Eine Ente gegen rechts
Die erfolgreichste Story der Mediengeschichte zielte gegen die AfD und war eine Falschmeldung.
Von Kurt W. Zimmermann*
Das Gerichtsurteil war an Klarheit nicht zu übertreffen. Die Darstellung der Journalisten, so das Urteil, war von A bis Z erfunden. Wörtlich: Die Darstellung war «nicht nur im Wesentlichen unwahr, sondern gleichzeitig unklar, ungenau und unvollständig».
Das vernichtende Urteil fällte soeben das Landgericht Berlin. Es versenkte damit die Journalisten der linken Plattform Correctiv. Die Journalisten hatten im Januar 2024 unter dem Titel «Geheimplan gegen Deutschland» mit einer Gruselgeschichte über das sogenannte Potsdamer Treffen aufgewartet. Dort hätte man den Plan gefasst, Massen von Migranten abzuschieben und gleich auch noch Massen an Staatsbürgern, die zwar den deutschen Pass haben, aber zugewandert sind.
Von einem «Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger» fabulierten die Märchenerzähler von Correctiv. In den nachfolgenden Wochen ging als Folge davon über eine Million Demonstranten auf die Strasse, um «gegen rääächts» anzukämpfen.
Unwahr bleibt unwahr
Die Dichtung von Correctiv war zwar «unwahr, unklar, ungenau und unvollständig», wie das Gericht nun sagte, aber sie war dennoch ein Unikum in der deutschen Mediengeschichte. Gemessen an der Resonanz, war es die weitaus erfolgreichste Story, die jemals von einer Redaktion produziert wurde. Vermutlich war es, gemessen an der Reaktion, sogar die erfolgreichste Story weltweit. Als etwa in den USA die Washington Post die Watergate-Affäre aufdeckte, protestierten nur ein paar tausend Manifestanten vor dem Weissen Haus. In der leicht erregbaren Nation Deutschland war es nach dem Hype um Correctiv über eine Million.
Und das Schöne daran für die meist linke Journalistenszene: Es ging bei den Massendemonstrationen «gegen rääächts», das heisst gegen die AfD. «Der Skandal rückt an die AfD-Parteispitze heran», jubelte etwa die «Tagesschau» über den scheinbaren Skandal.
Die deutschen Medien verkrafteten es darum schlecht, dass das Landgericht Berlin ihre geliebte Correctiv-Story als Zeitungsente enttarnte. Es gebe zwar «Schludrigkeiten in der Darstellung», räumte etwa die «Süddeutsche Zeitung» widerwillig ein, «doch das heisst nicht, dass sie falsch ist».
Dann wurde es ulkig, denn nun erklärte die Süddeutsche ihren staunenden Lesern, wie heutiger Journalismus geht: «Die Sensation wird ein bisschen sensationeller dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist.»
Folgerung der SZ: «War diese Reportage korrekt? Nun ja.»
Diese Konklusion ist schlichtweg absurd. Eine sensationell aufgemachte Unwahrheit wird nicht dadurch zur Wahrheit, wenn man sie «ein bisschen» weniger sensationell darstellt. Nein, es bleibt eine Unwahrheit.
Tatsächlich war an dem Potsdamer Treffen nichts Sensationelles dran. Eine Handvoll Politiker von AfD und CDU, dazu zwei Rechtsextremisten und einige mittelständische Unternehmer debattierten darüber, wie man die illegale Migration in den Griff bekommen könnte. Sie sahen Abschiebungen als sinnvoll an.
Ebenfalls in der Runde war die AfD-Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy. Sie klagte gegen Correctiv und bestand darauf, in Migrationsfragen etwa dieselbe Position wie CDU und CSU zu vertreten. Dieser Argumentation folgte nun das Landgericht Berlin.
«Alle zusammen gegen Faschismus»
AfD-Politikerin Huy hätte gar darauf verweisen können, dieselbe Position wie die SPD zu vertreten. Unvergessen ist das «Spiegel»-Interview, das Bundeskanzler Olaf Scholz in seinen letzten Zügen gab. Titelzeile zu Scholz auf dem Spiegel-Cover: «Wir müssen endlich im grossen Stil abschieben.»
Bleiben wir noch ein wenig beim Spiegel, weil wir an diesem den Mechanismus der linken Presse gut beleuchten können. Nachdem die Correctiv-Story erschienen war, überschlug sich der «Spiegel» vor solidarischer Begeisterung. «Alle zusammen gegen Faschismus» lautete eine Titelzeile, und das Blatt wusste: «AfD-Funktionäre planten bei einem Geheimtreffen massenhafte Deportationen.»
Nachdem die Justiz nun diese Erzählung ins Reich der Fantasie transportierte, ist natürlich interessant, wie der Spiegel darauf reagiert hat. Schliesslich hatte er sich ziemlich blamiert. Nun, raten Sie mal.
Der «Spiegel» brachte zum Urteil des Landgerichts Berlin kein einziges Wort. So geht wahrer Journalismus.










Früher galt im Journalismus der Grundsatz, dass eine Geschichte entweder stimmt oder nicht stimmt.
Heute scheint bereits zu genügen, wenn sie politisch nützlich ist.
Dieser frühere Grundsatz war mir jetzt unbekannt. Entweder. Oder das stimmt gar nicht.