Wirkung wie eine Stubenfliege

Jacqueline Badran will die grosse Mieterkämpferin sein. Es darf gelacht werden.

Die Heckenschützin und mögliche Ständeratskandidatin der SP Zürich trompetet immer und überall, dass sie die grosse Verteidigerin der Rechte der Mieter sei. Unermüdlich im Kampf gegen Miethaie, ausbeuterische Vermieter, die sich auf Kosten des Menschenrechts Wohnen dumm und krumm verdienen.

So zieht Badran in ihrem neusten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» mal wieder zu ihrem Lieblingsthema vom Leder. Also eigentlich hat sie zwei. Mieten – und sich selbst. Das ergänzt sich hier:

««Ihr seid kein Einzelfall», erzählte ich – traurig und verärgert gleichzeitig – vorgestern an einem Solidaritätsfest vor leergekündigten Bewohnerinnen in Witikon (UBS-Fond).»

Dass sie selbst den SVP-Vorschlag, die UBS mehr an die Kandare zu nehmen, abgeschossen hat, das erwähnt sie lieber nicht. Genauso wenig, dass man ständig versuchen muss, ihr «Korrigendum» zu korrigieren.

Sie hat eine neue Variante in ihrem ewig gleiche Gezeter entdeckt: «Leerkündigungen haben epidemische Ausmasse angenommen, und zwar in der ganzen Schweiz.»

Leider muss man hier ihre beiden Lieblingsworte verwenden: inakzeptabel und falsch. Im Kanton Zürich lagen die Zahlen von 2022 und 2023 sogar unter denen des Vorjahrs. Und Basel-Stadt, nicht gerade im Verdacht, vermieterfreundlich zu sein, hält ausdrücklich auch fest: «In den Jahren 2022 und 2023 sind Leerkündigungen zurückgegangen.»

Was zugenommen hat, ist die mediale Beachtung. Und da es Badran im Prinzip auch genau darum geht, poltert sie halt mal wieder los. Und plaudert und schnaubt ohne Rücksichten auf Fakten oder Zahlen.

Mitten im Geplapper lässt sie noch zwei weitere Zahlen auf den Leser regnen, die sie irgendwo aufgeschnappt – und nicht verstanden hat:

«Die Wohneigentumsquote ist von 42 auf 36 Prozent gesunken.»

Inakzeptabel, falsch und Quatsch. Einer hat das mal genau angeschaut und auseinandergenommen, besten Dank dafür:

Diese Aussage ist falsch und beruht auf einem offensichtlichen Unverständnis der Materie der Autorin.
Der Unterschied zwischen der Wohneigentumsquote des Bundesamts für Statistik (BFS) (etwa 36 %) und der von Eurostat (rund 42 %) in der Schweiz liegt an der unterschiedlichen Bezugsgrösse der Statistik.
BFS: Rechnet auf Haushaltsebene. Rund 36 % aller dauerhaft bewohnten Privathaushalte in der Schweiz leben im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.
Eurostat: Rechnet auf Personenebene. Rund 42 % der Bevölkerung leben in Wohneigentum.
Gemäss BfS lag sie 2010 bei 36.8% und 2024 bei 35.7%, was sich vor allem durch die Zuwanderung erklären lässt, da diese hauptsächlich Mieter sind.
Gegen Schluss kommt allerdings ein Satz von Badran, den ZACKBUM mit beiden Händen unterschreiben kann: «Wir können uns wohl alle darauf einigen: Das ist inakzeptabel und schädigt die Volkswirtschaft.»
Richtig. Eine lautstarke Vertreterin der Interessen der Mieter, die sich ständig lächerlich macht, indem sie Zahlen falsch verwendet, falsch interpretiert, falsche Schlussfolgerungen daraus zieht, schadet schlussendlich den Mietern und schädigt damit auch die Volkswirtschaft.
Erschwerend kommt hinzu, dass so jemand offensichtlich in den Ständerat strebt, wo man sich viel mehr als im Nationalrat darum bemüht, sinnvolle Kompromisse zu finden. Allerdings basieren die auf einer kompetenten Analyse von richtigen Zahlen. Stiesse da jemand dazu, der solchen Stuss schreibt, dann wäre dessen Wirkung ungefähr gleich gross wie die einer Stubenfliege.
14 Kommentare
  1. Oliver Brunner
    Oliver Brunner sagte:

    Wäre die Dame ein Mann, wäre sie schon lange gecancelt. Sie wettert und beschimpft gerne gegen Personen und unter der Gürtellinie. Vor allem, wenn man sie auf ihre persönlichen Widersprüche hinweist. Ich befürchte, die Zürcher Schafherde wählt sie in den Ständerat.

    Antworten
  2. Ruedi Rudolf
    Ruedi Rudolf sagte:

    Zitat: “Eurostat: Rechnet auf Personenebene. Rund 42 % der Bevölkerung leben in Wohneigentum.“

    Hypo-Kredit belastete Immobilien sind kein Wohneigentum der Bevölkerung – ist Wohneigentum der Bank – die Bevölkerung ist Mieter mit Hypo-Kredit – So lange etwas nicht bezahlt ist – gehört es einem nicht.

    Wie viel Prozent der Bevölkerung lebt in schuldenfreien Immobilien in der Schweiz? – Also echtem Wohneigentum – nicht Schein-Wohneigentum?“

    Trau keiner Statistik und keinen Umfragen!

    Antworten
  3. Marcel
    Marcel sagte:

    Ihre rüde, oft etwas vulgäre, kombative und auch sehr unsensible Art schlägt sich offensichtlich auch auf ihren Umgang mit Zahlen nieder, wo sie immer öfter sehr gschlampert und/oder unredlich manipulativ daherargumentiert.
    Aber da ihre Fanbasis die wohl unkritischste der Welt ist, wenn nur das notorisch bewirtschaftete Feindbild stimmt, kann sie das eben auch.
    Gerne beleidigt sie ihre politischen Gegner und Gegnerinnen mit dem etwas abgelutschten 0815 Prollsprüchlein «dumm wie Brot» – dabei gehört Brot wohl zu den wichtigsten und intelligentesten Erfindungen der Menschheitsgeschichte überhaupt.
    Man bekommt längs wie mehr den Eindruck, dass die Frau Badran nie so ganz richtig gebacken wurde. Wenn sie so weiter macht, könnte der dumme Brotspruch in den Wandelhallen von Bundesbern etwas abgewandelt irgendwann mal in der Version «dumm wie Badran» gebräuchlich werden.
    Sogar gewisse Aehnlichkeiten mit Donald dem Ersten sind mittlerweile unverkennbar neben der Alkoholabstinenz, der beide fröhnen, einer sehr devoten unkritischen und allesgläubigen Fanbasis die beide haben, halten sie sich in ihrem Grössenwahn mittlerweile für unfehlbar und eine gemeinsame absolute Lieblingsbeschäftigung ist die krude Abkanzelung von Journalisten, die unliebsame Fragen stellen – da blühen diese beiden erst richtig auf.

    Antworten
    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Hartmann, meinen Sie wirklich, es gehe Sie mehr als einen feuchten Dingsbums an, wie eine Person in ZH lebt und wohnt, oder die Wohnsituation hätte einen Einfluss auf die Relevanz der Forderungen der Wohnenden? Da nämlich Letzteres nicht der Fall ist, ist auch Ersteres nicht der Fall, und wir landen genau da, wo wir begonnen haben: beim feuchten Dingsbums. Irrelevanter ist nur noch, was Sie zu einem Bericht im „Blick“ so meinen. Wir Lesenden haben indessen gelernt, dass Sie sich offenbar Wohnraumzuteilung der kubanischen Art wünschen.

      Antworten
  4. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Jacqueline Badran macht auch einmal einen Rechenfehler.
    Kann passieren. Die meisten übrigen Politiker können nicht einmal
    bis 10 zählen. Und schon gar nicht bis 10 Millionen!

    Antworten
    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Ääähm, Füglistaler, wieviel fehlen denn eigentlich von 10 bis 10‘000‘000? Können Sie das ausknobeln, so als einer der meisten Nichtpolitiker? Kleiner Tipp: Es handelt sich nicht um eine 10 mit Nullen.

      Antworten
    • Marcel
      Marcel sagte:

      Mal abgesehen, dass es sich hier nicht um einen Rechenfehler handelt, sondern dass sie offensichtlich nicht mal gewisse statistische Basics aus ihrem Fachgebiet richtig versteht, hat sie in den letzten Jahren mit Zahlen doch ziemlich geschlampt oder diese weltfremd manipulativ angewendet.
      Man könnte fast schon meinen, sie politisiere jetzt für die SVP – dort ist sowas bekanntlich seit Jahren schon gang und gäbe.

      Antworten
        • Marcel
          Marcel sagte:

          Ich mag einfach keine PolitikerInnen die notorisch mit Zahlen grobfahrlässig, manipulativ oder sonst schlampig umgehen — egal ob SP, SVP oder weitere — aber diese beiden sind mit Abstand die übelsten.

          Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert