Götterdämmerung

Trump-Groupie Urs Gehriger kritisiert Trump.

Ist es enttäuschte Liebe? Schon im April hatte der WeWo-Redaktor einen ersten Schwächeanfall, die Trumpete war kurzzeitig verstopft und verstimmt. Aber dann fand er wieder zu alten Lobeshymnen und verglich die wirre Zickzackpolitik des Amoks im Weissen Haus mit den «Prinzipien des antiken chinesischen Meisterstrategen Sun Tzu». Auf diese irre Idee muss man erst mal kommen.

Im März hatte Gehriger noch behauptet: «Umfragen zeigen: Maga steht mit 94 Prozent hinter «Epic Fury»». Also hinter dem Iran-Desaster des Präsidenten. Das habe eine angeblich unabhängige Studie ergeben. Selbst Trump würde da von Fake News sprechen. Überhaupt feierte Gehriger die Präsidentschaft des narzisstischen Versagers als «Rückkehr der Vernunft».

Aber, oh Schreck, was ist denn nun passiert? «Trumps Iran-Deal: Im Tausch gegen trügerische Ruhe werden die Kernprobleme vertagt. Dem Teheraner Regime ist nicht zu trauen. Trotzdem kriecht Trump ihm auf den Leim. Und stärkt es.» Also wenn der Mann so weiterschreibt, wird er nicht mehr in den Protzpalast Mar-a-Lago eingeladen, um den wippenden Rock von Melania Trump bewundern zu dürfen.

Trump habe, so sieht er es überraschungsfrei selbst, einen «grossartigen Deal» ausgehandelt mit dem Iran. Aber Gehriger wagt es doch tatsächlich, gegen den Stachel zu löcken: «Mit Verlaub, Mister President, Sie täuschen sich

Nein, nix Verlaub, so eine Majestätsbeleidigung erlaubt Trump niemals. Aber Gehriger ist nicht zu stoppen: «Offenbar steht die Freigabe von Milliarden Dollar im Raum – ein fataler Fehler.» Trump und fataler Fehler? Wie kann er es nur wagen.

Kühn ergreift er auch das Wort für alle Iraner: «Die rund neunzig Millionen Iraner, die unter extremer Repression leben, fühlen sich von den USA betrogen.» Gnadenlos listet Gehriger weitere Schwachstellen dieses angeblichen Deals auf:

«Gänzlich ausgeklammert ist offenbar das iranische Programm für ballistische Raketen, mit welchen Atomsprengköpfe verschossen werden können. … Ebenfalls nicht thematisiert ist die finanzielle und militärische Unterstützung regionaler Terrorgruppen wie Hisbollah, Hamas und Huthis, welche die Region in kriegerische Beugehaft nehmen.»

Zum Schluss, das wird dann Ärger bei der nächsten Einreise in die USA geben, holt Gehriger zum vernichtenden Schlag aus: «Nach monatelangen Kämpfen und exorbitanten Kriegskosten gibt der bedrängte US-Präsident dem Regime genau das, was es will: Anerkennung und Konsolidierung als Schlüsselmacht über Nahost hinaus. Von «Frieden und Sicherheit für die gesamte Region» kann keine Rede sein.»

Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, dass selbst Gehriger die geniale Anwendung der Prinzipien von Sun Tzu durch Trump nicht mehr durchschaut. Oder aber, es ist wie in jeder emotionalen Beziehung: es gibt bessere und schlechtere Tage. Man liegt sich in den Armen und wippt mit – oder man versteht sich nicht und wagt grimmige Worte.

Eine alte Regel: Niemand kritisiert sein ehemaliges Idol so scharf wie der Renegat.

ZACKBUM hingegen glaubt an das Gute im Menschen (obwohl dafür immer weniger Anlass besteht). Es ist auch denkbar, dass Gehriger endlich aus seinem Schlaf der Vernunft erwacht ist, das Licht gesehen hat und nun wie viele andere abgefallene Trump-Jünger (Tucker Carlson lässt grüssen) sein gefallenes Idol basht. Weiter so, rufen wir ihm ermunternd zu. Am Anfang tut’s weh, aber dann ergeben sich ungeahnte neue Einsichten in die wirkliche Welt.

10 Kommentare
  1. Remo
    Remo sagte:

    Tja, Gehringer ist nicht der Einzige, der andere Erwartungen an Trump hatte als dieser lieferte. Dürfte viele davon in der Schweiz und Europa geben, ganz zu schweigen von den ganzen MAGA-Anhängern, denen Trump versprochen hatte, Kriege zu beenden und keine neuen anzufangen und sich auf Wohlergehen USA zu konzentrieren usw. usf.

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  2. Peter Pancake
    Peter Pancake sagte:

    Der Möchtegernsatireverleger Dr. Markus Somm hat sich jetzt im Tagi auch schon etwas abgewendet vom Donald Trump. Stimmte er gemäss seiner Tagikolumne dessen Politik früher noch zu «82%» zu, so seien es heute nur noch 47% – vermutlich als arg herbeigewürgter Scherz missglückter Scherz gemeint in Anlehnung an den 47. POTUS Maximus Americanus.
    Die Ratten scheinen das versinkende Schiff zumindest halbwegs zu verlassen und suchen einen Weg wie man da halbwegs reputationsmässig wieder rauskommt.
    Noch 134 Tage bis zu den Midterms — danach mal schauen wie viele noch loyal zu Donald dem I. sein werden.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Gehriger schreibt in der Satirezeitschrift WeltWoche, vormals MAD unter dem Klon Roger Köppel, in Wirklichkeit Alfred E. Neuman!

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Danke, dass Sie für uns diese Zusammenhänge aufgedeckt haben, Brunner! Alfred E. Neumann? War das nicht diese Figur, die in MAD jeweils auftauchte? Also das MAD, das in der Ihnen sprachlich zugänglichen Ausgabe im Wesentlichen von Herbert Feuerstein verantwortet wurde? Na, das ist ja zum Schiessen! Und „Satirezeitschrift WeltWoche“: köstlich, köstlich! Aber da ergibt sich ja dann wiederum eine Verbindung zur Satirezeitschrift MAD. Ein Feuerwerk, ja Feuerstein, an Bezügen und Anspielungen!

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  4. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Gehriger wird auch noch auf die Welt kommen. Diese ist in ständigem
    Wandel begriffen. Das haben die «Mullahs» schneller begriffen als
    Gehriger. Wie die dem Donald die Hosen gekürzt haben!

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  5. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    «Mit Verlaub, Mister President, Sie täuschen sich!» Weiss eigentlich noch irgendjemand, woher der Spruch kommt?
    Und die nervige Schlaumeierphrase „XY lässt grüssen.“? Woher kommt eigentlich die?

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