Die Wanner-Zeitungen
CH Media hat den Kopfblattsalat perfektioniert.
CH Media ist in der heutigen Form im Jahr 2018 entstanden. Wenn man die Gesamtauflage Print vergleichen will, muss man also für das Jahr 2000 AZ Medien und NZZ Regionalmedien zusammenzählen. Das ergäbe dann rund 550’000 tägliche Exemplare. Dazu gehören unter anderem die Aargauer Zeitung, die Luzerner Zeitung, das St. Galler Tagblatt usw.; insgesamt sind es heute 18 regionale Blätter.
Im Jahr 2018, Gründung von CH Media, ist die Gesamtauflage bereits auf knapp 370’000 geschrumpft. Heute sind es noch 250’000. Also ein Rückgang um grob 60 Prozent.
Fokussieren wir auf eines der Stammblätter, die Aargauer Zeitung. Sie hatte 2000 eine Printauflage von rund 125’000 Exemplaren. 2026 sind das noch 45’943. Ein Rückgang um 63 Prozent. Damals löhnte man am Kiosk rund 2 Franken für 60 bis 80 Seiten, heute sind es Fr. 5.- für 28 bis maximal 40 Seiten. Also auch hier: halber Umfang, mehr als doppelter Preis.
Eine aktuelle Front sieht dann so aus:

Was sofort auffällt, ist die konsequente Fokussierung auf das Regionale, bzw. Kantonale. Und dass sich der Oberchefredaktor Patrik Müller nicht zu schade ist, sich am Allerweltsthema «ist aber auch heiss heute» zu beteiligen. Das Aufmacherbild, der Aargauer Grosse Rat verpflegt sich mittags im Schlossgarten, ist allerdings an Banalität schwer zu überbieten.
Ansonsten der Pflichtstoff Fussball, irgend etwas ist immer «unter Druck», hier ist’s mal nicht Putin oder Trump, sondern sind es die Schweizer Festivals. Plus natürlich der tote Junge in der Reuss.
Auf Seite zwei überfällt dann Henry Habegger den unschuldigen Leser mit einem Thema von ewiger Gültigkeit:

Die Bundesanwaltschaft habe von ihrer Aufsichtsbehörde diesbezüglich einen Rüffel kassiert, ist der Aufhänger. Soweit, so schlecht. Dass die BA aber vor allem dafür zu kritisieren wäre, dass sie absurde Prozesse um vor vielen Jahren im fernen Ausland angeblich stattgefundene Verbrechen gegen die Menschlichkeit führt und hier Millionen an Steuergeldern verbrät, das ist Habegger keine Zeile wert.
Eine ganze Seite widmet das Blatt dann der welterschütternden Frage: «Gehört Manzambi in die Startelf?» Dazu sagt ZACKBUM: keine Ahnung, wieso auch nicht.
Dann kommt die Seite mit extrem hohem Nutzwert:

Da kann man im Stehsatz in die Vollen greifen, das Thema ist jedes Jahr gut.
Anschliessend, muss man CH Media lassen, eine nicht unlustige Idee, aus dem Schlamassel auf dem Bürgenstock noch eine Sideline herauszumelken:

So nach der Devise: wenn über die Speisen schon alles geschrieben wurde, dann frage doch den Kellner, was er beim Servieren so empfunden hat.
Etwas überraschend ist dann die Wahl der Titelfigur im Ressort «Wirtschaft»:

Immerhin, der Einstige ist nicht unlustig: «Evangelos Eleftheriou ist ein typischer Schweizer – in gewisser Weise.» Aber ausser, dass er für den europäischen Erfinderpreis nominiert ist, gibt es für den Artikel eigentlich keinen Anlass. Oder: immer noch besser als eine leere Seite.
So geht’s auch weiter; fällt dir in der Wirtschaft gar nichts ein, beklage das: «Zu wenig Frauen in der Luft». Noch immer ist die Geschlechterparität nicht überall hergestellt. Wobei die Frage bleibt, ob das überhaupt ein erstrebenswertes Ziel ist.
Einem heissen Thema widmet sich dann «Kultur & Leben»:

Da hat der Recherchierjournalist Bruno Knellwolf knallhart bei Meteo Schweiz nachgefragt. Und die Antwort bekommen, um den länglichen Artikel auf den Punkt zu bringen: ja.
Dann noch ein bissl Lokalpolitik und die übliche Jö-Geschichte:

Da freut sich ZACKBUM, dass es denen vögeliwohl ist.
Es folgen je nach Kopfblatt regionale Geschichten von überall aus dem Einzugsgebiet. Schliesslich auch hier der Sport, und tschüss.
ZACKBUM fasst zusammen. Eine gewisse unaufgeregte Fokussierung auf das Regionale ist das Rezept, mit dem CH Media seine Printprodukte retten will. Immerhin hat es der Wanner-Clan geschafft, bislang seinen Stellenabbau und seine allgemeinen Schrumpfmassnahmen ohne grosses Gebrüll über die Bühne zu bringen, dazu ist er skandalfrei.
Auf der anderen Seite, wir müssen uns wiederholen: halber Umfang, doppelter Preis. Migros oder Coop kämen nicht im Alptraum auf die Idee, einen halben Liter Milch zum doppelten Preis eines ganzen Liters von früher anzubieten. Medienhäuser finden das völlig okay. Weil auch hier dem Management nichts einfällt.











Naja, wo viel Kopfblattsalat – was für ein schönes Wort – angerichtet wird, da entsteht auch wieder Neues.
Im CH-Media-Stammgebiet gerade etwa erlebt das http://www.Solothurner-Tagblatt.ch seine Auferstehung.
Dir ist aber schon bewusst, dass du grad eine Fake-Seite verlinkt hast? Nicht mal ein Impressum. Medienkompetenz auf Wish bestellt
Was noch nie geschehen ist, Bitterli. Sie erzählen Schwachsinn. Als Luzerner müssten Sie wissen, dass die LZ eine eigene Sportredaktion hat – und das Tagblatt auch. Entsprechend schreibt der Maihof selbst (mit D. Wyrsch und seinem jungen Kollegen R. Gutzwiller) über den FCL. Er übernimmt keine FCSG-Berichterstattung.
Oooh doch! Geschehen. Zugegeben, ist ´ne Weile her. So betrachtet wirkt „Schwachsinn“ etwas apodiktisch.
Was ich aber „als Luzerner“ nun wirklich überhaupt nicht wissen muss und will, ist, das die LZ eine eigene Sportredaktion hat.
Komisch, Sie sind doch sonst der Besserwisser in Person.
Nun wenn man die Zahlen nüchtern ohne die epochalen Veränderungen vor allem bei den Werbeeinnahmen und Technologie mal anschaut, da liegt Herr Zeyer sicher richtig mit Preisverdopplung, Auflagenhalbierung und auch zunehmend abnehmender journalistischer Qualität nicht selten ausgeführt durch Billigschreiberlinge wie PraktikantInnen oder gesinnungsgetriebene selbsternannte Besserschmierfinken, dazu oft oberflächlich aus Wikipedia und neu mit KI kreiert.
Nur 2000 gabs noch kein Meta, Google war noch in den Kinderschuhen, Smartphones gabs auch noch keine.
Die Werbeeinnahmen sind seither massiv eingebrochen, Stellen- und Wohungsanzeigen haben sich heute primär ins Internet verlagert, Zeitung auf Papier lesen immer weniger Menschen, aber die Verlagsfixkosten sind bei weiten nicht so schnell zurückgegangen und dann wird das halt auf den Preis geschlagen.
Diese Entwicklung wird noch so weiter gehen, in 10 Jahren werden die Zeitungen – falls sie nicht vorher pleite gegangen sind – noch dünner, die Qualität noch erbärmlicher und der Preis noch höher sein.
Zackbum wird also der Stoff nicht ausgehen, falls es dieses Forum in 10 Jahren noch gibt
Die Schärfe ist jeweils, wenn in diesem Spiel da die Luzerner gegen die St. Galler antreten, und die „Luzerner Zeitung“ sich jubelnd über den St. Galler Sieg freut.