Verliebter «Blick» auf Berset

Wenn eine schriftliche Schleimspur tropfen könnte …

Alte Freundschaft rostet nicht. Das waren noch Zeiten, als ein panischer Ringier-CEO in voll ausgeprägter Corona-Hysterie und ein überforderter Bundesrat auf dem kurzen Amtsweg kooperierten.

Als herauskam, dass Alain Berset und Marc Walder einen regen Mailverkehr unterhielten und ein Video veröffentlicht wurde, in dem Walder stolz verkündete, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, staatliche Massnahmen bedingungslos zu unterstützen, war die Kacke kurzzeitig am Dampfen.

Der damalige Oberchefredaktor Christian Dorer verkündete tapfer: «Niemand beeinflusst Blick!» Als Dank dafür wurde er später brutal abgesägt.

Im Ringier-Organ «Interview» wurde Berset auf einer Modepuppenstrecke angehimmelt. Nach einer eher merkwürdigen ausserehelichen Liebesaffäre verabschiedete sich Berset dann nach Strassburg. Dem geneigten Leser dürfte es wie ein Déjà-vu vorkommen, wenn er die neuste Lobeshymne auf den Mann mit den mächtigen Augenbrauen lesen muss:

«Als hätte er das alles schon ein Leben lang getan: Mit Begeisterung, Leichtigkeit und viel Elan kämpft Alain Berset als Generalsekretär des Europarats gegen Machtpolitik, Polarisierung und für eine friedliche Welt

Eigentlich handelt es sich um einen aussichtsreichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis, könnte man meinen, wenn man die ungebremst Eloge von Monique Ryser liest. Einer PR-Bude im Dienste des Politikers wäre es peinlich, so dick aufzutragen: ««Wir haben kein freies Wochenende, wir sind immer dran», meint er entschuldigend und eilt die Treppe der Villa Massol in der Neustadt von Strassburg herunter.»

Dann folgt eine Art Interview, getragen von einer begeisterten Unterwürfigkeit, wie man sie sehr selten ausserhalb von bezahlten Image-Anzeigen sieht. Zum Schutz des ZACKBUM-Lesers verzichten wir auf Zitate.

Fehlt noch was? Natürlich das Lob von anderen. ««Wir sind sehr froh um Alain, mit seinen Kontakten bringt er den Europarat und seine Wichtigkeit auf die Tagesordnung der Regierungen und der Bevölkerung», lobt Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan». Da geht doch noch einer: «Ihr Kollege Damien Cottier, FDP, qualifiziert die Arbeit des Ex-Bundesrates knapp und klar mit «Exzellent!».»

Kann man diesen Schleimberg noch weiter in die Höhe wachsen lassen? Frau kann und lässt die Sprechpuppe plaudern: »Von der Schweiz sagt man oft, sie sei langweilig. Aber wer würde sich heute nicht etwas mehr Langeweile wünschen

Die Einleitung zum Schlusspunkt, zum Höhepunkt, zur Steigerung ins Unerträgliche: «Dieser Wunsch nach Langeweile wird für Alain Berset nicht in Erfüllung gehen. Er eilt davon, schon wartet das nächste Meeting, und auch die nächste Krise kommt bestimmt.»

Nein, die Krise ist schon da. Die Krise des Journalismus nämlich. Denn eigentlich ist es unvorstellbar, dass eine derartig grenzenlose Lobhudelei in einer Gazette erscheint, die noch gewissen Wert auf Verantwortung dem Leser gegenüber legt.

Dass C-Promis, Influencer und andere Unwichtigkeiten zu Storys aufgeblasen werden, nun, das ist Boulevard, wieso nicht, wenn’s interessiert. Aber eine ernsthafte Beschäftigung mit einem Politiker, der schon als Bundesrat sowohl politisch wie auch charakterlich überfordert war, sollte vielleicht doch mehr dem Porträt eines Menschen und weniger einem Heiligenbild eines Strahlemannes gleichen, der unermüdlich und ohne Fehl und Tadel angeblich «für eine friedliche Welt» kämpfe.

Ob es diesem hehren Ziel nützt, dass Berset den Europarat gegen Russland (Sondertribunal gegen Wladimir Putin) in Stellung bringt, und auch harsche Kritik an der Schweiz zulässt, die gefälligst rechtstaatsfrei Vermögen auch ohne Verurteilung (Fall Magnitski) beschlagnahmen soll?

Aber der «Blick» ist und bleibt Bersets Weisswäscher-Organ, wie er schon in Bersets ausser Kontrolle geratenen Liebesaffäre bewies.

8 Kommentare
  1. K. Meyer
    K. Meyer sagte:

    Berset mit frechem Strohhütchen zusammen mit irgendeinem Bänkelsänger als welscher Grandseigneur inszeniert….das Portrait damals im „Interview“ war schon Realsatire allererster Güte.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Die Schleimspuren gehen von der Dufourstrasse in die ganze Welt und von Strassburg auch an die Dufourstrasse!

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  3. Edie Brown
    Edie Brown sagte:

    Berset ist ein eitler Gockel. Es passt zur heutigen Zeit, dass solche Typen nach oben geschwemmt werden, und zur heutigen Journaille, sie auch noch anzuhimmeln. Es ist einfach nur abstossend.

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  4. Guido Kirschke
    Guido Kirschke sagte:

    Das Artikelbild nimmt’s mit Humor. Das ist gut, denn beim Thema B ist mir das Lachen schon 2020 vergangen.

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