Zum Stand des Irrtums

Der Lieblingsscherz der «Republik», auf sie selbst angewendet.

Zunächst zur Aktivität des Autors dieses Bonmots. Constantin Seibt lebt noch, das ist die gute Nachricht. Allerdings hat er sich in den letzten sechs Monaten ganze vier Mal zu Wort gemeldet.

Einmal referierte er die wichtigsten Nachrichten der Woche, im November 2025. Ebenfalls im November fragte er sich in gewohnter Länge von 36’438 A: «Ist es ein Komet? Oder sind es Ausserirdische?» Und dann noch eine ellenlange Buchrezension auf 25’000 A, die nicht weniger langweilig als die beschriebene Buchtrilogie ist.

Überschaubarer Output für ein saftiges Monatssalär von schätzungsweise 8000 Franken. Denn die «Republik» mag an allem sparen, aber sicher nicht an den Gehältern ihrer 46 festangestellten Nasen. Dazu kommen 23 regelmässige Mitarbeiter, 4 Nasen Overhead und 5 Verwaltungsräte.

Besonders putzig ist die Bildergalerie des «Gründerinnenteams»:

Der weggemobbte Christof Moser sieht ziemlich schwarz für die «Republik».

Laut Cockpit verzeichnet das Online-Magazin zurzeit 36’117 Mitgliedschaften und Abos. Wie immer werden sie nicht detailliert ausgewiesen, zum Beispiel, wie viele Monats- oder Schnupperabos darunter sind. Von diesen «Verlegern» seien im letzten Monat 29’327 «aktiv» gewesen, das heisst, sie hätten mal einen Blick auf ihr Blatt geworfen. Was bedeutet, dass rund 7000 ihr Abo mehr als Solidaritätsspende verstehen.

Aber das sind Formalien, wo ist der Inhalt? In der letzten Woche erfreuten die 69 mehr oder minder regelmässigen Mitarbeiter die Welt mit satten 26 Beiträgen.

Davon sind schon mal 7 «Republik heute», eine etwas labberige Darstellung des täglichen Outputs. Bleiben also noch 19 Artikel. Davon können wir zwei Podcast-Ankündigungen abziehen, also noch 17. Das «Briefing aus Bern» ist mehr so ein Pflichtstoff aus dem Bereich: «he, ich bin dann auch noch da». Elisabeth Bronfen ist nun nicht gerade als regelmässige Mitarbeiterin zu bezeichnen. Interessant ist, dass Anja Conzett als «Gerichtsreporterin» wiederauferstanden ist.

Allerdings hat sie seit der schrägen USA-Reportage am Anfang der «Republik» nichts von ihrer, nun ja, eigenen Art der Beschreibung verloren: «Auch wenn es Metzger gibt, die Reptilien schlachten, Architektinnen, die Luftverkehrsdrehkreuze bauen, sowie Informatiker, die mit den Dinosauriern unter den Programmiersprachen arbeiten – dass der Alltag in aller Regel anders aussieht, widerspiegelt sich für gewöhnlich in der Ausbildung.»

Tiefe Erkenntnisse, die uns sagen sollen: ähm, räusper, kopfkratz. Den Stoff wollen wir auch haben.

Gut, aber was sind denn dann ernsthafte, selbstgebastelte Stoffe? Ein Bericht aus dem Sudan? Eingekauft von freiberuflichen Journalisten. Eine Kolumne der «Kunstistorikerin und Autorin» Kia Vahland? Eingekauft und etwa so unterhaltsam wie die «Magazin»-Kolumnen.

Aber endlich «Wie die SVP Hunderttausende von Arbeitskräften in die Schweiz holte», selbstgebastelt. «Nein, das Boot ist nicht voll!», die überraschungsfreie Kolumne der schreibenden Schmachtlocke.

Dann «Willkommen in der Welt der «Dunklen Aufklärer»», eingekauft. «Postkoloniale Abseitsfalle», eingekauft. «Wie die Herzmedizin in Zürich ihren Kurs verlor», Weisswaschung der Mitautorin Brigitte Hürlimann der Katastrophentrilogie der «Republik» im Jahre 2021 über den Herzklinikskandal in Zürich.

«Ein Museum hebt ab», eingekauft. «Geheimer Überwachungsentwurf: Der Bundesrat hat nichts gelernt», endlich, selbstgebastelte Rüge an die Regierung. Und nochmal «Briefing aus Bern».

Wir fassen zusammen: selbst wenn man die Briefings und die Schmachlocke mitzählt, kommen wir in einer Woche auf ganze sechs vom Redaktionsteam hergestellte Beiträge. Weniger als einen pro Tag. Oder anders gerechnet: wie viele Sesselfurzer braucht es, um einen Artikel pro Woche rauszuhauen? 46 durch 6, rund 7,5. Oder wieder anders: wenn die 46 Schreibkräfte im Schnitt 8000 Franken im Monat verdienen (Ferien, Sozialleistungen, Spesen und so weiter nicht einberechnet), verursachen sie pro Woche Unkosten im wahrsten Sinne des Wortes von 92’000 Franken. Da der Overhead und der VR auch nicht gratis arbeiten, wären wir bei weit über 100’000 Franken für ganze 6 lächerliche Beiträge.

Oder enger gezählt: ganze 2 (in Worten zwei) eigentliche Artikel der 46 Redaktor*Innen***. Sagenhaft.

Der Stand des Irrtums ist also: das soll relevante journalistische Tätigkeit sein.

Das ist wahrer Luxusjournalismus. Das ist teurer Elendsjournalismus.

5 Kommentare
  1. Marcel
    Marcel sagte:

    Wäre mal interessant ein Vergleich mit, der in etwa von den zumindest kommunizierten Zahlen, ähnlich auflagenstarken Weltwoche.
    Entgegen regelmässigen linken Unkenrufen, dass Köppel von Blocher, Tettamanti oder wem auch immer finanziert werde, geht es Köppel mit seinem schlanken, effizienten Team wohl finanziell prächtig mit nur schon geschätzten 8-10 Mio Aboeinnahmen, dazu Werbung oft von Luxusmarken etc.
    Der Clou dürften allerdings die unzähligen daily Youtube/WW Video Produktionen sein, die Köppel ausser seiner Arbeitszeit eigentlich keine anderen grossen Produktionskosten generieren, aber Werbeeinnahmen.
    Von der Weltwoche bekommt man auch keine «Solidaritäts-Crowd-Funding Aufrufe» wie bei der WoZ, Republik oder P.S., die regelmässig drohen finanziell unter zu gehen.
    Die Republik scheint da tatsächlich ein Paradebeispiel an Ineffizienz zu sein. Mal schauen wie lange es die noch gibt…

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Schön gesagt, Brunner! Es tut immer gut, Sachverhalte so brillant auf den Punkt gebracht, Analysen so zugeschärft zu sehen, Sie haben aber leider den Aspekt „Nuttenboulevard“ unberücksichtigt gelassen.

      Antworten

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