Wumms: Dominik Feusi

Peinliche Entblössung in aller Öffentlichkeit.

Was soll man dazu sagen? Der vorletzte Mohikaner bei Markus Somms Trauerspiel «Nebelspalter» wollte von Bord gehen. Verständlich, Arbeitsplatzsicherung ist heutzutage im Journalismus von zentraler Bedeutung. Und da sieht es bei der NZZ doch entschieden besser aus als beim Schrumpfprodukt, wo Somm zuerst mit grosser Kelle anrichtete, dann so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann – und schliesslich ganz klein und bescheiden in der Bedeutungslosigkeit verharrt.

Also wurde der Wechsel von Feusi in die Wirtschaftsredaktion der NZZ verkündet. Offenbar ist dort Kompetenz und Kenntnis in Wirtschaftsdingen nicht mehr so wichtig.

Aber dann passierte irrerweise etwas Ähnliches, was schon mit  Somm passiert war. Der war kurzzeitig als möglicher neuer Chefredaktor der alten Tante im Gespräch. Bis ihn ein Aufstand der Redaktion abschoss.

Im Fall Feusi war es aber offensichtlich ein Einzeltäter. Der hatte schon vor einiger Zeit ein Plagiat von Feusi entdeckt und ging damit hausieren. Nur: keiner wollte einen ansonsten verdienstvollen Journalisten deswegen öffentlich ans Kreuz nageln. Nicht mal die NZZ selbst.

Also wurde der Vorwurf in den Stehsatz genommen und für eine bessere Gelegenheit aufbewahrt. Die war gekommen, als der Wechsel Feusis kurz bevorstand. Nun musste der Heckenschütze nur noch einen Journalisten finden, der sich als Scharfrichter hergab. Und der fand sich im Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard.

Der ist zwar selbst nicht über jeden Zweifel erhaben. Zumindest Sachen wie einen «Zusammenschrieb», aber unter seinem Namen, lässt er die Ringier-Medienstelle einräumen.

Auf diese entscheidende Frage wollte aber niemand antworten: Was sagen Sie zum Vorwurf, sich damit dafür instrumentalisieren zu lassen, dass gewisse Kreise in der NZZ die Anstellung von Feusi unbedingt verhindern wollten?

Denn genau darum ging es ja. Nachdem Feusis Plagiat am 3. Oktober 2024 im «Nebelspalter» erschienen war, stocherte ein NZZ-Redaktor nach, im Text wurden die «fälschlicherweise weggelassenen Quellen nachträglich ergänzt». Peinlich, aber eigentlich damit erledigt.

Doch nicht für Eberhard. Er «konfrontierte» den armen Sünder nochmals, der sofort gestand: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung dafür. Das ist ein klares Plagiat.» Die NZZ reagierte eher hysterisch und feuerte Feusi, bevor der überhaupt seine Stelle angetreten hatte.

Somm beschränkte sich im Wesentlichen darauf, zu dementieren, dass er damals bei der NZZ interveniert habe, um die Veröffentlichung eines Artikels über dieses Plagiat zu verhindern. Das hatte der Rechercheur Eberhard zunächst behauptet, musste dann aber die entsprechende Passage wieder löschen. Peinlich.

Nun hing Feusi sozusagen zwischen Stuhl und Bank. Beim «Nebelspalter» hatte er gekündigt, die NZZ hatte ihm gekündigt. Aber wenn die Alternative das RAV ist, dann kriecht der Gekreuzigte zu Kreuze. Somm verkündete generös, dass der Fall für ihn erledigt sei, Feusi behält seine Stelle als stellvertretender Chefredaktor und Autor. Peinlich.

Denn welcher Chefredaktor nimmt schon einen zurück, der zuvor gekündigt hatte und damit klar zum Ausdruck brachte, dass er seine Zukunft nicht beim Nebi sieht? Nur einer, dem gar nichts anderes übrigbleibt. Denn inzwischen ist die Rumpfmannschaft auf sechs Nasen reduziert worden, von denen nicht mal alle vollamtlich beim Nebelblatt arbeiten.

Mal wieder eine Intrige, die nur Verlierer kennt. Die NZZ, der «Nebelspalter», Somm und Feusi. Natürlich auch das Kameradenschwein Eberhard. Unglaubliche Zustände im deutschschweizerischen Journalismus.

5 Kommentare
  1. Remo
    Remo sagte:

    Tja – und die Frage ist: Wer hatte eigentlich ausgerechnet jetzt, als Feusi seinen großen Gang zur Großen Tante antrat, das, was schon längst unterm Teppich gekehrt war, wieder hervorgekehrt?

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  2. Peter Pancake
    Peter Pancake sagte:

    Dass der notorisch ziemlich unlustige Markus Somm sich ausgerechnet ein traditionsreiches Satiremagazin unter den Nagel gerissen hat, welches er jetzt sukzessive gegen die Wand fährt, hat zumindest einen gewissen belustigenden Faktor.
    Nachdem er die Auflagenzahl als Chefredaktor/Verleger der Basler Zeitung «erfolgreich» halbiert hat und dort sein Ego jeweils mit seinen samstäglichen historisch angehauchten Leitartikeln noch etwas aufpoliert hat, kam er dann doch noch zu einigen Millionen indem er die BaZ an das Kopfsalatimperium an der Werdstrasse verkaufte, nicht aber ohne sicher vorher noch auszubedingen vermutlich lebenslänglich eine sonntägliche Kolumne in der Wocheendausgabe zu schreiben, wo er sich Woche für Woche irgendwas aus den Fingern saugt als Gegenpol zu der mittlerweile auch zunehmend unterträglichen Badrankolumne, die irgendwann die ebenso nervige Tamara Funiciello abgelöst hat, vermutlich weil diese Medienpräsenz im Tagi irgendwann vom SP Politbüro zur Chefinnensache erklärt worden ist. Dabei wären mit Somm und Funiciello sich zwei in jeglicher Hinsicht kleinwüchsige gegenüber gestanden.
    Dr. Markus Somm hat es nicht leicht zur Zeit. Die Frau hat ihn verlassen, Feusi ebenso, der Nebenspalter serbelt nur noch dahin und die verbliebenen Podiumsdiskussionen zu denen er noch eingeladen wird, sind meist auch nur drittklassiger Natur.

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      • Peter Pancake
        Peter Pancake sagte:

        Na ja – er ist ja nur von seiner Frau verlassen worden, etwas was tagtäglich vielen passiert und offenbar auch an seiner Humorlosigkeit beim Nebelspalter gescheitert, aber Vermögen wird er wohl genug haben um das zu überstehen.
        Von einer Krebserkrankung oder ähnlichem habe ich nie was gelesen – darum braucht er auch keine Ambulanz.

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