Nicht komisch

Tamedia spart jetzt auch beim Humor.

Felix Schaad war seit 1999 für den «Tages-Anzeiger» am Zeichenstift. Sicher ist ihm nicht immer alles gelungen. Und so jemanden wie Nico (ältere Semester erinnern sich) findet man halt auch nicht alle Tage.

Nun ist der Karikaturist in die wohlverdiente Pensionierung abgeschwirrt. Und der 36-jährige Marco Arrigoni übernahm ab 1. April ohne Scherz. In einem 50-Prozent-Pensum, also sozusagen als halbe Portion.

In seinem Werdegang werden Highlights wie Mitarbeit bei der schnarchlangweiligen Late-Night-Show «Deville» und verschiedene Satire-Formate in der Schweiz und in Deutschland aufgeführt.

Allerdings würde selbst Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann über das Schaffen von Arrigoni niemals sagen: «Rire c’est bon pour la santé». Denn bei dem gibt es wirklich nichts zu lachen, hat der arme Leser nichts zu lachen.

Oder anders formuliert: ein unbeholfener Zeichnungsstil paart sich perfekt mit holprigen Scherzen. Dazu müssen wir nun ein paar Bildzitate bringen:

«Er hat eins an der Glocke»? Man kann etwas an die grosse Glocke hängen (was man bei diesem Schwachscherz unterlassen sollte), man kann jemandem eins auf die Glocke hauen, man kann die Glocke von Friedrich Schiller zitieren oder man kann eins auf die Glocke kriegen. Aber man hat eins an der Waffel. So viel zum Inhalt. Zeichnerisch ist zu sagen: das Strichmännchen links soll Präsident Trump sein, das Strichmännchen rechts König Charles.

Oder dieser hier:

Öhm. Also links, das soll offenbar eine Urinprobe sein. Die bis heute für Dopingtests verwendet wird. Und rechts der Laufschuh des Marathon-Manns. Ist der nun gedopt? Wird der Schuh auf Doping untersucht? Wieso ist nun Material entscheidender als Urin? Sicher kein Spitzenwitz über den Spitzensport. Dafür garantiert ungedopt.

Aller schlechten Dinge sind drei, noch einer:

Der dunkelbraune Fleck hinten soll offenbar ein Wal sein. Der obere Nacktschwimmer mit falsch angesetztem Arm soll Präsident Trump sein, der untere mit deutlich verkürzten Beinen der abgewählte Ministerpräsident Orbán. Soweit ist das Bilderrätsel entschlüsselbar. Nur: der Witz ist wohl abgesoffen, vom Wal verschluckt worden, laut schreiend aus der Malträtur – eine Karikatur kann man das nicht nennen – geflohen.

Geht da doch noch einer, ist eine Absenkung – eine Steigerung kann man das nicht nennen – möglich?

Dankää, sagt da verständnislos der Bündner, was soll da komisch sein? Die beiden Schweine oder Rinder mit draufgepappten langen Hörnern vorne sollen wohl Steinböcke sein. Und wo soll da ein Bancomat explodieren, mitten in der Pampa oder im Wald?

Nun wird nicht jeder als Gary Larson geboren Oder als Luis Murschetz oder F.K. Wächter. Von Daumier, Hogarth,  Disteli oder Leiter ganz zu schweigen.

Aber das hier?

Das ist die Errichtung einer humorfreien Zone mit Zeichnungen auf Kindergartenniveau. Da vergisst jemand ständig, einen Scherzkeks zu frühstücken.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach und auf der Hand liegend. Zudem ganz im Sinne von Big Boss Pietro Supino. Denn wenn immer mehr Artikel – so sie nicht von der Süddeutschen übernommen werden – mit KI hergestellt werden, wenn KI nun auch die Moderation von Leserbriefen übernimmt, wieso dann nicht KI als Karikaturist?

Schlechter kann’s ja wohl nicht werden, besser alleweil. Und, lieber Herr Supino, aufgepasst, es wäre kein 50-Prozent-Job. Sondern 100 Prozent gratis!

Die KI-Karikatur über dem Artikel ist vielleicht nicht oberste Liga. Aber zeichnerisch und inhaltlich allem hier Gebotenen haushoch überlegen.

7 Kommentare
  1. Bernhard Meyer
    Bernhard Meyer sagte:

    Das ist dermassen unlustig, das kann auch er selbst gar nicht lustig finden.
    Was nur heisst, das er absolut keinen Sinn für Humor hat.
    Wie, wenn ein Legastheniker einem Grammatik erklären möchte.

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  2. Marcel
    Marcel sagte:

    Stimmt der neue Karikaturist des Tagi ist wirklich äusserst bemühend langweilig. Mag zwar den Tagi viel weniger kosten als die grossen beiden Ehemaligen – Schaad und Nico, die es sehr oft sehr gut getroffen haben.
    Vielleicht sollte CEO Peppel-Schulz auch die Karikaturen auch gleich von einer KI machen lassen — dann werden wir vielleicht auch mal erfahren wieviel scharfsinniger Humor denn eigentlich in so einer KI steckt.

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  3. Manfred
    Manfred sagte:

    So geht’s los: Zackbum macht einen menschlichen Zeichner verächtlich angesichts der «perfekten» Karikaturen, die durch KI erstellt werden können. Das ist das Muster, an das wir uns in Zukunft gewöhnen müssen.

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      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        Zweifelsohne, Meister, ist dieser Zeichner eine unfassbare Pfeife. Da sieht man, was in den Rüben des Mainstreams so an Schlauheit und Humor noch in Spurenelementen rumdümpelt.
        Aber der Manfred hat doch schon auch einen Punkt, nicht? So wird es wohl kommen.

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