Wörterbuch des Schwurblers
Die gute Nachricht ist: man erkennt leicht, wenn es keinen Sinn macht.
So oder ähnlich haben sicherlich bereits Führungskräfte (vor allem Führungskräftinnen) schon gequatscht:
«Wir müssen die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten kontextualisieren, bestehende Resilienzpotenziale aktivieren und im Rahmen eines partizipativen Transformationsprozesses neue Möglichkeitsräume schaffen.»
Lässt man die Luft raus: mal schauen, was wir tun können.
Wenn einer so quatscht – nix.
In den Verlagshäusern wird gespart. Allerdings nicht nur an Menschenmaterial, sondern auch an Hirnschmalz. Während die Arbeitnehmer dank der brüllenden Unfähigkeit des Managements rausfliegen, werden sie noch mit Bullshit Bingo begleitet:
- Resilienzfähigkeit
- Transformationsprozess
- Veränderungsdynamik
- Zukunftsfähigkeit
- Nachhaltigkeitsstrategie
- Lösungsorientierung
- Ergebnisoffenheit
- Erwartungsmanagement
- Stakeholdermanagement
- Prozessoptimierung
- Kompetenzentwicklung
- Ressourcenallokation
- Handlungskompetenz
Wem da noch nicht das Kotzen kommt, hier fängt der Würgreflex (und der Würgewunsch) definitiv an:
- Skillset
- Leadership
- Empowerment
- Ownership
- Commitment
- Alignment
- Purpose
- Impact
- Agilität
- New Work
- Change-Prozess
- Roadmap
- Deep Dive
- Quick Win
Während Fanatiker mit flackerndem Blick mit Nazi, Neonazi, Faschist, faschistoid, Hetzer und Rechtsradikaler um sich werfen, sind sie eigentlich für sensible Achtsamkeit.
Denn sie wollen
- Menschen mitnehmen
- Räume öffnen
- Räume schaffen
- Räume ermöglichen
- Sichtbarkeit schaffen
- Teilhabe ermöglichen
- Vielfalt leben
- Diversität fördern
- Bedürfnisse wahrnehmen
- Grenzen respektieren
- Perspektiven einnehmen
- Perspektiven sichtbar machen
- Stimmen hörbar machen
- Betroffene zu Wort kommen lassen
- Erfahrungen validieren
- Gefühle zulassen
- Prozesse anstoßen
- Veränderung begleiten
- Transformation gestalten
- Verantwortung übernehmen
- Haltung zeigen
- Privilegien reflektieren
- Machtstrukturen hinterfragen
- Narrative dekonstruieren
- gemeinsam aushandeln
- ins Gespräch kommen
- in den Dialog treten
- Begegnung ermöglichen
- Potenziale entfalten
- Ressourcen aktivieren
- Resilienz stärken
- Selbstwirksamkeit erfahren
- Bedürfnisse adressieren
Kleiner abschliessender Tipp fürs Balzverhalten. Mag er (oder sie) noch so attraktiv und verführerisch sein, sollte ein solcher Satz (oder inhaltsähnlich) gesagt werden, dann hilft nur eins: sofortige Flucht mit anschliessender kalter Dusche:
„Wir wollen einen achtsamen, diskriminierungssensiblen und inklusiven Raum schaffen, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden, marginalisierte Perspektiven Gehör finden und Selbstwirksamkeit auf Augenhöhe erfahrbar wird.“
Solches Geschwurbel hat – wie die Sprachreinigung im Ungeist des Nationalsozialismus – einen grossen Vorteil: es ist völlig unverbindlich, verpflichtet zu nichts, kostet keine Anstrengung und ersetzt intellektuelle Kärrnerarbeit.
Und wetten, dass wir in einer Woche «Tages-Anzeiger», «Republik», WoZ und wie die Organe der richtigen Denkungsart alle heissen, Strichlisten führen könnten, wie viele dieser Schrottwörter verwendet werden?
Merke: wer sich mit solchem Sprachmüll das Hirn verkleistert, ist weder zu einem geraden Satz, noch zu einer Denkleistung, noch zu einer diskussionswürdigen Meinung in der Lage.
Sondern produziert verbale Umweltverschmutzung der gröbsten Art.
