Wenn die NZZ fies wird

Die alte Tante verliert jeden Anstand.

Beatrice Bösiger kann man als Job-Hopperin bezeichnen. «Wirtschaftsblatt» in Österreich, dann Korrespondentin in Moskau, dann F&W, dann Tamedia und schliesslich ab Oktober 2024 Wirtschaft bei der NZZ.

Das muss noch nicht gegen sie sprechen. Aber offenbar hat sie aus ihrer Wiener Zeit den Schmäh mitgenommen. Die Fähigkeit, zuckersüss Bösartiges abzusondern.

Denn direkte Angriffe der NZZ auf die Forderung des Bundesrats, dass die Monsterbank UBS mit einer doppelt so hohen Bilanz wie das BIP der Schweiz, ihr Eigenkapital um lächerliche 20 Milliarden aufstocken soll, gab und gibt es genug. Dabei bliebe das EK immer noch im niedrigen einstelligen Bereich, was bedeutet, dass mehr als 90 Prozent fremdfinanziert und gehebelt sind.

Das ist so, wie wenn ein Formel-1-Pilot sich den Helm aufsetzt, das Visier runterklappt, nichts mehr sieht – und Vollgas gibt.

Nun beklagt Bösiger nicht etwa die harsche Gegenwehr der too-big-to-jail-Bank. Sondern sie steigt auf eine Metaebene: «Die Debatte um die UBS-Regulierung» sei «entgleist», behauptet sie. Wie das?

Seit Finanzministerin Karin Keller-Sutter «ihre Pläne» (die die Pläne des Gesamtbundesrats sind) präsentiert habe, «wird weniger über den Inhalt der Gesetzesvorlage diskutiert als vielmehr über das Lobbying der Grossbank. Hört man ihr zu, so muss man zum Schluss kommen, ein wahrer Lobby-Tsunami fege über die schutzbedürftigen Parlamentarier hinweg».

Schlimmer noch: «Die bürgerliche Bundesrätin bedient sich sogar eines typischen Arguments der Linken: Sie habe gehört, dass Parlamentarier befürchteten, die UBS könnte die Zuwendungen an ihre Partei kürzen, sagte sie im «Blick»

Nun habe die UBS ihr Lobbying «tatsächlich hochgefahren», räumt Bösiger zuckersüss ein. Um dann Vitriol zu tropfen. Denn «dass sie damit ihre Interessen bei der geplanten Regulierungsverschärfung verteidigt, ist legitim». Also nimm das, jammernde KKS: «Das ist kein Grund, dass die Finanzministerin das Lobbying der UBS ständig zum Thema machen muss. Statt sich immer wieder öffentlich darüber zu beklagen, wäre Keller-Sutter besser beraten, der UBS stärker auf einer inhaltlichen Ebene Paroli zu bieten.»

Damit reduziere sie die Auseinandersetzung «auf eine Stildebatte». Und damit werde sie baden gehen: «Nur mit Klagen über das Lobbying der UBS wird die Finanzministerin im Parlament nicht durchkommen. Zudem können Parlamentarier durchaus damit umgehen, dass diverse Akteure sie von allen Seiten beeinflussen wollen.»

Ds ist nun wirklich hinterfotzig. Eigentlich müsste sich die UBS im Sinne des Trennbankenregimes von ihren Auslandtöchtern trennen, damit deren Risiken nicht in die Schweiz hineinschwappen, wo die Bank über eine implizite Gratis-Staatsgarantie verfügt. Oder aber, sie mindestens ausreichend mit Kapital unterlegen, um das zu verhindern.

Glasklar, für jeden verständlich, der selbst mit Hilfe von Fingern auf vier zählen kann. So minim ist nämlich das harte Eigenkapital der Monsterbank.

Dagegen wehrt sich die Bonus-Etage der Gierbanker mit allem, was modernes Influencertum zu bieten hat. Mit Schreckensszenarien (Schaden für die Schweiz, teure Hypotheken, Arbeitsplatzverlust, Wettbewerbsnachteile, etc.). Mit der absurden Drohung (verkleidet als Prüfung von Optionen), aus der Schweiz wegzuziehen. Als ob die Bank anderswo die Sicherheit hätte, zum dritten Mal vom Staat gerettet zu werden, sollte sie schon wieder am Abgrund stehen.

Zudem zeigt sich die UBS mehr als undankbar für das Geschenk von 16 Milliarden AT 1 Bonds, die ihr vom Staat als Zückerchen auf den Schnäppchen-Deal Credit Suisse draufgelegt wurden.

Da inhaltlich die Sache völlig klar ist, hat KKS völlig recht, wenn sie das arrogante, undankbare und alle Geschütze auffahrende Verhalten der Bank kritisiert. Die damit beweist, was sie gleichzeitig abstreitet: dass die UBS viel zu viel wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Macht hat. Und dass ihre Bankenlenker, geldgierig und bonusgetrieben, keinerlei staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein haben.

Stattdessen bemängelt Bösiger, dass sich KKS, nachdem inhaltlich alles klar ist, dieses unverschämte Verhalten der Monsterbank als wenig eidgenössisch abqualifiziert. Womit sie völlig recht hat.

Während die NZZ nicht nur dadurch, dass sie einen als «Experten» verkleideten ehemaligen UBS-Direktor als Gastkommentator gegen diese Kapitalerhöhung wettern lässt, jeglichen Stil vermissen lässt. Denn dieses Detail enthält sie ihren Lesern vor.

Wieso sich allerdings Bösiger als Bankenbüttel betätigt, das ist ihr süss-saures Geheimnis.

4 Kommentare
  1. Sarah Kramer
    Sarah Kramer sagte:

    Danke Herr Zeyer für den Begriff Gierbanker. Diese Wortwahl ist wesentlich fassbarer als die Wortwahl Bankster.

    Wer aus diesen 20 Milliarden Franken ein derartiges Theater macht, dem ist nicht zu helfen. Swiss finish kostet halt etwas mehr, siehe temporäres Steuerparadies Dubai als Gegensatz.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Bösiger als Bankenbüttel muss so schreiben. Die NZZ ist das Hoforgan der Banken und in ihrem Bauchladen müssen die Journis die «Produkte» der UBS feil bieten. Der Versuch ParlamentarierInnen der UBS Parteien, Volchspartei SVP/FDP/»die Mitte», als mündig bezeichnen ist schwarzer Humor

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  3. Oliver Brunner
    Oliver Brunner sagte:

    Bösiger weist darauf hin, dass man fachlich diskutieren soll, und nicht über das böse Lobbying. Das macht Herr Zeyer ja auch, er bringt, Quoten, Trennbanksystem etc. als Argumente. Das Vertreter von Interessensgruppen von links bis rechts Einfluss auf Politiker nehmen wollen, gab es schon im alten Athen. Wer damit nicht umgehen kann, ist im Parlament wahrlich fehl am Platz.

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