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Im Herbst fallen die Blätter

Im Elendsjournalismus heisst das: das nächste grosse Rausschmeissen.

Im Kopfblattsalat von der Werdstrasse herrscht das grosse Zittern. Einerseits fuchteln all die Besserwisser und Zurechtweiser weiterhin mit dem Zeigefinger in alle Richtungen.

Erklären der Welt und dem Leser, wie sie zu sein hätten. Schrecken auch vor übelster Demagogie und Fake News nicht zurück. Verspielen so die letzten Reste an Glaubwürdigkeit.

Es gibt ein Datum, auf das alle gebannt starren: der 1. Oktober 2026. Denn dann wird das nächste Fallbeil niedersausen. Denn dann endet die 2024 vereinbarte Beschäftigungsgarantie bei Tamedia.

Einen Vorgeschmack auf das kommende Massaker gab CEO Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) bereits mit einem Interview im März dieses Jahres. Während ihr Terminator, die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi, sicherlich zur Qualitätssteigerung mal kurz die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce feuerte.

Seither ist gegangen, wer konnte. Die Starschreiberin Michèle Binswanger. Bewährte Schreibkräfte wie Edgar Schuler. Auch Flachzangen wie Christian Brönnimann. Der geht ausgerechnet zur Trümmel-Behörde Bundesanwaltschaft. Und noch viele mehr.

Wer nicht kann, hält sich verzweifelt an seinem Schreibtisch im Glashaus fest, wo er unter Umständen arbeiten muss, die den Tierschutz auf die Barrikaden triebe, wenn es sich um Nutztiere handelte.

Noch rund 600 Kostenstellen umfasst das, was einstmals eine stolze Redaktion war. Wo es noch ein Feuilleton gab, während es heute nur noch Nora Zukker gibt. Wo es noch ernstzunehmende politische Analysen gab, wo es heute nur noch einen Adrian Schmid gibt.Wo ein Leitartikel kein Leid auslöste, während es heute nur noch eine Raphaela Birrer gibt.

2024 hatte nach langem Nachdenken Peppel-Schulz den unvermeidlichen Abbau von 90 Vollzeitstellen angekündigt, während sich Bärtschi damit lächerlich machte, das als Beitrag zur Steigerung des Qualitätsjournalismus zu verkaufen. Am Schluss waren es dann lediglich 17. So sorgt man für Stimmung in der Belegschaft.

In diesem Herbst dürften es einige mehr werden. Wie hiess es noch im Juni so schön: «Aktuell sind keine weiteren Massnahmen geplant.» Aktueller wird das dann am 1. Oktober.

Denn bei Tamedia sieht es nach den neusten Halbjahreszahlen noch schütterer aus als bei der TX Group. 8,6 Prozent Umsatzrückgang, minus 27,1 Prozent EBIT, bei Print-Abos und im Einzelverkauf um 10,9 Millionen geschrumpfter Umsatz. Das sei «deutlich höher als erwartet».

Und was kann man von dieser Führungsriege schon erwarten. Die EBIT-Marge beträgt schlappe 2,7 Prozent, das auch wieder von Peppel-Schulz verkündete Ziel von 8 bis 10 Prozent liegt in weiter Ferne, wenn der Umsatz gleichzeitig um 8,6 Prozent fällt.

Also was tun?

Dumme Frage. Dumme Antwort: weiter runterholzen. Weil einem sonst nichts einfällt. Noch mehr KI, noch mehr Übernahme von der «Süddeutschen» aus München, da ist die Schmerzgrenze längst überschritten.

Also weiter im Todesmarsch. Mit dem Irrwitz-Geschäftsmodell, dem Konsumenten immer weniger für immer mehr Geld zu bieten. Begleitet vom untauglichen Versuch, ihn für dumm zu verkaufen, indem man das als angebliche Qualitätssteigerung anpreist.

Mehr bieten, um mehr Einnahmen zu generieren? So ginge es eigentlich im normalen Geschäftsleben zu und her. Aber doch nicht bei TX, doch nicht bei Tamedia.

Da wird viel einfacher gerechnet. Jeder gefeuerte Journalist spart mit allem Drum und Dran 200’000 Franken im Jahr. Sind bei zehn Nasen bereits 2 Millionen. Bei 60, das wären dann zehn Prozent, bereits 12 Millionen.

Von der neuerlichen Qualitätssteigerung ganz zu schweigen. Denn viele würden eine Lücke hinterlassen, die sie vollständig ersetzt.

Allerdings ist es auch eine Negativauslese. Zurück bleiben nur die Schleimer, die Angepassten, die Mietmäuler, die Opportunisten, die es problemlos schaffen, ein freundliches Gesicht aufzusetzen, wenn die Totengräber in der Chefetage vorbeihuschen.

 

Wumms: Adrian Schmid

Der Neutralitäts-Initiative-Basher gibt nicht auf. ZACKBUM auch nicht.

Man fragt sich wieder vergeblich, wo denn die Qualitätskontrolle beim Kopfblattsalat aus dem Hause Tamedia ist. Hitzschlag oder in den Ferien.

Also darf Schmid seinen Feldzug fortsetzen, nur wird es langsam ziemlich dünn bei Argumenten. Also noch dünner: «Abstimmung über Neutralität: Parlament probt Aufstand gegen russische Propaganda», poltert er weiter.

Wow. Gut, es sei ja nur eine Probe gewesen, aber wie äussert sich denn dieser «Aufstand»? Also eigentlich sind die Parlamentarier bis Mitte September in der Sommerpause. Das steht einem Aufstand schon mal hinderlich im Wege. Oder haben sich National- und Ständeräte vor dem Bundeshaus versammelt – bei dieser Hitze – und skandiert «nieder mit der russischen Propaganda; Blocher, Moskau einfach»?

Nein, für Schmid, der auch vor Demagogie und Fake News nicht zurückschreckt, beginnt ein Parlamentarieraufstand bei zwei Nasen. Die im Sommerloch gerne mal wieder in die Medien kommen wollen. Es handelt sich um zwei Möchtegerns. «Ständerätin Marianne Binder fordert eine Protestnote des Bundesrats gegen russische Propaganda». Damit könnte sicherlich verhindert werden, dass Moskau die Neutralität-Initiative «kapert», wie Schmid schon völlig losgelöst von der Wirklichkeit behauptet hat.

Ihr zur Seite gesellt sich der Ex-Juso und SP-Nationalrat David Roth, eine gewichtige Stimme in Bern. Er «verlangt eine Wirkungsprüfung der 2024 eingeleiteten Gegenmassnahmen». Ja wozu denn. Wenn man Schmid glauben kann, aber wer tut das schon, sind alle diese Massnahmen völlig wirkungslos geblieben, der russische Bär tanzt im Schweizer Abstimmungkampf Kasatschok.

Eine Welle ist’s ab drei; auch diese alte Journalistenregel ist nicht mehr in Kraft.

Binder macht sich wunschgemäss echt Sorgen: ««Die russische Desinformation hat sich dramatisch entwickelt», sagt Mitte-Ständerätin Marianne Binder. Sie fordert die Initianten auf, sich zu distanzieren.» Vielleicht sollte sich Binder mal zu ihren vielfältigen Interessensbindungen äussern und sich gegebenenfalls davon distanzieren.

Aber gut, Schmid schafft doch noch den Aufschwung ins Allgemeine: «Doch auch Bürgerliche erhöhen den Druck auf den Bundesrat.» Und was macht der, dieser druckresistente Schlingel? Ungeheuerliches: Da «sagte Ignazio Cassis am Dienstag vor den Medien, die Bevölkerung sei «reif und intelligent genug», die Kommentare richtig einzuordnen. In der Schweiz gebe es viermal pro Jahr Abstimmungen, und die ganze Welt spreche darüber. Solange die Quelle transparent sei, «gehört das zur Politik»

Unglaublich, er weiss wohl nicht, dass der Schweizer Stimmbürger hilflos der Russenpropaganda auf den Leim kröche, wenn Kriegsgurgel Georg Häsler in der NZZ und Schmid bei Tamedia nicht im Chor dagegen ankreischen würden.

Denn merke: nur ein richtig beeinflusster Stimmbürger stimmt auch richtig ab, nämlich gegen diese «Putin-Initiative», die von einer Fünften Kolonne Moskaus in der SVP lanciert worden ist. Vom Urschweizer zum Unschweizer, so schnell geht das.

Gut, der Aufstand schnurrt bei genauerer Betrachtung auf zwei Nasen zusammen. Aber es tut sich ein neuer Abgrund auf: horribile dictu, ist unser Aussenminister Cassis etwa schon der Russenpolka erlegen? Ganz im Gegensatz zu den Grossstrategen und Propaganda-Entlarvern Binder, Roth, Schmid und Häsler sieht er keinen Anlass. gegen die Gehirnwäsche aus Moskau etwas zu unternehmen.

Da tut sich möglicherweise ein Abgrund von Landesverrat auf; Häsler, übernehmen Sie wieder. Schmid ist ausgeschossen, seine Stimme schon heiser vor lauter ungehörten Warnrufen.

Man wünschte sich nebenbei, dass diese tapferen Vaterlandsverteidiger gegen äussere Einflüsse auch so mutig wären, wenn es um despektierliche und freche Anwürfe aus den USA geht. Das «Loch im Donut» der Nato sei die Schweiz, sagte der ehemalige US-Botschafter von ihnen unwidersprochen.

Wo ihre Löcher sind, das wollen wir aus rechtlichen Gründen nicht vertiefen.

Desinformation im Tagi

Wie ein Banause gegen die Neutralitätsinitiative Fake News publiziert.

Adrian Schmid hat einen Lauf. Während früher Linke dem Generalverdacht ausgesetzt waren, die Fünfte Kolonne Moskaus, die nützlichen Idioten des Kreml zu sein, wird das heute – so absurd dreht sich die Geschichte – ausgerechnet der SVP unterstellt.

Nach einem Denunziations-Artikel legt Schmid nach:

Die Russkis verbreiteten «Desinformation im Abstimmungkampf», behauptet Schmid. Ärger noch: der Staatssender Russia Today «kapert Blochers Initiative». Unglaublich. Da sieht man, was die Schweiz davon hat, dass sie – im Gegensatz zur EU – diesen Sender nicht verboten hat.

Allerdings sollte man etwas mehr Gepäck im historischen Rucksack haben, da Schmid Halbwahrheiten von RT mit eigenen Halbwahrheiten (oder geliehenen) begegnet.

Dazu nimmt er den längst pensionierten Historiker Marco Jorio zu Hilfe. Der hat unbestritten einen dicken Wälzer zur Geschichte der Schweizer Neutralität geschrieben. Ist aber, als ehemaliger CVP- und dann GLP-Politiker und ausgesprochener Gegner der Initiative, vielleicht nicht ganz wissenschaftlich neutral.

Wenn er vom Bundesrat fordert, der solle bei der Neutralität «historischen Ballast» abwerfen, verlässt er definitiv den wissenschaftlichen Bereich.

Wenn ihn also Schmid zitiert «Historiker Marco Jorio bezeichnet eine Darstellung zur Schweizer Neutralität und zur Rolle Russlands als «masslose Übertreibung»», dann ist das eine parteiische Meinung, keine wissenschaftliche Aussage.

Nun knöpft sich das Duo einzelne Aussagen von RT vor und will sie als Nonsens entlarven. Dabei fällt es aber selbst regelmässig und kräftig auf die Schnauze.

««Ohne die Unterstützung Russlands» wäre die internationale Anerkennung der Schweizer Neutralität am Wiener Kongress 1815 «kaum zustande gekommen», steht im RT-Artikel.» Falsch donnert Hobbyhistoriker Schmid, und nimmt Jorio zu Hilfe: «Der Zar sei zwar ein Freund der Schweiz gewesen, doch er habe sich 1815 am Wiener Kongress vor allem auf die Annexion Polens fokussiert.»

Peinlich, dass es unbestritten ist, dass der in russischen Diensten stehende Diplomat Ioannis Kapodistrias den Zaren beim Wiener Kongress vertrat. Das Schweizer EDA bezeichnet ihn ausdrücklich als eine Schlüsselfigur bei der institutionellen Neuordnung der Schweiz und bei der Anerkennung ihrer dauernden Neutralität. Peinliche Desinformation, das aussen vor zu lassen.

Dann nehmen sie sich die Sprecherin des russischen Aussenministeriums zur Brust: «Die Schweiz habe, so Sacharowa, von der deutschen Reichsbank Gold im Wert von 1,2 Milliarden Franken erworben und Deutschland bereits 1938 ersucht, die Pässe deutscher Juden mit dem Buchstaben J zu kennzeichnen. Zudem sei der St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger «verhaftet und entlassen» worden, weil er entgegen den Weisungen rund 3000 jüdische Flüchtlinge ins Land gelassen habe

Alles falsch oder höchstens halbrichtig, behauptet Schmid: «Gemäss Jorio ist diese Darstellung «fehlerhaft». Grüninger sei nie inhaftiert worden. Die Kennzeichnung der Pässe deutscher Juden sei von Deutschland vorgeschlagen und umgesetzt worden. Der Bundesrat habe das Vorgehen akzeptiert, sich gleichzeitig aber geweigert, die Pässe von Schweizer Juden zu markieren. Die Nationalbank habe Gold in ähnlichem Wert nicht nur von der deutschen Reichsbank, sondern auch von den Alliierten gekauft. «Von der Schweizer Neutralität haben eben beide Kriegsparteien profitiert.»»

Falsch oder höchstens halbrichtig, was sie selbst behaupten. Richtig ist, dass der St. Galler Polizeikommandant, der Hunderten Juden zur Nazizeit half, in die Schweiz zu flüchten und so das Leben rettete, nicht verhaftet wurde. Aber er wurde suspendiert, entlassen und wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er starb in Armut und wurde erst 1995 posthum rehabilitiert.

Auch der Judenstempel kam nicht alleine durch deutsche Initiative in den Pass. Sondern es war ein Zusammenspiel schweizerischer Abschottung und deutscher Rassenpolitik. Die Schweiz erwog eine Visumspflicht für alle Deutschen. Darauf schlugen die vor, jüdische Pässe mit einem grossen, roten J zu stempeln, was vom Schweizer Fremdenpolizeichef Heinrich Rothmund akzeptiert wurde. Denn die Schweiz wollte jüdische Deutsche von nichtjüdischen unterscheiden können.

Geradezu lachhaft absurd ist die Feststellung, der Bundesrat habe sich «geweigert», in Schweizer Pässe von Schweizer Juden das J zu stempeln. Es ging hier ausschliesslich um deutsche Pässe.

Wie Schmid und Jorio das darstellen, auch die Goldfrage nach der Devise «na ja, einerseits, andererseits», das grenzt doch an Geschichtsklitterung.

Aber nicht nur in der Vergangenheit, auch in der Gegenwart biegt Schmid Fakten so um, dass sie ihm in den Anti-SVP-Kram passen.

Da berichtet RT:

Nun ja, eiert Schmid, «die in der Schweiz gegründete Rüstungsfirma beliefert die Ukraine. Es stimmt auch, dass Destinus einen Standort in Zürich hat». Aber, Fake News, donnert Schmid: «Militärdrohnen würden dort aber nicht hergestellt, betont das Unternehmen. Die Produktion erfolge im Ausland.» Ob er wirklich nicht merkt, wie er sich damit lächerlich macht?

Es ist ein Witz, aber nicht zum Lachen. Schmid wirft Russland eine Desinformationskampagne und eine Unterstützung der Neutralitätsinitiative vor. Er selbst fährt eine Desinformationskampagne als Gegner dieser Initiative. Unglaublich.

 

Auf den Mann gespielt

Fehlen die Argumente, wird bei Tamedia gerüpelt.

Der Name Christoph Blocher löst bei fast allen aufrechten (und überlebenden) Tamedia-Journalisten weiterhin Schnappatmung aus, dazu stellen sich die Nackenhaare auf. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn es um das Alterswerk Blochers geht, die Neutralitätsinitiative.

Auch dagegen ist man (und frau usw.) schon mal aus Prinzip, denn wo Blocher draufsteht und SVP drin ist, das kann ja nichts Gutes sein. Allerdings: es gebricht schmerzlich an Argumenten, wieso diese Initiative abgelehnt werden müsste. Immerhin: die Gegner hatten bislang einen beruhigenden Vorsprung in Abstimmungen. Doch der schmilzt wie Glace in der Sonne.

Daher muss jetzt der Hammer rausgeholt werden, die verbale Blutgrätsche auf Personen kommt zum Einsatz. Denn: Es gibt «eine unheilige Allianz hinter Blochers Initiative». Ihre Schreckensgestalten: «Linke Putin-Versteher und Corona-Rebellen». Ja pfuibäh.

Unheilige Allianz, das ist eine moralisch anstössige Zusammenarbeit, die den eigenen Prinzipien der Beteiligten widerspricht. Pfui, pfui, bäh, bäh.

Wer denn genau? Da vollbringt Bundeshausredaktor Adrian Schmid auf einer ganzen Seite das Werk des Denunzianten. Und spielt gnadenlos auf den Mann:

«Die folgende Übersicht zeigt, welche Milieus und Köpfe sich mittlerweile hinter der Vorlage scharen

Da sind mal die «Russland-Versteher». Die fallen dadurch unangenehm auf, dass sie sich sogar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine für «eine strikte Achtung der Neutralität» ausgesprochen haben. Pfui. Schlimmer noch, die PdA bezeichnet diesen Krieg doch tatsächlich «als «Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland». Wie können die nur eine so banale Wahrheit einfach aussprechen, doppeltes Pfui mit Sternchen.

Dann gibt es, verpeilt wie immer, die «Akademiker und Welterklärer». Beides ist per Definition schlecht, denn wenn einer die Welt erklären darf, dann der Tamedia-Journalist. Während nun ein ganz grosses Pfuibäh kommt: «Unterstützung bekommt die Initiative ausserdem vom umstrittenen Historiker und Publizisten Daniele Ganser.» Umstritten ist immer gut, muss man nicht begründen, wertet aber gnadenlos ab.

Wer fehlt noch? Natürlich, die «Gegner der Coronamassnahmen». Hat Schmids Vorgänger im Amt, der Amok Denis von Burg, nicht die Zwangsimpfung für alle gefordert? Vor allem für die umgeimpften potenziellen Massenmörder. Dennoch wagt es ein Christoph Pfluger, «eine Kundgebung zur Initiative» zu organisieren. Dabei sitzen in diesem Vorstand «Leute, die schon in der Coronakrise auffielen». Unangenehm, versteht sich.

Ganz schlimm  ist auch, dass ein Samuel Sommaruga in Genf mit einem Ja-Komitee weibelt. Dabei ist er der Sohn des SP-Ständerats gleichen Namens. Wie weit ist dieser faule Apfel vom Stamm gefallen.

Aber einen besonderen Gottseibeiuns hat sich Schmid bis zum Schluss aufgehoben: René Roca. Der ist «Gymnasiallehrer und hat ein Institut zur Erforschung der direkten Demokratie gegründet». Das kann man ihm nun nicht direkt vorwerfen, also muss Schmid ganz weit in die Vergangenheit zurückgreifen. Roca sei «Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Die 2002 aufgelöste Organisation versuchte, die Schul- und Drogenpolitik in umstrittener Weise zu beeinflussen und wies gemäss behördlichen Berichten und Urteilen des Bundesgerichts sektenähnliche, autoritäre Züge auf».

War tatsächlich ein übler Verein, aber sollte man dem Alt-Journalisten Geni Sorg auch viele Jahre später seine damalige Mitgliedschaft vorwerfen? Oder Markus Somm seinen Ausflug zu den Trotzkisten und in die GSoA? All diese Organisationen gibt es längst nicht mehr, oder höchstens als verschattete Untote. Und was soll das mit der aktuellen politischen Auseinandersetzung zu tun haben?

Nichts, ausser, man sucht verzweifelt nach Schlamm aus der Vergangenheit, um in der Gegenwart denunziatorisch spritzen zu können.

Und schliesslich fantasiert Schmid noch einen angeblichen Dissens zwischen Blocher und Roca herbei, wer denn die Idee zur Initiative gehabt habe.

Ein unglaubliches Schmierenstück. Würde ein «rechtspopulistischer» Autor eine solche Denunziations-Orgie verfassen, man sähe bei den Tamedia-Redaktoren das Halszäpfchen vor entrüstetem Gebrüll.

Was bleibt von der SoZ?

Gebastelt am Samstag, publiziert am Sonntag. Und am Dienstag?

Die Aufmacherstory «Ein Coach für alle Fälle» schweisselt deutlich nach heissem Sommerloch. Wieso die Woke-Fraktion eine Bebilderung durchgelassen hat, wo mal wieder eine Frau ein paar Knöpfe zu viel offen hat? Sexismus findet offenbar nur ausserhalb von Tamedia statt. Neuerdings.

Dann kommt das Blatt aber deutlich hinten hoch. Ein Oxford-Professor erklärt, wieso das Narrativ, in Grossbritannien wüteten Rechtsextreme und Rassisten, falsch ist. Ein Interview, das auch noch am Dienstag Sinn macht.

Eher zeitlos, geistlos und überflüssig ist dann die Seite über Coachs. Auch hier beweist die Bildredaktion mal wieder ihre Überflüssigkeit, fast eine halbe Seite für ein Stockphoto von Getty?

Nachdem schon auf dem Cover ein Weiblein prangte, hätte hier die «ich fühle mich unwohl»-Fraktion doch unbedingt ein Männlein durchsetzen müssen, statt neuerlich eine aufgeknöpfte Bluse zuzulassen.

Dann sägen Adrian Schmid und Arthur Rutishauser zweihändig am Stuhl des Amtsdirektors Stéphane Rossini, der das AHV-Zähldebakel zu verantworten hat. Fies, aber gut.

Dann, das nervt wirklich, wird die durchaus gute Story über vermeintliche Handwerker, die systematisch Menschen abzocken, mit einem Riesensymbolbild verunstaltet:

«Symbolfoto Shutterstock». Was soll das? Damit macht sich die Bildredaktion überflüssig, oder sagten wir das schon.

Allerdings müssen wir es nochmal sagen:

Ladendetektive haben es nunmal so an sich, dass sie gerne unerkannt bleiben möchten, gehört zu ihrem Beruf. Wieso dann ein Kunstfoto gebastelt werden muss, das wieder ungeheuer Platz mit einer Nullaussage verbraucht? Die SoZ sollte dringend über ihr Bildkonzept nachdenken; da gibt es ungemein Sparpotenzial.

Dann hofft man, dass der Sommer endlich zu Ende gehe. Denn was dem Magazin der NZZaS seine Glace ist, ist der SoZ das «Fokus»-Interview – mit einem Bademeister. Man hätte stattdessen auch Auszüge aus Hugo Loetschers wunderleichtem Roman «Saison» abdrucken können, das hätte wenigstens Niveau gehabt. Aber wer weiss denn noch, wer Loetscher war.

Auch hier, ceterum censeo, beweist die Bebilderung, dass dringlicher Handlungsbedarf besteht. Muss man auch bei der obligaten Bildstrecke zur Love Parade sagen:

Wer für diese Schrottbild-Auswahl verantwortlich ist, sollte sich eins schämen und das Leben als Taxifahrer fortsetzen. Bitte.

Dann geht es mit dem Sommerloch weiter. Mitte August vielleicht ein wenig spät, aber Nutzwert, Nutzwert, Nutzwert, murmelte die Redaktion, als vielleicht einer die freche Frage stellte, ob das Thema nicht schon etwas vorbei sei und ob die SoZ meine, ihre Leser rissen die Seite raus und nähmen sie mit ins Wasser:

Apropos Nutzwert, das ist dann wieder ein Artikel voll auf die Zwölf, mit einer Halbwertszeit über den Dienstag hinaus:

Nichts falsch gemacht, ausser:

Seufz.

Dann die Sozialneidstory, gut eingeschenkt. Man fragt sich immer mehr, welche verantwortungslose Pfeifen auf die Idee kamen, so einen zum Chef der Credit Suisse zu machen. Da begann der Untergang …

Was für ein Charakter.

Was für eine Bildredaktion:

Und nun noch der Hammer als Absackerchen:

ZACKBUM fasst zusammen. Nicht vieles überlebt den Sonntag. Aber doch einiges. Allerdings könnte die SoZ doppelt so gehaltvoll und halb so ärgerlich sein, wenn sie die Marotte mit übergrossen Symbolbildern aus Fotoarchiven sein liesse.

 

Tagi gegen SoZ

Einmal kein Konzernjournalismus.

Wer meint, Tamedia produziere nur violett-grünen Einheitsbrei, sieht sich für ein Mal getäuscht. Es geht auch anders. Wie in alten Zeiten, wo man sich gegenseitig nix gönnte, haut der «Tages-Anzeiger» einem anderen Organ eins über die Rübe. Lustigerweise der «SonntagsZeitung», die ja nicht nur im gleichen Glashaus erscheint, sondern auch weitgehend von den gleichen Redaktoren bestückt wird.

Stein des Anstosses ist ein Artikel in der SoZ «Palästinenser hetzten gegen Israel – und kassieren Geld von der Schweiz». Darin kritisieren Adrian Schmid und Cyrill Pinto, dass der Bund mit Steuergeldern Organisationen wie Al-Shabaka finanziert, die nach dem Terrorangriff der Hamas mit markigen Aussagen glänzte: «Al-Shabaka lehnt die kolonialen Grenzen des israelischen Regimes ab, die darauf abzielen, die palästinensische Existenz zu fragmentieren und letztlich auszulöschen.» Das Massaker sei «keine Provokation der Hamas» gewesen, doppelte die «leitende Analystin» nach.

Dieser Artikel habe Bundesrat Cassis aufgescheucht, schreibt Charlotte Walser, der «wollte, dass ein Kopf rollte – jener von Botschafterin und Deza-Vizedirektorin Andrea Studer. Manche sprechen von einem Bauernopfer». Zuvor habe Cassis mit Falschaussagen vom Deza unterstützte NGOs «in eine schwierige Lage gebracht». 

Dagegen habe sich Studer «besonnen verhalten und dafür plädiert, die Öffentlichkeit erst nach erfolgter Überprüfung zu informieren, nicht vorher. Das hätte jene NGOs, deren Mitarbeitende sich korrekt verhielten, vor einem Reputationsschaden bewahrt. Cassis habe das aber nicht gewollt. Er habe nach dem Artikel in der «SonntagsZeitung» demonstrieren wollen, dass gehandelt werde».

Schliesslich habe das Deza «die Zusammenarbeit mit drei NGOs – nicht jenen, die in der «SonntagsZeitung» kritisiert wurden», beendet. Fazit des Artikels: die SoZ schwärzt vom Deza unterstützte NGOs an: «Der Vorwurf: Einzelne Mitarbeitende sollen sich ungenügend von der Hamas distanziert haben.» Ziemliches Schönschreiben, angesichts der von der SoZ zitierten Aussagen.

Daraufhin habe Cassis hektisch eine Untersuchung gefordert, die von Studer ruhig und korrekt durchgeführt worden sei. Dann aber wurde sie «Opfer der grossen Angst vor Kritik, der alles andere untergeordnet werde. Studer habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Im Gegenteil: Sie sei Prinzipien gefolgt, statt diese wegen eines Zeitungsartikels über Bord zu werfen

Im Gegensatz zu Cassis, der nicht nur das tat, sondern dann auch noch Studer feuerte. Und all das, weil die SoZ auf die Kacke gehauen habe. Sozusagen eine doppelte Ohrfeige von Walser. Das sorgt sicher für Stimmung und rote Köpfe in der zentralen Breiredaktion von Tamedia.

Vielleicht erklärt der Werdegang von Walser ein wenig, wieso sie sich zu diesem Rundumschlag bemüssigt fühlte. Bevor sie 2021 zum «Bundeshausteam der Redaktion Tamedia» stiess, war sie bei der NGO InfoSüd – und bei der Uno-Flüchtlingsorganisation UNHCR.