Das Runde und das Eckige

Braucht der Fussballer den Kopf lediglich zum Kopfball?

Lia Wälti ist anscheinend Kapitänin (oder Captain, wie der «Tages-Anzeiger» nicht ganz korrektsprachlich schreibt) der Schweizer Fussballnati. Und tschutet für Juventus Turin. Beim Wechsel zu einem englischen Club kann ein wenig Aufmerksamkeit nicht schaden, hat sie sich offenbar gesagt.

All das geht ZACKBUM eigentlich schwer am Allerwertesten vorbei, genau wie die Fussball-WM der Männer. Aber natürlich horchten wir als militante Feministen auf, als uns die Gender-Postille «Tages-Anzeiger» ein ganz schreckliches Erlebnis der Fussballerin in eindrücklichen Worten schilderte.

Die 33-Jährige erhole sich gerade von einer anstrengenden Saison und mache offenbar Ferien in Sardinien. Ihre Follower auf Instagram beglückt sie dabei mit solchen Fotos:

Sie benützt dabei umweltbewusst den öffentlichen Verkehr in Italien, was zu einem «unangenehmen Erlebnis» im Zug geführt haben soll. Oh je, denkt der Leser zunächst, die italienischen Machos, immer gerne bereit, anerkennend zu pfeifen, Bemerkungen wie «sei bellissima, sei uno schianto, sei la donna più bella della stanza» oder Ähnliches zu machen, wenn sie eine ragazza sehen.

Italienische Frauen sind eher beleidigt, wenn ihnen das in der Öffentlichkeit nicht ab und an passiert. Sie betrachten das als Missachtung ihrer Attraktivität. So wie das in den 60er-Jahren Schweizer Frauen lernten, als italienische Gastarbeiter (ja, so hiess das damals) neben Pizza und Spaghetti auch mit anerkennenden Bemerkungen Italianità in die Schweiz brachten.

Heutzutage muss sich allerdings jeder Strassenarbeiter hüten; blitzschnell hat er ein Verfahren wegen sexual harassment an der Backe, sollte er einer Lastenvelofahrerin nachpfeifen.

Aber zurück zu Wälti. Die beschreibt ihr «unangenehmes Erlebnis» in erschütternden Worten:

Wer des Englischen nicht mächtig ist: ein Mann (ü 60) habe sich neben sie gesetzt, dann ihr gegenüber. Von Beginn an und eine ganze Stunde lang habe er sie angestarrt und gelächelt. Aber «kein freundliches Lächeln. Ein aufdringliches. Eines, das mich zutiefst verunsicherte.» Sie räumt ein: «Nichts ist «passiert». Und doch, irgendwie schon».

Dann der Aufschwung ins Allgemeine: «Viele von uns Frauen kennen dieses Gefühl. Das Gefühl, beobachtet zu werden. Zu spüren, dass jemand entschieden hat, dass man da ist, um angestarrt zu werden, ganz gleich, wie man sich dabei fühlt.»

Nun, abgesehen davon, dass dieses Gefühl Männer auch kennen: könnte es sein, dass der Mann sie erkannt hat? Und zu schüchtern war, anders als durch Glotzen seine Bewunderung zum Ausdruck zu bringen? Oder lag es daran, dass sich Wälti wenn schon lieber von Frauen anstarren lässt? Am Schluss ihrer Schilderung fragt sie ihre Follower: «Wie geht ihr mit solchen Situationen um

Wie wäre es mit «starren Sie mich nicht so an?» Ersatzweise mit «hören Sie auf, mich anzustarren». Oder mit Erklärung «so wie Sie mich anstarren, ist mir unwohl». Eine weitere naheliegende Frage: wenn der Profifussballerin das so unangenehm war und sie nicht den Mut hatte, den Mann darauf anzusprechen: statt das eine Stunde lang auszuhalten, wie wäre es damit gewesen, aufzustehen und einen anderen Platz zu suchen? Den Schaffner um Hilfe zu rufen? Andere Mitreisende?

Aber das hätte natürlich nicht für eine Instagram-Story gereicht, die den aufmerksamen Augen der achtsamen, allem Sexismus abholden Tamedia-Redaktion natürlich nicht entging.

Es gibt allerdings ein noch grösseres Problem: ein Match dauert mindestens 90 Minuten, so viel weiss ZACKBUM. Was macht Wälti, wenn eine Fussballerin der gegnerischen Mannschaft sie so anstarrt? Lässt sie sich dann auswechseln? Ruft sie den Schiedsrichter zu Hilfe? Begeht sie ein Foul?

Wieder einmal beantwortet Tamedia keine einzige dieser brennenden Fragen. Auch nicht die letzte: was soll dieser Unsinn? Ach, doch, am Schluss gibt die sommerlochgeplagte Redaktion eine Antwort: «Kennen Sie auch Situationen, wie sie Lia Wälti beschreibt? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.»

Nein, macht ZACKBUM nicht.

10 Kommentare
  1. Oliver Brunner
    Oliver Brunner sagte:

    Über die konstruierten Storys von TX-Medien könnte man lange lamentieren. Ich will hier eine andere Beobachtung anfügen. Auf Linkedin und anderen sozialen Medien häufen sich die Berichte, von Ü-35-Frauen, die gerne Partner und Kind hätten, aber nicht fündig werden und jetzt verzweifeln – und der «Männerwelt» die Schuld geben. Die Ansprüche dabei sind immer unrealistisch: gross, reich, schön, witzig, intelligent, erfolgreich … aber wehe ein unattraktiver Handwerker glotzt mich an.

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  2. K. Meyer
    K. Meyer sagte:

    Eine unbekannte Sportlerin welche eine unbedeutende Randsportart ausübt (Das ist Frauenfussball, auch wenn uns Medien und Männerberater etwas anderes vorgaukeln wollen), gibt eine aufgebauschte Non-Story zum Besten und der Tagi macht einen Aufmacher draus. Finde den Fehler.

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      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        „Finde den Fehler“ ist eine abgedroschene Schlussphrase für Texte, die aus sich heraus keine Pointe haben. Schöner und schlauer kann man es also jederzeit problemlos ausdrücken.
        Aber unter uns: Haben Sie den Fehler gefunden? Was ist der Fehler?

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        • K. Meyer
          K. Meyer sagte:

          „Finde den Fehler“ ist eine abgedroschene Schlussphrase für Texte, die aus sich heraus keine Pointe haben.
          Schöner kann man es nicht ausdrücken.

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  3. Rapahel Stein
    Rapahel Stein sagte:

    Ich, neun Jahre alt, sitze mit meiner Mutter im Zug nach Mailand. Uns im Abteil gegenüber zwei junge Italienerinnen, vis a vis ein Mann.

    Plötzlich: Chlapf! Eine schallende Ohrfeige. Danach kurzes, lautes Geschnatter, ein Riesentheater.

    Meine Mutter schaut mich: «Die haben gerade ein kleines Problem gelöst.»

    Heute gibt es dafür die Insta-Klatsche. So können alle teilhaben.

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  4. Rolf Hug
    Rolf Hug sagte:

    Der TA beweist wöchentlich, dass das Niveau gegen unten noch lange nicht erreicht ist. Fortsetzung wird folgen.

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