Schlagwortarchiv für: Alexandra Fitz

Wie tief hinunter geht’s?

Ein neues Gefäss. Gegen den Missbrauch der deutschen Sprache. Jeglicher Art.

Nein, es ist nicht nur Feministen vorbehalten, der deutschen Sprache Gewalt anzutun. Das kann auch das Organ mit den grösseren Buchstaben und dem Regenrohr im Logo.

Rettet des Genitivs!

Es müssen auch nicht immer Sprachverbrechen sein. Was ist plötzlich in die letzte Sonntagszeitung mit Anspruch gefahren, die NZZaS?

Plötzlich überlebensgrosse Porträtfotos statt Buchstaben?

Hier hätten wir nun einen Beitrag zum Thema «Sprachbilder sind Glücksache»:

«Maurers Freiheits­trychler-Stunt ist nichts als die hässliche Fratze einer radikalisierten Rechten, die sich rund um den Globus beobachten lässt.»

Richtig, das kann nur von der schreibenden Schmachtlocke aus der geschützten Werkstatt «Republik» sein. Oder um es in seinem Stil zu formulieren: Binswangers Sprachbilder-Stunt ist nichts als die hässliche Paraphrasierung einer redundanten Haartolle, die sich rund ums Rothaus beobachten lässt.

Mit ganz feiner Klinge will Mischa Aebi arbeiten. Er ist einer der Bundeshausredaktoren, die am Donnerstagabend Besseres zu tun hatten, als eine Demonstration von ein paar Tausend Menschen zu beobachten. Was? Pediküre, Fondueplausch, neue Netflix-Serie, schwer zu sagen. Auf jeden Fall muss Aebi auch noch etwas zur Enthüllung der «Weltwoche» über fragwürdiges Gebaren des SP-Bundesrats Alain Berset beitragen.

Nein, keine Eigenrecherche, das macht die NZZaS. Die «SonntagsZeitung» wäffelt. Jeder nach seinen Kernkompetenzen.

Aebi schleicht sich zuerst hinterlistig an und lobt, dass die Fragen der WeWo «legitim» und sogar «verdienstvoll» seien. Liesse er das so stehen, könnte er aber in der Helfti nicht mehr in Ruhe sein Feierabendbier kippen, wenn er mal in Zürich ist.

Daher geht’s weiter: «Aber Mörgeli überschreitet auch eine rote Linie, denn im Bericht werden angebliche Sexpraktiken des Bundesrates ausgebreitet. Der Autor versucht zwar, das öffentliche Interesse an den intimen Details zu rechtfertigen. Doch es sind fadenscheinige Argumente, die nichts mit dem Fall zu tun haben. Vielmehr ging es der «Weltwoche» darum, einen an den Haaren herbeigezogenen Grund zu finden, um den Voyeurismus ihrer Leser zu bedienen.»

An den Schamhaaren herbeigezogen? Welche, sabber, «Sexualpraktiken», lechz, des Bundesrats wurden denn vor den voyeuristischen Lesern ausgebreitet? Absonderliche Stellungen, gar Lack und Leder, Abnormes? Gemach, Mörgeli führte lediglich aus, dass der Bundesrat angeblich ungeschützten Geschlechtsverkehr bevorzuge. Daher habe ihn seine Geliebte auch mit einem behaupteten Schwangerschaftsabbruch erpressen wollen und können.

 

Macht irgendwie Sinn, nur nicht für Aebi, der die Bettdecke schön unaufgedeckt lassen will.

Wir wollen uns aus diesem Jammertal der Sprachmisshandlungen aber nicht ohne eine gute Nachricht verabschieden:

«Das hier ist meine letzte Kolumne. Meine letzte Kolumne für ein paar Monate. Und dennoch weiss ich nicht, was ich in dieser «Bitzeli Abschied»-Kolumne schreiben soll. Weil noch alles gar nicht ist.»

Tschäksches? Wenn nicht: so ist halt eine Kolumne von Alexandra Fitz im «Blick». Die hiess zwar «Fix zur Gesellschaft», machte aber die Leserschaft fix und fertig. Aber eben, nicht zu früh freuen, denn nach Dürrenmatt ist etwas nur zu Ende, wenn es die schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Was hier bedeutet: Fitz als ihre eigene Wiedergängerin. Aber wenn wir die Pandemie überleben, wird uns auch das nicht umbringen.

 

Jouschu-Leiter Hannes Britschgi will bis 2024 weitermachen

Und schwärmt von seinen angehenden Journalisten.

Hannes Britschgi leitet seit 11 Jahren die Ringier Journalistenschule (Jouschu). Von seinen Schülern hält er viel, nur der Arbeitseinsatz könnte höher sein.

ZACKBUM: Bei Frauen muss man da etwas vorsichtig sein, bei Ihnen hoffentlich nicht: Sie sind 65 Jahre alt und diesen Sommer hört Ihr Klassenzug auf. Gehen Sie dann golfen?

Hannes Britschgi: Nein, geplant ist der nächste Ausbildungsgang 2022 bis 2024. So könnte ich 2024 das 50-Jahr-Jubiläum der Jouschu feiern. Vorausgesetzt, Ringier und meine Gesundheit lassen das zu.

Bleiben wir doch beim Thema Alter. Sie sind über 40 Jahre älter als Ihre Schülerinnen und Schüler. Sprechen Sie eigentlich noch die gleiche Sprache wie die?

Machen Sie sich da mal keine Sorgen. Meine drei Töchter sind etwa in dem Alter meiner Schülerinnen und Schüler. Aber es ist klar, dass auch ich mich ständig in den neuen Technologien fortbilden muss.

Sie sind Leiter einer einzigartigen Schule für Journalismus. Im Unterschied zu den teuren Lehrgängen am MAZ, zahlt Ringier seinen Volontärinnen und Volontären sogar einen Lohn (im ersten Jahr 1625 Franken pro Monat, danach 3250 Franken). Der Unterricht findet in einer Villa statt. Lohnt sich das wirklich für Ringier?

Ja, das tut es. Schauen Sie, als ich vor 10 Jahren die Schulleitung übernahm, ging das mit einer gewaltigen Budgetreduktion einher. Ich habe lange studiert, wie man die Qualität sichern und trotzdem sparen kann. Die Lösung: Ich habe die Schlagzahl der Lehrgänge reduziert. Jetzt schreiben wir in zehn Jahren nur noch drei Klassen aus.

Stichwort Qualität: Einer der Jouschu-Dozenten ist Ralph Donghi …

… ja, richtig, Ralph ist einer von rund vierzig Dozentinnen und Dozenten. Und er ist einer der interessantesten. Er erklärt den Schülern im Modul «Feldrecherche» seine Arbeitsmethode. Aber wissen Sie was? Seine Lektionen führen zu heftigen Diskussionen unter den Studenten. Will ich diese nötige Auseinandersetzung den angehenden Journalisten vorenthalten? Nein, sicher nicht.

Werden Ihre Leute überhaupt Journalisten oder machen sie später irgendetwas mit Medien?

Gute Dreiviertel der Abgängerinnen und Abgänger der jüngsten Jouschu-Klassen erhielten einen festen Arbeitsvertrag bei Ringier und leisten wertvolle Arbeit für den Verlag: Zum Beispiel Helena Schmid mit ihren Primeurs im News-Ressort der Blick-Gruppe oder Alexandra Fitz mit ihren grossen Geschichten im SonntagsBlick – sie ist dort stellvertretende Leiterin des Magazins – oder die talentierte Schreiberin Rahel Zingg im Style, jetzt in der Schweizer Illustrierten, oder der gescheite Bundeshausredaktor Simon Marti vom SonntagsBlick. 

Sie haben über 40 Jahre Journalismus im Blut und kennen den Nachwuchs aus nächster Nähe. Was hat sich verändert?

Nicht sehr viel. Wir erhalten zwar weniger Anmeldungen, aber die, die dann kommen, brennen für den Beruf. Ich bin jedes Mal fasziniert von unseren Talenten. Etwas hat sich geändert. Früher gab es für angehende Journalisten keine Nacht und keinen Sonntag. Junge Erwachsene von heute trennen Job und Freizeit stärker als früher. Einerseits ist das gut und überzeugend, andererseits irritiert mich der dosierte Einsatz nach Dienstplan.

Hannes Britschgi, 1955, studierte an der juristischen Fakultät Bern und machte 1984 das Berner Anwaltspatent. Seit über 30 Jahren ist er Journalist. Zuerst beim Schweizer Fernsehen: «Karussell», «Max», «Kassensturz», «Rundschau». Für seine «Rundschau»-Interviews erhielt er den «Telepreis 1997». 2001 wechselte er als Chefredaktor zum Schweizer Nachrichtenmagazin «FACTS». 2005 übernahm er die Programmleitung von «Ringier TV». 2008 wurde er «SonntagsBlick»-Chefredaktor. Seit 2011 leitet er die Ringier Journalistenschule.