Das Ende der Swiss Marketplace Group?

Die KI frisst den Marktplatz – warum ImmoScout, Ricardo & Co. um ihre Existenz kämpfen.

Lange Zeit schien das Geschäftsmodell unschlagbar. Wer ein Haus kaufen wollte, ging auf ImmoScout. Wer sein Auto verkaufen wollte, auf AutoScout. Wer eine gebrauchte Uhr suchte, auf Ricardo. Diese Plattformen lebten von einem einfachen Prinzip: Sie kontrollierten Angebot und Nachfrage und kassierten dafür eine Maut.

Doch nun taucht ein Konkurrent auf, der dieses Modell im Kern infrage stellt. Er heisst künstliche Intelligenz.

Bisher musste sich der Nutzer durch Dutzende Webseiten klicken. Er verglich Preise, las Beschreibungen und sortierte Resultate. Genau diese mühsame Arbeit übernehmen nun KI-Agenten. Der Nutzer wird künftig nicht mehr fragen: «Auf welcher Plattform finde ich das?» Sondern: «Finde mir das beste Angebot.»

Der Unterschied ist fundamental.

Die klassische Plattform lebt davon, dass möglichst viele Menschen ihre Website besuchen. Dort werden Inserate, Werbung und Zusatzdienstleistungen monetarisiert. Ein KI-Agent dagegen besucht die Plattform stellvertretend für Millionen Nutzer, extrahiert die relevanten Informationen und präsentiert sie in einer einzigen, personalisierten Antwort. Die Plattform wird vom Ziel zum blossen Datenlieferanten degradiert.

Genau das ist ihre grösste Gefahr.

Denn die Marktmacht der Plattformen beruhte nie auf ihrer Technologie. Sie beruhte auf Netzwerkeffekten. Käufer gingen dorthin, wo viele Verkäufer waren; Verkäufer inserierten dort, wo viele Käufer suchten. Diese Spirale schuf hohe Eintrittsbarrieren.

KI hebelt diesen Mechanismus aus.

Wenn ein intelligenter Suchagent gleichzeitig Hunderte Quellen durchsucht, verschwinden die Grenzen zwischen den einzelnen Plattformen. Für den Kunden spielt es keine Rolle mehr, wo ein Angebot ursprünglich veröffentlicht wurde. Er sieht nur noch das beste Resultat.

Damit verlieren Plattformen ihre wichtigste Währung: Aufmerksamkeit.

Besonders gefährdet sind Portale mit weitgehend standardisierten Daten. Immobilien, Fahrzeuge oder Occasionsartikel lassen sich hervorragend maschinell vergleichen. Preis, Lage, Baujahr, Kilometerstand oder Ausstattung sind strukturierte Informationen, die sich von einer KI problemlos analysieren und gewichten lassen.

Hinzu kommt ein zweiter Effekt.

Schon heute investieren Plattformen enorme Summen in Suchmaschinenoptimierung und Werbung bei Google. Wenn künftig immer mehr Suchanfragen direkt an KI-Assistenten gehen, sinkt der direkte Besucherstrom dramatisch. Weniger Besucher bedeuten weniger Werbeeinnahmen, weniger Premium-Abonnements und sinkende Zahlungsbereitschaft der Inserenten.

Die Plattform gerät in eine Abwärtsspirale.

Überleben werden deshalb wahrscheinlich nur jene Plattformen, die sich vom Marktplatz zum Dienstleister entwickeln. Automatische Preisbewertungen, Vertragsabwicklung, Finanzierung, Bonitätsprüfung, digitale Notare oder komplette Verkaufsagenten könnten neue Einnahmequellen schaffen. Reine Inserateplattformen dagegen geraten unter enormen Druck.

Bedeutet das den Untergang von ImmoScout, Ricardo oder ähnlichen Portalen?

Nicht morgen. Aber der Erosionsprozess dürfte bereits begonnen haben. Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre werden KI-Agenten den Suchverkehr spürbar verändern. In fünf bis zehn Jahren könnten klassische Plattformen einen erheblichen Teil ihrer heutigen Gatekeeper-Rolle verloren haben. Wer sich bis dahin nicht neu erfindet, droht das Schicksal vieler einst dominanter Internetportale zu teilen.

Denn die Geschichte der Digitalisierung kennt kein Mitleid.

Zeitungen glaubten einst, niemand könne ihre Inserate ersetzen – dann kamen die Onlinebörsen. Reisebüros hielten Flugportale für eine Randerscheinung – bis Booking und Expedia den Markt umkrempelten. Nun stehen die digitalen Marktplätze selbst vor demselben Schicksal.

Die Ironie ist offensichtlich: Die Disruption, mit der sie einst andere Branchen zerstörten, trifft nun sie selbst.

Besonders betroffen ist SMG, die Swiss Marketing Group. 2021 als Joint Venture von TX Group, Ringier, Mobiliar und General Atlantic gegründet, erreichte sie eine Marktkapitalisierung von 4,7 Milliarden Franken. Ringier fuhr einen hübschen Sondergewinn ein, gleichzeitig sorgte die SMG mit dafür, dass die bereits als sicher geglaubte Subventionsmilliarde für geldgierige Medienclans mit einem Referendum gebodigt wurde.

Wenn die Chefetagen der Verlage wieder gleich unfähig auf KI reagieren, wie sie das bereits beim Internet taten, dann gute Nacht.

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Dieser Text wurde – bis auf die beiden Schlussabsätze – von einer KI geschrieben. Das Aufmacherbild wurde von ihr gemalt. Und ist damit besser als der Grossteil des Gestammels, das in den Mainstreammedien von überforderten Kindersoldaten in Verrichtungsboxen in der Hölle des Newsrooms abgesondert und mit aufgeblasenen Symbolbildern illustriert wird.

9 Kommentare
  1. Lukas Hellinger
    Lukas Hellinger sagte:

    Ach das Ki-Gedöns, man kann es nicht mehr hören. Anyway. Riccardo war eine Zeit lang eine ganz hilfreiche und nützliche Plattform. Musste zu Grunde gerichtet werden, wie alles, was in der Schweiz von Freude, Nutzen oder Wert ist. Immer entweder von Zürich oder Bern aus. Die KI sollte da mal was gegen machen, so I wie sie ist (Schön zu sehen auf Nau.ch, wo die KI dreimal den selben Artikel mit anderem Bild listet, von der „Moderation“ ganz zu schweigen. Nau segelt irgendwie unter dem Radar – tagtäglich primiticste Artikel und Kommentare, von übel niederen Journalisten).

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    • René Zeyer
      René Zeyer sagte:

      Ich bin es nicht. Es ist hingegen interessant, dass der KI-Text qualitativ besser als das meiste ist, was in den Verrichtungsboxen im Newsroom gebastelt wird.

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  2. Manfred
    Manfred sagte:

    KI Artikel schreiben zu lassen, war einmal lustig; wenn das aber hier zur Regel wird und die Feder von Zackbum einer Maschine übergeben wird, übergebe auch ich mich und überlasse das Lesen der Medienkritik den Bots.

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      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        Diesen freundlichen Satz hat Bitterli des öfteren unter seinen Einfällen vermisst. Gut, dass das wieder einmal in aller Deutlichkeit gesagt wurde.

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          • Peter Bitterli
            Peter Bitterli sagte:

            Ein Anrülpser des Meisters tut ja auch nicht wirklich weh. Der eifrige Schüler schwurbelt sich Deutung und Belehrung dieser Aussage selbstständig zusammen.

        • Peter Pancake
          Peter Pancake sagte:

          Die KI wird langsam grössenwahnsinnig. Wie bitte soll sie denn in Zukunft das beste Angebot finden, wenn es keine Plattformen mehr gibt wo die Angebote von Humanoiden eingestellt werden?
          Ohne entsprechende Daten ist die KI auch nur ein Nichts. Und die Verkaufsprovision bekommt am Ende auch nicht die KI.

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