Ach, Münger
Allgemeinbildung war früher. Da hilft nicht mal KI.
Christof Münger, der Auslandchef von Tamedia, warnt. Nicht die Leser vor ihm selbst, sondern die Welt vor der «neuen Atombombe».
Au weia. Aber er ist ob diesem dünnen Gedanken so erschrocken, dass ihm einiges durcheinandergerät. Denn gleich unter dem Titel behauptet er: «Mit Big Data liesse sich die Menschheit auslöschen.» Öhm.
Sicher ist Münger kein Digital Native, aber vielleicht sollte er sich vor einem «Leitartikel» wenigstens soweit aufrüsten, dass ihm der Unterschied zwischen KI und Big Data bekannt wäre. Da lassen wir ihn nachsitzen, denn auch ZACKBUM kann nicht immer alles erklären, vor allem keine banalen Grundlagen der IT.
Nur so viel: Man kann mit Big Data auch ohne KI operieren, man kann KI ohne Big Data einsetzen.
Aber unser Platz ist beschränkt, und gleich der nächste Satz ist auch sehr dunkel: «Die Lehren aus dem Kalten Krieg könnten dies verhindern.» Öhm.
Diese Lehren würden verhindern, dass wir Big Data mit KI verwechseln? Aber das gab es beides im Kalten Krieg noch nicht. Aber gut, wir halten ein, denn wer Müngers verschlungenen Wegen folgt, verliert sich völlig im Unterholz der Tiefebenen.
Nun will er aber Dramatik schüren. Man solle sich vorstellen, dass eine KI (ganz ohne Big Data) die Abschusscodes für Atomwaffen hackt und die abschiesst. Schlag und Gegenschlag, das atomare Ende der Welt. Ui.
Aber Münger hat ein Einsehen und will den Leser nicht weiter schrecken:
«Klar, ein Horrorszenario, das aus einem James-Bond-Film stammen könnte – und dort natürlich in letzter Sekunde gestoppt würde.»
Oh je. Dieses Horrorszenario hat schon 1964 der geniale Regisseur Stanley Kubrick in seiner Satire «Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben» beschrieben. Da dreht zwar keine KI durch, sondern ein impotenter General, aber der Atomkrieg ist nicht zu verhindern, weil die Sowjets eine «Doomsday Machine» haben, die automatisch auf einen nuklearen Angriff reagiert und sich nicht abschalten lässt. Die UdSSR wollte deren Existenz aber erst bei der nächsten Feier der Oktoberrevolution bekanntgeben.

Nein, das ist nicht Münger, sondern Peter Sellers.
Aber gut, wenn Münger schon wenig von IT, noch weniger von der Welt versteht, wieso soll er sich dann bei Filmen auskennen. Da hätte ihm aber die KI helfen können.
Leider tut sie das nicht, denn er holpert munter weiter: «KI ist die Atombombe für alle. Nuklearwaffen unterstehen staatlicher Kontrolle, dagegen hat jeder und jede die künstliche Intelligenz in der Hosentasche.» ZACKBUM hat nachgeschaut: nö, wir haben weder eine Atombombe, noch die KI in der Hosentasche.
Nun, so labert sich das über 6000 A dahin, bis Münger zum KI- und I-freien Schluss kommt: «KI ist eine Technologie, die man nicht den Kräften des Marktes überlassen sollte. Der Staat oder besser mehrere Staaten gemeinsam müssen sie einhegen. Die KI ist zu gefährlich, um sie frei herumlaufen zu lassen.»
Achtung, frei laufende KI in Sicht, her mit den Hagen.
Das wäre eine Möglichkeit. Die andere: Achtung, frei schwurbelnder Münger. Überlasst ihn nicht den Kräften seines Geistes. Damit vertreibt er noch die letzten Leser. Oder treibt sie in den Wahnsinn, wenn sie zu verstehen versuchen, was er sagen will.











Wenn Münger schon meint auch noch seinen Senf dazugeben zu müssen, wieso dann einmal mehr dieser abgelutschte Atombombenvergleich und nicht etwas origineller die KI mit Senfgas, dem Schrecken aus WK I, vergleichen.
Im Ersten Weltkrieg veränderte Giftgas die Kriegsführung fundamental – weg vom direkten Duell, hin zur unkontrollierbaren, chemischen Massenvernichtung. KI-gestützte, autonome Waffensysteme (wie selbstständig agierende Killerdrohnen) führen heute zu einer ähnlich radikalen „Automatisierung des Todes“.
Giftgase wie Senfgas wurden von führenden Wissenschaftlern in Laboren entwickelt. Heute warnen moderne Tech-Pioniere und Forscher davor, dass KI zur schnellen Entwicklung völlig neuer, hochgiftiger chemischer oder biologischer Kampfstoffe missbraucht werden kann. In Experimenten entwarfen spezialisierte KIs innerhalb weniger Stunden zehntausende potenziell tödliche Moleküle.
Einziger Haken beim Vergleich der KI mit Senfgas — KI kann nebenbei auch noch für nützliche Dinge eingesetzt werden, für Senfgas gibt es keinen nützlichen und friedlichen Zweck.
Für Atombomben übrigens auch nicht.
Wieso soll es für Senfgas keinen nützlichen und friedlichen Zweck geben? Was ist, wenn das Monster Frunobulax, eine Art riesiger Pudel, soeben Japan gefressen hat und nun droht, dasselbe mit Europa zu machen? Sie müssen bloss nicht gegen den Wind spritzen.
Okay, nun aber vom Riesenpudel zurück zu Münger und dem Artikel.
Ah, ok, ich dachte, der sei der Riesenpudel…