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Es darf gelacht werden: Afghanistan brunzblöd

Journalisten bei ihrer Lieblingsbeschäftigung beobachtet: Feldherren am Schreibtisch spielen.

Wenn von brunzblöd die Rede ist, kommt einem natürlich zunächst «watson» in den Sinn. Dort wird man auch sofort fündig. Der Geostratege und Historiker Peter Blunschi holt zuerst weit aus, knöpft sich dann die Kommentatoren beim «Tages-Anzeiger» und der NZZ vor, um zu urteilen:

«Kritiker von Joe Bidens Truppenabzug behaupten, der Verbleib von wenigen US-Soldaten in Afghanistan hätte die Taliban abschrecken können. Diese Illusion ist nicht nur dumm, sondern gefährlich.»

Wozu hatte man Geschichte in der Schule, sagt sich Blunschi, und zieht einen kühnen Bogen zum Ende des Ersten Weltkriegs und der «Dolchstosslegende» damaliger Militärköpfe. Hat zwar nix mit Afghanistan im Jahr 2021 zu tun, hört sich aber gelehrt an. Gelehrt? Blunschi studierte «zeitweise Germanistik und Publizistik, kam dann aber schon früh zum Journalismus». Auf Deutsch: Studium abgebrochen, seither schreibt er über alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Gibt’s denn nur Kritik an der Kritik bei «watson»? Aber nein, Vanessa Hann weiss: «So hätte der Westen die Misere in Afghanistan verhindern können: 3 Punkte». Die Praktikantin hat an der ZHAW «vor ihrem Einstieg in den Journalismus Kommuniklation studiert» und schreibt ebenfalls alles weg, was nicht schnell genug die Flucht ergreift.

ZACKBUM hätte nie gedacht, dass wir den Obergeostrategen und Rechthaber aller Klassen mal vermissen würden. Doch leider scheint Philipp Löpfe in den Ferien zu weilen. Schade aber auch.

Nächstes Gratis-Angebot an Einblicken

Ans Portemonnaie fasst bei «20 Minuten» die neue leitende Redaktorin Claudia Blumer: Rund 30 Schweizer seien noch in Afghanistan, ohne in offizieller Mission unterwegs zu sein, und deren Evakuierung müssen die dann zu «marktüblichen Preisen» bezahlen. Das ist zwar schon seit Jahrzehnten überall auf der Welt so, aber vielleicht wusste das Blumer nicht. Das EDA weiss auch nicht viel:

«Wie viel die 30 Schweizer für ihre Rettung werden bezahlen müssen, gibt das EDA nicht bekannt. «Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht definiert», sagt Sprecher Valentin Clivaz.»

Nicht viel wissen, beste Ausgangslage für eine Newsstory. Immerhin, «20 Minuten» verzichtet weiterhin eisern auf Kommentare, das ist wohltuend. So bleibt auch Platz für die Hammermeldung der Woche:

Was die Taliban dazu sagen würden?

Die zwei weiteren Gratisportale und ihr Angebot

Das dritte Gratismedium im Bunde, nau.ch,  lässt es bei einem Newsticker bewenden, in der wohl richtigen Annahme, dass ohne grosses Gemetzel Afghanistan langsam aus den Schlagzeilen verschwindet.

Ach, da gäbe es noch den heimlichen Star unter den Gratis-Newsportalen: «blue news». Das hat sich sogar zu einer Eigenleistung aufgerafft, ein Interview. Kostet nix, braucht keine Spesen, der Journalist kann in seiner Verrichtungsbox sitzenbleiben.

Hinauf zum Hochamt der Analyse

Welche Erkenntnisse haben denn die Qualitätsmedien zur Hand? Wir schauen ganz nach oben, zur NZZ. Da ist Weltanalyse natürlich Chefsache, also dekretiert Eric Gujer:  «Der Westen kann die Welt nicht retten». Eine schockierende Nachricht nicht nur für Afghanistan. Brauchen wir nun geistliche Unterstützung, um uns auf das Ende der unrettbaren Welt vorzubereiten?

Wer solche Grossanalysen schwingt, sollte sich im Kleinen nicht irren. Doch Gujer schreibt einleitend über den Rückzug aus Vietnam:

«Das Bild des Helikopters auf dem Dach der US-Botschaft in Saigon hat sich in das Gedächtnis eingebrannt.»

Leider liest Gujer die reine Quelle der Wahrheit nicht aufmerksam genug. Wir bei ZACKBUM können zwar die Welt auch nicht retten, aber immerhin das Gedächtnis von eingebrannten Fehlmeinungen reinigen: Es war nicht das Dach der Botschaft, lieber Chefredaktor. Vielleicht mal wieder etwas das Hirn auslüften, am besten in einem Wellness-Hotel in Österreich?

Was weiss denn das Qualitätsimperium Tamedia? «Taliban in Afghanistan: Den Gotteskriegern droht das Geld auszugehen». Nun ist aber Tamedia selbst leider das Geld schon länger ausgegangen. Also das Geld, um eine eigenständige Berichterstattung als Gegenleistung für schweineteure Abonnements zu liefern. Denn dieser Artikel ist natürlich, wie das meiste in diesem Blatt, von der «Süddeutschen Zeitung» übernommen. Was es auch nicht besser macht, denn deren Analysefähigkeiten waren auch schon mal grandioser.

Das ist doch sicherlich beim anderen Mitspieler im Duopol der Tageszeitungen anders. Nicht wirklich. CH Media greift auf die Erkenntnisse von Michael Wrase zurück. Der kennt sich im Mittleren Osten aus, Iran, Beirut, Damaskus und so. Das qualifiziert ihn selbstverständlich zum Afghanistan-Spezialisten. Daher macht er sich hurtig an die Beantwortung von zehn Fragen. Als erfahrener «Spezialist» hält er sich bei seinen Antworten aber mehr zurück als ein Banker, der über die Kurse von morgen befragt wird; sind die Taliban nun gemässigter als früher?

«Wie ihre versprochenen Korrekturen aussehen werden, ist gegenwärtig schwer zu beurteilen.»

Das hätte ein afghanischer Windhund, könnte er sprechen, auch nicht besser formuliert.

Ganz deutlich positioniert sich hingegen das Blatt mit dem Regenrohr im Logo, der «Blick»:

Ob das tatsächlich flächendeckend gemacht wird, weiss allerdings niemand. Doch besser eine steile Ansage, als überhaupt keine Aussage.

Afganistan brunzblöd; wer bislang nicht verstanden hat, wieso die westliche Intervention dort scheiterte, nach diesem Scheitern der westlichen Medien, genauer der Schweizer, dürfte es klar sein. Ein fremdes Land mit fremden Gebräuchen und Traditionen braucht etwas Grips statt Geplapper. Kenntnis statt Geschwurbel. Sonst wird das nie was.

20min will sauber kommentieren

Überraschung. Vor dem Kommentieren steht nun das Registrieren.

Eine Ansage von der reichweitenstärksten Zeitung der Schweiz: «Kommentieren geht nur noch mit Login». Damit solle Schluss sein mit «anonymen, deplatzierten Aussagen».

Ansage mit Werbefilmchen für Vollblöde.

Wunderbar, schon ist das Internet wieder ein Stück sauberer und anständiger geworden. Oder nicht? Wohl eher nicht. Vor Kurzem erst versuchte die schreibende Sparmassnahmen der NZZaS, «20 Minuten» über die dortigen Kommentare an den Karren zu fahren. Pensionär Felix E. Müller holte die Faschismus-Keule hervor. Bei der Konkurrenz hätten sich mal wieder in den Kommentarspalten die Nazi-Vergleiche gehäuft; verwendet vor allem von Kritikern der Corona-Politik.

Schliesslich habe sich der Chefredaktor von «20 Minuten» veranlasst gesehen, dazu «Stellung zu nehmen», fabuliert Müller. Das sei aber gründlich in die Hose gegangen. Stimmte zwar nicht, und «20 Minuten»-Chefredaktor Gaudenz Looser holte im Dialog mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde in der Schweiz weit aus, um Notwendigkeit und Grenzen eines lebhaften Austauschs in den Kommentarspalten zu verteidigen:

«Wir machen das Kommentar-Management heute viel besser und aufwändiger als früher, wir haben ein geschultes Freischalterteam, das von einem eigenen Ressort eng betreut wird.»

Aber trotz all diesem Pipapoh scheinen die rund 10’000 Kommentare, die täglich einlaufen, das Freischalterteam zu überfordern. So wurde geradezu zackbum mit Wirkung sofort bekannt gegeben: «Die Einführung der Login-Pflicht für Kommentare hat zum Ziel, einen angeregten Austausch zwischen den Kommentarschreibenden in anständiger Tonalität zu ermöglichen.»

Endlich anständige Debatten in den Kommentaren?

Wenn das das Ziel sein soll, logischer Umkehrschluss, war das bis anhin nicht möglich. Nun muss man als mildernden Umstand anführen, dass das Kontrollieren von massenhaft Kommentaren zu den unappetitlicheren Aufgaben im Internet gehört. Je nach Thema und Stimmungslage müssen bis zur Hälfte aller Einsendungen in den Orkus befördert werden.

Denn früher musste sich der Kommentarschreiber die Mühe machen, ein Blatt Papier in die Schreibmaschine einzuspannen, darauf zu tippen: «Sie rechts-/linksradikales Arschloch, Sie haben doch keine Ahnung, Sie verdammter Trottel, wir werden Ihnen eins in die Fresse hauen; ein besorgter Bürger», das anschliessend eintüten, frankieren, adressieren und auf den Weg zu bringen, wobei es unweigerlich im Abfall landete.

Heutzutage kann sich der gleiche Amok eine Gratis-E-Mail zulegen und lospoltern. Verstösst er dabei gegen Regeln des Anstands oder des Strafgesetzbuchs, muss er normalerweise nicht viel befürchten, wenn er auch nur über rudimentäre Kenntnisse verfügt, die IP-Adresse seines Computers zu verschleiern.

Anpreisungen wie früher auf einer Kaffeefahrt.

Dementsprechend tiefergelegt sind viele Debatten, die Kommentatoren verbeissen sich schnell ineinander, führen Privatfehden, kommen meilenweit vom Thema ab und unweigerlich hagelt es Nazi-Vergleiche, früher oder später. Amoks krähen schnell «Zensur», pochen auf Meinungsfreiheit, und häufig gleicht eine Kommentarspalte einer Wirtshausschlägerei zu vorangeschrittener Nachtstunde, inklusive Lallen und Beschädigung des Inventars.

Nach 576 Kommentaren wurde hier abgeklemmt; geschlossen.

Hört sich toll an, ist es aber weniger

Allerdings lässt diese Massnahme von «20 Minuten» doch einige Fragen offen. Wir haben spasseshalber den Anmeldungsprozess durchexerziert. Wer in der Lage ist, eine neue Hotmail-Adresse zu generieren, ist als Peter Meier, Nickname Poltergeist, weiterhin problemlos dabei. Was könnte ihn neuerdings daran hindern, weiterhin zu rempeln: «Die Versager im Bundesrat sollten alle verhaftet werden»?

Kein Problem, dann weiter im Text …

Nicht mehr und nicht weniger, als ihn vorher daran hinderte, hindert nun. Also muss man die Massnahme wohl so verstehen, dass schon eine gewisse Prozentzahl von «20Min»-Lesern an der Hürde des Registrierprozesses scheitern wird. Ein anderer Prozentsatz wird vielleicht kurz zusammenzucken, ob «du blödes Arschloch», gekeift aus dem sicheren Schutz der Anonymität, nun auf ihn zurückfallen könnte.

Chefredaktor Looser nimmt exklusiv Stellung

Looser verteidigt die Massnahme auf Anfrage von ZACKBUM: «Algorithmen und Kontrolle sind nie perfekt und werden es auch künftig nie sein. Aber die Loginpflicht ist eines von vielen Elementen in unserer Qualitätssicherungsoffensive.» Die Massnahme sei schon Anfang dieses Jahres geplant gewesen, aber «es gab dann technische Issues mit der Login-Verknüpfung».

Wieso soll denn ein solches Registrieren mehr Anstand bewirken? «Weil den Kommentierenden bewusster ist, dass sie nicht anonym sind. Unangebrachte Inhalte können so auch leichter juristische Folgen haben.» Und möglicherweise weniger Traffic? «Das nehmen wir in Kauf.

Eine tiefere Anzahl Kommentare erlaubt uns eine bessere Kontrolle. Der Anteil der Kommentare, die wegen Kapazitätsgrenzen nicht manuell freigeschaltet werden können, dürfte damit sinken.»

Wie aber bspw. der Amok-Journalist Reda El Arbi beweist, muss man kein Halbanalphabet und Volltrottel sein, um mit Kommentaren in den strafrechtlichen Bereich zu gelangen.

Abschreckendes Beispiel? Reda El Arbi.

Es gibt wohl eine Grenze, an der alle Versuche scheitern, etwas Anstand und Benehmen in die Welt der Kommentare und der Social Media zu bringen. Aber beim zunehmenden Sittenzerfall ist jede Massnahme zu begrüssen.

Obduktion von Konzernjournalismus

Hier werden Fundstücke analysiert, um ihre Todesursache zu erkennen. Tamedia, NZZ, CH Media, Ringier: man mag sich nicht. Wirklich nicht.

Ein harmloses Beispiel zum Start. Die schreibende Sparmassnahme, das, was von der einstmals bedeutenden Medienkritik in der NZZ übrig geblieben ist, fuchtelt mit dem Zeigefinger.

Pensionär Felix E. Müller versucht, auf «20 Minuten» einzuprügeln. Dort hätten sich mal wieder in den Kommentarspalten die Nazi-Vergleiche gehäuft; verwendet vor allem von Kritikern der Corona-Politik.

Schliesslich habe sich der Chefredaktor von «20 Minuten» veranlasst gesehen, dazu «Stellung zu nehmen», fabuliert Müller. Daher muss man ihn ganz vorsichtig an die Realität heranführen.

  1. Es ist kein Scherz, sondern mit Untersuchungen erhärtet, dass bei jedem beliebigen Thema, inklusive Häkeln oder Briefmarkensammeln, nach einer gewissen Anzahl von Kommentaren unweigerlich ein Nazi-Vergleich gezogen wird.
  2. Gaudenz Looser hat keine Stellung genommen, sondern sich in einem Gespräch mit dem Generalsekretär des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebundes erklärt.
  3. Am Schluss dieses Meinungsaustauschs sagt Jonathan Kreutner: «Medien sollten möglichst viele Meinungen abbilden. Trotzdem gibt es rote Linien. Diese zu diskutieren, so wie wir es jetzt tun, ist wichtig. Vielen Dank dafür.»

Man kann selbstverständlich über den Ort für solche rote Linien oder über die Argumente Loosers verschiedener Meinung sein. Was nicht geht, ist das hier:  «Zwar verurteilte er solche Äusserungen klar, versuchte dann aber zu erklären, weshalb man diese bis anhin geduldet habe. Das ging gründlich schief.»

Nein, Herr Scharfrichter Müller, redlich wäre es gewesen, dem Leser der NZZaS zu erklären, dass Looser in einem Dialog mit einem jüdischen Vertreter zu begründen versuchte, wieso in den Kommentaren von «20 Minuten» solche Nazi-Vergleiche zugelassen wurden  und inzwischen strenger zensiert werden. Was ausdrücklich verdankt wird.

Den Gipfel an Heuchelei erklimmt Müller dann hiermit: «Wer den politischen Gegner beschimpft, hört ihm nicht zu, was durch die Anonymität, die in diesen Spalten garantiert ist, zusätzlich erleichtert wird.»

Immerhin versteckt sich Müller nicht hinter einem Pseudonym, aber: «Wer den publizistischen Gegner beschimpft, hört ihm nicht zu.» Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um die gesalbten Worte eines ehemaligen NZZaS-Chefredaktors handelt, dem es offenbar nicht bewusst ist, welchen Reputationsschaden er mit diesem Versuch anrichtet, einem publizistischen Konkurrenten an den Karren zu fahren.

Vielleicht könnte Müller mal seine reichliche Freizeit darauf verwenden, nachzuzählen, wie häufig im Hause NZZ Nazivergleiche gepflegt werden. Würde ihn unangenehm überraschen.

Anstatt so unter NZZaS-Niveau zu beckmessern, hätte Müller doch einfach das Gespräch aufmerksam lesen können; vielleicht wäre ihm diese Stellungnahme von Looser aufgefallen:

«Wir machen das Kommentar-Management heute viel besser und aufwändiger als früher, wir haben ein geschultes Freischalterteam, das von einem eigenen Ressort eng betreut wird. Dieses Ressort spielt regelmässig heikle Themen und Fragen an unser Social Responsibility Board weiter, welches dann zusammen mit der Chefredaktion Lösungen und Strategien zum Umgang damit diskutiert. Das ist ein höchst lebendiger, dynamischer Prozess in einem ständigen und teils auch akuten Spannungsfeld. Dazu gehört auch, dass wir von aussen kritisiert werden – und wir lassen uns auch kritisieren und hören zu.»

Aber im Alter wird man bekanntlich harthörig.

 

Konzernjournalismus, Part II

In der NZZaS und in «20 Minuten» erschien am 1. August ein ganzseitiges Inserat des Unternehmers Benard Duzhmani. Darin wirft er, unterstützt von einer PR-Bude, dem «Beobachter» vor, der habe mit einem haltlosen Artikel sein Geschäft geschädigt und auch seine Ehre. Dabei vermutet Duzhmani, dass seine kosovarische Herkunft – obwohl er längst eingebürgert ist – eine wichtige Rolle gespielt habe.

Auffällig an dem Inserat ist –neben dem professionellen Layout –, dass mit keinem einzigen Wort auf die konkret erhobenen Vorwürfe des «Beobachter» eingangen wird. Es wird lediglich gesagt, dass eigene Untersuchungen die nicht bestätigen konnten und dass gegen die Firma keine Strafuntersuchung laufe, sie auch nicht wegen rechtswidrigen Praktiken angeklagt oder gar verurteilt worden sei.

Damit hat Duzhmani durchaus Neuland betreten. Statt den Streit bilateral oder vor Gericht auszutragen, ging er acht Monate nach der Publikation dieses Artikels in die mediale Offensive. Ob ihm das nützt oder schadet, ist zurzeit nicht zu beurteilen.

Aber es ist ihm gelungen, die Aufmerksamkeit der beiden Medienkonzerne zu erlangen, in denen das Inserat erschien. Bei Tamedia hat Rico Bandle neben seinem Schmierenartikel über die Trauerfeier für Peter Buser noch Zeit gefunden, Duzhmani auf einer ganzen Seite in der SoZ zu porträtieren.

Aber nicht um Recherchierjournalismus: Das Porträt in der SoZ.

Wie es heute üblich ist, hat Bandle auf jede Eigenrecherche verzichtet, er gibt schlichtweg die bereits bekannten Fakten wider und lässt Duzhmani seine Position ausführlich erläutern. Gleichzeitig gibt sich Bandle dafür her, dass auf diesem Weg der Unternehmer seine «Millionenklage» gegen den «Beobachter» ankündigen kann. Denn verblüffenderweise hat er das bislang – trotz den vielen vergangenen Monaten und dem angeblich riesigen Schaden – unterlassen.

Ganz am Schluss legt sich Bandle noch in die Kurve und referiert kurz die Stellungnahme des «Beobachter», der schliesslich eine «Institution» sei und «nicht bekannt für sensationsgetriebene Schnellschüsse». Der sehe einem Prozess gelassen entgegen, während Duzhmani sich völlig sicher sei, «dass wir gewinnen werden». Daher «freue» der sich «sehr auf diesen Prozess», gibt Bandle ihm das Schlusswort.

Schön für Duzhmani, dass er sich inzwischen Platz in den Tamedia-Gazetten nicht mehr kaufen muss. Büttel wie Bandle öffnen ihm gratis die Spalten für kritiklose Widergabe seiner Positionen.

Auch du, meine NZZ.

Auch die NZZ nimmt die Witterung am 24’000 Franken teuren Inserat auf und legt mit einer Story – ausgerechnet im Feuilleton – nach. Wie es sich für das Blatt gehört, fällt sie eine Idee kritischer aus als bei der SoZ. Nichtsdestotrotz wird auch hier weitgehend die Position Duzhmanis referiert, der sich nur flankiert von David Schärer von der «Bigger bang for the buck»-Agentur Rod interviewen lässt. Zudem hat er sich der Beihilfe der Anwältin Rena Zulauf versichert, die sowohl für ihre gemischten Ergebnisse wie auch für ihre exorbitanten Honorarnoten bekannt ist.

Die NZZ setzt ihre Darstellung unter den Lead:

«Wie weit geht die journalistische Freiheit, und wo beginnt die mediale Anmassung?»

Das ist an und für sich eine hochspannende Frage. Es geht hier um das kitzlige Thema, dass dioe sogenannte vierte Gewalt ihre Funktion nur ausüben kann, wenn sie über Skandale oder Ungereimtheiten oder Kritikwürdiges berichtet, ohne dass bereits strafrechtliche Tatsachen in Form von Urteilen geschaffen wurden.

So hat sich auch die NZZ lebhaft an der Affäre Vincenz beteiligt und ausgiebig aus eigentlich dem Amtsgeheimnis unterliegenden Akten zitiert. Damit zweifellos einen Beitrag zur Vorverurteilung von Vincenz geleistet, dessen Anspruch auf Unschuldsvermutung ja nur noch ein blosser Witz ist.

Nun wirft die NZZ dem «Beobachter» vor, dass der den Begriff «illegal» verwendet habe, obwohl kein entsprechendes Urteil vorliegt. Der «Beobachter» hingegen hält daran fest und sagt:

«Wir stehen zu jedem Satz und haben gute Belege für unsere Vorwürfe».

Hier wäre doch eigentlich die Aufgabe der Mitbewerber, mit eigenen Recherchen zu glänzen. Über die Quellen und die Stichhaltigkeit der Vorwürfe des «Beobachter». Oder über die Firma des Geschäftsmanns. Aber das würde ja in Aufwand ausarten, den der heutige Elends- und Sparjournalismus weder bei Tamedia, noch bei der NZZ mehr leisten kann. CH Media und Ringier halten sich vorläufig eher raus; vielleicht brauchen sie als Motivationsspritze zuerst auch ein Inserat.

Die Niveau-Bremse von «20 Minuten»

Claudia Blumer ist beim Gratisblatt angekommen. Ganz schlechte Nachrichten.

Man will ja ein Zeichen setzen, wenn man neu anfängt. Üblich, normal, verständlich. Claudia Blumer, bei Tamedia eher unangenehm aufgefallen, ist seit 1. Juli Ressortleiterin «Politik und Gesellschaft» bei dem Gratis-Blatt «20 Minuten».

Claudia Blumer: ein Foto aus besseren Tagen.

Das reichweitenstärkste Organ für alle, die sich überhaupt noch bei Newsmedien informieren, verzichtet weitgehend auf künstliche Aufreger und vollständig auf Kommentare. Das scheint ein Bestandteil seines Erfolgs zu sein.

Blumer hingegen fiel nicht nur durch ein schlampig recherchiertes, einseitiges, mit Fehlern gespicktes Werk auf, sondern auch mit etwas eigenen Kommentaren:

Und ein Kommentar ist keine Kalbshaxe.

Solches ist bei «20 Minuten» nun nicht mehr möglich, aber man kann doch auch anders eine Duftmarke setzen, muss sich Blumer gesagt haben:

Die klassische, eher abgenudelte Boulevard-Nummer: Man stellt eine steile Frage in den Raum, macht ein schönes Einerseits-Andererseits draus, und schon hat man künstlich ein Thema zur Debatte aufgeblasen, das eigentlich keines ist.

Stichhaltigkeit, Relevanz, Realitätsgehalt: völlig wurst. Denn als Schritt zwei kann man dann von einer «grossen Resonanz» schwärmen:

Nach Belieben lässt sich so eine Schaumschlägerei weiterdrehen. Fachleute meinen, Politiker widersprechen, Experten warnen, Juristen geben zu bedenken, Betroffene heulen wunschgemäss auf.

Eigentlich ist’s ziemlich banal und klar

Dabei führt kein Weg an der banalen Erkenntnis vorbei: Selbstbehalt für Selbstverschulden im Gesundheitswesen? Ist nicht, gibt’s nicht, Krankenversicherung ist keine Autopolice, wo Fahruntüchtigkeit Kostenfolgen hat, wenn’s kracht.

Ganz wichtig ist auch, dass so getan wird, als gäbe es hier eine heisse Debatte mit Mord und Totschlag in Sicht:

«So ein renommierter Infektiologe, der anonym bleiben will. Er sieht das Portemonnaie als das effektivste Mittel, wie er gegenüber «20 Minuten» sagt: «Landen Ungeimpfte wegen Covid im Spital, sollen die Krankenkassen später Regress auf diese Personen nehmen können.» Es gebe keinen Grund dafür, dass Krankenkassen für eine «fahrlässig verbreitete Krankheit» aufkommen müssten. Später zieht er das Zitat zurück – aus Angst vor Morddrohungen.»

Ist aber auch blöd gelaufen; im Blatt mit dem Regenrohr im Titel traut sich gleichzeitig ein «Verhaltensökonom» in Wort und Bild und mit vollem Namen eine ähnliche Forderung aufzustellen. Von Morddrohungen oder Personenschutz ist nichts bekannt.

Aber eigentlich geht’s um nix.

Natürlich ergreifen Politiker gerne die Gelegenheit, sich zitieren zu lassen. Abwägend, dagegen, ein wenig dafür, wichtig ist ja nur, wenn der Name und die Parteizugehörigkeit richtig geschrieben sind.

Nachdem das alles abgespult wurde, braucht es nur noch einen einigermassen versöhnlichen Schluss:

«Jedenfalls: Beim Bund ist man trotz nachlassender Impfnachfrage guten Mutes. Rund 46 Prozent der erwachsenen Personen in der Schweiz hätten mindestens eine Impfdosis erhalten, sagte Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) an einer Medienkonferenz am Dienstag.»

Dass damit das ganze Geschrei vorher als absurd und überflüssig gekübelt wird, was soll’s. Man kann «wichtiges Thema aufgegriffen», «Debatte ausgelöst», «grosses Echo», «aufgrund des Artikels haben 25 Parlamentarier» und ähnliche Blasen blubbern.

Wieso macht man das heute nicht mehr so gerne?

Nur: Es gibt leider einen Grund, wieso die meisten Boulevardblätter diese Methode der künstlichen Aufschäumung nicht mehr verwenden. Weil sie gemerkt haben, dass sich der Leser davon schlichtweg und zunehmend verarscht fühlt. Und dieses Gefühl trägt nicht wirklich zur Leser-Blattbindung bei.

Um es begreiflich in einem Bild zu sagen: Wenn in einer Pizzeria der Teigfladen zwar als halbmeterhoher Turm serviert wird, beim ersten Anschnitt aber wie ein Soufflee zu einem unansehnlichen Klacks zusammenschrumpft, dann findet das der Besucher auch nicht so toll. Selbst wenn er dafür nichts bezahlen muss. Das sollte dem Chefredaktor von «20 Minuten» doch etwas zu denken geben …

Aufatmen bei Tamedia: Abgang Blumer

Eine weitere Mitunterzeichnerin des Tamedia-Protestschreibens geht. Aber nicht weit. Leider.

Claudia Blumer hat einen der Tiefpunkte des Journalismus im Hause Tamedia zu verantworten. In einer völlig einseitigen, sich nur auf die Aussagen eines Beteiligten abstützenden Reportage nahm sie Partei in einem hochemotional geführten Trennungsstreit.

Daraus entstand ein Artikel, der in jeder Journalistenausbildung als Paradebeispiel verwendet werden kann. Es ist alles drin, was man nicht machen darf, wenn man seriös und nach den Regeln der Zunft arbeiten will.

ZACKBUM hat den ganzen Skandal aufgearbeitet. Reaktion aller Beteiligten (die im Gegensatz zur Methode Blumer Gelegenheit zur Stellungnahme bekamen): null. Ausser ein so ausführliches wie lachhaftes Schreiben der Rechtsabteilung von Tamedia, das die Korrektur von Dutzenden von Details forderte. Völlig unsubstantiiert und ohne Belege; daher unterblieb es natürlich. Weitere Reaktion des Hauses: null.

Wer sich mit Reichen und Mächtigen anlegt …

Nun ist es nicht so, dass jemand wie Blumer, obwohl sie die Unterstützung und Zuneigung des Patriarchen des Bindella-Clans hinter sich weiss, ohne jegliche Folgen dermassen unanständig, unprofessionell und schändlich falschberichten dürfte. Die Betroffene versuchte zuerst, innerhalb von Tamedia eine dringend nötige Richtigstellung zu erreichen.

Sie wurde zum Ombudsmann verwiesen, der dann seines Amtes waltete. Als Ombudsmann von Tamedia, nicht der Leser oder von der Berichterstattung Betroffenen. Er sah in dem nachgewiesenermassen faktisch falschen, einseitigen, unprofessionellen Bericht Blumers kein Problem.

Inzwischen wurde Blumer in allen Ehren beim Tagi verabschiedet. Ihr letzter Kommentar, wie passend, dreht sich um die Erschwerung der kritischen Berichterstattung durch den Ständerat. Der will die Hürde niedrigerlegen, wie das Erscheinen eines belegt einen Skandal aufdeckenden Artikels verhindert werden kann. Blumer vermutet, dass die «chambre de réflexion» die Gelegenheit beim Schopf ergriffen habe, «den Journalisten eins auszuwischen».

Wie gut, dass Blumer bei «20 Minuten» weder Reportagen noch Kommentare schreiben darf. Denn auch in ihrem letzten Stück liegt sie völlig falsch. Es ging nicht darum, dass das Stöckli den Journalisten eins auswischen wollte. Sondern darum, Mächtigen und Reichen besseren Schutz vor unbotmässiger Kritik zu verschaffen. Also zum Beispiel eine Recherche über die Anstellungsbedingungen im Bindella-Imperium.

Aber item, solche peinlichen Kommentare fallen weg. Schnell war Blumer  –Mitunterzeichnerin des Protestschreibens – als Untersuchungsrichterin ein- und dann wieder abgesetzt worden. Zur «Ansprechperson» degradiert und nun zu «20 Minuten» abgeschoben, wo sich keine einzige Frau über angeblich sexistisch-diskriminierende Arbeitsbedingungen beschwerte. Blumer eigentlich auch nicht, sie selbst habe nie so etwas erlebt, gestand sie in Roger Schawinskis «Doppelpunkt», sie habe aus Solidarität unterzeichnet. Weil es doch nicht ginge, so mit Menschen umzugehen. Den Talkmaster hingegen als «ausgedienten Pitbull» zu beschimpfen, wie es Blumer bei Gelegenheit tat, das geht.

Alle Versuche zur gütlichen Einigung scheiterten

Als Restanz ihres unseligen Wirkens bleibt noch der Schandartikel. Nachdem alle Versuche scheiterten, zu einer gütlichen Lösung mit Tamedia zu kommen, wurde gegen Blumer Strafanzeige gestellt.

Wegen «Verleumdung, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses, Anstiftung zur Verletzung des Berufsgeheimnisses etc.». Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft will nun das tun, was Blumer bei ihren Recherchen unterlässt. Nämlich ihr Gelegenheit geben, zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das äussert sich in Form einer Vorladung zu einer Einvernahme.

Der Termin wird gesetzt, schriftlich mitgeteilt, und es wird selbstverständlich erwartet, dass die Vorladung befolgt wird; persönliches Erscheinen ist verlangt. Also warteten am 31. Mai 2021 die untersuchende Staatsanwältin, ein Gerichtsschreiber, die Anzeigeerstatterin mitsamt Anwalt plus der Anwalt einer weiteren in das Verfahren involvierten Person. Und warteten und warteten und warteten.

Bis sie einsahen, dass Blumer unentschuldigt fernblieb. Das ist nicht nur eine Respektlosigkeit, sondern hat auch Sanktionen zur Folge. Aber offenbar fühlt sich Blumer über solche Bemühungen der Staatsgewalt erhaben. Eine Busse zahlt sie problemlos aus dem Gucci- oder Dior- oder Versace-Handtäschlein.

Das hat einen kurzfristig anberaumten zweiten Versuch zur Folge; der wurde auf den 21. Juni terminiert; mit zwei Wochen Vorlauf wäre genügend Zeit, sich darauf einzurichten. Nachdem Blumer die Nummer mit unentschuldigter Absenz schon gebracht hatte, meldete sich diesmal ihr Anwalt; leider sei er zu diesem Zeitpunkt unabkömmlich, Bitte um Verschiebung.

Die wurde ihm unverständlicherweise gewährt, der nächste Versuch ist auf den 29. Juni angesetzt. Wohlgemerkt, die Strafanzeige wurde im August 2019 eingereicht; seit Ende April 2021 versucht die Staatsanwaltschaft, Blumer zu einer Aussage zu bewegen. Bislang vergeblich.

Vorführen in Handschellen nötig?

Normalerweise wird bei unhöflichem Schwänzen einer Vorladung beim nächsten Versuch angedroht, dass ein neuerliches Nichterscheinen mit polizeilicher Vorführung beantwortet würde. Also zwei Polizisten stehen parat, um im Fall des «pfeif drauf» der angeschuldigten Person klarzumachen, dass man sich nicht so um Anordnungen von Justizorganen fouttieren darf.

Auch auf diese Androhung verzichtete die Staatsanwaltschaft Schaffhausen. Ob diese unverständliche Milde damit zu tun hat, dass der Tamedia-Konzern ein wenig seine Muskeln spielen liess? Man weiss es nicht. Wird am 29. Juni tatsächlich nach fast zwei Jahren die erste Einvernahme von Blumer stattfinden? Man weiss es auch nicht. Man könnte sie fragen? Richtig, aber da sie noch nie geruhte, auf unsere Anfragen oder Bitten um Stellungnahme zu reagieren, lassen wir’s.

Was man weiss: das ist reine Arroganz des Hauses Tamedia, der fortgesetzte Versuch, diesen Medienskandal am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. In der Hoffnung, dass die durch Blumers Machwerk beschädigte Person dann schon mal aufgibt.

Blumer schreibt in ihrem (hoffentlich) letzten Kommentar:

«Wenn jemand durch einen Zeitungsartikel in seiner Persönlichkeit verletzt wird, kann er dagegen ans Gericht gelangen. Doch manchmal ist es schon zu spät, der Schaden ist angerichtet und nicht wiedergutzumachen.»

Das ist – angesichts ihres eigenen Verhaltens – der Gipfel des Hohns und der Heuchelei.

 

Es darf gelacht werden: Diesmal zum Muttertag

Er ist – wie der Valentinstag – im Kalender aller Floristen rot angestrichen. Und die arme Journaille muss sich jedes Jahr aufs Neue einen abbrechen.

Denn es ist doch so: Wir alle haben Mütter. Die meisten von uns kennen sie sogar. Bei Vätern ist das schon so eine Sache. Und denen (einen Vatertag gibt’s natürlich auch) gedenkt man weltweit am zweiten Sonntag im Mai. Ausser in England, die wollen halt immer einen Sonderzug, da ist’s der vierte Sonntag in der Fastenzeit. Weil die Mütter da nicht kochen müssen? Die spinnen, die Engländer.

Aber zurück zu ernsteren Würdigungen. Zur Verteidigung des Tages als solcher wirft sich die NZZ in die Bresche, in die Schlacht: «Jetzt gehen sie auf die Mutter los». Aber nicht mit uns, sagt die alte Tante rabiat und kampfeslustig wie selten.

Was brechen sich die anderen Sonntagsblätter ab, nachdem der Blattmacher melancholisch in die Runde fragte: Also, wer will sich den Pulitzerpreis holen, indem er eine neue Story zum Muttertag erfindet?

Ein bunter Strauss zum Muttertag …

Die Ergebnisse sind durchaus vielfältig, wenn auch nicht alle originell. Die «Sonntagszeitung» probiert’s mit:

«Wenn man Kinder mehrheitlich ohne Partner grosszieht, bleibt das Liebesleben oft auf der Strecke. Vier Single-Mütter erzählen, was sie beim Dating erleben»

Kann man machen, muss man nicht. Hat man schon. Kann man auch wieder machen. Machen andere auch (siehe weiter unten).

An eine andere Lösung des Dating-Problems erinnert das Schweizer Farbfernsehen SRF: «Vor zwanzig Jahren wurde das erste Babyfenster der Schweiz eröffnet.»

Der «Sonntags Blick» (auch mit Regenrohr) erteilt seiner Kolumnistin Milena Moser das Wort, das kann nicht gutgehen: «Seit einem Jahr drehen sich meine romantischen Fantasien um die Ankunftshalle im Zürcher Flughafen und meine Söhne. Jetzt hat sich dieser Wunsch erfüllt.»

Öhm. Der Wunsch einer romantischen Fantasie hat sich erfüllt? Das hat auch noch niemand der Ankunftshalle dargeboten. Leider versteht das weder der Flughafen Zürich, noch der Leser. Vielleicht die romantischen Fantasien, die sich um ihre Söhne drehen? Müssen wir da an Oedipus denken (Frau Zukker, das war, aber lassen wir das)? Na, wir verlassen den SoBli so schnell wie möglich.

Und retten uns in den «Berner Oberländer»: «So vieles ist derzeit anders – und doch bleibt eines gleich: Die erblühende Natur sorgt für ein schönes Stück Vertrautheit, schreibt Martin Leuenberger.» Das ist so unfassbar wahr und tief. Das geht nur in einem «Wort zum Sonntag», das dem «Maien- und Muttertag» gewidmet ist. Denn auch Gottesmänner haben eine Mutter. Auch katholische; die haben allerdings keine Frau, aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Noch mehr welke Blumen aus dem Muttertagsstrauss

Was macht «watson.ch» aus diesem Thema? Soll das eine ernstgemeinte Frage sein? «Weil wir alle das beste Mami der Welt haben: Die 18 lustigsten Mutter-Tweets». Zum Beispiel? Nein, das kann definitiv keine ernstgemeinte Frage sein.

Prosaischer geht es «20 Minuten» an: «Bis zu 28 Grad erwartet – Perfektes Wetter für den Muttertags-Brunch auf der Terrasse.» Wir fragen uns nur: wer keine Terrasse hat, was macht denn der? Noch neutraler ist nur nau.ch: «Sommerliches Wetter: Schweiz knackt am Muttertag die 25-Grad-Marke.»

Nun ja, allerdings lässt es nau.ch nicht bei einem Sonntagsbrunch oder Blumensträussen bewenden; das Online-Organ hat sein Ohr ganz nah am weiblichen Unterleib:

«Umfrage zum Muttertag: Schweizer Single-Mamis wollen Sex-Abenteuer».

Na, das war in den Anfangszeiten des Muttertags aber noch anders, da wäre die Heilsarmee energisch eingeschritten.

Echten Lokaljournalismus betreibt hingegen der «Landbote»: «Run auf Blumen in Wiesendangen: Aus Liebe zum Mami standen manche schon sehr früh auf».

Besinnliches am Schluss; kath.ch wirft eine weitere, entscheidende Frage auf:

«Der Muttertag ist kein katholischer Feiertag. Soll ihn die katholische Kirche in den Gottesdiensten trotzdem aufgreifen?»

Es erteilt, der Herr ist gross, zwei Katholikinnen dazu das Wort, obwohl die in den Gottesdiensten doch ruhig bleiben müssen. Obwohl sie fordern:

«Der Muttertag soll ein Tag der Umkehr sein.»

Was immer sie uns damit sagen wollen. Wir haben fertig.

 

 

 

 

 

Blonde Strähnen verheddern sich in Glasnudeln

Wir sind erschüttert: Stimmen die Vorurteile gegen Blondinen doch?

Von Adrian Venetz

Liebe Freunde des kultivierten Zeitgeistes, jetzt heisst es tapfer sein. Wieder einmal erschüttert ein handfester Skandal unseren Seelenfrieden. Wie uns aus der gehobenen Klasse des 20-Minuten-Journalismus zugetragen wird, geschah Folgendes: Die Fernsehmoderatorin Michelle Hunziker machte sich im italienischen Fernsehen über Asiatinnen und Asiaten (und alles dazwischen) lustig. Mit ihren filigranen, engelhaften Zeigefingern zog sie ihre Augen zu Schlitzen und äffte das asiatische Unvermögen nach, den Buchstaben «R» auszusprechen.

Gerade von Michelle Hunziker, die normalerweise durch Hegel-Rezeptionen und ihre wissenschaftlichen Beiträge zur Quantenmechanik von sich reden macht, hätten wir das nicht erwartet. Klarer Fall: Lebten wir noch im 18. Jahrhundert, sähen wir die blonden Strähnen von Frau Hunziker nun arg versengt in den Flammen des Scheiterhaufens.

Weil es sich heutzutage nicht schickt, Frauen und Männer (und alles dazwischen) zu verbrennen, gibt es gottlob Alternativen wie Twitter, Instagram und 20 Minuten (und alles dazwischen). Hier wird Michelle Hunziker nach allen Regeln der Kunst virtuell gesteinigt, worauf sie natürlich stante pede zu Kreuze kriecht und sich entschuldigt. «Bitte hasst mich nicht, wir machen alle Fehler», zitiert 20 Minuten die blonde Hexe. (Auch auf Instagram hat sie sich entschuldigt. Und das will ja was heissen.)

Nur: Ein Schweizer Influencer namens Brian Havarie (sic!) nimmt ihr diese Entschuldigung nicht ab. Dieser junge Mann, der es als Zalando-Model fast so weit gebracht hat wie Atomphysikerin Hunziker, findet die Entschuldigung Hunzikers «nicht authentisch», wie 20 Minuten den «Berner Beauty-Guru mit vietnamesischen Wurzeln» zitiert. Hunziker habe sich wohl aufgrund des medialen Drucks entschuldigt. Der Rassismus sei zu fest verankert. Auf Instagram und Twitter erhält das Zalando-Model reichlich Rückendeckung in seinem Furor gegen das Ex-Model. «Fake! Fake! Fake!», tobt die Instagram-Gemeinde, nachdem sich Hunziker Asche auf ihr blondes Häuptchen gestreut hat.

Gott seis geklagt: Da trinke ich am Morgen in aller Ruhe meinen Kaffee, rauche eine Zigarette, werfe einen scheuen Blick auf 20 Minuten online und muss zum Schluss kommen, dass unsere Welt verdammt nah dran ist, komplett den Verstand zu verlieren.

Blumers blümerante Weltsicht Teil 3

Blumer Lebenslauf bietet genügend Anhaltspunkte für Motive.

Hier geht’s zu Teil 1, hier zu Teil 2.

Privatsphäre ist Privatsache, persönliche Lebensumstände und Beziehungen sollten in der öffentlichen Beurteilung einer Person keine Rolle spielen. Ausser, es geht wie in diesem Artikel genau um die Privatsphäre, um die Beurteilung und sogar Verurteilung von angeblichen Verhaltensweisen. Basierend einzig und alleine auf den parteiischen Aussagen eines der beiden Beteiligten.

Das ist so absurd, wie wenn man einen Artikel über mögliche sexuelle Übergriffe des Ex-Präsidenten Donald Trump schreibt – und als einzige Quelle nur Donald Trump selbst verwendet, der zugesichert habe, dem Journalisten alle Unterlagen auszuhändigen. Wer das täte, wäre sofort seinen Job los.

Warum ist das bei Blumer nicht der Fall? Leider macht Blumer hier das Gleiche, was sie handkehrum der Mutter vorwirft: sie will nicht auf Fragen antworten. Dabei gibt es mindestens zwei Gründe, wieso auch hier die Darstellung vom Privatleben zwingend geboten ist*.

Blumers Anfänge als Journalistin

Claudia Blumer war mit ihrem damaligen Verleger am Anfang ihrer Karriere zuerst liiert, dann verheiratet*. Der heute fast 70jährige Guido Blumer (er nahm den Namen seiner Frau an) musste 2008 den Untergang des Winterthurer Stadtblatts nach über 100 Jahren als Vollpleite erleben, die ihn seine gesamten Rücklagen kostete.

Blumer strebte nach neuen Ufern und lernte Rudi Bindella Sen. kennen und lieben*. Auch hier ist der Altersunterschied kein Hindernis, Bindella wurde 1948 geboren, Blumer 1980*.

Weder Guido Blumer noch Rudi Bindella Sen. wollten zu diversen Fragen Stellung nehmen. Blumer reagierte nicht, Bindella reagierte gleichlautend mit

«Nein! Das trifft nicht zu.»

Er fügte hinzu: «Ich lege Ihnen nahe, bei einer allfälligen Publikation den Sachverhalt richtig darzustellen und meine Privatsphäre zu achten.»

Das ist nicht die erste Fehlleistung von Blumer

Blumer unterlaufen immer wieder bedenkliche Fehlleistungen; so beschimpfte sie im Mai 2019 den altgedienten Talkmaster Roger Schawinski: «Der Pitbull hat ausgedient.» Sie keilte hemmungslos: Schawinski beherzige die im Ethikcode der SRG aufgeführten «bewährten Regeln des Anstands nie». Dann setzte sie zur Hinrichtung an: «Kaum jemand goutiert mehr Fertigmach-Journalismus, der verächtliche Bemerkungen mit einer kritischen Haltung verwechselt.» So sei das mit Schawinski. Leider ist es Blumer nicht aufgegangen, dass sie damit in erster Linie ein Urteil über sich selbst gefällt hat, denn wer einen Talkmaster mit einem Kampfhund vergleicht und ihn gleichzeitig aufs Altenteil schieben möchte, was macht der denn anderes als Fertigmach-Journalismus?

«Hat ausgedient»: Roger Schawinski mit Harald Schmidt in seiner Talkshow auf SRF.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass es keinen erfindlichen Grund gibt, wieso Blumer nicht schon längst entlassen wurde. Sollen ihre Artikel zu internen Schulungszwecken dienen, um an Beispielen zu erläutern, wie man es ja nicht machen sollte?

Auch eine Art Weiterbildung.

Das ist die eher scherzhafte Variante. Aber wie wär’s denn mit dieser Hypothese: Ihr Lebensgefährte ist nicht nur steinreich, sondern auch ein guter Inserent bei Tamedia. Zurzeit nicht so wirklich, da alle seine Restaurants geschlossen sind. Aber das wird ja mal wieder, und dann gibt es noch die Weinhandlung, die Immobilien und, und, und. Nehmen wir an, er habe zum Telefonhörer gegriffen – könnte das die zugeknöpfte, aber massive Reaktion von Rutishauser und Supino erklären?

Alle Beteiligten streiten das ab oder reagieren nicht auf die entsprechende Frage.

Unerklärlich bleibt hingegen bis heute, wieso bei der Verwandten der Mutter, die sich an Supino gewandt hatte, nicht nur sofort ein Mail aus dessen Ferien im Posteingang klingelte. Sondern auch ihr Telefon. Sie nahm nicht ab, aber die Nummer gehört – zum Bindella-Hauptquartier.

Die unaufhaltsame Karriere von Blumer

Wenn sich also jemand intern über die immer wieder sich erweisende Unfähigkeit von Blumer erregt, wird dem dann auch bedeutet, dass er die grösseren Zusammenhänge sehen solle?

Wer würde es deshalb wagen, heute ihre Entlassung zwecks Qualitätssteigerung anzuregen? Niemand. Im Gegenteil, Arthur Rutishauser machte sie sogar zur Untersuchungsrichterin, die die Stichhaltigkeit der anonym erhobenen Anschuldigungen von Tamedia-Redaktorinnen überprüfen sollte. Erst nach längerem Nachdenken merkte Rutishauser, dass es vielleicht doch nicht so schlau sei, eine Mitunterzeichnerin abklären zu lassen, ob die damit von ihr miterhobenen Vorwürfe auch zutreffen könnten.

Inzwischen ist Blumer zu «20 Minuten» wegbefördert worden. Sie übernimmt dort die «Leitung von Politik und Gesellschaft». Eine mehr als merkwürdige Positionsverschiebung. Eigentlich gehörte Medienkritik zu den Aufgaben von Blumer beim Tagi, wo sie sich auch immer gerne als his master’s voice des Konzernchefs Supino gab. Ihre zweite Lieblingsbeschäftigung waren Kommentare. Für und gegen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Oftmals in der Aussage nicht ganz verständlich, so wie ihr möglicherweise letzter Kommentar über Esther Vilar, die Autorin des damaligen Skandalbuchs «Der dressierte Mann».

Die bezeichnet Blumer als Helfershelferin der Frauenbewegung und der Emanzipation. Ein interessanter Gedanke. Warum nur?

*Siehe die Punkte 21 bis 24 des Schreibens von Tamedia.

Lesen Sie morgen im letzten Teil 4:
Blumers blümerante Beziehungen

Hilfe, mein Papagei onaniert III

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Diesmal heben wir eine neue Kategorie aus der Taufe: Der Depp des Monats. Der erste Preisträger ist – Pascal Hollenstein. Die publizistische Leiter nach unten im Hause CH Media hat seinen Kampf für die Ehre von Jolanda Spiess-Hegglin zurzeit eingestellt. Auch sonst fällt ihm eigentlich nichts Bemerkenswertes ein. Ausser, Himmel hilf, er muss leider seinen Senf zur anstehenden Abstimmung abgeben.

Wir müssen’s, um Zweifel auszuschliessen, im Original zeigen:

Wir wollen auch Hollenstein nichts vorschreiben, aber …

Wem das etwas wirr vorkommt: Es ist wirr. Hollenstein bestreit hier etwas, was gar niemand behauptet oder fordert. Es ist schlichtweg eine Binsenweisheit, dass sich der Staat nicht in innere Glaubensangelegenheiten einzumischen hat. Richtig, verlangt keiner, Hollenstein zum Beispiel darf gerne und ungestraft glauben, dass er ein meinungsstarker Publizist sei.

Andere dürfen an die Bibel, den Koran, die Thora, die Schriften des Nostradamus und jeden anderen Quatsch glauben. Ist so, bleibt so, steht nicht zur Debatte, nicht zur Abstimmung. Was dann? Nun, da nimmt Hollenstein die ganz grosse Tröte hervor: «Rückfall ins Mittelalter», wenn’s passiert, wäre zu hoffen, dass es «ein einmaliger Betriebsunfall der Demokratie» sei. Den man aber besser gar nicht geschehen lasse:

Besser, er schriebe gar nicht.

Abgesehen davon, dass es um den Kampf gegen mittelalterliche Vorstellungen von der Frau als Objekt, Untertan, nur dem Ehemann verfügbares Stück Fleisch geht: Wenn sich – wie von Hollenstein befürchtet – die Mehrheit der Schweizer Stimmbürger im Rahmen ihrer demokratischen Rechte für eine legal und korrekt zustande gekommene Initiative entscheiden sollte, dann wäre das «ein bedeutungsloser Betriebsunfall»? Etwas, das sich «besser gar nicht ereignen» sollte? Weil es nicht der Ansicht von Hollenstein entspräche? Was für ein Undemokrat, was für ein Dummschwätzer.

Der Depp des Monats. Wobei er für seinen Nachfolger die Latte ganz schön hoch legt.

Die strenge Trennung von Content und Werbung

Sie wird aller Orten immer strenger. Beim «Blick»:

Wobei man sagen muss: immer noch besser als solcher Content:

Bei CH Media pflegt man gerne die bunte Mischung, ob quer oder hoch:

Bei Tamedia:

Bei der NZZ:

Bei «blue news» die sich immer noch hinter «Bluewin news» verstecken:

Bei «watson»:

Diese bunte Mischung von «Totes Kind im Keller» über «Lustige Tierbilder» bis «Gut gegen Food Waste» kriegt nur das Kachelmagazin hin.

Aber auch «20Minuten» ist für abwechslungsreiche Zusammenstellungen:

 

Sicher, steht doch deutlich «Inserat» drüber, oder «präsentiert von» drunter, da kann sich niemand vertun.

 

 

 

Corona: Nächste allgemeine Verunsicherung

Die Corona-Einheitsbrei-Berichterstattung löst sich in Einzelteile auf. Nach Mainstream nun allgemeine Kakophonie.

Die Zeiten, als die Leitmedien der wenigen verbleibenden Konzerne stramm auf Linie der Task Force, des Bundesrats und im Zweifelsfall für Verschärfungen, Restriktionen und gegen verantwortungslose Fahrlässigkeit waren, sind vorbei.

Mit einem gewissen Restgespür für die Stimmung in der Bevölkerung und unter den Lesern werden viele fuchtelnde Zeigefinger eingefahren, machen sich Laienjournalisten nicht mehr mit drakonischen Forderungen aus dem wohlbeheizten Homeoffice lächerlich.

Tamedia ist mild und friedlich gestimmt

So meldet Tamedia zur Corona-Lage in Genf: «Mutierte Viren dominieren – doch die dritte Welle bleibt aus». Milde gestimmt titelt der Konzern zudem «Berset deutet Lockerung von Corona-Massnahmen an». Das hätte noch vor wenigen Wochen einen scharfen Kommentar abgesetzt, in dem die Worte unverantwortlich, Wackelpudding und «jetzt muss dringend» eine wichtige Rolle gespielt hätten.

Gemischte News hält der «Blick» parat. Aber neben der Entdeckung eines furchtbar ansteckenden Virus-Mutanten im Amazonasgebiet, einem Schockerfoto von schwärtlichen Fingern, die wegen Corona amputiert werden müssen, ist die Aufmacherstory: «Deutscher Virologe widerspricht Task Force». Auch das hätte noch vor Kurzem einen hämischen Kommentar und einen strengen Verweis abgesetzt. Jetzt wird ein ehrfürchtiges Interview mit dem Fachmann geführt.

Gemischte News, aber ein deutscher (!) Epidemiologe darf der Task Force Saures geben.

Auch «blue-news» nimmt Bersets Andeutung in den Ticker, erschreckt aber mit der Frage, ob in Zukunft ein doppelter Mund-Nasen-Schutz nötig sei. Als Zahlenquelle wird hier weiterhin die US-Privatuni Johns Hopkins verwendet; auch so ein Skandal, an den sich alle gewöhnt haben.

Milchzähne, Krokodilkot, Sex und Angriff der Kängurus

Und was hat uns das Katzenvideo-Portal «watson» aus seinem Millionengrab heraus zu sagen? Keine solchen Vorurteile, in seiner Serie «Lustige Tierbilder Episode II» kommt nun «Angriff der Kängurus». Ob da jemand die Anspielung auf «Star Wars» merkt? Nun, es wird mit folgendem Müll bespasst: «Let’s talk  about real good Sex, Baby» von «Emma Amour», «Milchzähne am Anus, Krokodilkot und Niesen: So verhütete man früher», «Mann baut E-Gitarre aus dem Skelett seines toten Onkels» und schliesslich noch ein Titel, der wohl 99 Prozent aller «watson»-Leser ratlos macht: «Palindrom-Tag: Warum ist der 12. 02. 2021 so besonders?»

Kleiner Knaller von «20 Minuten», Knallfrosch von der NZZ

Corona? Ach ja, wen interessiert das schon bei «watson». Das gewinnbringende Gratisblatt «20Minuten» kann dagegen mit einem kleinen Knaller aufwarten, der den Bezahlmedien gut angestanden wäre: «Russland bot der Schweiz Impfstoff Sputnik an – BAG reagierte nie». Sagt immerhin der russische Botschafter in Bern.

Die NZZ widmet sich, so gehört sich das, den tieferen Fragen: «Der Mensch kommt zu kurz – wie die Corona-Isolation die Kultur unseres Zusammenlebens schädigt». Gleich zwei Geistesriesen braucht es, um altbekannten Flachsinn zu verzapfen: «Der persönliche Kontakt kommt zu kurz», «das Unmittelbare geht verloren». Vor allem in der Kultur, aber natürlich auch in der Politik hinter Plastikscheiben. Gibt es wenigstens Rettung, Lösungen? Aber sicher, die Pandemie nicht einfach aussitzen, «sondern aktiv gestalten», fordert die Kunsthaus-Direktorin Ines Goldbach. Nur sagt sie nicht, wie das gegen im Artikel konstatierte Depressionen, Einsamkeit, Existenzangst oder gar die Zunahme häuslicher Gewalt helfen soll.

Kleiner Tipp: manchmal ist aussitzen viel besser als schreiben. Aber, das rettet Ruf und Ehre, «Wer sagt, Schuldenmachen sei heute gratis, gibt zu viel Geld am falschen Ort aus. Die Staaten steuern dadurch immer tiefer ins Schlamassel.» Die NZZ gibt Reiner Eichenberger und David Stadelmann Gelegenheit für einen intelligenten Gastkommentar.

CH Media und «Republik»: Alarmsirene und Sendepause

Welchen Beitrag leistet schliesslich CH Media zur allgemeinen Verunsicherung? «Ansteckungen in der Schule: Zahl der Infektionen hat sich im Januar im Aargau mehr als verdoppelt». Berichtet der Konzern aus dem Stammland seiner Zentralredaktion. Allerdings: Es handelt sich seit Anfang Januar um eine Steigerung von 149 auf 324 – in fünf Wochen. Zudem sagt bekanntlich ein positiver Test nichts über eine mögliche Erkrankung aus.

Wollen wir es zum Schluss wagen, was sagt uns die «Republik» heute zu Corona? Heiliger Strohsack: nichts. Null. Keinen einzigen Buchstaben gönnt sie uns zu diesem brennenden Thema. Wie sollen wir so orientierungslos ins Wochenende stolpern?