Kehraus zum Proletentag
/15 Kommentare/in Allgemein/von René ZeyerDer 1. Mai: Vom Kampftag zur Kampfzone am Grillbuffet.
Es war einmal ein Tag, an dem Arbeiter mit erhobener Faust durch die Strassen zogen, rote Fahnen im Wind flatterten und Kapitalisten nervös ihre Zylinder festhielten. Der 1. Mai, dieser heroische internationale Kampftag der Arbeiterklasse, war eine Drohung, ein Versprechen, ein Aufstand mit Blasmusik.
Heute ist er vor allem: ein verlängertes Wochenende mit mittelmäßigem Kartoffelsalat.
Man muss den historischen Niedergang bewundern. Aus dem revolutionären Symbol gegen Ausbeutung wurde in nur wenigen Generationen ein gesetzlich garantierter Brückentag mit Wanderschuhen. Früher rief man „Alle Macht den Räten!“, heute fragt man: „Hat jemand noch Grillkohle?“ Das Proletariat, einst organisiert in Fabriken und Gewerkschaftslokalen, trifft sich nun im Baumarkt vor dem Sonderangebot für Hochdruckreiniger.
Natürlich gibt es sie noch, die Demonstrationen. Sie marschieren tapfer durch Innenstädte, begleitet von Rentnern, drei Hunden und einer Samba-Gruppe, deren politisches Programm im Wesentlichen aus Trommeln besteht. Auf Transparenten stehen kämpferische Parolen wie „Solidarität statt Prekarität“, während daneben ein Foodtruck vegane Klassenkampfburritos für 11,50 Euro verkauft.
Der Feind hat sich eben gewandelt. Früher war es der Fabrikherr mit Zigarre. Heute ist es der Algorithmus, der dir um 22.43 Uhr noch eine Slack-Nachricht schickt. Aber gegen digitale Ausbeutung lässt sich schlecht mit Mistgabeln aufmarschieren. Wie streikt man gegen Push-Benachrichtigungen? Wer stürmt die Produktionsmittel, wenn sie in einer Cloud in Irland liegen?
Hinzu kommt: Die Arbeiterklasse selbst hat ein Imageproblem. Wer will noch Arbeiter sein? Man ist „Knowledge Worker“, „Freelance Creator“ oder „selbstständiger Mikrounternehmer im Plattformökosystem“, was früher Lieferfahrer hiess. Karl Marx hätte heute vermutlich einen Coworking-Space abonniert und ein Podcast-Mikrofon.
Der 1. Mai wurde folgerichtig angepasst. Statt Barrikaden gibt es Familienwanderungen. Statt Klassenanalyse Frühschoppen. Statt Revolution Maibaum. In manchen Regionen besteht der radikalste Akt des Tages darin, morgens schon Bier zu trinken. Der Umsturz findet höchstens im Bollerwagen statt.
Und doch lebt der Geist des Kampftags fort – nur anders. Wenn Büroangestellte am 30. April kollektiv um 16 Uhr „wegen Feiertag“ aus Teams verschwinden, dann ist das auch eine Form von Arbeitskampf. Wenn jemand am Montag nach dem 1. Mai konsequent nicht erreichbar ist, ist das beinahe Sabotage. Selbst das passive-aggressive Ignorieren von E-Mails trägt Züge proletarischer Gegenwehr.
Vielleicht ist der Niedergang des 1. Mai also nur scheinbar. Vielleicht hat sich der Klassenkampf lediglich ins Unsichtbare verlagert: in Homeoffice-Kalender, Tarifverhandlungen und den heroischen Widerstand gegen unbezahlte Überstunden. Vielleicht ist der wahre Revolutionär heute jener Mensch, der pünktlich Feierabend macht.
Trotzdem bleibt Wehmut. Denn wo einst „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ erklang, hört man heute Bluetooth-Boxen mit 90er-Playlists am Badesee. Wo früher Barrikaden brannten, glimmt nun der Einweggrill.
Der Kapitalismus hat den 1. Mai nicht abgeschafft. Er hat ihn eventisiert.
Und vielleicht ist das seine größte Leistung: Aus einem Kampftag einen Feiertag gemacht zu haben, an dem die Arbeiter freiwillig Gartencenter besuchen.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch — aber bitte erst nach dem Brunch.
Da heute Feiertag ist (allerdings nicht überall in der Schweiz), hat ZACKBUM diesen Text von einer KI schreiben lassen. Das bedeutet, er ist viel besser als das meiste, was heute in den Gazetten erscheint …










Als meine Frau mich fragte nach dem Grund zum ersten Maifeiertag und ich ihr das versuchten zu erklären, viel es mir bei ihrer intuitiver Antwort „wieso ist das denn nicht ein Feiertag für die wirklich Werktätigen?“ mir wie Schuppen von den Augen. Die Strassenarbeiter, die Müllfrauen und Männer, die Maurer, Gipser und Reiniger, die Teilzeitmalocher welche sich für wenig Geld tagtäglich abmühen, die sollten an diesem Tag gefeiert werden. Für die anderen (vor Allem die, welche in Staatsdiensten stehen), ab an die Arbeit, für sie gibt es nichts zu feiern, vor Allem nicht auf Kosten der oben Aufgezählten.
Wenn sich die KI erst einmal durch sämtliche Jobs am Bildschirm durchgepflügt hat, werden sich die Menschen den 1. Mai als «Tag der Arbeit» im wahrsten Sinn der Losung womöglich herbeisehnen. Man wird sehen, ob die (all)gemeine Gesellschaft lieber vor dem Pflügen mit dem Bauer diskutieren will, was denn da in Zukunft auf dem KI Feld gesät werden soll oder ob sie es ihm allein überlässt, was auf dem Acker wachsen soll. Übrigens habe ich beim Schreiben dieser Zeilen weder hyperventiliert noch Schaum vor dem Mund gebildet.
Noch langweiliger als die Umzüge selber sind die zum Gähnen immergleichen Berichte der Mainstream-Qualitätsmedien zum 1. Mai. Dort wo die Teilnehmer als die Demonstrierend*Innen gelten, Fotos von Sachbeschädiungen und Sprayereien wie Trophäen aneinander gereiht werden und die Polizei und Behörden stets eine positive Bilanz ziehen. Und den kruden Mix weltfremder Forderungen nimmt eh niemand mehr ernst.
«… ein verlängertes Wochenende mit mittelmäßigem Kartoffelsalat.» Das muss nicht sein:
https://www.einfachkochen.de/rezepte/bayrischer-kartoffelsalat-so-schlotzig-wie-von-oma
Cheers!
Sehr treffend beobachtet. Die Zeiten haben sich gewandelt.
In der SVP sind die Milliardäre, in der SP- und
Gewerkschaftsführung die Millionäre.
Dier KI Beitrag trifft es nicht schlecht. Es fehlt aber die Feststellung, das der 1. Mai heute primär von Themenfremden Gruppierungen okkupiert wird. Das ist auch der Grund warum ich da nicht mitlaufen will.
Ist doch schon seit Jahrzehnten so. Zuvorderst im Umzug marschierten die Kurden, dann die Tamilen, die Palis, Chilenos und weitere Drittweltisten. Am Schluss ein knappes Dutzend Gewerkschafter der Verkehrsbetriebe und ein paar Kommunisten mit Hammer und Sichel. Wobei letztere Flagge heutzutage eher verpönt ist. Mit dem Regenbogen ist man auf der sicheren Seite.
Es zeigt sich deutlich auf KI ist kein Verlass. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass wir früher rund 1 Kiste an Sachbeschädigungen hatten, die heute an Sicherheitskosten zu verzeichnen sind.
Wenn man einmal etwas eingeführt hat, kann man es kaum mehr abschaffen. Auch wenn es völlig obsolet geworden ist. Das betrifft auch die Sommerzeit.
der Luzerner Gewerkschaftsbund schleimt sich folgendermassen an das heran, was er fälschlicherweise für seinen Nachwuchs hält. Auch hier ein Text, den 100% die KI verfasst hat:
Die Hauptrednerin am 1. Mai 2026 in Luzern ist Lisa Christ.
Lisa Christ ist keine Parteipolitikerin im engeren Sinn, sondern eine Künstlerin mit klar gesellschaftspolitischem Profil. Sie tritt vor allem als Kabarettistin, Satirikerin, Slam-Poetin und Autorin auf. Ihre öffentliche Positionierung wird meist als progressiv, feministisch und gesellschaftskritisch beschrieben. Wiederkehrende Themen in ihren Texten und Bühnenprogrammen sind:
[der übliche Käse – gestrichen; PB]
Sie nutzt Humor nicht primär für Parteipropaganda, sondern als satirische Kritik an gesellschaftlichen Zuständen. Sie kommt ursprünglich aus der Poetry-Slam-Szene. Seit 2007 steht sie auf Bühnen, gewann früh nationale Wettbewerbe und wechselte später erfolgreich ins Kabarett. Ihr Stil wird oft beschrieben als: Sie verbindet Spoken Word, literarisches Schreiben und politisches Kabarett.
Wichtige Stationen
* Schweizer U20-Slam-Meisterin
* Gewinnerin Oltner Kabarett-Casting
* mehrere Soloprogramme wie „Ich brauche neue Schuhe“, „LOVE“*, „Ideal“
* Gewinnerin des renommierten Kabarettpreises Salzburger Stier
Also mit anderen Worten alles, was ich über diese Frau niemals wissen wollte.
Der Uner*bitterli*che Wäffeler und Wadenbeisser vom Vierwaldfeuerwassercampo – wird doch sicher wieder ein Haar in der Buchstaben-Suppe finden – oder Pitsch?
Köstlich! Er könnte als Zweitredner bei der Kommunistenparty brillieren. Im Sinne der Gendergerechtigkeit. Zumindest scheint er sich ja als nicht-menstruierende Person zu lesen. 17:00 Uhr, Helvetiagärtli.
Ich war da. Leider nur virtuell. Zu große Distanz. Privatjet ist im Service. Speisekarte sieht gut aus?
https://maps.app.goo.gl/N9vCrAb9fwEDeKfD9
Da hat die KI den Stil und Ton von Autor René Zeyer gut getroffen. Teile wie «selbstständiger Mikrounternehmer im Plattformökosystem» oder «Der Kapitalismus hat den 1. Mai nicht abgeschafft. Er hat ihn eventisiert.» tönen sehr nach dem bissigen Stil von ihnen.
Gut gepromptet in diesem Fall. Respekt!