Balzli macht buh

Fällt dir fürs Editorial gar nichts ein, schreib den ganz grossen Untergang rein.

Doomsday-Propheten haben einen Vorteil: irgend wann kommt er immer, der nächste Untergang. Meistens ist es dann kein Weltuntergang, sondern einfach eine geplatzte Blase. Seit John Law die französische Wirtschaft zuerst sanierte und dann ruinierte, erfolgt das mit schöner Regelmässigkeit.

Wobei man nicht vergessen sollte, dass Law die Grundlagen für das heutige Papier- oder Fiat-Geld legte, was kein kleines Verdienst ist.

Ölkrisen, der Schwarze Montag von 1987, die asiatische Finanzkrise, Dotcom-Krise, die globale Finanzkrise von 2007, die europäische Schuldenkrise, immer wieder sahen sich alle bestätigt, die mit Plakaten herumlaufen: the end is near.

Die Ursachen sind immer die gleichen: Spekulationsblasen, exzessive Verschuldung, Fehlanreize und mangelhafte Regulierung der Finanzmärkte. Befeuert durch übermässige Gier.

Beat Balzli, der Chefredaktor der «NZZamSonntag», ist immer verzweifelt auf der Suche nach einem Thema für sein Editorial. Jüngste Verzweiflungstat: «Willkommen in der Dagobert-Ökonomie – oder warum der Crash nicht weit weg ist». Schon der Titel ist ein typischer Balzli. Was der Börsengang von SpaceX mit Dagobert Duck zu tun hat (der nie an die Börse ging), und wieso das, oh schreckliche Metapher, Elon Musk zur «reichsten Ente der Welt» mache, wer weiss das schon.

Zu dieser Holzhacker-Logik passt die handgeschnitzte Illustration, die jeder Anfänger besser hinkriegte:

Amateur-Sauglattismus à la NZZaS. Bildzitat.

Aber eins weiss Balzli: «Der Kapitalismus produziert den grössten Exzess seit seinem Bestehen – und alle fragen sich, ob das gut endet. Wahrscheinlich nicht, lautet die Antwort.» Endlich mal eine klare Antwort eines Sehers. Wahrscheinlich nicht. Oder schon. Oder doch. Oder anders.

Er kann seine Warnung sogar mit Zahlen unterlegen: «Doch die Traumfabrik der Musk-Jünger ist ein finanzarithmetischer Albtraum. Allein im ersten Quartal produziert die Truppe des Visionärs einen Verlust von 4,3 Milliarden.» Verluste sind allerdings kein sinnvoller Messfühler für die Sinnhaftigkeit einer Investition. Sollte Balzli eigentlich wissen.

Musk ist tatsächlich ein Traumtänzer, der immer neue Innovationen (oder Ankündigungen davon) genialisch zu vermarkten weiss. Elektroautos, damit überrumpelte er die Autoindustrie. Tesla hat eine Börsenkapitalisierung von 1,4 Billionen US-Dollar. Mehr als die nächsten zehn Autobuden der Welt zusammen. Dabei verkauft er weniger Autos, und die Chinesen haben ihn technologisch längst abgehängt. Aber seit wann hat die Börse etwas mit Rationalität zu tun.

Nun hebt Balzli aber den Warnfinger hoch in die Luft: «Kommt der Crash? Zumindest kommt er näher – und er dürfte «viel gravierender» ausfallen als das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, meint Gita Gopinath, die ehemalige Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds.»

Immer gut, wenn man sich dabei auf eine Fachfrau abstützen kann. Macht ja nichts, dass Gopinath schon mehrfach daneben lag, so mit ihrer Prognose, dass der Inflationsschub nach der Pandemie nur ein schnell vorübergehendes Phänomen sei. Überhaupt glaubt sie an eine regelgebundene Wirtschaftspolitik, was angesichts eines US-Präsidenten Trump doch eher illusionär ist.

Aber zurück zu Balzli, der sich wie meist beim Ausstieg aus seinem Editorial verbremst: «Glücklich, wer dann Bargeld, Immobilien und einen Gemüsegarten besitzt. Oder wie Dagobert Duck sagen würde: «Lieber reich und gesund als arm und krank.»»

Bargeld? Angesichts der Tatsache, dass die Überschuldung der meisten Industriestaaten nur weginflationiert werden kann, wenn es nicht gar eine Währungsreform regeln muss, ein kühner Ratschlag.

Das ist nun eine Binse wie die Vorhersage des nächsten Crashs. Wohlfeile Prognosen, nach der Devise: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert das Wetter – oder bleibt, wie es ist.

4 Kommentare
  1. Philomena Leibundgut
    Philomena Leibundgut sagte:

    Um 2005 und 2006 gab es auch einige wenige die warnten, dass diese Housing Bubble und insbesonders die Subprime Bubble irgendwann platzen wird. Einige waren Oekonomen wie Nouriel Roubini, Raghuram Rajan, Steve Keen andere gestande Akteure im Finanzbusiness wie der eigentlich immer pessimistische Multimilliardär Ray Dalio, Peter Schiff, Nassim Taleb oder der grosse Gewinner der Finanzkrise Michael Burry.
    Alle wurden lange belächelt und als hoffnungslose Pessimisten abgetan und hatten am Ende recht behalten. Mit den ganzen Verbriefungen und insb. mit der neuartigen Möglichkeit mittels Derivaten dank dem Commodity Futures Modernization Act of 2000 (CFMA) Hypotheken so zu pimpen, dass die Zinskosten in den ersten drei Jahren tief sind und dann massiv steigen, hat man einen perfekten Zeitbombeneffekt kreiert und vielen nicht solventen Menschen Häuser und Hypotheken untergejubelt, die anfangs günstig waren und ab 2007 begannen sie dann zahlungsunfähig zu werden. Dazu das ganze noch intransparent verpackt in toxischen Mixbonds wie CDO, CMO usw usw.
    Hätte man auch mit gesundem Menschenverstand drauf kommen können, dass das nicht ewig so weiter funktionieren kann mit den rasant steigenden Hauspreisen und solch luschen Finanzierungen.
    Die Banker haben sich dann rausgeredet wie kleine Schulbuben, dass in ihren Risikomodellen so ein Fall eigentlich nur alle Mio Jahre mal eintreten würde. Auch unsere UBS und Swiss Re sind voll ins Messer gelaufen als sie um 2006 auch noch mitmischeln wollten, als die Party schon so gut wie vorbei war.
    Und seither spielen auch Journalisten regelmässig und gerne beim grossen Crashpessimistengame mit. Sicher gibt es genügend Anzeichen mit historisch hohen Verschuldungen, exorbitanten Bewertungen und falls es dann einen Crash geben sollte, dann können sie selbstgerecht auf ihr Geschreibsel von früher verweisen und wenn es nicht tätscht, geht das einfach in der täglichen Informationsflut sang- und klanglos unter.

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  2. René Küng
    René Küng sagte:

    Immerhin schön geplant dieser Kräsch.
    Der ultimativ innowattive Raubzug auf die Sparbazzeli der Dummies, Miniatur-Spekulanten und Institutsionellen verlängert die Mask-it-Blase, schwemmt nochmals Geld in die Kriegsführung by joystick&Co.
    Bevor dann alle happy à la Schwöbli gemacht werden.
    Gebuustert, Medien-verblödet, immunisiert gegen jedes Verbrechen der westlichen anFührer und jetzt EUphorisiert zum Sprung von der Speys-ix.

    Korrekturen hoffnungslos, Archaische Intelligäns.

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