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Problemblatt NZZaS

Leider (noch) keine Besserung in Sicht.

Immerhin, eine gewisse Konsequenz ist Chefredaktor Beat Balzli und seinen Mannen (generisches Maskulin) nicht abzusprechen.

Balzli hangelt sich in seinen Editorials von einem Tiefpunkt zum nächsten. Entweder ist es unverständlich, was er vor sich hinmurmelt, oder von erschreckender Banalität: «Wie werden Historiker im Rückblick urteilen?», hebt er diesmal an. Na, wie immer: mit überlegenem Wissen im Nachhinein. Aber nicht mal das weiss Balzli, stattdessen räumt er ein: «Wir wissen es nicht. Wir kennen die Zukunft nicht – die Vergangenheit und die Gegenwart hingegen schon.» Das sind Sätze von wahrhaft erhabener Einfalt.

Wie die Faust aufs Auge passen dazu auch die übergrossen Illustrationen dieser Ausgabe.

Echt jetzt? Die rasend originelle High-Noon-Visualisierung durch die Beine des Revolverhelden? Und wenn der kleine Mann hinten Donald Trump sein soll, wer ist dann der vorne? Der Autor Markus Bernath? Und ist «Der Wunsch nach dem starken Mann» gutes Deutsch? ZACKBUM fragt ja nur.

Auch die NZZaS, darin ähnelt sie langsam dem Tagi, kann noch einen drauflegen:

Echt jetzt? Wer ist denn hier der Pisolero hinter den Rauchschwaden? Eindeutig  nicht Trump; falsche Haarfarbe. Und wieso schiesst der knapp am Betrachter vorbei? Sind das Fliegen, die ihn umschwirren, oder löste der Schuss Schmutzränder von der Kleidung? Und dann dieser rote Fleck rechts neben der Knarre. Wurde er selbst getroffen? Soll das einen Streifschuss symbolisieren? Aber dann müsste er doch am Ohr sitzen. Schliesslich: stimmt die Perspektive beim Revolver oder sitzt die Mündung direkt auf der Trommel?

Lustig ist dann auch, dass sich ein Mann – Andreas Mink – Gedanken darüber macht, «warum Frauen ihn wählen». Wo Trump doch ein sexistisches Schwein ist, eigentlich («grab them by the pussy»). Aber wenn die NZZaS mal einen Illustrator beschäftigt, dann muss der im Multipack liefern und lässt dafür kein Klischee aus:

Echt jetzt? Was will uns «American Heartbreak» sagen? Eine Anspielung auf das Album von Zach Bryan? Oder gar «Brokeback Mountain», der Film über schwule Cowboys? Und reitet der einsame Cowboy hier in den Sonnenuntergang (eher) oder in den Sonnenaufgang (auch denkbar)? Und was hat das alles mit unseren Kenntnissen der USA zu tun?

Schliesslich, was meint Alan Cassidy mit dieser selbstkritischen Feststellung: Obwohl wir alle ein Stück weit Amis seien,  seien wir «wenn es um amerikanische Politik geht, auch machtlos. Wir nehmen an ihr Teil, aber haben nichts zu sagen». Nun ja, das sagt der Autor aber auf rund 7700 A.

Dann zeigt die NZZaS, dass man nicht nur Illustrationen, sondern auch Symbolbilder in den Sand setzen kann:

Zudem ist die obere Seitengestaltung das Allerletzte, oder sagten wir das schon? Völlig verloren hängen Schweiz, NZZ am Sonntag in Versalien und die Seitenzahl in der Luft. Drunter viel sinnloser Weissraum, dann ein aufgeblasenes Symbolfoto, damit der Lead Weiss auf Hellgraublau reinpasst. Brr.

Aber, die ZACKBUM-Leser ahnen es, die NZZaS kann sich noch weiter steigern. Wie sie das schafft? Mit einer Illustration plus einem Schuss Sauglattismus (man achte auf den sauglatten Titel):

Ein echter Schenkelklopfer. Vornehme NZZaS-Leser klopfen leise auf den Tisch oder lassen die Kaffeetasse mit dem Löffel erklingen.

Irgendwie passt dazu das missglückte Inserat der Migros:

Hier versinkt gerade ein Blumenkohl in hellbraunem Resopaltisches, eventuell Laminat. Und ob man den Slogan (abgesehen davon, dass er bescheuert ist) wirklich so schreibt? «Migros macht meh für d’Schwiiz»? Wieso nicht auf Deutsch? Wäre noch genauso beknackt, aber lesbarer. Und wieso macht die Migros mehr, wenn sie doch im Bild und im Preis weniger macht? Weniger ist das neue Mehr? Au Backe.

Dafür kann die NZZaS nichts; für dieseIllustration hingegen schon:

 

 

 

 

 

 

Toll sind auch immer Wimmelbilder mit vielen Soldaten, hier sogar noch apart farblich sortiert:

Aber auch alleine mit einem Titel kann man schon eine gehörige Portion Nonsens vermitteln, nicht wahr, Patti Basler: «Damit eine Ampel funktioniert, darf nur eine Farbe leuchten.» Dada oder gaga, das ist hier die Frage.

Wohin es führt, wenn man auf Teufel komm raus alliterieren will, zeigt die NZZaS hier:

Irgendwie wird auch die Werbung in der NZZaS mit leichtem Wahnsinn infiziert, muss man schon sagen:

Das kommt heraus, wenn man auf Teufel komm raus ein Foto von Trump in seiner Werbung verwenden will. Operation gelungen, aber Message tot.

Neben Balzli gibt es auch noch eine zweite Kolumnistin, die mit jedem Beitrag um Hilfe fleht: denn ihr fällt wirklich nichts ein:

Echt jetzt? Hohl, hochtrabend, Wortgeklingel, pseudogelehrt. Ein echter Nicole Kopp halt. Dann ist Peer Teuwsen mal wieder jeder Vorwand recht, um eine Dienstreise zu tun:

Der Initiator dieser Schulen sitzt in New York. Das war dann wohl doch zu teuer, also musste Teuwsen mit Amsterdam Vorlieb nehmen, weil dort angeblich «das Epizentrum einer Bewegung» sei.

Aber zurück zu misslungenen Illustrationen:

Echt jetzt? Liess sich der Illustrator von der Migros-Werbung inspirieren und zeigt deshalb einen ins Kornfeld sinkenden Clausewitz? Aber auch aus einem solchen Augenpulver kann man noch Trost ziehen: das war’s dann. Für diesen Sonntag. Lieber Herr Gujer … Aber der Herr scheint etwas harthörig zu sein.

Tag der Abrechnung

Heute ist Judgement Day für Donald Trump. Terminator Arnold Schwarzenegger hatte in einem Video schon vorgelegt.

Vier Jahre lang haben die Mainstream-Medien auf diesen Tag gebangt. Gehofft, ihn herbeigesehnt. Manche, wie der «Spiegel», wollten Trump sogar aus dem Amt schreiben. Mit allen Mitteln. Das hat ihm nicht gross geschadet, der Glaubwürdigkeit des «Spiegel» allerdings gewaltig.

Seine vorher hochgelobte Dokumentationsabteilung, die angeblich den Namen jedes Baumes nachprüft, der in einem Artikel erwähnt wird, sah vor lauter Bäumen den Lügenwald des Starreporters Claas Relotius nicht.

Auch in der Schweiz ist es an der Zeit, dem scheidenden Präsidenten noch hämische Worte nachzurufen. «Beim letzten Abflug blickt Trump auf Trümmer», versucht Tamedia etwas holprig zu alliterieren. Zu einem Nachtfoto des Platzes vor dem Kapitol, bei dem eine Illuminierung auffällt, die von Leni Riefenstahl stammen könnte, fällt dem USA-Korrespondenten nur auf, dass «eine friedliche Machtübergabe» anders aussehe.

Da hat selbst der Muskelprotz Arnold Schwarzenegger, der auf seine alten Tage sein Hirn wiederentdeckt, eine stimmigere und unterhaltsame Abrechnung vorgelegt. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien erinnert sich an seine Kindheit und an die Kristallnacht, während er Trump als «den schlechtesten Präsidenten aller Zeiten» fertigmacht.

Schönes Bild gefunden, um Verachtung auszudrücken

Als Schlusspointe erwähnt der tiefblickende Analytiker Alan Cassidy von Tamedia, dass das Weisse Haus tiefengereinigt wird, für eine halbe Million Dollar. Biden habe ja den Kampf gegen die Pandemie zur obersten Priorität erklärt: «Ein sauberes Weisses Haus wäre da ein guter Anfang.» Ein abtretender Präsident, von fast der Hälfte der Stimmbürger beinahe wiedergewählt, als Virus, Schmutzfink?

Der «Blick» fiel schon vorher durch die geistig tiefergelegten «Analysen» seines USA-Korrespondenten auf. Aber man will ja von einem 25-Jährigen, der von seiner Wohngemeinschaft in San Diego aus den Überblick zu bewahren versucht, nicht viel mehr erwarten. Nicht viel mehr als ein donnerndes «Nie wieder!».

Nicola Imfeld räumt zwar ein, dass 74 Millionen US-Stimmbürger Trump wiederwählen wollten. Trotz dieser «überraschend hohen Zahl» ist es nun aber so, dass nun «endlich!» Joe Biden seine Nachfolge antritt; «die grosse Mehrheit der Amerikaner wird erleichtert aufatmen», weiss Imfeld. Wohl die berühmte schweigende Mehrheit.

Und ob es bis nach San Diego vorgedrungen ist, dass sein Oberchefredaktor Christian Dorer sich nicht einkriegen konnte, als er am letzten WEF in Davos dem «dear Mr. President» eine Unterschrift auf der Titelschlagzeile «Welcome to Switzerland» abnötigte? Leider konnte ihm Dorer nicht mehr als ein «cool! I like it» entlocken, aber man merkte ihm an, dass er vor Bedeutung fast platzte: Der US-Präsident hat mit mir gesprochen! Er kennt mich! Vielleicht nimmt er ab, wenn ich das Weisse Haus anrufe.

Tropfend vor Häme

Auch die Allzweckwaffe von CH Media, Samuel Schumacher, tropft vor Häme: «Er geht als Karikatur seiner selbst: Donald Trump fliegt heute einer sehr ungewissen Zukunft entgegen.» Das muss Schumacher irgendwie bekannt vorkommen, denn als Auslandchef mit einem einzigen Mitarbeiter muss er ein Überflieger sein, der rastlos zwischen Washington und Peking, Moskau, Tokio, Paris, London, Berlin, Singapur, Südafrika, Lateinamerika hin und her hopst

Das Urteil der «Experten» über Trump sei verheerend, weiss er. Wahrscheinlich die gleichen Experten, die eine Wahl Trumps 2016 für absolut ausgeschlossen erklärten. Bis tief in die Wahlnacht hinein. Immerhin gesteht ihm Schumacher zu: «In seinen vier Jahren an der Macht hat er nicht alles komplett falsch gemacht.» Man spürt, wie er diesen Satz mit Mundschutz schreibt.

Erfolge, Misserfolge, dunkle Wolken

Dann folgt immerhin eine Auflistung einiger Erfolge. Als Einleitung zur Abrechnung mit all seinen Misserfolgen. In deren Fortsetzung natürlich nach dem Verlust der Immunität als Präsident dunkle Wolken über dem giftgelben Haupthaar auftauchen. Nicht nur ein weiter mögliches Impeachment, es könnte sogar sein, raunt Schumacher, dass Trump als erster US-Präsident in den Knast wandert.

Wie es sich für die NZZ gehört, sieht sie die Sache differenziert: «Der feuerspeiende Drache Trump tritt ab – die Ursachen für seinen Erfolg bleiben». Ein etwas gewagtes Bild, der Ritt der Depravierten, des «baskets of deplorables», wie Hillary Clinton selbst die Hauptursache für ihre Niederlage bezeichnete, lange vor dem Wahltag.

Ein souveräner Rückblick der NZZ

Es ist dann ein souveräner Ritt durch vier Jahre Trump-Regierung, mit ihren Erfolgen und Niederlagen, inklusive Beschreibung der «Charakterschwächen» dieses Präsidenten, sein «Flirt mit Sumpfblüten am rechten Rand der Gesellschaft». Aber auch der richtige Hinweis von Peter Winkler, dass die Frage nicht war: «Wie könnt ihr bloss so einen wählen», sondern: «Wie gross muss das Leiden und die Wut sein, dass Millionen von vernünftigen Männern und Frauen einen derart unvernünftigen Präsidenten in Kauf nehmen?»

An der Beantwortung genau dieser Frage scheiterten fast alle deutschsprachigen Medien in erbärmlicher Weise. Die einäugigen «Kenner» der Süddeutschen, von der sich Tamedia fast die gesamte Auslandberichterstattung ausleiht, raunten nur immer wieder, dass die Gefahr einer Diktatur drohe, dass das Ende der Demokratie vielleicht gekommen sei, dass Trump nicht freiwillig das Weisse Haus verlassen werde.

Von Anfang bis Ende falsch gelegen

Also von Anfang «wird niemals gewählt» bis zum Ende «droht ein Putsch, ein Bürgerkrieg?» falsch gelegen. Mit ganz wenigen löblichen Ausnahmen. Nur die NZZ – und die WoZ – sehen die wirkliche Gefahr in der Zukunft: Trump verschwindet, seine Wähler nicht. «Ein fähiger Nachahmer könnte wirklich gefährlich werden», warnt die NZZ.

Die verbohrte Unfähigkeit, statt Gesinnungsjournalismus endlich wieder Versuche zu starten, die Wirklichkeit abzubilden und zu analysieren, gefährdet die Glaubwürdigkeit der Medien schon lange nicht mehr. Die liegt bereits im Koma.