Auf den Mann gespielt

Fehlen die Argumente, wird bei Tamedia gerüpelt.

Der Name Christoph Blocher löst bei fast allen aufrechten (und überlebenden) Tamedia-Journalisten weiterhin Schnappatmung aus, dazu stellen sich die Nackenhaare auf. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn es um das Alterswerk Blochers geht, die Neutralitätsinitiative.

Auch dagegen ist man (und frau usw.) schon mal aus Prinzip, denn wo Blocher draufsteht und SVP drin ist, das kann ja nichts Gutes sein. Allerdings: es gebricht schmerzlich an Argumenten, wieso diese Initiative abgelehnt werden müsste. Immerhin: die Gegner hatten bislang einen beruhigenden Vorsprung in Abstimmungen. Doch der schmilzt wie Glace in der Sonne.

Daher muss jetzt der Hammer rausgeholt werden, die verbale Blutgrätsche auf Personen kommt zum Einsatz. Denn: Es gibt «eine unheilige Allianz hinter Blochers Initiative». Ihre Schreckensgestalten: «Linke Putin-Versteher und Corona-Rebellen». Ja pfuibäh.

Unheilige Allianz, das ist eine moralisch anstössige Zusammenarbeit, die den eigenen Prinzipien der Beteiligten widerspricht. Pfui, pfui, bäh, bäh.

Wer denn genau? Da vollbringt Bundeshausredaktor Adrian Schmid auf einer ganzen Seite das Werk des Denunzianten. Und spielt gnadenlos auf den Mann:

«Die folgende Übersicht zeigt, welche Milieus und Köpfe sich mittlerweile hinter der Vorlage scharen

Da sind mal die «Russland-Versteher». Die fallen dadurch unangenehm auf, dass sie sich sogar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine für «eine strikte Achtung der Neutralität» ausgesprochen haben. Pfui. Schlimmer noch, die PdA bezeichnet diesen Krieg doch tatsächlich «als «Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland». Wie können die nur eine so banale Wahrheit einfach aussprechen, doppeltes Pfui mit Sternchen.

Dann gibt es, verpeilt wie immer, die «Akademiker und Welterklärer». Beides ist per Definition schlecht, denn wenn einer die Welt erklären darf, dann der Tamedia-Journalist. Während nun ein ganz grosses Pfuibäh kommt: «Unterstützung bekommt die Initiative ausserdem vom umstrittenen Historiker und Publizisten Daniele Ganser.» Umstritten ist immer gut, muss man nicht begründen, wertet aber gnadenlos ab.

Wer fehlt noch? Natürlich, die «Gegner der Coronamassnahmen». Hat Schmids Vorgänger im Amt, der Amok Denis von Burg, nicht die Zwangsimpfung für alle gefordert? Vor allem für die umgeimpften potenziellen Massenmörder. Dennoch wagt es ein Christoph Pfluger, «eine Kundgebung zur Initiative» zu organisieren. Dabei sitzen in diesem Vorstand «Leute, die schon in der Coronakrise auffielen». Unangenehm, versteht sich.

Ganz schlimm  ist auch, dass ein Samuel Sommaruga in Genf mit einem Ja-Komitee weibelt. Dabei ist er der Sohn des SP-Ständerats gleichen Namens. Wie weit ist dieser faule Apfel vom Stamm gefallen.

Aber einen besonderen Gottseibeiuns hat sich Schmid bis zum Schluss aufgehoben: René Roca. Der ist «Gymnasiallehrer und hat ein Institut zur Erforschung der direkten Demokratie gegründet». Das kann man ihm nun nicht direkt vorwerfen, also muss Schmid ganz weit in die Vergangenheit zurückgreifen. Roca sei «Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Die 2002 aufgelöste Organisation versuchte, die Schul- und Drogenpolitik in umstrittener Weise zu beeinflussen und wies gemäss behördlichen Berichten und Urteilen des Bundesgerichts sektenähnliche, autoritäre Züge auf».

War tatsächlich ein übler Verein, aber sollte man dem Alt-Journalisten Geni Sorg auch viele Jahre später seine damalige Mitgliedschaft vorwerfen? Oder Markus Somm seinen Ausflug zu den Trotzkisten und in die GSoA? All diese Organisationen gibt es längst nicht mehr, oder höchstens als verschattete Untote. Und was soll das mit der aktuellen politischen Auseinandersetzung zu tun haben?

Nichts, ausser, man sucht verzweifelt nach Schlamm aus der Vergangenheit, um in der Gegenwart denunziatorisch spritzen zu können.

Und schliesslich fantasiert Schmid noch einen angeblichen Dissens zwischen Blocher und Roca herbei, wer denn die Idee zur Initiative gehabt habe.

Ein unglaubliches Schmierenstück. Würde ein «rechtspopulistischer» Autor eine solche Denunziations-Orgie verfassen, man sähe bei den Tamedia-Redaktoren das Halszäpfchen vor entrüstetem Gebrüll.

13 Kommentare
  1. Jean Baud
    Jean Baud sagte:

    Der Artikel wird so geschrieben sein, wie von Herrn Zeyer dargestellt. Anderseits: Wenn man von den Befürwortern etwas genauer wissen will, wie etwas denn gemeint ist, kommt einfach rein gar nichts. Z.B., wie man sich ‚bewaffnet‘ vorstelle. Die ganze Breite, selbst hergestellt? Oder eingekauft, mit voller Abhängigkeit vom Ausland? Oder wie oder was? Oder dass die Schweiz fröhlich Handel treiben könne, z.B. mit Russland, wenn alle Staaten rings herum boykottieren? Blocher will mit allen Handel treiben. Ja, genau. Auch dieser Artikel bringt keine Argumente ‚pro‘. Würde gerne dafür stimmen, aber eben…

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  2. Rober Müller
    Rober Müller sagte:

    Auf den Punkt. Schön auch, dass Sie diesen Widerling Von Burg wieder einmal ausgraben. Ein ganz übler Hetzer und Massnahmen-Vollamok während der Corona-Unzeit. Solche Figuren gehören lebenslang angeprangert für den Dreck, den sie damals unter dem Schutz eines Tagi, in die Welt hinauszuposaunen sich bemüssigt fühlten.

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  3. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Der TA wird immer mehr zum Hauptfeind jedes Menschenfreundes.

    Unheilige Allianz?

    Nein, ganz einfach ein Zusammenschluss von Menschen,
    die beide Gehirnhälften gebrauchen wollen.

    Die Karawane zieht weiter!

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  4. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr sagte:

    Es ist mir scheissegal wie unheilig eine Allianz hinter einer Initiative ist, wenn ich sie gut finde. Von mir aus darf auch Putin mitmachen. Ich habe (fast) Mitleid mit diesen Endzeitjournalisten die nur sich selber schaden statt mit Berufsstolz und Freude ihrer Arbeit nachzugehen. Bei einer Zerstörung unserer Zivilisation braucht es etwa 10’000 Überlebende für einen sicheren Neustart. Also nur einen Bruchteil der Stadt Zürich. Wenn da auch noch einer von Tamedia dabei ist kann man das vernachlässigen.

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