Tamedia: Die Journalisten dürfen, die Leser dürfen nicht

Die Tamedia-Zeitungen löschen einen Leserkommentar willkürlich. Und schreiben dann das Gleiche in einem redaktionellen Artikel.

Von Marco Diener*

Am 10. April erschien auf den Internet-Portalen der Tamedia-Zeitungen ein Artikel über die Iran-Gespräche in Pakistan: Titel: «Welcher Plan? Friedensverhandlungen starten auf wackliger Basis.»

Ein Leser kommentierte das Vorgehen der USA auf bernerzeitung.ch so: «Motto in Moskau und Beijing: Unterbrich deinen Feind nicht, wenn er Fehler macht.» Er hatte seinen Kommentar an eine Schlagzeile des «Economist» angelehnt: «Never interrupt your enemy when he’s making a mistake.»

Tamedia lehnte den Kommentar ab. Warum, ist unklar. Denn über Löschungen führen die Zeitungen «keine Korrespondenz». Erstaunlich ist die Löschung deshalb, weil er nicht gegen die Tamedia-Kommentarregeln verstösst.

Noch erstaunlicher ist allerdings, dass auf den Internet-Portalen der Tamedia Zeitungen ein paar Stunden später ein weiterer Artikel erschien. Und dort stand: «Den Gegner nicht stören, wenn er Fehler macht.»

Mit anderen Worten: Tamedia löschte den Leserkommentar und schrieb ein paar Stunden später in einem redaktionellen Artikel das Gleiche.

Deshalb wollte Infosperber wissen:

  • Gegen welche Regeln hat der Kommentar verstossen?
  • Warum darf im redaktionellen Artikel stehen, was im Leserkommentar nicht zulässig ist?

Tamedia brauchte mehr als eine Woche für eine Antwort. Wobei – eine Antwort ist es nicht. Im Mail steht bloss ein bisschen Werbung in eigener Sache: «Tamedia steht für hochwertigen Journalismus, Ausgewogenheit und Vielfalt.» Und: «Auf unseren Angeboten gelten klare Community-Regeln und ein professioneller Moderationsrahmen

Übrigens: Der Infosperber-Leser kommentierte auch den zweiten Artikel auf bernerzeitung.ch: «Lustig: ‹The Economist› hat genau den gleichen Titel und Lead wie die Berner Zeitung, hat wohl abgeschrieben

Natürlich löschte Tamedia auch diesen Kommentar.

Ergänzung:  Leser von Tamedia-Zeitungen wundern sich, dass ihre Kommentare einfach so gelöscht werden. Jetzt ist klar: KI steckt dahinter.

Dieser Artikel von Marco Diener erschien zuerst auf «Infosperber». Mit freundlicher Genehmigung.

12 Kommentare
  1. Tim Meier
    Tim Meier sagte:

    Früher war noch «der Computer» schuld, heute muss flächemdeckend KI herhalten. Faule Ausreden und ziemlicher Mumpitz.
    Diese angeblich «klaren Community-Regeln» dürften wohl von übereifrigen Praktikanten umgesetzt werden, welche auf eine Festanstellung hoffen.

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    • Maurice
      Maurice sagte:

      Nein das sind nicht Praktikanten sondern mies bezahlte Lakaien in einem weit entfernten Tieflohn-Land. Oft verstehen die kaum Deutsch…

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  2. Marcel
    Marcel sagte:

    Gedankendiebstahl habe ich beim Tagi auch schon einige male erlebt. Da sendet man einen Kommentar, der abgelehnt wird und kurz darauf bringt ein Tagischreiberling dann genau diese Idee ein.
    Mittlerweile läuft beim Tagi gerade der Ablösungsprozess von Mensch auf KI und manch der CH-Pensionäre in Südamerika, die diesen Zensurdrecksjob machen werden ihr lokal angepassten für CH Verhältnisse kärgliches Einkommen verlieren.
    Das merkt man auch, dass die Tagikommentare mittlerweile grossenteils in Sekundenschnelle aufgeschaltet werden im Gegensatz zu früher.
    Was nicht sofort aufgeschaltet wird, wird dann von den humanoiden Ueberbleibseln im südamerikanischen Dschungel händisch kontrolliert und grossenteils abgelehnt.
    Es stellt sich einfach noch die Frage auf wie woke die Tagi-KI trainiert worden ist. Und ansonsten kann man sich einen Spass draus machen sie zu überlisten zu versuchen mit «microtonalen» Kommentaren so wie das das kanadische Duo Angine de Poitrine machen mit ihrem microtonalen Math-Rock, welchen die KI zumindest heute noch nicht fähig ist selber zu generieren.

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    • Maurice
      Maurice sagte:

      So ist es. Ich habe vor einem Jahr aufgehört zu kommentieren und seit ein paar Monaten lese ich nichts mehr vom TA-Verlag.

      Es gibt bessere und informativere Quellen!

      Man würde es kaum glauben aber manchmal gehört der verpöhnte Blick dazu…

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  3. Angelo Zoppet-Betschart
    Angelo Zoppet-Betschart sagte:

    Ja, ja, die unglaublichen journalistischen Schlampereien und Leserkommentar-Löscher der Tamedia-Zeitungen. Ich habe ja bereits gestern im Kommentar zum Tamedia-Ombudsmann, die grösste Medien-Lachnummer nördlich der Alpen!, Kund getan, wes‘ Geistes er ist. Man muss sich bloss mal seinen Schwachsinn-Beitrag im TA vom 2. Mai zu Gemüte führen: «Das Bemühen um eine transparente Fehlerkultur». Es ist schlichtweg ganz böse Absicht und gewollt, dass die abhältig-blöde Tamedia-Redaktion ihre eben auch nicht ganz so intelligente Noch-Leserschaft mit einer permanent versifften, verqueeren und rot-grünen Ideologie berieselt. Tragisch nur, dass der Ignaz dies auch noch so unkritisch und unterwürfigst hinnimmt. Und das soll unabhängig und glaubwürdig sein? Dieser willfährige Staub (nach 20-jähriger TA-Tätigkeit!) ist doch bloss an seinem Gnadenbrot von Tamedia interessiert. Eigentlich gehören solche Personen in einen Raum geführt, der innen keine Türfallen hat!

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    • Peter Knechtli
      Peter Knechtli sagte:

      Über die wiederholt langfädigen und inhaltsschwachen Auslässungen von Ignaz Staub habe ich mich immer wieder gewundert. Von einem Ombundsmann werden Positionsbezüge, erhellende Analysen und Transparenz (auch in eigenen Sache) erwartet. Dies in einer Zeit, in der sich der Journalismus immer mehr zum Gastro- und Lifestyle-Sprachrohr entwickelt und relevante gesellschaftliche Veränderungen (wie der Niedergang des Kundendienstes in Privatunternehmen und öffentlichen Verwaltungen) pubizistisch aussen vor bleiben.

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  4. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Wer in den Thaaagi micht reinschaut, sieht auch keine Kommentare. Anders gesagt: Für intelligente Menschen ist kein Kommentar im Blödblatt gleichwertig mit einem Kommentar oder einem abgelehnten Kommentar im Blödblatt. Kommentarregeln sind so schnurz wie keine Kommentarregeln, wie Korrespondenz über Löschungen oder die Befindlichkeit eines „Leserbriefschreibers“ bei Löschung oder Nichtlöschung. Es ist ephemeres Zürcher Gepupse einer scheinlebendigen Berufsgruppe.

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  5. Hans-Ulrich Rösli
    Hans-Ulrich Rösli sagte:

    Ich habe letzthin einen Kommentar im Tagi geschrieben zum Thema Führungskultur mit dem einfachen Vermerk „es gibt keine schlechten Mitarbeiter sondern nur schlechte Chefs“. Diese Binsenwahrheit wurde ebenfalls nicht veröffentlicht, was mich wunderte. Jetzt ist mir klar warum, wenn die KI nach Schlüsselwörtern selektioniert dann reicht das schon

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