Die Tages-Anzeigerin reloaded

Oder der Mief-Tages-Anzeiger als Frauenversteher.

Ein längst verglühtes Sternchen am Tamedia-Himmel gab mal die «Tages-Anzeigerin» heraus. Frauen haben’s bis heute nicht leicht:

Es gibt nun auch ein «Gender Sleep Gap». Aber dafür müssen sich (die meisten) Frauen nicht rasieren.

Frauen haben’s nicht leicht:

Gut, der Wal Timmy (Kosename «Hope») hat’s auch nicht leicht.

Allerdings hätte ZACKBUM nie gedacht, dass ausgerechnet Meret Schneider einmal die einzige weibliche Stimme der Vernunft im Tagi sein könnte:

Frauen haben’s nicht leicht, und Männer sind Schweine:

Wie gut, dass sie Unterstützung von gewichtiger Stelle haben:

Für die Influencerinnen, die Opfer von Deepfakes geworden sind, wirft sich Raphaela Birrer mit der ganzen Kraft ihrer argumentativen Fähigkeiten in die Schlacht:

««Diese Männer sind das Problem, nicht wir», sagen sie und erinnern mit dieser selbstbewussten Haltung an die dutzendfach vergewaltigte Gisèle Pelicot.»

ZACKBUM-Autor René Zeyer hat ja schon Schreibverbot im Tagi, aber nach einem dermassen geschmacklosen Vergleich würde er es für sich selbst fordern. Und wenn Birrer schon in die falsche Richtung galoppiert, dann richtig: «Von Fernandes sind zahlreiche Deepfake-Pornos im Umlauf.» Sie hat dabei indirekt ihren Ex-Mann beschuldigt, der streitet aber die Herstellung nachdrücklich ab. Also wohl mal in erster Linie Bestandteil von üblen Post-Scheidungs-Nachwehen.

Daher fordert Birrer nun gesetzliche Massnahmen, was sonst. Denn falls nicht: «Handeln wir nicht, senden wir als Gesellschaft ein fatales Signal: Es ist irgendwie in Ordnung, aus realen Frauen virtuelle Sexmaschinen zu machen.»

Man fragt sich bei solchem Gebrabbel schon, was Birrer dazu qualifiziert, Chefredaktorin zu sein. Ausser ihrem Frausein. Man fragt sich als Mann auch: gibt es eigentlich solche Deepfakes nur von Frauen? Ausschliesslich? Ach so, Männer sind ja Schweine, da macht da nix bei ihnen. Keanu Reeves und andere sollen sich nicht so haben und das Feld den protestierenden Frauen überlassen.

ZACKBUM hält zu Gnaden: es gibt auch Männer mit Problemen.

Nicht nur Frauen können sich ausheulen, das können auch Männer.

Die haben dann noch ganz andere Probleme:

Aber da spricht wieder niemand vom «Gender-Prostata-Gap». Das interessiert die weibliche Sicht der Tages-Anzeigerin halt nicht, weil Frauen keine haben.

Und last, but not least, dieser Mann hat dann wirklich ein Problem:

«Es war der schmerzhafteste Stierangriff meines Lebens», soll der Torrero im Spital gesagt haben. Tja, wenn der Stier den Spiess umdreht, nicht wahr.

So nebenbei, niemand konnte das schöner beschreiben als Ernest Hemingway. Wer’s unter unseren gebildeten Lesern nicht kennt: «Tod am Nachmittag». Wie schreibt er da so richtig: «Es gibt keinen großen Stierkämpfer, der nicht früher oder später aufgespiesst wird.» Gut, es sind dann doch 544 Seiten in der Rowohlt-Ausgabe, dafür aber auch mit 81 Fotos.

Das alles findet sich am 21. April 2026 auf der Homepage des Tamedia-Kopfblattsalats. Natürlich ohne Hemingway. Als hätte Mattea Meyer den Startschuss gegeben, dass eigentlich nur noch gejammert, gelitten und geblubbert werden soll. Das Schicksal eines verpeilten Wals, der ums Verrecken nicht in tiefere Gewässer schwimmen, aber auch nicht abkratzen will, interessiert mindestens so wie die neusten Entwicklungen in der Prostatakrebs-Früherkennung oder der neu entdeckte «Gender Sleep Gap».

Und Opfer, das ist mal klar, sind ausschliesslich Frauen. Oder Wale. Wobei Timmys Geschlecht nicht bekannt ist (die Bestimmung soll bei Walen auch ziemlich tricky sein). Aber typisch männliche Weltsicht, DER Wal ist ein Er …

Das grösste Opfer ist und erbringt aber der Leser, gleich welchen Geschlechts. Der soll sich um das Schicksal von sogenannten Influencern bekümmern und zur Kenntnis nehmen, dass Deepfakes ausschliesslich mit Frauen hergestellt werden, die zu «virtuellen Sexmaschinen» gemacht würden.

Zugegeben, wir wiederholen uns, aber wir sind ja auch männlich: so fährt sich dieser Kopfblatt-Salat selber gegen die Wand, erfüllt Pietro Supinos grössten Traum: dass er sich endlich von diesen Print- und Newsmedien verabschieden kann. Denn Phantom-News führen zum Ableben, und es bleibt nur ein Phantomschmerz.

5 Kommentare
  1. Manfred
    Manfred sagte:

    Eigentlich wollen alle nur News über sich selber lesen. Ich beobachte sogar, dass Schaufenster oft nur verwendet werden, um das Spiegelbild zu überprüfen. Aus dieser Perspektive ist klar, warum so oft das Innerste nach Aussen gedreht wird. Da kann Zackbum noch so zetern. Der moderne Mensch kapituliert auf diese Weise zunehmend vor der Unverständlichkeit der Welt.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Artikel in der SZ:

    Collien Fernandes
    „Ich empfinde das als krassen Psychoterror“.

    Bestimmt nächstens unter einem anderen Titel im TA zu lesen.
    Nie ein Artikel warum Leute noch so bescheuert sind und sich in den asozialen Medien umtun! Warum die Geilheit auf Öffentlichkeit den Verstand wenn vorhanden ausser Kraft setzt.

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Ja, Brunner, das sind doch die Artikel die schmerzlich fehlen: Warum Leute noch [?] so bescheuert sind und sich in den asozialen Medien umtun. Und warum die Geilheit auf Öffentlichkeit den Verstand wenn vorhanden ausser Kraft setzt.
      Jeder will halt über dasjenige lesen, was ihn selber am meisten betrifft. Und sich anschliessend ausser Kraft gesetzt in den Leserbriefseiten umtun.

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  3. Mathias Wyss
    Mathias Wyss sagte:

    Einen kranken Wal um jeden Preis retten wollen. Gleichzeitig Hunderte Windräder, euphemistisch Windfarmen oder -parks genannt, in den Meeresgrund rammen. Deutschland in a nutshell. Und die Schweizer Medien schauen interessiert zu.

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