Plagööri oder Plagiator?

Fabian Eberhard vom SoBli wirft im Glashaus mit Steinen.

Es war ein sauberer Blattschuss. Kurz vor seinem Stellenantritt warf Eberhard dem «Nebelspalter»-Redaktor Dominik Feusi einen «Plagiat-Eklat» vor. Daraufhin bestätigte die NZZ, dass Feusi nicht als Wirtschaftsredaktor tätig würde, sondern gekündigt sei.

Feusi habe im Herbst 2024 eine Nahost-Analyse beim britischen «Telegraph» abgeschrieben. Das hätten ««SonntagsBlick»-Recherchen» ergeben. Die «SoBli-Analyse» zeige, «dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden».

Unter dem knackigen Titel «Abgeschrieben, aufgestiegen, rausgeschmissen» garniert Eberhard seinen Artikel mit einer ausführlichen Gegenüberstellung des Originals vom 2. Oktober und des Plagiats von Feusi vom 3. Oktober 2024.

Das ist übel. Obwohl Feusi zu Kreuze kroch und es als unentschuldbar bezeichnete, «so etwas darf nicht passieren», löste die NZZ seinen Vertrag auf. Oder in den Worten Eberhards: «Als SonntagsBlick am Samstag die «NZZ» mit der Recherche konfrontiert, kommt es zum Knall.»

Das ist der Knall, aber wer hat die Munition ins Eberhards Flinte gesteckt? Was hat der grosse Investigativ-Journalist, der nicht mal das Büro des Internetradios Kontrafunk fand, aber dennoch eine Fake-Verschwörungstheorie daraus bastelte, denn hier selber recherchiert?

«Ausgerechnet die «NZZ», Feusis baldige Arbeitgeberin, wurde damals auf das Plagiat aufmerksam. Ein Redaktor der Zeitung konfrontierte den «Nebelspalter»-Journalisten mit Fragen. Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen.»

Das ist tatsächlich «pikant», wie Eberhard maliziös schreibt. Aber aus anderen Gründen. Denn hier wird klar, dass dieser Blattschuss nicht aus eigenen Kräften abgefeuert wurde. Sondern dieser Redaktor (oder ein anderer Heckenschütze aus der NZZ) muss Eberhard die Sache gesteckt haben. Um die Anstellung Feusis doch noch zu verhindern, nachdem ihm das selbst offenbar nicht gelungen war.

Offensichtlich liess sich Eberhard willig anfüttern, um einen «rechtsbürgerlichen» Journalisten abzuschiessen. Nicht wirklich die feine Art bei einem längst geständigen Sünder.

Schlimmer noch: wie hält es Eberhard denn selbst mit dem heiklen Thema Plagiat? In Zeiten von Internet und KI verwischen sich immer mehr die Grenzen zwischen Selbstgebastelt und Zusammengeschrieben.

Daher hat ZACKBUM ihn mit einem ausführlichen Fragenkatalog konfrontiert:

Aus gegebenem Anlass möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, Stellung zu folgenden Fragen bezüglich Ihres Artikels «Sterben hier die Präsidentschaftsträume von J. D. Vance?» vom 12. 4. 2026 zu nehmen.
1. Haben Sie diesen Artikel mit KI-Unterstützung geschrieben?
2. Neben direkten und ausgewiesenen Quellenübernahmen aus Axios, gibt es weitere Passagen, die Sie direkt oder paraphrasierend übernommen haben?

3. Wenn man den gesamten Aufbau des Axios-Artikels mit Ihrem vergleicht, fällt auf, dass beide gleichartig sind:

  • Vance als Chefunterhändler
  • höchste diplomatische Mission seit 1979
  • persönliches politisches Risiko
  • mögliche Auswirkungen auf seine Zukunft
  • innenpolitische Spannungen innerhalb des Trump-Lagers
  • Pakistan als Vermittler
  • Kushner und Witkoff als Begleiter
4. Sind Sie damit einverstanden, dass es sich bei diesem Artikel nicht um eine eigenständige Analyse, sondern um einen Zusammenschrieb mehrerer englischsprachiger Quellen handelt? ergänzt um boulevardeske Zuspitzungen?
5. Wären Sie einverstanden, dass man ihn deshalb als Paraphrasenplagiat bezeichnen kann?
6. Wären Sie damit einverstanden, dass man ihn als Strukturplagiat bezeichnen kann?
7. Wären Sie damit einverstanden, dass man sagen kann, dass Sie dem Leser suggerieren, dass diese Recherche, dieser Gedankengang oder diese Formulierungen von Ihnen stammen, obwohl sie in Wahrheit von jemand anderem übernommen wurden?
8. Falls Sie nicht einverstanden sind, warum?
9. In Ihrem Artikel «Abgeschrieben, aufgestiegen, rausgeschmissen» schreiben Sie, dass eine «SoBli-Analyse» ergeben habe, dass Feusi 90 Prozent abgeschrieben habe. Haben Sie diesen Textvergleich selbst gemacht?
10. Sie erwähnen, dass bereits ein Redaktor der NZZ Feusi mit diesem Plagiat konfrontiert habe; man habe das nicht publiziert. Bestreiten Sie, dass dieser Redaktor (oder ein anderer Heckenschütze aus der NZZ) Sie mit diesem Plagiatsvorwurf angefüttert hat?
11. Was sagen Sie zum Vorwurf, sich damit dafür instrumentalisieren zu lassen, dass gewisse Kreise in der NZZ die Anstellung von Feusi unbedingt verhindern wollten?

12. Halten Sie es für ethisch vertretbar, jemanden, der bereits zu Kreuze gekrochen ist und alles einräumt, gnadenlos mit diesem Blattschuss zu erledigen?

 

Wie heutzutage üblich, darf nicht der Journalist selbst antworten, sondern die Ringier-Medienstelle. Entsprechend setzt es eine Portion Geschwurbel:
„Der von Ihnen erwähnte Artikel ist ein Zusammenschrieb und eine Einordnung der damaligen Nachrichtenlage. Dafür haben wir mehrere Quellen herangezogen, darunter den im Text als Quelle ausgewiesenen Bericht von Axios. Dass sich bei einer solchen Aufbereitung einzelne Formulierungen an die Vorlagen anlehnen oder diese paraphrasieren, lässt sich nicht ausschliessen.
Die von Ihnen aufgeführten Übereinstimmungen betreffen jedoch im Kern den tatsächlichen, vielfach berichteten Geschehensablauf, den jede seriöse Berichterstattung in vergleichbarer Reihenfolge wiedergeben würde. Eine eigenständige Recherche-Leistung von Axios haben wir nicht als eigene ausgegeben.
Ihre Einordnung als Plagiat teilen wir deshalb nicht.“
Dumm nur, dass ZACKBUM gar nicht eingeordnet hat, dass es sich um ein Plagiat handle. Die blödeste Art, Fragen nicht zu beantworten.
Und Fragen 9 bis 12?
Da ging selbst das Gedöns aus:
„Über die Antwort hinaus werden wir nichts kommentieren, zudem gilt der Quellenschutz.“
Quellenschutz? Auf die Frage, ob es eine Quelle gab oder nicht? Auf die Frage, ob Eberhard den Textvergleich selbst gemacht hat?
Lachen oder weinen, das ist hier die Frage. Armer Eberhard.
3 Kommentare
  1. Oliver Brunner
    Oliver Brunner sagte:

    Redaktoren aus der NZZ, die Feusi verhindern wollten (wie anno domini Somm), mussten Eberhard mehrmals angehen und pittipätti machen, bis er die «Recherche» übernahm. Der Mann der sonst nur Rechtsextreme sieht – in den Zürcher Zünften, im Hundezüchterverein und am polnischen Nationalfeiertag – war das Ganze zu wenig «Nazi».

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  2. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Woher, oh Hartmann, wissen Sie, dass „die drei Herren“ alle drei „am Morgen in den Spiegel“ schauen und „ihre Schandtaten auch noch gut“ finden? Sie stalken Männer beim Rasieren? Na ok, wenn schon, dann aber Schandtäter, Linksverdreher und Unwesenbetreiber, gell? Inwiefern aber ist solches Tun „bezeichnend“, und wofür? Und für wen? Nur für die, deren Phantasie ob rasierender Männer durchgeht, oder für die Rasierer?

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  3. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Fazit: ein hinterlistiger Linksverdrehter wird zum Steigbügel eines vermeintlichen Liberalen, mit einer Story ohne Fleisch am Knochen.

    Zur Erinnerung: ein Journalist aus Zug berichtete mehrfach einseitig und missachtet die einzuhaltenden Regeln. Zur Belohnung darf er sein Unwesen nun beim Bundesamt für Justiz weiter betreiben.

    Bezeichnend: die drei Herren schauen am Morgen in den Spiegel und finden ihre Schandtaten auch noch gut.

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