Rässe alte Tante

An der Falkenstrasse geht es wie im hölzernen Himmel zu und her.

Da soll noch einer sagen, ein uraltes Traditionsblatt bewege sich nur gravitätisch und wie die Peristaltik.

Anfang 2025 schied Nicole Anliker aus der Chefredaktion aus. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation des Blatts. Marc Felix Serrano, der seit 2017 das erfolgreiche Berliner Büro aufgebaut hatte, verabschiedete sich Ende 2025.

Während nach René Scheu mit Rico Bandle wieder ein Feuilletonchef installiert wurde, der es durchaus auch krachen lässt, krachte es im Zusammenhang mit der versuchten Einwechslung von Dominik Feusi vom «Nebelspalter».

Der hätte die Wirtschaftsredaktion ergänzen sollen, wurde aber noch vor Stellenantritt von einem internen Heckenschützen abgeschossen. Der spielte dem Ein-Mann-Recherchiergenie Fabian Eberhard vom SoBli eine Untersuchung zu, die ergeben hatte, dass Feusi anno 2024 in einem Fall ungeniert und ungeschickt plagiiert hatte.

Im Vorfeld war der Leiter der Bundeshausredaktion der NZZ mit Getöse zu CH Media gewechselt. Fabian Schäfer war bereits der zweite Abgang nach dem Wirtschaftsredaktor Hansueli Schöchli. Der hatte zuvor unter Ausreizung des liberalen Prinzips im Blatt ein Interview von Katharina Fontana gekontert.

Schon der Versuch, Markus Somm als neuen Chefredaktor zu installieren, war an einem Aufstand der Redaktion gescheitert. Auch Jonas Projer musste erleben, dass Mobbing eine der Lieblingsbeschäftigungen der NZZaS-Redaktion ist. Nur zwei Jahre dauerte seine Amtszeit als Chefredaktor. Dann musste er blitzartig durch Beat Balzli ersetzt werden, der eigentlich als Verstärkung für Deutschland eingekauft worden war.

Und seither durch erratische Editorials und eine allgemeine Sittenverluderung bei der NZZaS auffällt.  Mit dem Absägen von Projer hatte sich die Redaktion allerdings selbst ins Knie geschossen. Interne Hoffnungen, seine Nachfolge antreten zu können, erfüllten sich nicht. Im Gegenteil, die Redaktion wurde enger in den Machtbereich von God almighty Eric Gujer eingebunden. Und die begabte Wirtschaftsjournalistin Zoé Baches ging oder wurde gegangen.

Womit die wichtigste Personalie erwähnt wäre. Denn die Amtszeit des Urgesteins Gujer neigt sich dem Ende zu. Er ist bereits seit 1986 für die NZZ tätig und übernahm 2015 die Chefredaktion. In seiner Regentschaft überstand er das unselige Wirken der CEO-Fehlbesetzung Veit Dengler. Schon vor seiner Zeit hatte der Digital-Guru Peter Hogenkamp nach vollmundigen Ankündigungen eine miese Performance und einen unheimlich schwachen Abgang hingelegt.

Der aktuelle CEO Felix Graf fährt einen scharfen Reifen mit der Übernahme der Plakatgesellschaft APG/SGA, während in diversen Schweizer Städten ein Verbot der Aussenwerbung diskutiert wird.

Während Dengler mit seinem Versuch, in seinem Heimatland Österreich mit der NZZ Fuss zu fassen, krachend scheiterte, macht Gujer die erfolgreiche Expansion nach Deutschland unangreifbar. Aber auch er entgeht der Altersguillotine nicht, obwohl er dem Vernehmen nach gerne länger im Amt geblieben wäre.

Und dann? In der Pole Position steht Benedict Neff. Er verdiente sich als Feuilletonchef die Sporen ab und ersetzte dann endlich Alles-Besserwisser Peter Rásonyi als Chef Ausland, der zu einem «strategischen Projekt zur Internationalisierung» aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Chanchal Biswas, der den Kampf um die Leitung des wichtigen Wirtschaftsressorts gewann, wäre ebenfalls ein möglicher Kandidat. Dann gäbe es noch die Quotenfrau Christina Neuhaus, wenn auch die NZZ nicht in erster Linie nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht entscheiden will.

Am 12. Januar 1780 gegründet, 246 Jahre alt. Nicht nur aus persönlicher Nostalgie wünscht ihr ZACKBUM auch zukünftig alles Gute. Denn bei allem Gemecker: gegen sie sind die anderen Medien in der Schweiz ein Schluck lauwarmes Wasser. Ausser diese Medienplattform, natürlich.

 

8 Kommentare
  1. Heinz F.
    Heinz F. sagte:

    Bitte lesefreundlichere Farben wählen: Gelbe Links auf weissem Hintergrund: Geht gar nicht, strengt an, ist fast nicht lesbar.
    Und wenn man dann denkt, man könnte den Fliesstext vielleicht mit der Maus markieren/selektieren, und ihn dann besser lesen, wird es noch schlimmer: Weisse Schrift auf Gelbem Hintergrund, gar nicht mehr lesbar.
    Danke.

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  2. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Es ist zweifellos wichtig, dass es die WW gibt. Ihr Stil aber ist meist widerlich, ihr Chef ein fundamental ungebildeter Wichtigtuer, viele der Mitarbeiter zutiefst unsympathische Zeitgenossen. Schade!

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    • Mathias Wyss
      Mathias Wyss sagte:

      Da wird Ihnen Ihr Spezi B. kaum widersprechen. Will heissen ist unter Ihrem Niveau. Aber offenbar kennen Sie die «vielen» persönlich.

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      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        Who the hell ist mein Spezi B.?
        Aber nein, ich kenne nicht „die vielen“ persönlich. Aber viele vom Anschauen und -hören. Ich nenne Ihnen gerne drei, die mir unsympathisch sind: Gut, Zeller, Mörgeli.

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    • Edie Brown
      Edie Brown sagte:

      Kommentarschreiber Bitterli, ein fundamental eingebildeter Wichtigtuer und ein zutiefst unsympathischer Zeitgenosse.
      Ich habe seit Jahrzehnten die NZZ abonniert und auch ein WW-Abo, und lese sie beide ausgiebig. Mit der NZZ ist es mittlerweile etwas schwierig. Herr Zeyer bringt es auf den Punkt.

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    • Guido Kirschke
      Guido Kirschke sagte:

      Dito ohne NZZ. Da bin ich während «Corona» abgesprungen, da dort überwiegend auch nur der übliche Trott verkauft wurde.

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