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Viel Money, wenig Brain

30. September 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer ist an der gewaltigen Klatsche gegen die UBS im Ständerat schuld?

An zu wenig Geld oder zu wenig Einfluss kann’s nicht gelegen haben.

«Gebt mir eine Million, und ich mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat», soll Rudolf Farner, der Gründer der gleichnamigen PR-Agentur, gesagt haben.

Die UBS gibt weltweit eine halbe Milliarde Dollar für Marketing und Kommunikation aus.

Da sollte man meinen, dass es der Monsterbank ein Leichtes wäre, die Schweizer Parlamentarier dazu zu bringen, das bonusschädigende Ansinnen, ihre ausländischen Töchter anständig mit Eigenkapital zu unterlegen, abzuschmettern.

CEO Sergio Ermotti warf sich höchstselbst in einem Interview mit der liebedienerischen NZZ in die Schlacht. Geniale Formulierung:

«Mit einem blauen Auge können wir leben, aber zwei blaue Augen und eine gebrochene Nase sind zu viel.»

Mit dem blauen Auge meinte er, dass die Auslandtöchter der UBS zu 50 Prozent mit AT1-Wandelobligationen unterlegt werden könnten.

Auch bekannt als Todesspiralenanlagen. Auch bekannt aus dem Untergang der Credit Suisse. Die bekam die UBS bekanntlich zum Schnäppchenpreis, machte einen Sondergewinn von 35 Milliarden und hatte noch die Frechheit, vom überforderten Bundesrat das Abschreiben per Notrecht von AT1-Bonds im Nominalwert von 16 Milliarden Dollar auf null zu fordern. Sonst kein Deal.

Aber Banker können den Kanal nie voll genug kriegen.

Um die Sache ganz sicher zu schaukeln, lobbyierte die UBS auf allen Kanälen.

Die Strategie war ganz klar: Statt um Prozentzahlen zu feilschen, wurde mit einem Abgang der letzten internationalen Grossbank gedroht. Also weg vom Risiko des Steuerzahlers, der die Bank schon einmal retten und wegen deren Bonusgier das Bankgeheimnis geschleift werden musste. Und hin zur Behauptung, dass die Schweiz durch zu viel Regulierung die Bank verlieren könnte.

Es gehe «um die Schweiz», behauptete Ermotti in seinem missglückten Interview grossmäulig. Natürlich auch um den Finanzplatz, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Kreditversorgung, internationale Wettbewerbsfähigkeit. Und Blabla.

Als Sahnehäubchen das missmutige Gemaule, dass man unter Umständen und wider besseres Wissen allenfalls mit einem Kompromiss leben könne. Auch wenn halbe-halbe, bloss 50 Prozent EK, dazu 50 Prozent AT1Todesspiralen, immer noch viel zu viel sei.

Das sollte nicht in erster Linie die UBS selbst sagen, sondern angefütterte Medien, willfährige Wirtschaftsvertreter und ängstliche Politiker.

Also weg von «die UBS braucht dringend mehr Eigenkapital» hin zu «will die Schweiz ihre letzte Grossbank vertreiben?»

So die vermeintlich geniale Idee. Vor allem bei Ringier fand die Monsterbank damit offene Spalten. Auch nach der Kanterniederlage im Ständerat macht der «Blick» weiterhin auf Angstszenarien. Wegzug aus der Schweiz, «Schnappen sich die Amerikaner die UBS?», «Was würde eine Fusion der UBS für die Schweiz bedeuten?»

Dass zwei Mitglieder des VR von Ringier ehemalige UBS-Grössen sind, das hat damit sicherlich nichts zu tun.

Zudem wäre die Führungsriege der UBS mit dem Klammerbeutel gepudert, sich in den Machtbereich des Amok-Präsidenten Donald Trump zu begeben.

Nicht etwa hauchdünn, sondern mit 33 zu 10 Stimmen entschied sich der Ständerat dafür, dass 90 Prozent hartes Eigenkapital her müsse.

Tschakata.

Peinlicher ist selten bis nie eine Ansammlung von Spin Doctors und grossartigen Strategen untergegangen.

Dabei hatten sie bedeutende Redaktionen wie die der NZZ im Sack, bequatschten unbedarfte Politiker wie die GLP-Ständerätin Tiana Moser dazu, Sprechblasen wie «Verschärfung mit Augenmass» von sich zu geben – und konnten bis vor der Abstimmung vor Siegesgewissheit kaum geradeaus laufen.

Und jetzt der Katzenjammer und die verzweifelte Hoffnung, das im Nationalrat noch drehen zu können. Der wird in der Wintersession abstimmen.

Neuster Versuch: Der Kompromiss zum Kompromiss, angeführt durch den LGT-Banker Hans-Peter Portmann.

Da erhebt sich die Frage: wer war das? Wer hat die wohl dümmste PR-Kampagne der letzten Jahre zu verantworten? Am 25. September 2025 titelte «Inside Paradeplatz» unwidersprochen: «Teuerste PR-Agentur zieht Fäden in UBS-Schmierenkomödie». Damals reagierten weder die Dynamics Group noch die UBS auf seine Anfragen.

Das ist inzwischen anders.

«Ich möchte Sie aber bitten, zur Kenntnis zu nehmen, dass Dynamics Group kein solches Mandat hat oder hatte», antwortet Michael Willi, Senior Partner. Dass er zuvor Chief Communication Officer der UBS war, na und.
Die UBS selbst knirscht nach längerem Nachdenken über die Frage, ob sie die Dynamics Group auf der Payroll habe: «Wir kommentieren dies nicht.» Ein Dementi sieht anders aus, vor allem, wenn die Null-Antwort mit der Frage ergänzt wird: «Wissen Sie bereits, wann und wo Ihr Beitrag publiziert wird?»

Die Angstmacher-Idee war von Anfang an Schrott, als Dynamics sie via den UBS-Aktionär Cevian in die Medien einspeiste. Als deren offizieller Medienansprechpartner.

Nach all den Finanzkrisen und der weiterhin ungehemmten Bonusgier der Banker reicht es halt nicht, sich ein Bettlaken überzuziehen und «buhu» zu sagen. Obwohl bei einer Krise tatsächlich nicht in erster Linie mangelndes Eigenkapital, sondern versiegende Liquidität der Brandbeschleuniger ist.

Das Problem ist hier mal wieder: die einzige Goldmine in der Kommunikation ist die geniale Idee und ihre strategisch richtige Umsetzung.

Wenn die fehlt, dann ist die Sache klar: viel Money, wenig Brain, dann lass es sein.

Denn so wird das nix.

Schlagworte: Angstmacherei, AT1-Bonds, Blick, Credit Suisse, Dementi, Donald Trump, Dynamics Group, Fusion, Hans-Peter Portmann, Kartoffelsack, Lobbying, NZZ, Ringier-VR, Rudolf Farner, Schnäppchenpreis, Sergio Ermotti, Tiana Moser, Todesspiralenanlagen, UBS, Wegzug
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-28-um-15.30.01.png 380 1061 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-30 05:00:192026-09-29 12:11:50Viel Money, wenig Brain
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6 Kommentare
  1. Peter Kerber
    Peter Kerber sagte:
    1. Oktober 2026 um 7:03

    @Peter Pancake: Ich muss zugeben, ich hätte als PR Berater auch keine andere Idee als die «Wegzugs-Drohung» gehabt. Immerhin hätte ich (hoffentlich) dem Klienten UBS gesagt, dass sie schlecht ist.

    Antworten
  2. Manfred
    Manfred sagte:
    30. September 2026 um 14:29

    Ein einziges Trauerspiel. Too big to fail? – also fachgerecht zerlegen! Das bekommen nicht nur die Schweizer Wettbewerbshüter nicht mehr hin. Ob diese Regelung Bestand haben wird? Ich glaube nicht daran. Too big to regulate. Schliesslich war in diesen Spalten bereits von der Fachkompetenz der zuständigen Bundesrätin zu lesen. Dass die CS schliesslich nicht am fehlenden EK, sondern am schlechten Risikomanagement und letztlich fehlender Liquidität gescheitert ist, ist für den Gesetzgeber kein Grund, vom Mantra des zu geringen Eigenkapitals abzurücken. Besser eine schlechte Regelung, als den politischen Offenbarungseid und zugeben, dass uns die UBS längst über den Trachtenhut gewachsen ist. Ein Trauerspiel. Fortsetzung folgt.

    Antworten
  3. Guido Kirschke
    Guido Kirschke sagte:
    30. September 2026 um 12:48

    Und wenn die UB$ auch gehen würde: Farewell.

    Antworten
  4. A. Zurbuch
    A. Zurbuch sagte:
    30. September 2026 um 7:37

    Was ich nicht verstehe: Warum reguliert man die Bankenlandschaft nicht so, dass Bankenrettungen und damit auch ein UBS Rettung durch den Staat faktisch ausgeschlossen werden können?

    Antworten
  5. Rapahel Stein
    Rapahel Stein sagte:
    30. September 2026 um 7:34

    Wenn man mal eine Bank bräuchte, so wie damals bei der Swissair, ist die UBS natürlich gerade besonders schlecht erreichbar.

    Selbe Bank, selbes System – nur die Namen an der Spitze sind andere.

    Antworten
  6. Peter Pancake
    Peter Pancake sagte:
    30. September 2026 um 6:23

    Die Macht des Vox Populi – gemäss YouGov Umfragen vom Juni befürworten 75% der Bevölkerung strengere Eigenkapitalvorschriften für die UBS. Und 33 von 43 Stimmen sind rund 76% und drücken diesen Volkswillen aus. Auch von allfälligen Abwanderungsgelüsten lassen sich 72% der Befragten nicht beirren.
    Die zwei Events 2008 und 2023 als alles schon zweimal ziemlich ungewiss ausgesehen hat, haben tiefe Spuren hinterlassen und bei einem dritten mal könnte es dann nicht mehr so glimpflich für die Schweiz ausgehen.
    Bekanntlich sind 2027 auch noch Wahlen und da wollte eine Mehrheit der Ständeräte nicht als potentielle Totengräber der Schweiz ins Rennen gehen, zumal ein möglicher Crash mit Dominoverwerfungen regelmässig in den Medien als möglich angekündigt wird. Nur weiss niemand wann das sein könnte.
    Von dem her war eine Angstkampagne auch der einzige Strohhalm an den sich die PR Menschen noch klammern konnten. Eine Verheissung auf eine prosperierende helvetische Zukunft dank einer geringkapitalisierten UBS wäre noch viel peinlicher rausgekommen.

    Antworten

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