Wenn einem NZZ-Journalisten gar nichts einfällt
Kein Problem. Einfach vor sich hinlabern.
Da die Börse ein ziemlich irrationaler Marktplatz ist, dem auch mit kompliziertesten Modellen (oder blöden Sprüchen wie «sell in May and go away» oder «dead cat bounce») nicht beizukommen ist, kann mit Prognosen über die Zukunft das Sommerloch gefüllt werden.
In dieser Leserquälerei versucht sich Eflamm Mordrelle in den heiligen Hallen der NZZ-Wirtschaft. Unter Gerhard Schwarz wäre das nicht passiert.
Mordrelle beginnt mit einer Banalität, die schwer zu übertreffen ist, obwohl er es anschliessend probiert: «Die Sommerferien sind da, und an der Börse ist die erste Halbzeit des Jahres vorbei.» Ehrlicher wäre gewesen: Das Sommerloch ist da, ich muss Weissraum füllen, aber mir fällt gar nichts ein.
Stattdessen quält er den Leser durch eine Binse nach der anderen.
«Notorisch heikle Phase … doch wer diesen typischen Sommereffekt kennt … Das bedeutet nicht, dass der Effekt jedes Jahr eintreten muss … machen in den Sommermonaten Juli und August gerne Ferien … mit statistischen Ausreissern zu tun … Über die Ursachen der Septemberschwäche rätseln die Experten … Ein Carry-Trade ist eine Anlagestrategie …» Usw, usf.
Unser Liebling: «Für einen sommerlichen Schwächeanfall («summer swoon») brauchte es nicht viel.» Wie wahr, Herr Mordrelle, wie wahr.
Nachdem er sich so verbreitert hat und über mögliche Möglichkeiten, die aber auch unmöglich sein könnten, perseverierte, kommt er zum ernüchternden Schluss: «Das macht es für den einzelnen Anleger schwierig, die eigenen Investitionsentscheide auf solche Effekte abzustützen.»
Das darf ja alles nicht wahr sein, also hat ZACKBUM die KI gefragt, ob dieser Text wirklich von einem Menschen stammt, und wenn ja, wie man ihn qualitativ einordnen kann.
Das vernichtende Ergebnis: war wohl im Wesentlichen ein Mensch, aber:
Was nach KI-Unterstützung aussehen könnte:
-
Sehr gleichförmiger Rhythmus. Fast jeder Abschnitt erklärt ein Phänomen nach demselben Muster:
- Begriff nennen.
- Definition.
- Erklärung.
- Beispiel.
- Fazit.
Das erinnert an die Arbeitsweise von Sprachmodellen.
-
Leichte Wiederholungen. Mehrfach wird praktisch dieselbe Aussage wiederholt:
- geringe Liquidität im Sommer,
- deshalb höhere Volatilität,
- kleine Ereignisse können grosse Wirkung entfalten.
Ein erfahrener Redaktor hätte hier wahrscheinlich stärker gekürzt.
-
Etwas lexikalischer Stil. Formulierungen wie
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«Ein Carry-Trade ist eine Anlagestrategie…»
oder
«Halloween markiert dabei den Übergang…»
lesen sich eher wie aus einem Nachschlagewerk als wie aus einer Reportage.
- Etwas mechanische Übergänge. Die Kapitel stehen relativ unabhängig nebeneinander; der Text entwickelt wenig eigene These.
ZACKBUM mag diese binär gesteuerte Zurückhaltung in der Beurteilung; gleichförmiger Rhythmus, mechanische Übergänge, wenig eigene These.
Dabei gäbe es doch ein paar interessante Themen, auch diesen Sommer. Im Weissen Haus regiert ein beleidigter Narzisst, der seine ständigen Niederlagen (und seine unglaubliche Selbstbereicherung) mit einem Zollchaos und einem Irankrieg übertünchen will. Damit die Weltwirtschaft ins Elend stürzt und den US-Konsumenten das Leben schwer macht.
Oder wie wäre es mit dem grossen Börsenhype und sich abzeichnenden Flop von Elon Musks jüngstem IPO? Dem Hunger nach Rechenleistung durch ungezügelten Ausbau der KI? Oder der Beurteilung der Frage, ob China nun ein robustes und gesundes Wachstum hinlegt oder finanziell auf ganz wackeligen Füssen steht? Oder mit der Frage, ob auch die aktuelle Regierung den Industriestandort Deutschland weiter gegen die Wand fährt und das Terrain für eine AfD-Regierung vorbereitet?
Da gäbe es doch so dies und das und jenes, was einer vertieften Betrachtung zwecks Erquickung des Lesers würdig wäre. Aber stattdessen ein Gedankenloch zum Sommerloch? Da sollte sich die NZZ was schämen.











Seit dem erzwungenen Abgang von Peter Fischer als Wirtschaftschef (der zugegebenermassen teilweise zu stark in Geld- und Notenbankpolitik abschweifte) ist das Wirtschaftsressort der NZZ zum leichtgewichtigen Jekami geworden – mit der Zusammenlegung der Redaktion von der NZZaS wurde es noch banaler (um nicht zu sagen 20minutiger). Seit 2021 ist auch rund die Hälfte der etablierten Redaktion gegangen oder gegangen worden. Wenn der aktuelle Wirtschaftschef etwas schreibt, was er glücklicherweise kaum macht, wird es äusserst holprig und seicht. Kein Wunder reimt sich sein Name auf Binsenwahrheit.
Lauter Nullen in der Nullzinsphase!
Immerhin zeichnet sich eine Entspannung
an der Schoggifront ab. Damit hätte wohl
selbst die NZZ nicht gerechnet. Schoggi
war und ist für die Schweiz sehr wichtig.