Wenn «Blick» gar nichts einfällt

Dann interviewt er die Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz.

Gleich zwei Fachkräfte werden für ein sehr unboulevardesk langes Interview aufgeboten. Die beiden Politik-Co-Chefs Lucien Fluri und Sven Altermatt langweilen zusammen mit der Diplomatin den «Blick»-Leser auf sagenhaften knapp 9000 A.

Schon das Titelzitat tut alles, um dem Leser an eine Werbekampagne zu erinnern: «In einer lauten Zeit bleibt die Schweiz bewusst leise».

Die «Chefin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika im Aussendepartement, nimmt im Interview mit Blick Stellung» behaupten die zwei munter. In Wirklichkeit lebt Schmutz Kirgöz der Definition von Diplomatie nach: Diplomatie ist die elegante Kunst, Tatsachen so lange zu formulieren, bis sie niemanden mehr interessieren.

Oder noch besser: Diplomatie ist die professionelle Vermeidung klarer Sätze.

Bislang hat sich die Schweiz auf dem Bürgenstock zweimal lächerlich gemacht. Oder diplomatisch ausgedrückt: «Man fühlt sich wie auf einer Achterbahn. Es geht rauf und runter. Nach dem Bürgenstock-Treffen war die Hoffnung gross.» Mutige Journalisten würden versuchen, in diese Wortwolke hineinzustechen. Aber doch nicht die beiden. Die arbeiten einfach ihren Fragenkatalog runter:

«Haben Sie noch Hoffnung auf eine baldige Lösung?» Zugegeben, eine dumme Frage verdient eine entsprechende Antwort: «Die Hoffnung hat einen Dämpfer erhalten, aber sie ist nicht gestorben.» Und wie äussert sich das? «Wir planen fest damit, dass es zu weiteren Gesprächen kommen wird.» Wow, endlich wird das schöne Wort von «gut, haben wir darüber geredet», noch gesteigert: gut, werden wir möglicherweise darüber reden.

Nun wagen die beiden knallharten Interviewer aber eine bohrende Frage: «Können Sie einen konkreten Zeitpunkt nennen?» Kann die Diplomatin nicht, aber ein knappes Nein wäre natürlich undiplomatisch:

«Die Lage verändert sich laufend.» Blabla. «Wir setzen deshalb alles daran, die Lage zu deeskalieren. Es braucht Verhandlungen. Der Dialog muss fortgesetzt werden.» Blüblü.

Dann werfen die zwei Abfrager ein heikles Stichwort in den Raum: Trump. Was sagt die Diplomatin denn zu diesem Elefanten im Porzellanladen? Watteweiches, of course: «Der US-Präsident will schnelle Deals. Sobald ein Deal steht, erwartet er auch dessen rasche Umsetzung. Dafür braucht es aber mehr: intensive Diplomatie und vor allem den Aufbau von Vertrauen. Genau dort liegt der Mehrwert der Schweiz.»

Schliesslich werden die zwei noch richtig frech, muss man ihnen lassen. Sie bringen das Thema Syrien auf: «Was solche Gespräche bringen, ist oft wenig nachvollziehbar.» Daraufhin werden sie diplomatisch zurecht gewiesen: «Weil vieles im Verborgenen stattfindet, aus guten Gründen. Das ist die klassische stille Diplomatie

Merke: stille Diplomatie ist, wenn gebombt und gemetzelt wird, aber am Rande des Schlachtfelds einer steht und sagt: wir könnten doch auch mal drüber reden.

Und wie sieht die Spitzendiplomatin eigentlich die Lage im Nahen Osten? Natürlich so: «Wir stehen vor einer Neuordnung des Nahen Ostens. Trotzdem bin ich vorsichtig optimistisch, dass es nicht zu einem Flächenbrand kommt.» Woraus schliesst sie das? Daraus, dass es nicht dazu kommen kann, weil er schon da ist? Aber nein. «Bemerkenswert ist auch, dass selbst der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa immer wieder betont, er wolle Frieden.» Nun, wer betont das weltweit wohl nicht? Das sagen eigentlich alle, vor allem die, die Kriege führen.

Schliesslich noch, unvermeidlich, Israel und die Kriegsverbrechen der Regierung im Gazastreifen, was sagt Schmutz Kirgöz dazu, dass die Schweiz das nicht deutlich genug verurteile? «Ich empfinde die Schweiz nicht als zurückhaltend. Wir sagen, was gesagt werden muss, und orientieren uns am Völkerrecht. Aber wir sind nicht laut.»

Wenn’s ums Empfinden geht: der «Blick»-Leser empfindet diesen gefühlt «Republik»-lange Wolkenschieberei als ungefähr so überflüssig wie die diplomatischen Bemühungen der Schweiz. Damit Schmutz Kirgöz solche Wortwolken produzieren kann, kostet sie den Steuerzahler weit über 300’000 Franken im Jahr, ohne Spesen, versteht sich. Mit dem Geld könnte man auch ein hübsches, kleines 1.-August-Feuerchen machen. Wo das noch nicht verboten ist.

 

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