesem Saftladen, der einstmals eine ernstzunehmende und qualitativ hochstehende Zeitung war.

 

Vermisst: die Kultur bei Tamedia

Sag mir, wo ist sie gebliehiben?

Immerhin 7 Fachkräfte umfasst das «Team Kultur» im Abfall-, Pardon, Sammelgefäss «Leben». Da gibt es auch das «Team Gesellschaft», dem auch wieder der eigentlich gefeuerte Jean-Martin Büttner angehört. Offenbar hat er sich die Rückkehr durch unerschrockene Peino-Artikel erschrieben.

Darüber thronen zwei Co-Leiter, ein «Content-Manager», ein Autor und eine Lisa Füllemann einfach so. Nochmals darüber gibt es die «Chefredaktion Tages-Anzeiger» (4 Nasen) und die «Redaktionelle Steuerung» (13 Nasen), wobei es teilweise zu Funktionsüberschneidungen kommt. So ist Kerstin Hasse hier in der «Tagesleitung», gleichzeitig aber auch in der Chefredaktion. An beiden Orten bleibt sie, nun, eher unauffällig

Aber was schafft denn diese geballte Kompetenz mit gewaltiger Führungscrew in Sachen Kultur; nicht ganz unwichtig für ein sogenanntes Qualitätsmedium mit unzähligen Kopfblättern? Nehmen wir die «Literaturchefin» Nora Zukker. Deren Ausstoss im letzten Monat bestand aus vier Wortmeldungen. Vielleicht will sie sich damit für eine Mitarbeit bei der «Republik» bewerben. Und bei genauerer Betrachtung waren das ein Sammel-Buchtipp (darunter Kim de l’Horizon, Claudia Schumacher und Martin Suter, also untere Etage) mitsamt launigen Bemerkungen (Rezept für selbstgemachte Glace) und dem Ratschlag, nicht «1000 Seiten Hardcover auf dem Rücken liegend» zu lesen.

Der Rest waren Interviews, die billigste Art von Journalismus, ohne Aufwand, ohne nix. Oder nehmen wir Alexandra Kedves (Ladies first). Sie schaffte in einem Monat ein Interview mit einer «legendären Feministin», etwas zum Theater Spektakel in Zürich und ein Sprachquiz.

Ebenfalls auf drei Werke brachte es Christoph Heim. Caspar David Friedrich in Winterthur, Käthe Kollwitz in Zürich und Fotografien aus Südafrika. Ein abendfüllendes Programm. Richtig im Schreibstau steckte Martin Ebel, ein einziges Werk in einem Monat.

Kein Wunder, muss man auf der Homepage weit, sehr weit nach unten scrollen, bis nach den Blogs endlich die Kultur kommt. Und was für eine:

Das ist durchaus repräsentativ. Der ewig laufende «News-Ticker Kultur», das Abfall-, Pardon, Sammelgefäss für alle Arten von Tickermeldungen. Die «besten Bücher des Monats» August verweilen hier bis zum allerletzten Tag des Monats. Dann noch «Unsere Streaming-Tipps im August» und schliesslich noch der lustige Leserwettbewerb «Stimmen Sie ab».

Mit Verlaub, das ist kein Kulturteil, das ist Leserverarsche. Immerhin traut sich Tamedia schon lange nicht mehr, das Ganze «Feuilleton» zu nennen. Das hier ist aber einfach erbärmlich. Hier gibt es gewaltiges Sparpotenzial nicht nur bei Andreas Tobler, der eigentlich nie in Kulturellem unterwegs ist, sondern die Bührle-Sammlung, die Band Rammstein und die ganze Welt mit seinen Ratschlägen, Forderungen und unqualifizierten Kommentaren belästigt.

7 Fachkräfte, die kosten im Monat mit allem Drum und Dran und Spesen und überhaupt so um die 100’000 Franken. Um auch hier fast alles von der «Süddeutschen Zeitung» zu übernehmen, bräuchte es eigentlich höchstens eine Fachkraft, die ß in ss verwandelt, ein paar Germanismen durch Helvetizismen ersetzt und gelegentlich mal ein Interview macht.

Der Qualität täte das keinen Abbruch, im Gegenteil. Umso schneller Nicht-Literaten, Möchtegerns, Eintagsfliegen und kampffeministische Autoren wieder verschwinden, desto grösser die Chance, dass bei Tamedia wieder so etwas wie ein Kulturteil wahrgenommen wird.