Die Kloake im Internet
Der anonyme Kommentator ist eine Pest.
Wie jeder, der öffentlich publiziert, fragt sich der ZACKBUM-Autor, welche Psychopathologie erklären könnte, wieso es dermassen viele anonyme Kommentatoren gibt, die das Internet zur Triebabfuhr missbrauchen.
Aber lassen wir die persönliche Betroffenheit beiseite und gehen ins Allgemeine. Zunächst einmal werden unzählige Rülpser schon mal aussortiert. Rekordhalter scheint der «Blick» zu sein, der nach der letzten erhältlichen Angabe über 50 Prozent löscht. Bei den übrigen grossen Plattformen liegt die Ablehungsquote zwischen 25 und 30 Prozent.
Das erste Problem besteht darin, dass der Betreiber der Webseite für den Inhalt haftbar gemacht werden kann. Lässt er einen ehrverletzenden oder sonstwie gegen Gesetze verstossenden Kommentar durch, kann es ohne weiteres Rechtshändel geben, die meistens ins Geld gehen.
Das zweite Problem besteht in der schieren Masse. Es gehen täglich in der Deutschschweiz insgesamt rund 30’000 Leserkommentare ein, also etwa 11 Millionen pro Jahr. Davon werden täglich bis zu 9000 aussortiert, also 2,7 bis 3,3 Millionen jährlich. Die Müllabfuhr wird heute meistens in erster Linie von Algorithmen erledigt, immer weniger Geld wird für eine Kontrolle durch Menschen ausgegeben.
Das sind arme Schweine, die irgendwo auf der Welt sich ein kleines Zubrot verdienen, indem sie durch diesen Morast waten.
Unerklärlich ist, wie jemand auf die Idee kommen kann, zum 217. Kommentar noch den fünften kommentierenen Kommentar schreiben zu müssen. Ebenso verblüffend ist, dass sich Kommentarschreiber oftmals ineinander verbeissen und herumkrakeelen, ohne dass der Inhalt noch das Allergeringste mit dem eigentlichen Artikel zu tun hat.
Eine besondere Spezies sind auch die Kommentatoren, die unter verschiedenen Pseudonymen mit sich selbst Zwiegespräche führen. Allgemein verbreitet ist die Auffassung, dass es ein Menschenrecht sei, sich auf von anderen zur Verfügung gestellten Plattformen versäubern zu können.
Inzwischen sind die meisten Portale dazu übergegangen, Klarnamen und weitere Angaben wie E-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu einzufordern. SRF verlangt zum Beispiel seit 2015 eine gültige E-Mailadresse und eine existierende Telefonnummer, mit der man sich zuerst registrieren muss.
Der Klarnamen wird dann publiziert. Aber auch das kann natürlich mit ein wenig Geschick umgangen werden. Obwohl viele Deppen nicht wissen, dass man sie über ihre IP-Adresse dingfest machen kann. Auch «Blick» fährt eine entsprechende Linie, ebenso die NZZ, Tamedia, «20 Minuten», «watson» oder CH Media, auch wenn hier noch Nicknamen oder Pseudonyme öffentlich werden können, insofern ein Klarname hinterlegt ist.
Bei Tamedia in erster Linie gibt es aber das Problem, dass es viele Beschwerden gibt, die auch ZACKBUM schon gesammelt hat, dass eigentlich publikationswürdig Kommentare zensiert werden, wenn sie nicht der ideologischen Linie entsprechen.
Aber selbst wenn diese Regeln eingehalten werden, ist es eigentlich unverständlich, wie inhaltsleeres Geschimpfe («so ein Quatsch, hat keine Ahnung») oder die Verwendung von reinen Verbalinjurien, die aber noch nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstossen, geschrieben und auch publiziert werden.
Häufig haben Autoren auch irgendwelche Trolls an der Backe, die unermüdlich und repetitiv ihrer Abneigung gegen die Person Ausdruck verleihen, völlig unabhängig vom Inhalt und bar jeglicher Argumente.
Interessant ist ein Vergleich mit dem angelsächsischen Raum. Grosse Medien wie die «Financial Times», die «New York Times», das «Wallstreet Journal», die Londoner «Times» oder der «Guardian» bekommen häufig Hunderte von Kommentaren, die aber fast ausschliesslich gesittet und auf das Thema eingehend geschrieben werden.
Andere haben die Kommentar-Funktion schlichtweg abgeschafft. Dazu gehören seit Dezember 2023 der «Spiegel», Reuters oder Associated Press oder die BBC. Hier finden Debatten wenn überhaupt in eigens dafür geschaffenen Gefässen oder in den Social Media statt.
Eine andere Variante ist, dass nur zu ausgewählten Artikeln Kommentare erlaubt werden. So verzichtet beispielsweise «20 Minuten» auf Kommentare bei Themen, bei denen erfahrungsgemäss die Emotionen hochgehen.
Natürlich ist jeder Autor über ein schnelles Feedback froh.Es gibt sogar Kommentare, die erkenntnisfördernd sind oder, auch wenn das schmerzt, auf Fehler hinweisen.
ZACKBUM, und das ist ein Lob, kann immerhin vermelden, dass nicht zuletzt unterstützt durch gelegentliche Ordnungsrufe nur ganz wenige Kommentare ausgesondert werden müssen. Ein anderes Thema sind allerdings die Spam-Kommentare, da trudeln monatlich mehr als 10’000 ein – und werden automatisch aussortiert.
Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Alleine in der Schweiz werden auf den Social Media (Instagram, Facebook, TikTok, YouTube, LinkedIn und wie sie alle heissen) so etwa zwei bis drei Millionen Kommentare veröffentlicht. Pro Tag. Das sind 50 bis 100 mal mehr Kommentare als auf den Medienwebseiten.
Hier ist der Klarname keineswegs Voraussetzung. Dementsprechend ist auch das Niveau. Wenn man bedenkt, dass es auch hier immerhin ein wenig technologische Voraussetzungen braucht, um Dreinkrähen zu können, es also nicht nur hirnamputierte Analphabeten sind, dann muss man schon am geistigen Zustand der Menschheit zweifeln. Oder verzweifeln.











Auch ein echt erscheinender Klarname gibt noch längst keine Garantie, dass dieser echt ist, zumal viele Namenskombinationen in der Schweiz x100-fach vorkommen und man dann genau so wenig weiss.
Und dann gibt es noch einen Punkt, den Herrn Zeyer nicht berücksichtigt. Es kann zu Gewaltandrohungen bis hin zu Morddrohungen kommen wenn man sich insb. politisch in den Kommentarspalten kritisch äussert z.B. gegen die beiden Polparteien.
Mir sind konkret solche Vorfälle bekannt, z.B. eines wo eine mir persönlich bekannte Dame früher unter ihrem seltenen Echtnamen kritische und pointierte Kommentare insb. gegen die SVP und ihren Uebervater geschrieben hat und dann wüste Telefonanrufe, Hater-Briefe und sogar ein Paket mit Exkrementen bekommen hat und das ist dann auch nicht mehr sehr lustig und hinterlässt ein sehr unangenehmes verunsicherndes Gefühl. Und das ist kein Einzelbeispiel, kenne noch weitere.
Also auch wenn die Trollkommentare wie z.B. vom unsäglichen Zené Reyer Herrn Zeyer auf IP vermutlich schön auf die Nerven gehen, es gibt eben auch noch eine andere Seite der Medaille, dass die Kommentarschreiberlinge je nachdem selber massiv bedroht werden können und sich dann eben so versuchen zu schützen.
Dass feige unterirdische Heckenschützenkommentare unter Pseudonym verwerflich sind, da muss nach nicht drüber diskutieren, aber eben es kann auch gut sein, dass faire ausgewogene Meinungsfreiheitskommentarschreiberlinge dann angegriffen werden – und Meinungsfreiheit ist bekanntlich ein sehr hohes Gut für Herrn Zeyer — aber eben jeden Preis dafür will man für Kommentare in den Onlinespalten auch nicht bezahlen.
Was sind Spam-Kommentare? Sind das automatisch generierte Kommentare?
Ja. Mit Angeboten von allem …
Das Problem lässt sich einfach lösen. Die Kommentarfunktion wird auf eine separate Webseite ausgelagert, die in den USA domiziliert ist. Die Kommentare sind dann vom 1st Amendment geschützt.
Es sind die lieben Menschen die böse Kommentare schreiben. Die die im täglichen Leben immer freundich sind, angesehen und nirgends anecken. Vielfach ängstliche Personen mit wenig Selbsvertrauen. Wenn sie sonst keine Schandtaten begehen, dann sollen sie sich von mir aus in den Kommentarspalten ausleben. Gefährlich sind richtig bösartige Veranlagungen gepaart mit nicht ausgelebter Sexualität. Man darf die dunkle Seite der Menschen nicht unterschätzen. Da lauert viel schädliches Potential. In der ganzen Hierachie. Der Sprengstoff besteht aus Macht, Reichtum und Sex.
Wie feige muss jemand sein, um unter lächerlichen Fantasienamen seinen Dreck in manchen Kommentarspalten abzusondern? Auf Inside Paradeplatz sind Klarnamen eher die Ausnahme. Entsprechend primitiv sind häufig die Kommentare. Man würde wohl staunen, die Identität manchen Schmutzfinkens zu erfahren. Die Anonymität von Kommentarspalten lässt die Hemmungen sausen.
Die meisten Kommentare auf den erwähnten Seiten sind zumindest beelendend. Es sollte eine gesetzliche Pflicht zur eindeutigen Identifizierung heben. Zudem würde eine Gebühr von 10 Rappen pro Kommentar sicher eine Qualitätsverbesserung stützen.
Seit der Tagesanzeiger Ende Juni die 4-5 Kommentarzensoren, tendenziell altlinke Auslandschweizer meist im AHV Alter wegen der Zeitverschiebung in Südamerika ansässig, vor allem in Paraguay durch KI ersetzt hat und denen somit das AHV-Zubrot entzogen hat sich in bis zu 15 Stundenschichten durch 4000+ Kommentare zu quälen und entscheiden zw. freischalten und ablehnen für bescheidene 20 Stutz brutto die Stunde, flutschen die Kommentare relativ zügig durch innert weniger Sekunden. Ffrüher bei noch bei der Handarbeit dauerte es oft Stunden, wenn die Paraguayer sonst noch was erledigen mussten wie einkaufen oder eine Siesta machten.
Ausser bei ein paar Triggerwörtern wie Wermuth, Funiciello, Tagi, Schimpfwörtern oder sonstigen Vulgaritäten kommt bei der KI eigentlich das meiste durch. Bei den Paraguayos konnte es sein, dass dutzendweise sachliche und intelligente Kommentare ohne Unterbruch am selben Tag abgelehnt wurden, wenn die einen schlechten Tag hatten, käh Luscht oder einen bestimmten Schreiberling so sehr auf der Latte hatten, wenn aus deren Perspektive jemand z.B. zu viele linkskritsche Kommentare geschrieben haben soll. Selbst der Ombudsmann des Tagi konnte da nichts ausrichten, das seien langjährige freie Mitarbeiter mit eigener Entscheidungskompetenz hiess es dann nur lapidar.
Aber der KI hingegen traut man bei TX Media offensichtlich noch nicht ganz über den Weg und darum gibt es seit KI immer mehr Artikel bei sensiblen oder kritischen Themen bei der die Kommentarfunktion einfach präventiv deaktiviert ist oder manchmal wird sie auch nachträglich deaktiviert und Dutzende Kommentare per Knopfdruck entsorgt.
Lukas Hässig von Inside Paradeplatz mit einer doch sehr liberalen Kommentarfreischaltungskultur musste im August 2023 nach einer 265-seitigen Klage der damals schon untergegangen CS post mortem vertreten durch die Bestatter von der UBS per Handelsgerichtsurteil ex-post noch etliche Leserkommentare löschen, weil diese aus Sicht der CS persönlichkeitsverletzend und ähnliches waren.
Auch René Zeyer, der auch des öfteren auf IP schreibt wird dort zuminst von Teilen der Foristenmobs und Trollen mit billigsten Anfeindungen des öfteren mal angegriffen.
Eigentlich könnte man Kommentarspalten im Onlinejournalismus generell abschaffen, das Niveau ist abgesehen von wenigen Ausnahmen erbärmlich dürftig und dient primär der Clickbaitgenerierung sowie der Leserbindung, auch wenn sich die Anzahl der Kommentarschreiberlinge ziemlich in Grenzen hält, da grossenteils immer dieselben schreiben.
Aber als mittlerweile dank KI sogar praktisch gratis Füllmaterial für die Verlagshäuser sind die nicht uninteressant, da der Gwundigkeitsfaktor bei vielen Lesern ab dem vielen Senf, der da noch dazugegeben wird, immer noch erstaunlich hoch ist.
Die traditionsreiche Chropfleerete im öffentlichen Raum scheint offenbar ein menschliches Urbedürfnis zu sein.