Lustiges Verrechnen mit Badran

Selbst in eigener Sache ist die Verbal-Ramme nicht sattelfest.

Die NZZaS war so nett, einen Artikel über Jacqueline Badran zu veröffentlichen. Mit einem liebevollen Titel:

Bei genauerer Betrachtung ist er dann doch nicht so nett. Denn Autorin Ladina Triaca hat sich zwar ihre Sporen bei der «Blick»-Bundeshausredaktion abverdient, aber Wirtschaft ist nicht so ganz ihr Beritt.

Sie erläutert das Unternehmen der Unternehmerin: «Heute zählt die Firma Zeix 36 Mitarbeitende und entwickelt Websites und Software, die für die Benutzer möglichst einfach bedienbar sein sollen.»

Laut Webseite sind es 39 Mitarbeiter, aber macht ja nix. Dann wird Triaca ein wenig fies: «Badrans Firma hat auch zahlreiche öffentliche Auftraggeber: Bundesämter, Stadt und Kanton Zürich, Post, SBB, Hochschulen.»

Anschliessend zählt sie auf, was für Einnahmen die linke Nationalrätin damit erzielte: «Zwischen 2010 und 2024 flossen gemäss Angaben des Bundes 7,9 Millionen Franken aus der gesamten Bundesverwaltung an die Firma Zeix. Das heisst: durchschnittlich eine halbe Million Franken pro Jahr. Die SBB haben dem Unternehmen im selben Zeitraum rund 900 000 Franken für Dienstleistungen bezahlt. Und die Stadt Zürich hat für ein Projekt einen Auftrag in der Höhe von 177 000 Franken an Zeix vergeben.»

Das wären also insgesamt rund 9 Millionen Franken in 15 Jahren. Also schlappe 600’000 pro Jahr. Dann zitiert Triaca die wie immer zahlensichere Kämpferin für Gerechtigkeit für alle:

«Badran sagt, die Firma Zeix erhalte etwa die Hälfte der Aufträge von der öffentlichen Hand und die andere Hälfte von privaten Firmen wie Grossbanken, Versicherungen oder Pharmafirmen.»

Wäre das so, hätte die Firma also insgesamt 1,2 Millionen Franken Umsatz gemacht pro Jahr. Zudem behauptet Badran, für ihr schmuckes Headquarter beim Stauffacher zahle sie 30 Prozent mehr als die marktübliche Miete, zudem habe sie doch «800’000 Franken in das Haus investiert».

Allerdings weigert sich die grosse Kämpferin für Transparenz und Mietgerechtigkeit, bekannt zu geben, wie viel sie dann genau bezahle, und wieso um Marx willen 30 Prozent über der Marktmiete. Auch die Stadt Zürich als Vermieterin kneift und gibt keine Auskunft.

Lassen wir das als merkwürdigen Widerspruch stehen, auf ihre üppigen privaten Wohnverhältnisse lässt sich Badran auch nur sehr ungern ansprechen.

Aber tun wir das, was Triaca unterlassen hat. Wie jeder wissen sollte, braucht man für eine Agentur dieser Grösse einen Jahresumsatz von mindestens 6, vielleicht auch bis zu 12 Millionen Franken, wenn man so viele Nasen beschäftigt. Selbst wenn man annimmt, dass noch weitere 600’000 Staatsaufträge und somit zusätzliche 600’000 Einnahmen aus dem privaten Sektor dazukämen, wären wir auch erst bei 2,4 Millionen Jahresumsatz.

So könnte man linkes Unternehmertum eigentlich nur erklären, wenn Badran zudem Subventionen oder weiteren Zustupf unbekannter Herkunft erhält.

Schliesslich gesteht Badran ohne Not ein, dass die Hälfte ihres Umsatzes aus Staatsknete besteht. Es ist wieder einmal peinlich, wie wenig selbst bei der NZZaS Hausaufgaben gemacht werden oder Aussagen auf ihre Plausibilität überprüft.

Dabei sollte man doch wissen, dass gerade bei Badran Zahlenangaben mit höchster Vorsicht betrachtet werden müssen; ihre Trefferquote ist nicht berauschend. Aber was ist auch von einer Finanzspezialistin und grossen Volkswirtschaftskoryphäe zu erwarten, die von einem «UBS Fond» spricht. Was ihr das Schwesterblatt «SonntagsZeitung» auch unkorrigiert durchgehen lässt, obwohl es inakzeptabel ist. Ohne zu fragen, ob Badran damit Kalbs- oder Gemüsefond meinte. Oder vielleicht den Fond einer Limousine.

Ist das alles aschgrau.

10 Kommentare
  1. Philomena Leibundgut
    Philomena Leibundgut sagte:

    Oder beschäftigt Frau Badran am Ende gar vor allem kostengünstige Praktikant*innen zu Hungerlöhnen um jenen eine Einstiegsmöglichkeit in die wunderbare Ausbeuterwelt des Kapitalismus mit Zeix zu zeigen?
    Für schlappe 600’000 Staatsknete pro Jahr kriegt man auf dem hartumkämpften Einstiegsmarkt sicher 20 Volontär*innen, die sich nach Strich und Faden ausbeuten lassen. Gemäss Badran im Artikel sei die wichtigste Voraussetzung für den Job nur ein «guter Charakter», alles andere könne man on the Job erlernen.
    Womit wir wieder bei Marx wären mit seiner Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, welches gemäss dem grossen Vordenker auch kein moralisches Versehen sei, sondern schlichtweg das strukturelle Fundament des Kapitalismus.
    Als Unternehmerin in diesem unerbittlichen hartumkämpften System ist Frau Badran am Ende eben auch nur ein Systemopfer und damit schlichtweg gezwungen wie eine Kapitalistin zu denken und zu agieren.

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Leibundgut, Sie gründen Vorwürfe, Verdächtigungen und Denunziationen auf reiner Spekulation. Und Sie schämen sich nicht. Zudem zitieren Sie in zustimmendem Sinn Marx. Und schämen sich auch dafür nicht. Darf ich mir „am Ende gar“ ebenfalls erlauben, über Ihre Wenigkeit auf der Basis von Vermutungen ein Sittenbild samt Einbettung in eine närrische Verschwörungstheorie zu zeichnen? Ohne mich für solch voraufklärerisches Tun zu schämen?

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      • Philomena Leibundgut
        Philomena Leibundgut sagte:

        Ich frag mich einfach wie das denn aufgehen soll, zumindest wenn die NZZ hier die vollen Zahlen und Relationen beschreibt.
        Mit 1.2 Mio im Jahr und 36-39 MitarbeiterInnen plus Miete, Administrationskosten, Spesen, MWST, Sozialabgaben, Schulungen usw usw. wäre das ein echtes Manna-Wunder von biblischen Dimensionen..
        Vielleicht sind Sie anstatt hier den griesgrämigen Bitterli zu spielen bereit mal den erklärenden Süssli zu spielen, der mir Dummchen solch wundersame Zahlenmagie liebevoll erklären kann.
        Mit so wenig Geld könnte man 39 Menschen auch gemäss dem SKOS Sozialhilfetarif durchbringen.
        Kann aber Badran tatsächlich Geld aus dem Nichts zaubern und schöpfen, dann würde sie nicht nur in den Ständerat, sondern direkt in den Bundesrat als ultimatives Alphaweibchen gehören.

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        • Peter Bitterli
          Peter Bitterli sagte:

          Lenken Sie nicht ab. Zünden Sie keine Nebelgranaten. Wechseln Sie nicht das Thema.
          Danke, dass Sie Marx aus dem Spiel lassen. Es gibt nämlich weder Mehrwert noch Ausbeutung. Nur Schaffung von Arbeitsplätzen.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Artikel Teil einer versteckten Kampagne, Unmut über eine erfolgreiche Politikern? Etwas früh. Wahlen sind erst 2027!

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