Die NZZ auf einem Kreuzzug
Mehr Eigenkapital für die UBS? Blöde Idee.
Nun holt die alte Tante schon emeritierte Professoren aus dem wohlverdienten Ruhestand. So darf der ehemalige Professor für Accounting an der Universität Zürich Dieter Pfaff von Leder ziehen:
«Mehr Eigenkapital macht die UBS nicht automatisch sicherer».
Damit hat er natürlich grundsätzlich recht. Wenn Zockermentalität und Bonusgier herrschen, dann schützt auch ein leicht erhöhtes Eigenkapital nicht vor der nächsten Krise.
Pfaff legt sich schwer ins Zeug: «Mehr Kapital, so die verbreitete Annahme, bedeute automatisch mehr Sicherheit.» Falsch, donnert er: «Gerade diese Annahme verdient Widerspruch.»
Lustiges Argument: das könne statt zu weniger zu mehr Risiko führen. «Der Grund liegt darin, dass Banken versuchen, die Rentabilität des knapper und teurer gewordenen Eigenkapitals aufrechtzuerhalten.» Dann kommt eine Portion Geschwurbel: «Wer nur auf die rechte Seite der Bilanz blickt, übersieht die linke Seite des Problems: das Verhalten des Instituts.»
Nehmt das, ihr Eigenkapitalverschärfer von Karin Keller-Sutter abwärts. Hättet ihr nicht gedacht, dass eine Bilanz zwei Seiten hat, die Aktiven und die Passiven. Wahrscheinlich wisst ihr nicht mal, wo das Eigenkapital hier eingereiht wird. Macht aber nichts, das wissen die meisten Wirtschaftsjournalisten auch nicht.
Nach seinen Nebelgranaten biegt der Alt-Professor auf die Zielgerade ein: «Eine kluge UBS-Regulierung misst sich nicht an der Symbolik zusätzlicher Milliarden, sondern daran, ob sie riskanteres Verhalten tatsächlich verhindert. Sonst könnte ausgerechnet jene Verschärfung, die als Lehre aus der letzten Krise gedacht ist, den Keim der nächsten in sich tragen.»
Tja, wie sagte der Philosoph Adorno so richtig: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Das bedeutet hier, dass falsche Voraussetzungen zu falschen Schlussfolgerungen führen.
- Wie absurd dieses Argument ist, beweist schon seine Fortschreibung. Das würde also bedeuten: je mehr EK eine Bank vorhält, desto risikoreicher würde sie geschäften. So ab 50 Prozent EK wäre sie dann wohl zum sicheren Untergang verurteilt. Es darf gelacht werden.
- Höheres Eigenkapital bedeutet mehr Verlusttragfähigkeit. Mit wenig Eigenkapital gehen die Gewinne an die Aktionäre (und an die Bonusetage), Verluste werden sozialisiert (too big to fail). Dagegen tragen bei mehr EK die Eigentümer mehr Risiko.
- Die Behauptung «mehr Eigenkapital = mehr Risiko» ist empirisch nicht robust belegt. Es kann ein gewisses risk-shifting geben, aber insgesamt gibt es weniger Ausfallraten und ein stabileres System.
- Banken können Risiko sowieso nicht beliebig erhöhen, genau dagegen gibt es regulatorische Vorschriften und eine Aufsicht.
- Die Behauptung unterstellt, dass Banken eine fixe ROE-Zielzahl haben (Return on Investment). Eine vernünftige Bank passt bei einer niedrigeren Leverage mit geringerem Risiko ihre Renditeziele entsprechend an. Denn jede Bank sollte wissen, dass es Rendite ohne Risiko nicht gibt.
- Nach den bitteren Erfahrungen der letzten grossen Finanzkrise ist es völlig klar, dass mehr Puffer weniger Insolvenzwahrscheinlichkeit bedeutet. Mehr EK erhöht die Resilienz deutlich.
- Im Umkehrschluss würde die absurde Behauptung von Pfaff bedeuten, dass möglichst wenig EK am besten für eine Bank sei.
- Last, but not least: eine Bank, deren Bilanzsumme doppelt so gross ist wie das BIP der Schweiz, eine Bank, die schon mehrfach gestrauchelt ist, eine Bank , die gratis eine implizite Staatsgarantie hat, eine Bank, der der Staat 16 Milliarden AT1 Bonds geschenkt hat, sollte diese minime EK-Erhöhung kommentarlos hinnehmen.
- Die aktuellen Bankenführer der UBS scheinen der Devise des Versager-Bankers Marcel Ospel nachzuleben: «Die Banken müssen der Politik wieder einmal die Grenzen aufzeigen.»
Wohin das geführt hat, weiss man inzwischen zur Genüge. Zweimal musste die UBS vor dem Abgrund gerettet werden. Dass das beim ersten Mal kein Verlustgeschäft für den Steuerzahler wurde, ändert nichts daran, dass Geldgier, Zockerei und Inkompetenz herrschten. Und beim zweiten Mal musste per Notrecht das Bankgeheimnis geschleift und Kundenverrat begangen werden.
Wieso also der em. Professor Pfaff seine Reputation verspielt und sich als Bankenbüttel aufführt, ist ebenso unverständlich wie die Rolle der NZZ in dieser Debatte.











„Hättet ihr nicht gedacht, dass eine Bilanz zwei Seiten hat.“ – ❤️
Zu den UBS Parteien SVP/FDP/ «die Mitte» nun auch die UBS Zeitung NZZ!
Aus meiner Sicht war der Beitrag von Pfaff sinnvoll und richtig. Dass die NZZ die «Zeitung des amoralischen Kapitals» ist (Jean Ziegler) – geschenkt. Aber die Erhöhung des Eigenkapitals als silverbullet zu verkaufen, ist der Komplexität der ‚too big to fail‘-Problematik nicht angemessen. Übrigens: die Verwendung eines ‚Umkehrschlusses‘ ist nur in einer Welt sinnvoll, in der alles, dass nicht ‚falsch‘ ist, automatisch ‚richtig‘ ist.
United Bull Shit macht nur Ärger.
Zum Glück gibt es Zackbum.
Heute einmal mehr eine Superillustration!