Schäm di

Die Klitoris und weibliche Sprachstümper.

Zunächst muss man wissen: «Alexandra Bröhm ist Teil der Wissenschaftsredaktion und Autorin des historischen Romans «Yrsa. Die Liebe der Wikingerin».» Der ist zwar lang (600 Seiten), aber eben auch länglich mit schleppend Erzähltem. Obwohl er zur Wikingerzeit spielt, entspricht die Heldin mehr einem heutigen Ideal der weiblichen Selbstbestimmung – was im 9. Jahrhundert doch eher fehl am Platz ist.

Gut, aber hier verliert sich Bröhm nicht nur in der Vergangenheit, sondern will neuste Erkenntnisse in der Klitorisforschung referieren. Potztausend: «Die Klitorisnerven reichen weiter als bisher angenommen – mit Folgen für die Sexualität

Dazu erlaubt sich die männliche ZACKBUM-Autorenschaft kein vertieftes Urteil. Schliesslich reicht uns dieses Wissen: «Die Klitoris hat eine Funktion: Sie sorgt für die Lust und Erregung von Frauen.» Natürlich darf bei diesem Thema der Irrweg von Sigmund Freud nicht fehlen, aber immerhin erspart uns die Autorin die Erwähnung von Freuds Gaga-Begriff des Penisneids.

Das alles kann man so stehenlassen, lesen – oder auch nicht. Allerdings muss man hier eingreifen, auch auf die Gefahr hin, dass einem das als sexistisch, diskriminierend, frauenfeindlich, arrogant oder gar als misogyn ausgelegt wird.

Denn Wissenschaftsredaktorin Bröhm schreibt:

«Im Deutschen ist «Scham» noch immer eine Bezeichnung für den Genitalbereich der Frauen, auch die Bezeichnung äussere und innere Schamlippen ist geläufig. So wird signalisiert, dass man sich für seine Sexualität schämen sollte und besser nicht darüber spricht.»

Tja, keine Ahnung, aber eine Meinung haben, das zeichnet den modernen Journalisten aus. Natürlich auch die Journalistin.

«Auch für die Schamlippen gibt es alternative Bezeichnungen wie Vulva-Lippen oder Labien. «Kommunikation, Aufklärung und ein Bewusstsein für das besondere Organ sind wichtige erste Schritte, um die Klitoris und die weibliche Lust besser zu verstehen»», zitiert sie eine Wissenschaftlerin, die sich dadurch ebenfalls disqualifiziert.

Denn der neuerdings denunzierte Begriff Scham ist Bestandteil des Gendersprachwahns geworden. Dagegen könnte helfen, wenn man sich etymologisch ein wenig auskennen würde.

Denn die heutige Verwendung des Begriffs Scham mitsamt seiner Ableitung schämen leitet sich, Überraschung, aus dem althochdeutschen scama und dem mittelhochdeutschen scham ab. Für Nicht-Germanisten: das sind die beiden Vorstufen zum modernen Deutsch.

Nun bezeichnen diese Begriffe einerseits tatsächlich das Gefühl des Sich-Schämens. Gleichzeitig waren (und sind sie) auch die Bezeichnung von Körperstellen, die aus Gründen der Sittlichkeit bedeckt wurden.

Wie absurd die Ablehnung dieses Begriffs ist, belegt auch ein weiterer Fakt. Schambereich ist nämlich ein geschlechtsneutraler Begriff, der für Frauen und für Männer verwendet werden kann. Genau wie Schambehaarung oder Schambein oder die Schambeinfuge, worüber sowohl Weiblein wie Männlein verfügen.

Den Begriff Scham nur auf Frauen anzuwenden und dann fälschlich abzuleiten, dass sich Frauen für ihren Schambereich schämen sollten, was ein Ausdruck typisch männlicher Dominanz sei, ist also, Pardon, Schamsinn, äh, Schwachsinn. Für den man sich schämen sollte.

Schwachsinn ist männlich, wenn man auch Genus und Geschlecht verwechseln will. Richtig unübersichtlich wird es, wenn man Genera, Sexus und Gender zusammenrührt.

Kann man (oder frau) alles probieren. Nur: wissenschaftlich ist’s nicht, und lächerlich macht man sich damit auch.

Statt solchen pseudofeministischen Unsinn zu plappern, wäre es beim Thema Klitoris vielleicht angebrachter, darauf hinzuweisen, dass auch in der Schweiz nach belastbaren Schätzungen 24’600 Mädchen und Frauen leben, die entweder bereits von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind oder als gefährdet gelten. Diese barbarische, mittelalterliche und unverzeihliche Schreckenstat sollte jedes Mal angeprangert werden, wenn das Wort Klitoris verwendet wird. Nicht wahr, Frau Bröhm.

 

7 Kommentare
  1. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Dito…

    Ist Scham jemals etwas Positives?
    Dasselbe gilt für Scham. Wenn Menschen Scham nur als Reaktion auf ihr schlechtes Verhalten empfinden und dies sie dazu motiviert, sich zu bessern, dann ist Scham gut .25.07.2024

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  2. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Laut der Kampfemanze sollte man «Hautlappen» sagen. Man staune, sie will die Klitoris sogar entdeckt haben und nennt sie Eichhörnchen. Schambefreit mit doch etwas brüchiger Stimme schreit sie dann sogar noch nach Zensur. Wer sich den primitiven Unsinn anhören möchte, bitteschön hier: https://youtu.be/drou2GJVhN4?is=-aH0BPBOXl07gZpf

    Bei der ach so lieben Frau Wiese kommt man natürlich nicht darum herum zu erwähnen, dass sie an vorderster Front gegen den unbescholtenen Hü und Frau Binswanger im jolandateam hetzte.

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  3. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Wäre ich schon morgens so besoffen wie der alte Noah, als er mit entblösster Scham da lag, käme ich möglicherweise auf die hochsexistisch alkoholisierte Idee, von Frau Bröhn zu erwarten, dass sie sich insbesondere auch für sämtliche Körperteile oberhalb ihrer Labien aus voller Kraft ihrer weitreichenden Nerven schämt, gerne mit Folgen für ihre Sexualität. Noah jedenfalls hätte seine Unlust besser verstanden.

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  4. woker Joker
    woker Joker sagte:

    Ohne Sprachverhunzung kommt keine woke «Wissenschaft» daher. «Vulva-Lippen» also? Ja, das klingt natürlich viel sexyer als Schamlippen.
    Zudem könnte das von Feministen(*innen/aussen) präferierte Wort «vulva» fälscher nicht sein, steht es doch im lateinischen Ursprung für die Gebärmutter, vorwiegend verwendet für die kulinarische Variante im Delikatessenrestaurant (von der Sau).

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  5. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Die teuflische Genitalverstümmeling muss nicht nur ständig
    verurteilt werden. es müssen strengste Strafen verhängt werden.
    Auch gegen die Mitwisser, also die Familienmitglieder!

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  6. Rapahel Stein
    Rapahel Stein sagte:

    Wäre sie ein Mann gewesen, hätte die Evolution ihre Entscheidung wohl schon auf dem Weg zur Eizelle getroffen.

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