Oh je, Münger
Schon wieder hat die Qualitätskontrolle bei Tamedia versagt.
Kaum lobt man den Mann, rastet der Auslandchef ohne Ausland Christof Münger wieder völlig aus. Der Titel kommt noch harmlos daher. Münger meint, nach ihrem Erdrutschsieg solle die AfD in Sachsen-Anhalt regieren.
Das macht noch Sinn, aber dann kommt nur Unsinn.
Ein erstes Müsterchen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sei die logische Partnerin: «Endlich kann zusammenwachsen, was zusammengehört: Die Hitler-Verharmloser um Alice Weidel und die Alt-Stalinistin Sahra Wagenknecht – das passt!»
Zwei demagogisch aufgeladene Beschimpfungen, höchstens im äussersten Streubereich der Wahrheit. In der AfD gibt es tatsächlich einzelne Vertreter, die die Untaten der Nationalsozialisten relativeren wollen. Weidel gehört nicht dazu, und als Hitler-Verharmloser kann man nicht mal Björn Höcke bezeichnen.
Wagenknecht war früher Mitglied in der Kommunistischen Plattform innerhalb der PDS und verteidigte Errungenschaften der DDR. Dabei war sie weder Jung-, noch heute Alt-Stalinistin. Beiden Exponenten das zu unterstellen, grenzt an Rufmord.
Aber Münger kann noch mehr: «Und das nur kurz nach dem Jahrestag der totalitären Traumhochzeit der Weltgeschichte, dem Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939.»
Er meint damit den Molotov-Ribbentrop-Pakt, die geheime Neuordnung Osteuropas. Für Hitler war es eine taktische Zwischenlösung vor seinem Überfall auf die Sowjetunion, Stalin wollte Zeit gewinnen, bis dann am 22. Juni 1941 das Unternehmen Barbarossa begann, der faschistische Angriff. Das als «Traumhochzeit» zu bezeichnen, zeugt von einer erschütternden Unkenntnis der Geschichte.
Aber Münger in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. «Die AfD wie das BSW sehen im russischen Imperialismus einen Segen und in Wladimir Putin einen valablen Partner, bei dem sie wieder billiges Öl und Gas einkaufen wollen.» Zusammen mit Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer hat Wagenknecht ein Friedensmanifest lanciert, das inzwischen von fast einer Million Deutschen unterzeichnet wurde. Weder sie noch die AfD kämen auf die abstruse Idee, im russischen Imperialismus einen Segen zu sehen.
Dazu käme ein «nationalistisch unterfütterter Hass auf die EU und vor allem auf die Militärallianz», plus ein «tiefsitzender Antiamerikanismus», dem allerdings auch Münger frönt, wenn er über Trump herzieht.
Nun erreicht er erst seine Betriebstemperatur: «Wenn eine extremistische Partei, im konkreten Fall der «gesichert rechtsextreme» AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt, an die Macht kommt, könnten die Folgen fatal sein.» Offenbar so fatal, dass sich Münger gar nicht traut, auch nur eine Folge auszumalen.
Nach dem Erreichen der Betriebstemperatur gibt er noch mehr Dampf, bis der Kessel platzt: «Allerdings würde einer Koalition von Sonnyboy Siegmund mit dem linksradikalen BSW von Wagenknecht das Gütesiegel einer demokratischen, bürgerlichen Partei fehlen.»
Nun ist Siegmund plötzlich kein angebräunter Rechtsnationaler mehr, und Wagenknecht plötzlich eine Linksradikale.
Gut, es ist mal wieder nur eine «Meinung». Die Meinung eines verirrten und verwirrten Geistes. Eines Weltbetrachters, dem die Ehrlichkeit fehlt, einfach zu schreiben: ich habe keine Ahnung, was hier passiert, möchte raunen und warnen, zwei Parteien ungehemmt beschimpfen und fasle dafür am Schluss noch von einem «Gütesiegel» einer demokratisch-bürgerlichen Partei.
Das hingegen ist echt lustig. Denn wenn man im Gegensatz zu Münger Logik anwendet, bedeutet das, dass in der Schweiz der SP, den Grünen und allen Alternativen dieses Gütesiegel auch fehlt.
Allerdings nur in der Parallelwelt, in der sich Münger rettungslos verschreibt und verliert. Ohne dass ihn jemand daran hindert, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Aber damit ist er bei Tamedia nicht alleine.




















