Intensiv-Rechnen: Intensiv-Kollaps?

Belastungsgrenze, kritische Situation in den Spitälern. Stimmt das?

Ist es mal wieder so weit, wie es noch nie war? Sind die Intensivstationen an der Belastungsgrenze, werden sie von Covid-19-Patienten ausgelastet? So geht die Mär.

So sehen die Zahlen aus:

Ist diese Tabelle von irregeleiteten Coronaleugnern erstellt worden? Nein, das sind die offiziellen Zahlen des BAG, aktuell vom 17. November 2021.

Dieser erfreuliche Zustand herrscht, obwohl es aktuell rund 250 Intensivbetten WENIGER gibt als vor einem Jahr – Abbau aus Kosten- und Personalgründen.

Bei den 879 vom Koordinierten Sanitätsdienst (KSD) erhobenen Plätzen handelt es sich ausschliesslich um zertifizierte Betten. Als an Ostern 2020 gekreischt wurde, dass die Maximalkapazität fast erreicht sei, wurde unterschlagen, dass dazu beinahe noch einmal so viele Intensivbetten bereitgestellt wurden – einfach ohne Zertifizierung, aber ansonsten gleichwertig.

Womit die Belegungsquote von 98 auf knapp über 60 Prozent sank.

Die Auswirkungen des Virus auf die Hirntätigkeit müsste dringend genauer untersucht werden.

Man rechne

Kosten – Nutzen. Klassischer Faktencheck.

Die Durchführung von 5 Konzerten während der Impfwoche hat rund 2,5 Millionen Franken gekostet. Also 500’000 pro Auftritt einer Ansammlung von zweitklassigen Musikern. Wegen der «Sabotage» waren an einem Konzert wohlwollend gerechnet rund 100 Zuhörer.

Das bedeutet, dass jeder Einzelne mit 5000 Steuerfranken subventioniert wurde. Das schafft nicht einmal das Opernhaus Zürich.

Wenn man grosszügig die Hälfte der Kosten für die Organisation und das Drumrum abzieht, bekam jeder der fünf auftretenden Musiker eine angeblich marktübliche Gage von 250’000 Franken.

Selbst wenn 2 Millionen für dies und das ausgegeben wurden, bleiben immer noch 100’000 Franken pro Nase. So viel Geld auf einem Haufen dürften weder Dabu noch Danitza noch Kunz jemals zuvor gesehen haben.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 100 Millionen Franken. Laut offiziellen Angaben wurden in dieser Woche zusätzlich 15’000 Impfungen vorgenommen, im Vergleich zum Schnitt. Das bedeutet, dass jeder Extra-Piks 6666.65 Franken Aufwand verursachte.

Frau Berger mag nicht mehr lachen

Sensibilisieren statt scherzen.

Von Adrian Venetz

«Ich werde auf Brüste und Füdli reduziert», klagt die alternde Ex-Miss-Schweiz Stephanie Berger. Ein «Objekt der Begierde» sei sie. Der «Blick» nimmt das Gejammer dankbar auf und macht eine nette Boulevard-Story draus. Berichtet darüber, dass Stephanie Berger immer wieder Opfer von Sexismus wird und sich «plumpe Sprüche» anhören muss. Nun will Frau Berger das tun, was in solch finsteren Zeiten immer hilft: Sie will «sensibilisieren». Bevor Frau Berger auf den Sensibilisierungspfad mit Hashtags gelangte, war sie ja extrem erfolgreich als Komikerin unterwegs.

Oder wehrt sie sich gegen ihre eigenen Sprüche?

Ein wahres Juwel der gehobenen Unterhaltung geschliffen hat sie etwa bei jenem Auftritt vor schenkelklopfendem Publikum, als sie minutenlang über ihre Brüste und ihr Füdli referierte und über ihren G-Punkt. Sie erzählte von ihrem Besuch bei einem Arzt, wo am Empfang eine «Botox-Tussi mit aufgespritzten Lippen» sass, eine «Gummi-Puppe». Frau Berger erzählte, wie ihre Libido Purzelbäume schlug, als der Arzt mit wehendem Kittel hereinkam. Stets im Mittelpunkt: ihre Brüste und ihr Füdli.

Mehr Coaches, mehr Sensibilisierung

Aber dafür im «Blick» …

Heute macht Frau Berger keine Comedy mehr. Heute sensibilisiert sie. Und sie arbeitet als Coach. Bekanntermassen herrscht in der Schweizer Coach-Szene kein riesiger Fachkräftemangel. Aber auf einen Coach mehr oder weniger kommt’s auch nicht mehr drauf an. Nehmen wir uns doch kurz Zeit für eine Schweigeminute und leiden mit Frau Berger. Hoffen wir, dass nie wieder jemand auf die Idee kommt, an Frau Bergers Brüste zu denken. Hoffen wir, dass die Ärmste nie wieder Opfer wird von plumpen Sprüchen.

Lasset uns sensibilisieren!

Quietschender Reifen

Kommentiert den Kommentator!

Jean-Martin Büttner kommentiert Christoph Mörgeli, weil der den Schweiz-Korrespondeten der FAZ kommentiert.

Das können wir nicht unkommentiert lassen. Wir bewundern Büttners Kurventechnik. Wäre er in der Formel 1 unterwegs, läge ein Podestplatz drin.

Zunächst kriegt Mörgeli, der «zum Journalisten umgebaute Politiker», eins in die Fresse. Empfindlich bei Kritik an ihm, aber gross im parteiischen Austeilen. Quietsch, Kurve, kann aber was, «hat mit seiner Kritik in vielem recht».

Quietsch, ist aber eine Mimose, wenn er selber angerempelt wird. Gerade kein Beispiel zur Hand, also quietsch, Niklaus Meienberg war auch so. Quietsch, Roger Schawinski war und ist so. Quietsch, gelte auch für «Woke-Sensible».

Damit hat Büttner auf wenigen Zeilen einen Satz Reifen verschlissen, und was er eigentlich sagen will, verschwindet im Qualm von rauchendem Gummi.

 

 

Kurz & knapp: die «Republik»

Lassen wir doch Zahlen statt Buchstaben sprechen.

Höhepunkte aus einer Woche «Republik»:

  • «Das wichtigste in Kürze aus dem Bundeshaus». 15’737 Anschläge
  • «Was diese Woche wichtig war». 18’225 A
  • «Bührle Connection, Teil 3» 53’749 A (kein Tippfehler)
  • «Powerpoints gegen den Terror». 29’228 A

Der letzte Text ist rezykliert aus «New Lines», wo er am 10. September 2021 erschien.

Damit gratulieren wir der angeblich «kompetentesten Medienmarke».

 

Mit Fakten verwirren statt Fakten checken

Faktenchecker nehmen für sich in Anspruch, Täuschungen aufzudecken.

Von Stefan Millius*

Was sie aber in Wirklichkeit oft tun: Dinge «widerlegen», die gar nicht behauptet wurden, um eine Quelle zu diskreditieren.

Es klingt überaus praktisch. Man liest in einer Zeitung oder in den sozialen Medien etwas, findet es ziemlich bemerkenswert, weiss aber nicht so recht, ob es denn stimmen kann. Aber hurra, dafür gibt es ja die Faktenchecker. Das ist weder ein staatlich geprüfter Beruf noch ein sonst überprüfbarer Ausweis für irgendetwas. Faktenchecker ist man, sobald man sich als solcher bezeichnet. Und natürlich ist man selbst immer der Beste seines Standes.

Wie aber checkt ein Faktenchecker die Fakten? Weiss er alles? Einfach so. Nein, natürlich nicht. Er vergleicht das, was zu überprüfen ist – beispielsweise eine Studie –, mit den Quellen seines eigenen Vertrauens. Stimmen die beiden nicht überein, dann ist die Studie eine pure Lüge, fertig.

Das wäre fragwürdig genug. Denn wer checkt die Fakten der Quelle, die für den Faktenchecker das Nonplusultra ist?

Wenn die Fakten stimmen, aber nicht genehm sind, was dann?

Aber es kommt noch besser: Wenn der Faktencheck ergibt, dass alles stimmt, es aber nicht stimmen darf, weil es nicht ins Konzept passt, dann muss ein anderes Instrumentarium her. Das zeigt ein aktuelles Beispiel, von dem unter anderem «Die Ostschweiz» betroffen war.

Es geht um eine Studie aus Harvard, die wir hier vorgestellt haben. Thematisiert wurde sie nicht nur hier, sondern auch auf anderen Portalen wie «Inside Paradeplatz» Zackbum.ch und dem «Nebelspalter», letzteres durch den hier Schreibenden. Die Arbeit eines Professors und seines Teams war ziemlich aufsehenerregend. Sie zeigte auf der Grundlage von Untersuchungen in 68 Ländern, dass zwischen der Höhe der Impfquote und der Zahl der Ansteckungen an Corona kein Zusammenhang besteht.

Das wollten die meisten Zeitungen ausser den erwähnten nicht herausposaunen, weil es nicht zur Impfoffensive passt. Aber siehe da, nachdem die Studie doch eine gewisse Öffentlichkeit erreicht hatte, befand der «Tages-Anzeiger», er müsse sie nun doch thematisieren. Aber nicht etwa aufgrund ihrer Kernaussage, sondern um die genannten Zeitungen zu belehren, sie lägen völlig falsch. Auch eine Faktenchecker-Seite nahm Berichterstattungen rund um die Studie aufs Korn und kam zum selben Schluss:

Alles Käse, die Arbeit aus Harvard wird missbraucht für Falschaussagen.

Nur dass das nicht stimmt. Die Studie ist eindeutig. Das einleitende «Summary», also eine Kurzzusammenfassung der wesentlichsten Erkenntnisse, ist an Eindeutigkeit nicht zu überbieten: Möglichst viele Impfungen bringen nichts in Bezug auf Reduktion der Ansteckungen. Und das ist zugleich auch die Schlüsselaussage der ganzen Arbeit, ansonsten hätte sie es kaum in den Titel der Studie geschafft, der da heisst:

«Increases in COVID-19 are unrelated to levels of vaccination across 68 countries and 2947 counties in the United States»

Basta und aus.

Der «Tages-Anzeiger» hätte nun gerne in der Tradition wahrer Faktenchecker das, was in «Die Ostschweiz» und anderen Zeitungen stand, widerlegt, nur war das leider nicht möglich. Die Autoren der Studie sind unangreifbar und können nicht mal schnell zu «umstritten» degradiert werden, wie das aktuell Mode ist, und an den Erkenntnissen kann man ebenfalls nicht rütteln.

Die einfachste Methode der Faktenchecker, ohne gross hinzuschauen einfach den Absender zu diskreditieren – das ging hier nicht.

Dem Fakteningeniör ist nichts zu schwör

Also wählte man einen anderen Weg. Der Mann beim «Tages-Anzeiger» las die Studie (löblich, das haben wir auch gemacht), griff einen anderen Satz heraus und machte ihn zum Kronzeugen des Faktenchecks. Der Harvard-Professor habe keineswegs etwas gegen Impfungen gesagt, hiess es sinngemäss, das sei eine unzulässige Verdrehung, denn, Zitat:

«Die mangelnde Korrelation zwischen Impfung und Fallzahlen zeigt für ihn einfach, dass es neben der Impfung noch andere Massnahmen braucht.»

Der Satz ist völlig korrekt. Er ist aber auch völlig irrelevant. Denn keine der wenigen Zeitungen, die die Studie thematisierten, hat das Gegenteil davon behauptet. Niemand hat geschrieben, der Professor lege sich gegen Impfungen ins Zeug und empfehle, sie einzustellen. Niemand hat behauptet, dass die «mangelnde Korrelation» die einzige Aussage in der Studie war.  Die Studie ist relativ umfangreich und zeigt sehr viele Sachverhalte auf. Keiner davon ändert aber etwas an der Kernaussage: Die Ausbreitung von Covid-19 steht nicht in Zusammenhang mit der Impfquote.

Ob die Harvard-Leute finden, man müsse neben der Impfung noch anderes tun, ist unerheblich. Der «Tages-Anzeiger» selbst schreibt ja von der «mangelnden Korrelation zwischen Impfung und Fallzahlen», bestätigt also das, was wir und andere geschrieben haben. Aber weil diese Botschaft unerwünscht ist, versucht man, sie zu schwächen, indem man auf weitere Erkenntnisse der Studie hinweist und so tut, als würden die etwas am Kern der Sache ändern.

Etwas lückenlos Belegtes soll in Zweifel gezogen werden, indem man von etwas ganz anderem spricht, das ebenfalls belegt ist. Es ist ein bisschen so, wie wenn man sagen würde, die Gleichung «1 + 1 = 2» sei falsch, weil ja bekanntlich zugleich die Schwerkraft existiert.

Das klingt verrückt. Aber es nennt sich Faktencheck.

*Stefan Millius ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz», wo dieser Artikel zuerst erschien. René Zeyer schreibt regelmässig auf dieser Plattform.

«Hauptstadt»-Vorbilder: alle mit hohler Hand

Nach dem Arbeitstitel «Neuer Berner Journalismus» ist nun bekannt, dass die geplante Berner Lokal-Onlinezeitung «Hauptstadt» heissen wird.

Von Stefan Millius

Nein, Bern ist nicht die Hauptstadt der Schweiz, so etwas haben wir nicht mal, aber weil das kaum jemand weiss, kann man es machen: Eine Zeitung für Bern so nennen. Bald soll es losgehen mit der «Hauptstadt». Aber vor den Erfolg haben die Götter nicht etwa den Schweiss gesetzt, sondern das Crowdfunding. Für das neue Medium beginnt dieses in wenigen Tagen.

Stand der Dinge am Donnerstag.

Das Portal will der «Berner Zeitung» und «Der Bund» zu schaffen machen, beziehungsweise die Meinungsvielfalt bereichern. Der Fokus gehöre dem Grossraum Bern, jedoch «ohne kleinkariert und provinziell zu werden», wie die künftigen Macher auf der vorübergehenden Webseite neuerjournalismus.be schreiben.

Dort erfährt man auch, wie das aussehen soll. Und zwar ziemlich deckungsgleich mit fast jeder Ankündigung eines neuen Mediums der vergangenen Jahre. Konstruktiv, gemeinnützig, divers, kollektiv und so weiter. Damit weiss man zwar noch nicht, was dereinst in der «Hauptstadt» stehen wird, aber man ahnt, dass es politisch sehr korrekt sein dürfte.

Gemein und nützlich?

Ein Teil des Programms soll die Zusammenarbeit mit anderen jungen Onlinemedien sein, in diesem Fall als «Die Alternativen» beschrieben. Das Wort trifft es im doppelten Sinn, wenn man die Karte konsultiert, auf der die «Hauptstädter» die gewünschten Komplizen der Zukunft aufführt. Einige wie «tsüri», «Republik», «Bajour» oder «Journal B» gehören zu den üblichen Verdächtigen.

Aber: «Baba News»? «Kolt»? «Kultz»? «Lucify»? «Rums»?

Neben fehlender Bekanntheit (und vermutlich Reichweite) ist den meisten dieser kreativ benannten Titel vor allem eines gemein: Sie möchten natürlich gerne finanziell unabhängig werden dank Zuwendungen der Leserschaft, eines Tages ganz bestimmt, das kommt schon noch. Aber vorerst benötigen sie mal die Unterstützung von Geldgebern wie Stiftungen und so weiter. Und das bitte möglichst lange.

Leistung soll sich lohnen? Igitt

Einzelne von ihnen versichern sogar vorbeugend, sich niemals restlos dem schieren Kommerz auszuliefern. «Kolt» beispielsweise hat die jährlichen Werbeeinnahmen freiwillig auf 60’000 Franken begrenzt. Wenn die Mitte Jahr erreicht sind, muss der Anzeigenverkäufer also sechs Monate in den Winterschlaf. Inwiefern die künstliche Eingrenzung der Einnahmen dem Ziel der Meinungsvielfalt einträglich ist, fragt sich.

Ziemlich geschickt hat es «Baba News» gemacht mit einer klaren Positionierung, die gewisse Stellen ganz einfach unterstützen müssen, es geht nicht anders. Das «Online-Magazin für Šhvicer*innen mit Wurzeln von überall» erhält Beiträge von der Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Bundes. Was eine originelle Schreibweise alles auslösen kann.

Im besagten Netzwerk aus «Alternativen» hingegen konsequent nicht aufgeführt sind alle Onlinezeitungsprojekte, die weder auf Crowdfunding noch Stiftungen noch private Mäzene setzen, die sich mit geerbtem Geld einen Platz im Himmel kaufen wollen. Also alle Zeitungen, die davon ausgehen, dass man Geld selbst verdienen muss und sonst keine Existenzberechtigung hat. Beispielsweise die Portal24-Gruppe des Verlegers Bruno Hug oder Primenews.ch in Basel. Da führt man für die Nordwestschweiz lieber Hansi Voigts «wepublish.ch» als Partner auf, das keine Zeitung ist, sondern Zeitungsmachern eine digitale Infrastruktur basteln möchte. Auch «Die Ostschweiz» (dessen Mitbegründer der Autor dieses Beitrags ist) hat keine Aufführung verdient.

ZACKBUM.ch? Ach was, hier wird zwar um Spenden gebettelt, aber nicht allzu aufdringlich.

Erstaunlich, dass man sich als neues Medium konsequent nur an den Vorbildern orientiert, die sich nicht am freien Markt ausrichten und permanent der Gnade reicher Leute ausgeliefert sind.

IQ-Test für Medienschaffende!

Endlich mal eine durchschlagende Idee im Kampf gegen die Verelendung.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

In einem ansonsten mässigen Interview der NZZaS mit dem alten Hollywood-Haudegen Paul Schrader («Taxi Driver») und dem deutschen Schauspieler und Jungregisseur Daniel Brühl schnöden beide über egozentrische und nervige Schauspieler mit Allüren.

Plötzlich hat Schrader einen Geistesblitz:

«Warum müssen Schauspieler eigentlich keine IQ-Tests machen?»

Nervös wiegelt die NZZaS ab: «Das vertiefen wir lieber nicht.» Ganz falsch, das muss unbedingt vertieft werden. Nicht unbedingt bei Schauspielern, denn deren mangelhafter IQ wird immerhin noch vom Drehbuchschreiber, vom Regisseur und vom Direktor gebändigt, kontrolliert, so der Zuschauer vor Schmerz und Schaden bewahrt.

Wir fordern: IQ-Tests für Journalisten

Aber wie sieht das beim Journalisten aus? Wenn der Seiten über den Begriff «Schamlippen» füllen will, wenn die Journalistin bekannt gibt, dass sie beim Säugen ihrer Zwillinge in wenigen Monaten 100 Liter Milch produziert habe?

Wenn der Medienschaffende den Bundesrat, den US-Präsidenten, den russischen Präsidenten oder wen auch immer zusammenstaucht, kritisiert? Wenn er am Laufmeter Forderungen aufstellt («es wäre fahrlässig, wenn nicht sofort»), auch vor Schmähungen nicht zurückschreckt (die Bundesräte sind «völlig übergeschnappt»), harmlose Demonstranten unter Totalitarismus-Verdacht und in eine Reihe mit Hitler und Stalin stellt?

Diese Reihe könnte seitenlang fortgesetzt werden. Wenn zudem die Medienschaffenden und ihre Besitzer, Pardon, Brötchengeber, wider Vernunft und Verstand Sparmassnahmen, Entlassungen, Schrumpfungen, inhaltlichen Kahlschlag, die Übernahme von Agentur- und Fremdmeldungen unablässig als qualitative Verbesserung, Konzentration auf das Wesentliche, Erfüllung des Leistungsauftrags als Vierte Gewalt schönschwatzen?

Wenn sich Schreibfehler, Anschlussfehler, ganze Orgien der Sprachvergewaltigung mit Sternchen, Doppelpunkten, Binnen-I und anderem Unsinn häufen? Wenn als grossartige Eigenleistung copy/paste oder das Ausschlachten von gestohlenen Geschäftsunterlagen verkauft wird?

Wenn also nach Kräften die Intelligenz der schrumpfenden Leserschar beleidigt wird, wenn es zwar zunehmend eine Gesinnungskontrolle gibt (Trump pfui, Maurer pfui, Berset wunderbar, impfen Bürgerpflicht, Kritik an staatlichen Massnahmen fahrlässig und unverantwortlich), sollte es nicht wenigstens auch eine Minimalanforderung an den IQ der Schreibkräfte geben?

Test und Erklärungen wären freiwillig

Freiwillig, natürlich. Beispielsweise «watson» könnte sich zur IQ-freien Zone erklären, damit wüsste der Konsument, woran er ist. Die «Republik» auf der anderen Seite könnte sich den Warnhinweis leisten, dass ihre Mitarbeiter über einen dermassen hohen IQ verfügen, dass sie weder geradeaus schreiben noch vor weniger als 20’000 Anschlägen abbremsen können.

Tamedia würde den Warnhinweis veröffentlichen, dass ausser Nabelschau, Kommentar und erfundenem Leiden der IQ von der SDA und der «Süddeutschen Zeitung» ausgeliehen wird. «Blick» würde sich einen eigenen IQ-Massstab zulegen. Die Einheit wäre «ein Cavelty». Der misst die kürzeste Distanz zwischen einem Artikel und einem Fettnapf. Tropfen von den Lesern die Fettperlen in Massen ab, handelt es sich um 100 Cavelty. Verspüren nur einzelne Leser da und dort ein Tröpfchen, misst man 1 Cavelty.

Diese Einheit ist nicht zu verwechseln mit dem Dorer. 1 Dorer misst das Ausmass an Beliebigkeit. 100 Dorer erfüllt normalerweise nur ein Leitartikel aus der Feder des Oberchefredaktors.

Denn, Hand aufs Herz,

es ist natürlich sowohl bei Schauspielern wie bei Journalisten gar nicht so einfach, den IQ zu messen.

Böse Zungen mögen nun schnöden, dass das daran läge, dass er nur in Spurenelementen vorhanden sei. Das stimmt natürlich nicht, denn immerhin sind Redaktoren in der Lage, selbständig den Weg zu ihrer Verrichtungsbox zu finden und dort möglichst kostengünstig einen Output zu produzieren, der leider tatsächlich nur noch sehr wenig mit Journalismus zu tun hat.

Steckt im Wort Redaktor als Kern Tor?

Deshalb heisst er übrigens auch Redaktor und nicht Redakteur. Nein, nicht weil darin das Wort «Tor» steckt. Also schon auch, aber das würde hier zu weit führen. Ein Redaktor ist nämlich eine Person, die einen Text bearbeitet hat, dabei oft auch namentlich nicht in Erscheinung tritt. Darin steckt also immerhin mehr als ein Körnchen Wahrheit.

Zugegeben, damit haben wir uns intelligent vor der Frage gedrückt, wie man den IQ eines durchschnittlichen Redaktors (natürlich auch einer Redaktorin, auch einer Redaktor:in, Redaktor*In* und allen Genderformen, divers und trans inkludiert) messen könnte.

Ein Ansatz: Wer beispielsweise solche Sprachvergewaltigungsformen verwendet, ist unterdurchschnittlich ausgestattet und hat schon mal einen IQ von unter 100. Setzen wir ihn, in leichteren Fällen, bei 90 an. Das Schreiben von Kommentaren, Abqualifizierungen, das Aufstellen von Forderungen, das besserwisserische Kritisieren, das Befürworten der Steuermilliarde für notleidende Medienclans, das Verächtlichmachen eines Andersdenkenden, das alles gibt jeweils weitere 10 Punkte Abzug. Damit wären wir schon bei schmalen 30 IQ-Punkten angelangt.

Normalverteilung, Standardabweichung, Skalierung, Perzentile, was misst ein IQ-Test eigentlich wie, ist er unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Sozialisation, Umfeld, Lebenszusammenhang aussagekräftig? Sagen wir so:

Schwachsinn, als man solche nicht-korrekten Begriffe noch verwenden durfte, begann ab IQ unter 70.

So gesehen ist es leider so, dass kaum ein Journalist diese Hürde überspringt. Deshalb ist es vielleicht doch besser, die Forderung von Schrader auf Schauspieler zu beschränken. Und das Thema nicht weiter zu vertiefen.

PS: Das korrekte Schreiben von Namen zählt nicht als IQ-Test!

Wenn ein Fussballtrainer zum Virologen wird

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, weiss, wie der Ball rollt. Da ist er Experte. Bis vor Kurzem hielt er sich bewusst aus allem andern raus. Jetzt nicht mehr – und nun stürzen sich alle auf ihn als «Fachmann».

Von Stefan Millius

Jürgen Klopp ist Kult. Nicht nur, weil er es nachweislich versteht, eine Fussballmannschaft auf Erfolg zu trimmen. Die Medien und das Publikum lieben ihn vor allem, weil er so herzlich unkonventionell ist. Seine Medienkonferenzen sind immer ein Ereignis, er liefert stets druckreife Schlagzeilen. Was danach passiert, scheint ihn nicht zu kümmern, um seine Aussenwirkung macht er sich keine Sorgen. Er ist, wie er ist, er ist authentisch, und das macht ihn zur Marke.

Früher hat er geschwiegen

Logisch, dass so jemand früher oder später auch gefragt wird, was er zu Corona zu sagen hat – in der Hoffnung auf markige Aussagen. Das mochte der Erfolgstrainer aber nicht tun. Sinngemäss gab er im März dieses Jahres zu Protokoll, wie peinlich er es findet, dass jeder, der in ganz anderem Zusammenhang prominent ist, nun auch noch seine Meinung zu einer wissenschaftlichen Frage abgibt.

Das war einmal. Inzwischen ist Klopp übergetreten. In die Liga der Leute, die sich bedenkenlos äussern zu Fragen, von denen sie keinen blassen Schimmer haben. Er tat das wie immer in einem ganz simplen Bild, einfach eben so, dass es auch die Leute verstehen, mit denen er es den ganzen Tag zu tun hat: Fussballern.

Klopps Aussage in Kürze: Ungeimpfte seien wie alkoholisierte Autofahrer, befand er. Sie gefährden andere Verkehrsteilnehmer, nur weil sie finden, sie könnten tun, was sie wollten. Wer sich impfen lässt, ist also ein nüchterner Lenker.

«Genialer Appell»

Die Analogie ist denkbar schief, wenn man bedenkt, dass auch geimpfte Leute das Virus einfangen, daran erkranken und es weitergeben können. Es ist auch kaum statthaft, den Verzicht auf eine freiwillige Impfung zu vergleichen mit einer Sauftour vor der Autofahrt.

Aber Klopp ist nicht irgendwer. Wenn er das verkündet, hat es Potenzial zur Weiterverbreitung. Der «Blick» kürte seine Aussage umgehend zum «genialen Appell an alle Impfspektiker». Wenige Tage danach zitierten sogar Experten des Bundesamts für Gesundheit den Liverpool-Trainer bei ihrer neuesten Informationsrunde.

Aber zur Erinnerung. Derselbe Jürgen Klopp befand noch vor einem halben Jahr auf eine entsprechende Journalistenfrage, er sei kaum die Instanz, die sich zu diesem Thema äussern könnte. Mehr noch, es nervte ihn, dass es jemand überhaupt versuchte. Er wollte partout nichts sagen dazu.

Klopp vorher – und nachher.

Was gab den Ausschlag für die Meinungsänderung? Warum befand Klopp aus dem Nichts heraus, er müsse nun doch noch seine Einschätzung zur Coronalage zum Besten geben? In den sozialen Medien gibt es viele Beobachter, die davon ausgehen, Klopp leiste damit gewissermassen Vorarbeit. Er wolle dereinst Trainer der deutschen Fussballnationalmannschaft werden, und da schade es nichts, wenn man sich gut stellt mit dem Establishment. Und das ruft aktuell nach impffreundlichen Voten.

Was Klopp tut, ist das eine. Er ist ja ohnehin eine Wunderkiste. Die andere Frage ist: Warum wird seine Aussage zu einer Frage, bei der weder ein Ball noch verschwitzte, hochgradig tätowierte und abenteuerlich frisierte junge Männer eine Rolle spielen, derart hoch gewertet? Weshalb macht man ihn kurzerhand zum «Genie» in einer virologischen Frage? Warum sind massnahmenkritische Wissenschaftler mit internationalem Leistungsausweis nicht der Rede wert, aber ein Fussballtrainer, der einen untauglichen Vergleich macht, wird zum Genie hochgejubelt?

Vermutlich einfach, weil es zum Konzept passt.

«Fairmedia» wird unfair

Der Verein «Fairmedia» vergreift sich bei der Wahl der Unterstützungsbedürftigen.

Von Adrian Venetz

Wer schon einmal vor Gericht stand oder stehen musste, dürfte vor allem dies in Erinnerung behalten haben: Es ist kompliziert, es ist zeitaufwendig. Und es kann verdammt teuer werden. Mir blieben solche Erfahrungen bislang gottlob erspart. Als Journalist hatte ich den vergangenen 20 Jahren aber dutzendfach mit Menschen zu tun, die – oft gänzlich unschuldig – in die Mühlen der Justiz geraten waren.

Und die daran fast zerbrachen: weil sie den Juristenjargon in den Urteilen nicht verstanden und sich dumm fühlten; weil sie den Ausführungen ihres Anwalts nicht folgen konnten; weil sie nicht verstanden, warum alles so lange dauert und so viel kostet. Und vor allem: Weil sie in ständiger Sorge lebten, dass der finanzielle Aufwand ihnen das Genick bricht.

Dank verschiedenen Institutionen, Stiftungen und Vereinen gibt es niederschwellige Angebote, beispielsweise in Form von unentgeltlicher Rechtsberatung. Auch der Basler Verein «Fairmedia» gehört dazu. Bekannte Gesichter und Namen wie Catherine Thommen und Peter Bertschi finden sich im Vorstand. Mit Spenden und Mitgliedschaften kann der Verein unterstützt werden. Laut eigenen Angaben bildet der Verein mit Geschäftsstelle eine «kostenlose Anlaufstelle für Betroffene von Medienberichten». Das ist rühmlich. Sehr sogar. Zu viele Menschen sind schlicht überfordert, wenn sie es mit Boulevardmedien und der Justiz zu tun kriegen.

Nun ruft der Verein zu einer grossen Sammelaktion auf. Auf der Website von «Fairmedia» wurde sogar extra eine Menüpunkt dafür geschaffen. Noch nie hat der Verein derart offensiv um Unterstützung geworben. Und wem kommt das Geld zugute? Einfachen Menschen, die sich finanziell kaum über Wasser halten können und sich plötzlich mit Medienrecht befassen müssen? Menschen, die niemand kennt und die sich nichts sehnlicher wünschen als eine helfende Hand in einem Rechtsstreit? Nein.

Dieses plötzliche Aufbäumen des Vereins, diese grosse Sammelaktion kommt nicht ihnen zugute, sondern dient als Finanzierung für den Rechtsstreit von Jolanda Spiess-Hegglin. Der neu geschaffene Menüpunkt heisst «Team Jolanda». Das ist weniger löblich. Das ist vielmehr ein Hohn für all jene, die wirklich juristische Hilfe brauchen und sich kaum ein 10-minütiges Gespräch mit einem Provinzanwalt leisten können. Menschen, die niemals einen eigenen Menüpunkt auf einer Website erhalten werden, weil kein Schwein sie kennt und kein Schwein sich für sie interessiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Berufung ans Bundesgericht völlig aussichtslos und reine Geldverschwendung ist.

Und genau das, liebe Freunde von Fairmedia, ist nicht löblich, sondern ekelhaft.