Bliblö «Blick»
Einerseits ist das Boulevardblatt besser geworden. Andererseits …
Die beiden Chefredaktoren Reza Rafi und Rolf Cavalli haben der mehr oder minder glücklichen «Blick»-Familie wieder Drive und mehr Relevanz verschafft. Solange sie ihre unmittelbare Vorgesetzte (die mit der extrabreiten Visitenkarte) machen lässt und nicht wieder mit Schnapsideen reinfurzt (weiblicher, kein Boulevard mehr, Newsquelle, immer wieder neues Logo), steigert das die Überlebenschancen.
Auf der anderen Seite dümpelt noch relativ viel Schrott auf der Homepage. Darunter Abgeschriebenes:

Diese Schweinerei, die dem immer absurder werdenden Sanktionsregime der EU und der USA zu verdanken ist (und der sklavischen Übernahme durch die Schweiz), hat der «infosperber» aufgedeckt. Immerhin wird auf die Quelle verwiesen.
Dann gibt es immer noch Vorgaben für folgende Berichterstattung:

Der frühere Anti-SVP-Reflex war zwar zwanghafter, aber auch heute noch sieht sich das Boulevardblatt zur Volkserziehung verpflichtet, eine teuflische Mischung.
Dann in grossen Dosen Lebenshilfe, als ob sich das der Leser vorzugsweise beim «Blick» abholen wollte:

Der Beitrag steckt zudem hinter der Bezahlschranke von «Blick+». Angeblich soll dieser Versuch, die deutsche «Bild» zu imitieren, nach Jahren schlappe 30’000 Abonnenten haben. Wobei nicht ausgewiesen wird, wie viele davon schnuppern oder eines der vielen Gratis-Angebote nutzen.
Apropos, ob solcher Schabernack die Einschaltquote steigert?

Dann geht nichts über ein aussagekräftiges Bild, begleitet von einem «da muss ich weiterlesen»-Titel:

Es gibt auch Lebenshilfe, die man nicht unbedingt lesen oder sehen will:

Offenbar nimmt sich der «Blick» diesen Ratschlag selbst zu Herzen:

Dann gibt es auch Rätsel-Meldungen:

Wahnsinn: «Die Kantonspolizei ging am Wohnort des Fahrzeughalters vorbei. Der 57-Jährige war unverletzt und machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.»
Schliesslich gibt es die im Boulevard beliebte Rubrik «zu blöde zu». Zu wohnen, zu kochen, zu kaufen, zu leben, zu atmen – und zu fliegen:

Was für erfahrungsschwangere Tipps sind das wohl? ZACKBUM verrät die Highlights:
– ein langweiliges Buch lesen, helfe beim Einschlafen
– viel Wasser saufen
– Lippencreme, Augentropfen und «pflegende Masken für die Haut»
– mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein
– Frühe Flüge im Frühling und Herbst nutzen
Schnarch. Und erst noch vom polnischen Onet abgeschrieben, das auch Ringier gehört.
Dann Banalitäten, die nun wirklich überall zu haben sind:
Meinungsumfragen sind auch immer ein vermeintlich bewährtes Mittel zur Leser-Blattbindung:

Eine Handvoll Leser hat sich aufgerafft. Die Mehrheit stimmt erwartungsgemäss, ZACKBUM entschied sich wie 28 Prozent der Leser.

Auch der «Blick» ist von der Unsitte der sogenannten «Live-Ticker» nicht frei. Das ist ein Euphemismus für: wir kippen ungefiltert Tickermeldungen in ein Gefäss, soll der Leser doch selbst auswählen.

Besonders putzig das dazugestellte Erklärvideo: «SMI, Dow Jones, DAX – was ist das eigentlich?» Für Leser, die sich fragen: ist Dow Jones der Sohn von Tom Jones?
Auch den guten alten Experten gibt es immer noch, und der mhnt und warnt unermüdlich, wenn er nicht Alarm schlägt:

Zugegeben, von der Existenz des Hunden und Katzen gefährdenden Eichenprozessionsspinners wusste ZACKBUM zuvor nichts.
Und als Absackerchen noch dieser hier, aus der unsterblichen Reihe: rezyklieren geht über studieren.

«Guac your Glow»? Verwunderlich, dass ein solcher Hammer-Artikel auch nach zwei Tagen noch null Kommentare hat. Nun, hier kommt einer: was soll dieses Symbolbild uns sagen?












«Reza Rafi und Rolf Cavalli haben der mehr oder minder glücklichen «Blick»-Familie wieder Drive und mehr Relevanz verschafft». Stimmt, nach unten!
Relevanz nach unten ist was jetzt noch mal?
Aufgefallen sind mir in letzter Zeit die vielen Artikel von Beobachter, Glückspost, Schweizer Illustrierte und ausländischer Titel. Zusammen mit dem Müll aus dem Internet macht das keinen guten Eindruck. Online ist alles aufgeblasen mit Riesenbildern und Werbung im Text. Hoch verarbeitete geistige Nahrung mit vielen leeren Kalorien und unterschwelliger psychologischer Beeinflussung. Einfach abstossend. Aber vielleicht gibt es wirklich Leute die das mögen, wie den Comic von Watson. Die spüren wohl einen Puls der Zeit wo ich schon lange nichts mehr spüre.